Epta Piges — „Sieben Quellen" — liegt im bewaldeten Hinterland der Ostküste, ein paar Kilometer landeinwärts von Kolymbia und rund eine halbe Autostunde südlich von Rhodos-Stadt. Wo sich an der Küste im Sommer die Hitze staut, ist es hier unter alten Platanen, Pinien und Oleander spürbar kühler und feuchter. Ein kleiner Bach plätschert durch das schmale Tal, frei laufende Pfauen, Enten und kleine Schildkröten gehören zum Bild. Das Ganze wirkt weniger wie eine „Sehenswürdigkeit" als wie ein gepflegter Waldpark — und genau das ist der Reiz: ein grüner, schattiger Gegenpol zu Strand und Asphalt.
Was das Tal ausmacht
Den Namen geben sieben kleine Karstquellen, die am Fuß der bewaldeten Hänge austreten und sich zu einem Bach sammeln — einem Zufluss des Flüsschens Loutanis. Vom Eingang führt ein bequemer, weitgehend ebener Pfad den Wasserlauf entlang, vorbei an kleinen Brücken, Sitzbänken und einer Taverne mitten im Schatten. Es ist eine kurze Strecke, kein Wanderweg: Die meisten Gäste sind in einer guten Stunde durch, mit Pause unter den Bäumen entsprechend länger. Wer mehr will, findet im weiteren Talverlauf alte Mühlenreste und ruhigere Ecken, in denen sich die Menschenmenge vom Eingang verliert.
Das Tal ist kein isoliertes Idyll, sondern Teil eines großen Schutzgebiets: Es liegt im Natura-2000-Gebiet GR4210006, das unter anderem auch das Tal der Schmetterlinge und den Berg Profitis Ilias umfasst. Im Loutanis-Bach lebt der Gizani (Ladigesocypris ghigii), ein nur fingerlanger, ausschließlich auf Rhodos vorkommender Süßwasserfisch, der als stark gefährdet gilt — ein guter Grund, das Wasser nicht zu verschmutzen und nichts auszusetzen oder mitzunehmen.
Der Wassertunnel
Das bekannteste — und sensibelste — Merkmal ist ein schmaler, künstlich angelegter Tunnel, durch den ein Teil des Quellwassers vom Talboden hinauf zum Stausee geleitet wird. Man kann hindurchwaten: knöchel- bis knietief im fließenden, kühlen Wasser, ohne jede Beleuchtung, an manchen Stellen so eng, dass kaum zwei Personen aneinander vorbeikommen. Die Länge wird unterschiedlich angegeben — meist rund 150 m, in manchen Quellen bis etwa 186 m. Wer durchgeht, tastet sich im Dunkeln voran, bis sich am Ende überraschend der Blick auf den See öffnet. Für viele ist genau das der Höhepunkt des Besuchs; man sollte aber wissen, worauf man sich einlässt.
Der See und die Natur
Am oberen Ende liegt ein kleiner Stausee mit Wehr und Wasserfall, halb vom Wald verschluckt. Angelegt wurde er samt Tunnel und Kanälen in der italienischen Kolonialzeit: Baubeginn um 1920, fertiggestellt 1931, um das Wasser der Quellen zu fassen und die landwirtschaftliche Ebene Richtung Küste zu bewässern. In dieser Logik entstand wenige Jahre später auch das planmäßige Bauerndorf bei Kolymbia, damals Villaggio San Benedetto — die schnurgerade Eukalyptus-Allee dort stammt aus derselben Epoche. Der See gilt als einziger Ort auf Rhodos, an dem man im Süßwasser schwimmen kann; das Wasser ist allerdings kühl und im Hochsommer nicht üppig. Wer Ruhe sucht, findet sie eher hier oben am See als unten am Eingang.
Praktischer Besuch
Am bequemsten kommt man mit dem Mietwagen: Von der Schnellstraße der Ostküste nimmt man die Ausfahrt „Epta Piges / Seven Springs" kurz vor Kolymbia und folgt der schmalen Landstraße einige Kilometer ins Tal. Ohne Auto fährt man mit dem KTEL-Bus bis Kolymbia und legt den Rest per Taxi oder zu Fuß zurück — machbar, aber kein kurzer Spaziergang. Ein Parkplatz liegt ein Stück vor dem Eingang; für ihn wird üblicherweise eine kleine Gebühr verlangt. Der Talzugang selbst ist als Teil des Naturgebiets normalerweise frei und ohne feste Öffnungszeiten zugänglich. Konkrete Preise und Saisonzeiten der Taverne wechseln — am besten kurz vorher prüfen.
Für den Besuch reichen ein bis zwei Stunden; mit Tunnel, Seerundgang und Einkehr plant man großzügiger. Sinnvoll sind feste, am besten wasserfeste Schuhe, eine kleine Lampe für den Tunnel und etwas zu trinken. Die beste Zeit ist das Frühjahr bis in den Frühsommer, wenn der Bach gut Wasser führt und alles satt grün ist; im Hochsommer kann der Wasserlauf dünn werden, dafür ist der Schatten dann besonders willkommen.
Für wen sich der Besuch lohnt
Epta Piges ist ein dankbares Ziel für Familien und alle, die einen heißen Tag im Schatten verbringen wollen, ohne lange zu laufen — der Hauptweg ist kurz und kinderwagentauglich, Pfauen und Enten begeistern Kinder zuverlässig. Wer eine echte Wanderung sucht, wird hier nicht fündig: Das Tal ist klein und gepflegt, kein Wildnis-Erlebnis. Und wer mit dem Tunnel hadert, verpasst nichts Entscheidendes — der oberirdische Weg führt genauso ans Ziel. Realistisch betrachtet ist es ein angenehmer Halb-Tages- oder Mittagsstopp, kein ganzer Ausflugstag.
Gut kombinierbar
Das Tal liegt ideal für eine Tour entlang der mittleren Ostküste. In direkter Nähe locken der goldene Strand von Tsambika und, hoch über der Bucht, das Kloster Tsambika mit weitem Blick über die Küste. Auch der Ferienort Kolymbia mit seiner Eukalyptus-Allee ist nur wenige Minuten entfernt. Eine naheliegende Kombination: vormittags ans Meer, in der Mittagshitze ins kühle Tal, nachmittags wieder an den Strand.
Eines der größten Dörfer der Insel, leicht ins Hinterland gerückt: Alltags-Rhodos zwischen Zitrusgärten — mit einer Burg der Johanniter über den Dächern und Stegna, Tsambika und Agathi vor der Tür.



