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Steinhäuser von Embonas vor den schroffen Hängen des Attavyros
Ort · Inneres

Embonas

Das höchstgelegene Dorf von Rhodos und das Zentrum des Weinbaus: Embonas liegt an den Hängen des Attavyros — ein arbeitendes Bergdorf mit Weinkellern und Fleisch-Tavernen, den höchsten Gipfel der Insel direkt vor der Tür.

Embonas liegt an der Nordwestflanke des Attavyros, des mit rund 1.215 Metern höchsten Berges von Rhodos — und ist selbst das höchstgelegene Dorf der Insel. Wie hoch genau, hängt davon ab, wen man fragt: Die offiziellen Tourismusportale nennen mal 700, mal 800 Meter. Sicher ist, dass die Höhenlage der Schlüssel zu allem ist, was diesen Ort ausmacht. Die Luft ist spürbar kühler als an der Küste, die Hänge ringsum tragen Reben statt Hotels, und im Winter wird es hier oben ernsthaft kalt.

Knapp 1.200 Menschen sind hier gemeldet — für das dünn besiedelte Inselinnere ist das viel. Embonas ist kein verschlafenes Museumsdorf, sondern der Hauptort des Berglands und Sitz der Gemeindeeinheit Attavyros. Gelebt wird von Wein, Olivenöl, Honig und Viehzucht; der Tourismus kommt dazu — vor allem mittags, busweise, und dazu später mehr.

Das Weindorf am Berg

Das Leben des Dorfes läuft auf dem zentralen Platz zusammen, um den sich Tavernen, Kafenia und kleine Läden gruppieren. Verkauft wird, was die Umgebung hergibt: Wein, Olivenöl, Honig, eingelegte Oliven, dazu Handarbeiten der Frauen des Dorfes. Wer klassische Sehenswürdigkeiten sucht, wird kaum fündig — ein kleines Volkskundemuseum nahe dem Platz ist die einzige „Attraktion“ im engeren Sinn, und genau das ist der Punkt: Embonas besichtigt man nicht, man isst, trinkt und schaut zu. Der Name des Dorfes soll übrigens vom griechischen ambon kommen — so nannten die Rhodier die Stellen, von denen aus die Berggipfel zugänglich waren.

In den offiziellen Broschüren erscheint Embonas gern als Folkloredorf: Trachten, Tanzgruppen, ein Dorfplatz, der traditionell als „Tanzboden“ des Ortes gilt. Diese Tradition ist real und wird auf den Dorffesten ernsthaft gepflegt — man sollte sie nur nicht mit dem Alltag verwechseln. An einem gewöhnlichen Vormittag ist Embonas ein Arbeitsdorf mit Pick-ups, Kaffeetischen und halb geschlossenen Läden; Trachten und Tänze sieht man vor allem dann, wenn das Dorf tatsächlich feiert, am verlässlichsten beim Weinfest im Sommer. Das touristische Bild stimmt also — aber nur an den Tagen, an denen es gerade nicht für Besucher aufgeführt wird.

Der Wein von Embonas

Dass ausgerechnet hier das Weinzentrum der Insel liegt, ist keine Marketingerfindung, sondern Geographie. Die Hauptanbauzone von Rhodos erstreckt sich über den zentralen Westen, und die Hochlagen an den Hängen des Attavyros — neben Embonas unter anderem Agios Isidoros, Kritinia, Monolithos und Siana — sind das Kerngebiet der weißen Athiri-Traube, der Basis des geschützten Weißweins der Herkunftsbezeichnung „PDO Rhodos“. Die wichtigste rote Sorte heißt auf der Insel Amorgiano — anderswo in Griechenland kennt man sie als Mandilaria — und wächst eher in den tieferen Lagen Richtung Küste. Die Höhe macht den Unterschied: kühlere Nächte, langsamere Reife und eine Frische im Glas, die man einer so südlichen Insel nicht zutrauen würde.

Zwei Besonderheiten verleihen dem rhodischen Weinbau zusätzlich Profil. Die Reblaus, die im 19. und 20. Jahrhundert fast alle Weinberge Europas zerstörte, konnte sich auf Rhodos nie großflächig ausbreiten — in den Hochlagen des Attavyros stehen deshalb bis heute wurzelechte, teils sehr alte Rebstöcke. Und Rhodos gilt traditionell als führende Quelle des griechischen flaschenvergorenen Schaumweins: Die Kellerei CAIR, 1928 während der italienischen Zeit gegründet und seit 1954 im Besitz des Genossenschaftsverbands des Dodekanes, sitzt zwar bei Rhodos-Stadt, verarbeitet als Genossenschaftsbetrieb aber die Trauben rhodischer Winzer. Neben dem trockenen „PDO Rhodos“ trägt noch eine zweite geschützte Herkunft den Inselnamen: der süße Muskat „PDO Muscat of Rhodes“.

Verkosten lässt sich das alles direkt im Ort. Mehrere Kellereien in und um Embonas haben Verkostungsräume, die in der Saison meist ohne Anmeldung offen stehen. Der bekannteste Name ist die Familienkellerei Emery — der größte Betrieb des Dorfes, mit geführten Touren und Verkostung. Daneben halten kleinere, traditionelle Häuser dagegen: das Weingut Kounaki (auch Kounakis), das seine Geschichte bis 1928 zurückführt und Besucher zur Verkostung empfängt, sowie das Weingut Alexandris, ein Familienbetrieb in zweiter Generation mit Rot- und Weißweinen. In den kleinsten Betrieben schenkt der Winzer selbst ein. Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Manche Verkostungsstube an der Durchgangsstraße ist sichtbar auf Busgruppen und schnellen Flaschenverkauf eingerichtet. Wer mehr will als drei Schlucke im Stehen, fragt gezielt nach den trockenen Athiri-Weißweinen, nimmt sich Zeit — und kauft am Ende, was schmeckt, nicht, was am süßesten ist.

Tavernen & Essen

Die zweite Säule neben dem Wein ist das Fleisch. Embonas hat sich den Ruf erarbeitet, der beste Ort der Insel für Gegrilltes zu sein: An den Hängen des Attavyros weiden Ziegen und Schafe, und in den Tavernen landet, was hier oben aufwächst — Lamm und Zicklein vom Holzkohlegrill, langsam gedrehte Spieße, geschmorte Töpfe, dazu einfache Beilagen, Brot und der offene Wein des Hauses. Gekocht wird ohne große Geste: Der Maßstab ist nicht die Präsentation, sondern die Qualität des Fleisches, und die Portionen sind verlässlich größer als an der Küste.

Auch hier gilt der Busrhythmus: Mittags füllen Reisegruppen die größeren Häuser, am Abend gehört der Ort wieder sich selbst — wer in Ruhe essen will, kommt spät und sitzt dann zwischen Einheimischen. Auf einzelne Lokalempfehlungen verzichten wir bewusst; die Tavernen liegen dicht beieinander, das Angebot ähnelt sich, und der beste Indikator ist wie überall in Griechenland der Blick darauf, wo die Einheimischen sitzen. Was die rhodische Küche insgesamt ausmacht, steht im Überblick Essen und Trinken.

Der Attavyros

Über allem steht der Berg. Der Attavyros ist mit rund 1.215 Metern der höchste Punkt der Insel, und Embonas ist der übliche Ausgangspunkt für seine Besteigung: Vom Ortsrand führt ein markierter, aber nicht durchgehend verlässlicher Pfad in etwa zwei bis zweieinhalb Stunden auf den kahlen Gipfel, auf dessen Kamm die Reste eines antiken Zeus-Heiligtums liegen; für die gesamte Runde sind vier bis fünf Stunden zu veranschlagen. Der Aufstieg ist schattenlos und konditionell fordernd — im Hochsommer keine gute Idee. Route, Ausrüstung, Sicherheit und die Geschichte des Heiligtums stehen ausführlich im eigenen Beitrag zum Attavyros; wie sich die Tour in die übrigen Wanderungen der Insel einordnet, zeigt der Überblick Wandern auf Rhodos. Wem der kahle, schattenlose Attavyros zu fordernd ist, findet wenige Kilometer nördlich mit dem bewaldeten Profitis Ilias die sanftere Bergalternative — schattige Pfade im Kiefernwald statt offener Gipfelaufstieg.

Praxis: Anfahrt

Embonas erreicht man praktisch nur mit dem Mietwagen. Von Rhodos-Stadt sind es je nach Route gut 50 Kilometer und etwa eineinhalb Stunden: über die Westküstenstraße bis Kalavarda und dann auf der Bergstraße hinauf — oder weiter an der Küste bis Skala Kameirou und über Kritinia. Die Bergstraßen sind kurvig, aber asphaltiert und gut zu fahren; geparkt wird am Ortsrand oder entlang der Durchgangsstraße. Busverbindungen nach Embonas existieren, sind aber selten und für einen Tagesausflug kaum praktikabel — wer ohne eigenes Auto kommt, ist auf organisierte Touren angewiesen, die das Dorf allerdings meist nur für den Mittagsstopp anfahren.

Beste Zeit

Die Höhenlage verschiebt die Jahreszeiten. Im Hochsommer ist Embonas eine wohltuende Flucht vor der Küstenhitze — die Abende können selbst im August frisch werden, eine leichte Jacke gehört ins Gepäck. Im Winter wird es kalt, und vieles, was sich an Besucher richtet, ruht. Die schönsten Monate sind Mai und Juni, wenn die Hänge noch grün sind, und der September, wenn rund um das Dorf gelesen wird; das Weinfest im August ist die lebhafteste, aber auch vollste Zeit des Jahres. Für die Besteigung des Attavyros gelten eigene Regeln: ideal sind Frühjahr und Herbst, der Hochsommer scheidet aus.

Kombinieren: die Westküsten-Runde

Embonas liegt ideal für eine Tagesrunde durch den wilden Westen der Insel. Die klassische Schleife: an der Westküste nach Süden, hinauf zur Johanniterburg von Kritinia mit ihrem weiten Küstenblick, weiter über die Bergstraße nach Embonas zum Mittagessen und zur Verkostung, danach über Siana — vorbei an einem als Naturdenkmal geschützten Zypressenwald an der Straße — ins stille Monolithos mit seiner Burg auf dem Felsen, und zurück entlang der Küste mit einem Halt im kleinen Hafen von Skala Kameirou. Wer die ganze Insel in einer Woche fahren will, findet diese Runde als Baustein in der 7-Tage-Route.