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Reisetipps

Essen und Trinken auf Rhodos

Rhodos isst gut, wenn man die Logik kennt: Mezedes für den Tisch teilen, Fisch nach Gewicht nicht überzahlen, und die Inselspezialitäten von Pitaroudia bis Melekouni probieren. Dazu Wein und Souma aus Embonas, Essenszeiten und der Umgang mit Leitungswasser — sachlich eingeordnet.

11 Min. LesezeitAktualisiert 13. Juni 2026

Auf Rhodos kann man sehr gut essen — wenn man weiß, wie. Die griechische und speziell die rhodische Küche ist keine Küche der großen Geste, sondern der einfachen, frischen Zutaten: Olivenöl, Brot und Getreide, Kräuter wie Oregano und Thymian, Tomaten, Wildgemüse, Lamm und Ziege, Fisch und Meeresfrüchte. Die Insel liegt an einer alten Kreuzung der Kulturen, und Jahrhunderte unter Byzantinern, Johannitern, Osmanen und Italienern haben in der Inselküche Spuren hinterlassen — der mediterrane Kern ist dabei immer geblieben.

In den Hauptgassen der Altstadt von Rhodos-Stadt, in Lindos und in Faliraki dominieren dagegen Restaurants mit langer, bebilderter Karte und Personal, das aktiv anspricht. Das funktioniert, hat aber selten viel mit echter rhodischer Küche zu tun. Die spannenderen Adressen liegen meist eine oder zwei Straßen weiter, sind ruhiger und arbeiten mit kleinerem Angebot.

Die rhodische Küche: einfach, regional, mediterran

Die Basis der Inselküche kommt vom eigenen Land: Weizen und Oliven von den fruchtbaren Böden, dazu Honig, Nüsse, Früchte und Kräuter aus den Bergdörfern. Typisch sind Bulgur und Trahanas, Nudelformen wie Hilopites, gefüllte Gemüse (Tomaten, Paprika, Zucchini) und Eintöpfe mit Wildkräutern wie Vlita und Portulak. Fleisch heißt hier oft Ziege und Lamm — an den Hängen des Berglands weiden die Tiere, und entsprechend gut ist das Gegrillte. Fisch und Meeresfrüchte kommen aus der Ägäis, sind aber, anders als viele erwarten, nicht automatisch billig.

Wer den Unterschied zwischen Tourismus-Küche und echter Inselküche schmecken will, sucht gezielt nach den traditionellen Gerichten: gefüllte Gemüse aus dem Ofen, geschmorte Ziege im Tontopf, Wildkräuter mit Olivenöl und Zitrone — und die kleinen, würzigen Spezialitäten, die es so nur hier gibt.

Spezialitäten, die man probieren sollte

Drei rhodische Spezialitäten gehören auf jede Reise — und keine davon steht in den großen Touristenrestaurants im Mittelpunkt:

  • Pitaroudia — die wohl bekannteste Inselspezialität: würzige, in Öl ausgebackene Kichererbsenbällchen mit Zwiebel, Tomate und Minze. Das offizielle griechische Tourismusportal führt sie als typische rhodische Vorspeise; in manchen Dörfern werden sie auch mit Kürbis oder Zucchini gemacht. Klassiker auf dem Mezedes-Teller, vor allem in den Tavernen des Inselinneren.
  • Melekouni — ein Konfekt aus Sesam und Thymianhonig mit Mandeln, Orangenschale und Gewürzen, in rautenförmige Stücke geschnitten. Traditionell wird es zu Verlobungen, Taufen und Hochzeiten gereicht; früher verschickte man statt einer Einladung ein kleines Stück Melekouni. Seit 2018 trägt es als Melekouni Rhodos eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) der EU.
  • Gefülltes und Geschmortes — Dolmades (gefüllte Weinblätter), gefüllte Gemüse, geschmorte Ziege im hohen Tontopf (lokal pydiako) und Schnecken in Tomatensoße mit Zwiebeln und Kreuzkümmel zählen zu den typischen rhodischen Hausgerichten.

Dazu kommen die griechischen Klassiker, die überall verlässlich sind — und das Beste daran ist meist nicht das einzelne Gericht, sondern wie man sie kombiniert.

Mezedes — wie man auf Rhodos wirklich isst

Der größte Unterschied zur mitteleuropäischen Esspraxis: Man bestellt nicht pro Person ein Hauptgericht, sondern mehrere kleine Speisen für den Tisch. Mezedes sind kleine Teller zum Teilen — verwandt mit den spanischen Tapas — und tragen einen sozialen Kern: Es geht ums gemeinsame Sitzen, Reden und Probieren, nicht ums schnelle Sattwerden. Typisch sind vier bis sechs Mezedes für zwei Personen, dazu Brot und Getränke; erst danach entscheidet man, ob noch ein Hauptgang dazu muss.

Diese Art zu essen hat zwei Vorteile: Man probiert mehr Aromen und vermeidet die oft viel zu großen Einzelportionen, die in touristischen Restaurants üblich sind. Lokale mit klarem Mezedes-Fokus heißen oft mezedopolío — dort liegt der Schwerpunkt bewusst auf den kleinen Tellern.

Verlässliche Klassiker, die fast immer funktionieren:

  • Tzatziki, Taramosalata, Melitzanosalata — die drei klassischen Dips mit Brot
  • Saganaki — gebratener Käse, oft mit Honig oder Zitrone
  • Dolmadakia — gefüllte Weinblätter
  • Horta — Wildgemüse mit Olivenöl und Zitrone
  • Gegrillter Oktopus oder Calamari
  • Stifádo — geschmortes Ziegen- oder Rindfleisch mit Schalotten und Wein
  • Souvláki, Gýros oder Kontosoúvli vom Holzkohlegrill
  • Pitaroudia — die rhodischen Kichererbsenbällchen (siehe oben)

In Familientavernen lohnt die gezielte Frage nach stifádo mit Ziege — das ist häufig der versteckte Star der Karte und steht nicht immer auf der gedruckten Speisekarte.

Woran man eine gute Taverne erkennt

Die meisten verlässlichen Tavernen folgen ähnlichen Mustern:

  • Überschaubare Karte mit etwa 10–15 Gerichten
  • Tageskarte oder Tafel — oft nur auf Griechisch
  • Wenig Personal, ruhiger Ablauf, viele Stammgäste
  • Keine aktive Ansprache auf der Straße
  • Kein Foto-Display vor der Tür

Sicheres Warnsignal: eine sehr lange Karte mit Pizza, Burger, Schnitzel und „authentic Greek“ in derselben Spalte. Das schließt Qualität nicht aus, bedeutet aber fast immer, dass viel vorgekocht oder aufgewärmt wird. Der beste Indikator ist wie überall in Griechenland der Blick darauf, wo die Einheimischen sitzen.

Fisch: gut bestellen, ohne überrascht zu werden

Beim Fisch entstehen die meisten Missverständnisse rund um den Preis. Frischer Fisch wird grundsätzlich nach Gewicht berechnet, nicht pro Portion. Üblicher Ablauf:

  • Der Wirt zeigt die Auswahl auf Eis, oft am Tisch oder an der Theke.
  • Der ausgewählte Fisch wird vor der Zubereitung gewogen — beim Wiegen unbedingt dabei sein.
  • Den Kilopreis vorher abklären und auf eine realistische Portion von rund 350 bis 500 g pro Person umrechnen.
  • Beilagen sind in der Regel einfach: Patátes, Wildgemüse, Salat.

Sehr günstige Fischgerichte sind meist Zuchtfisch oder tiefgekühlte Ware (Tintenfisch, Sardinen). Das ist nicht grundsätzlich schlecht, sollte aber bewusst gewählt werden. Echte Fisch-Hotspots sind kleine Hafenorte wie Stegna bei Archángelos, Skala Kameirou im Westen oder Kámiros Skála mit Blick auf Chalki.

Wein und Souma aus Embonas

Rhodos hat eine eigenständige, alte Weinkultur, und ihr Zentrum liegt im Bergland um Embonas am Fuß des Attavyros. Die Höhenlage ist der Schlüssel: kühlere Nächte, langsamere Reife, mehr Frische im Glas, als man einer so südlichen Insel zutrauen würde. Die wichtigste weiße Rebsorte ist Athíri, die Basis des trockenen Weißweins der geschützten Herkunft „g.U. Rhodos“; sie wächst in den Hochlagen des Attavyros. Die wichtigste rote Sorte heißt auf der Insel Amorgianó — anderswo in Griechenland als Mandilariá bekannt — und steht eher in den tieferen Lagen Richtung Küste. Eine Besonderheit: Die Reblaus erreichte Rhodos nie, deshalb stehen am Attavyros bis heute wurzelechte, teils sehr alte Reben.

Verarbeitet wird ein großer Teil der rhodischen Trauben von der Genossenschaftskellerei CAIR bei Rhodos-Stadt, die als Verband Dodekanischer Weinbaugenossenschaften die Trauben der Winzer aufnimmt und unter anderem den bekannten flaschenvergorenen Schaumwein der Insel herstellt. Daneben gibt es kleinere Familienbetriebe in und um Embonas mit eigenen Verkostungsräumen. Welche Güter sich lohnen, wie eine Verkostung abläuft und worauf man bei Busgruppen-Stuben achten sollte, steht ausführlich im Beitrag zu Embonas.

Neben Wein und den überall verbreiteten Spirituosen lohnt eine lokale Spezialität die Aufmerksamkeit: Souma, der rhodische Tresterbrand. Er ist ein klarer, aromatischer Schnaps, der laut dem offiziellen griechischen Tourismusportal auf Rhodos vor allem aus Traubentrester und Wein gebrannt wird — eine dodekanesische Verwandte von Ouzo und Tsipouro. Mit Wasser oder Eis wird er milchig wie Ouzo, getrunken wird er eiskalt und in kleinen Mengen, traditionell als Willkommensschluck. Gebrannt wird vor allem im Bergland, etwa in den Dörfern Siana und Embonas, klassisch Ende September nach der Lese.

Zum Vergleich die griechischen Standards: Ouzo wird mit Wasser auf Eis vermischt (Verhältnis etwa 1:3) und vor oder zum Essen getrunken, nicht danach. Das herbere Tsipouro ähnelt Grappa und wird oft pur in kleinen Karaffen gereicht. Beim Hauswein gilt: Er kommt in Karaffen (üblich 1 l Weiß, Rot oder Rosé) und ist meist solide. Beim Bier dominiert Mythos, daneben gibt es Alfa, Fix und zunehmend Craft-Biere kleinerer griechischer Brauereien.

In der Taverne: wie es läuft

Ein wirklich gutes Essen auf Rhodos ist weniger ein einzelnes Gericht als ein Ablauf — und der hat seine eigene Choreografie:

  • Wasser und Brot kommen meist von selbst; der kleine Gedeck-Posten dafür (oft 0,50 bis 1 € pro Person) ist in Tavernen üblich und legitim.
  • Mit drei oder vier Mezedes beginnen, statt direkt einen Hauptgang zu bestellen.
  • Zeit lassen — niemand erwartet schnelle Gangfolgen, und die Rechnung wird selten unaufgefordert gebracht.
  • Nach Bedarf nachbestellen, lieber in zwei Runden als alles auf einmal.
  • Am Ende einen Tsipouro, Souma oder ein Stück Halva vom Haus annehmen, wenn es kommt — das ist Teil des Abends.

Die kleine Aufmerksamkeit zum Schluss — ein Stück Süßgebäck, ein paar Trauben, ein Glas Likör — ist keine touristische Inszenierung, sondern alte Tavernenkultur. Man nimmt sie an, auch wenn man eigentlich satt ist. Wie bezahlt wird, was an Trinkgeld üblich ist und welche Kostenfallen rund ums Essen lauern, steht ausführlich unter Geld und Trinkgeld.

Leitungswasser, Frühstück, Essenszeiten

Leitungswasser: Das Trinkwasser auf Rhodos stammt überwiegend aus dem Gadouras-Stausee, ist aufbereitet und gechlort und erfüllt in Rhodos-Stadt und den großen Orten die üblichen Standards. Trinkbar ist es dort also in aller Regel — viele Einheimische und Gäste bevorzugen wegen des leicht mineralisch-chlorigen Geschmacks aber Flaschenwasser, das günstig und überall erhältlich ist. In abgelegenen Dörfern und älteren Unterkünften lohnt im Zweifel die Nachfrage an der Rezeption. Das ist eine Geschmacks- und Komfortfrage, kein Gesundheitsversprechen.

Frühstück: Ein klassisches Café-Frühstück ist auf Rhodos weniger verbreitet als bei uns; Hotels bieten meist ein Buffet, ansonsten dominiert am Morgen der Kaffee. Apropos Kaffee: Freddo Espresso und Freddo Cappuccino sind die Sommerklassiker — kalter, geschäumter Espresso, oft stundenlang am Tisch ausgesessen. Wer einen klassischen griechischen Kaffee bestellt, ordert ihn süß (glykós), mittel (métrios) oder ohne Zucker (skétos); den Bodensatz trinkt man nicht mit.

Essenszeiten: Die meisten Tavernen öffnen gegen 11 Uhr und schließen nach Mitternacht. Mittag wird zwischen 13 und 15 Uhr gegessen, das Abendessen selten vor 20 Uhr — die volle Atmosphäre setzt erst gegen 21:30 Uhr ein. Wer um 19 Uhr kommt, sitzt häufig allein. Auf Nachbarinseln gilt teils anderes: Auf Sými etwa machen viele Tavernen zwischen 15 und 17 Uhr Mittagspause — bei einem Tagesausflug einkalkulieren.

Vegetarisch, vegan und mit Kindern

Die griechische Küche ist für Vegetarier unkompliziert: Ein großer Teil der Mezedes ist ohnehin fleischlos — Dips, Horta, gefüllte Weinblätter, Pitaroudia, Saganaki, Gigantes (Riesenbohnen), gebackenes Gemüse. Wer rein vegan isst, wird mit den vielen nistísima-Gerichten fündig: Speisen für die orthodoxen Fastenzeiten, die traditionell ohne tierische Produkte auskommen (gefüllte Tomaten ohne Käse, Linsen, Wildkräuter, Bohnengerichte). Im Zweifel fragen, ob Joghurt, Feta oder Ei enthalten sind. Bei Allergien hilft, dass die meisten Tavernengerichte aus wenigen, klar erkennbaren Zutaten bestehen; Sesam (Tahini, Melekouni) und Nüsse sind allerdings weit verbreitet — bei entsprechender Allergie gezielt nachfragen.

Für Familien sind Tavernen entspannt: Kinder sind willkommen, das Teilen vom gemeinsamen Tisch passt gut zu kleinen Essern, und milde Klassiker wie Souvlaki, Pommes, Tzatziki, Reis oder gegrilltes Hähnchen funktionieren fast immer. Die späten Essenszeiten sind die einzige echte Umstellung — viele Familien essen einfach früher und nehmen in Kauf, dass es dann noch ruhig ist. Mehr zur Praxis mit Kindern steht unter Mit Kindern auf Rhodos.