Auf Rhodos kann man sehr gut essen, wenn man weiß, wo und wie. Die griechische und speziell die rhodische Küche ist keine Küche der großen Geste, sondern der einfachen, frischen Zutaten: Olivenöl, Brot und Getreide, Kräuter wie Oregano und Thymian, Tomaten, Wildgemüse, Lamm und Ziege, Fisch und Meeresfrüchte. Die Insel liegt an einer alten Kreuzung der Kulturen, und Jahrhunderte unter Byzantinern, Johannitern, Osmanen und Italienern haben in der Inselküche Spuren hinterlassen. Der mediterrane Kern ist dabei immer geblieben.
In den Hauptgassen der Altstadt von Rhodos-Stadt, in Lindos und in Faliraki dominieren dagegen Restaurants mit langer, bebilderter Karte und Personal, das aktiv anspricht. Das funktioniert, hat aber selten viel mit echter rhodischer Küche zu tun. Die spannenderen Adressen liegen meist eine oder zwei Straßen weiter, sind ruhiger und arbeiten mit kleinerem Angebot.
Die rhodische Küche: einfach, regional, mediterran
Die Basis der Inselküche kommt vom eigenen Land: Weizen und Oliven von den fruchtbaren Böden, dazu Honig, Nüsse, Früchte und Kräuter aus den Bergdörfern. Typisch sind Bulgur und Trahanas, Nudelformen wie Hilopites, gefüllte Gemüse (Tomaten, Paprika, Zucchini) und Eintöpfe mit Wildkräutern wie Vlita und Portulak. Fleisch heißt hier oft Ziege und Lamm, die an den Hängen des Berglands weiden; entsprechend gut ist das Gegrillte. Fisch und Meeresfrüchte kommen aus der Ägäis, sind aber, anders als viele erwarten, nicht automatisch billig.
Den Unterschied zwischen Tourismus-Küche und Inselküche schmeckt man am ehesten bei den traditionellen Gerichten: gefüllte Gemüse aus dem Ofen, geschmorte Ziege im Tontopf, Wildkräuter mit Olivenöl und Zitrone, dazu die kleinen, würzigen Spezialitäten, die es so nur hier gibt.
Spezialitäten, die man probieren sollte
Vier rhodische Spezialitäten gehören auf jede Reise, und keine davon steht in den großen Touristenrestaurants im Mittelpunkt:
- Pitaroudia: die wohl bekannteste Inselspezialität, würzige, in Öl ausgebackene Kichererbsenbällchen mit Zwiebel, Tomate und Minze. Das offizielle griechische Tourismusportal führt sie als typische rhodische Vorspeise; in manchen Dörfern werden sie auch mit Kürbis oder Zucchini gemacht. Fester Bestandteil des Mezedes-Tellers, vor allem in den Tavernen des Inselinneren.
- Melekouni: ein Konfekt aus Sesam und Thymianhonig mit Mandeln, Orangenschale und Gewürzen, in rautenförmige Stücke geschnitten. Traditionell wird es zu Verlobungen, Taufen und Hochzeiten gereicht; früher verschickte man statt einer Einladung ein kleines Stück Melekouni. Seit 2018 trägt es die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) Melekouni der EU, die an Rhodos gebunden ist.
- Gefülltes und Geschmortes: Dolmades (gefüllte Weinblätter), gefüllte Gemüse, geschmorte Ziege im hohen Tontopf (lokal pydiako) und Schnecken in Tomatensoße mit Zwiebeln und Kreuzkümmel zählen zu den typischen rhodischen Hausgerichten.
- Käse aus den Bergdörfern: Ziegen- und Schafskäse aus dem Inselinneren, frisch als Mizithra oder gereift und salziger; oft als einfacher Teller mit Olivenöl und Oregano serviert. Nicht verwechseln: Der bekannte Krasotiri, der in Wein reift, ist eine Spezialität der Nachbarinsel Kos, nicht von Rhodos. Er taucht auf Rhodos zwar in Feinkostläden auf, gehört aber nicht zur Inselküche.
Süß wird es abseits von Melekouni mit Löffelsüßem (glyká tou koutalioú) aus Zitrusfrüchten, Feigen oder Walnüssen, mit Sesam-Honig-Riegeln (Pasteli), mit Joghurt und Thymianhonig und mit den Kürbis- und Melonenkuchen der Bergdörfer, die vor allem im Spätsommer nach der Ernte auftauchen. Dazu kommt die gesamtgriechische Tavernenküche, die überall verlässlich ist. Ihr Reiz liegt weniger im einzelnen Gericht als in der Kombination.
Mezedes: wie man auf Rhodos wirklich isst
Der größte Unterschied zur mitteleuropäischen Esspraxis: Man bestellt nicht pro Person ein Hauptgericht, sondern mehrere kleine Speisen für den Tisch. Mezedes sind kleine Teller zum Teilen, verwandt mit den spanischen Tapas, und sie haben einen sozialen Kern: Es geht ums gemeinsame Sitzen, Reden und Probieren, nicht ums schnelle Sattwerden. Typisch sind vier bis sechs Mezedes für zwei Personen, dazu Brot und Getränke; erst danach entscheidet man, ob noch ein Hauptgang dazu muss.
Diese Art zu essen hat zwei Vorteile: Man probiert mehr Aromen und vermeidet die oft viel zu großen Einzelportionen, die in touristischen Restaurants üblich sind. Lokale mit klarem Mezedes-Fokus heißen oft mezedopolío; dort liegt der Schwerpunkt bewusst auf den kleinen Tellern.
Was auf dem Tisch fast immer funktioniert:
- Tzatziki, Taramosalata, Melitzanosalata: die drei Standard-Dips mit Brot
- Saganaki: gebratener Käse, oft mit Honig oder Zitrone
- Dolmadakia: gefüllte Weinblätter
- Horta: Wildgemüse mit Olivenöl und Zitrone
- Gegrillter Oktopus oder Calamari
- Stifádo: geschmortes Ziegen- oder Rindfleisch mit Schalotten und Wein
- Souvláki, Gýros oder Kontosoúvli vom Holzkohlegrill
- Pitaroudia: die rhodischen Kichererbsenbällchen (siehe oben)
In Familientavernen hilft die gezielte Frage nach stifádo mit Ziege. Es ist häufig der versteckte Star der Küche und steht längst nicht immer auf der gedruckten Karte.
Woran man eine gute Taverne erkennt
Die meisten verlässlichen Tavernen folgen ähnlichen Mustern:
- Überschaubare Karte mit etwa 10–15 Gerichten
- Tageskarte oder Tafel, oft nur auf Griechisch
- Wenig Personal, ruhiger Ablauf, viele Stammgäste
- Keine aktive Ansprache auf der Straße
- Kein Foto-Display vor der Tür
Sicheres Warnsignal: eine sehr lange Karte mit Pizza, Burger, Schnitzel und „authentic Greek“ in derselben Spalte. Das schließt Qualität nicht aus, bedeutet aber fast immer, dass viel vorgekocht oder aufgewärmt wird. Der beste Indikator ist wie überall in Griechenland der Blick darauf, wo die Einheimischen sitzen.
Touristenfallen erkennen und meiden
Rhodos ist keine Insel der großen Abzocke. In den stark frequentierten Zonen allerdings, also in den Altstadtgassen von Rhodos-Stadt, an der Hauptachse von Lindos und an den Strandpromenaden von Faliraki und Pefkos, gibt es Betriebe, die vom Durchlauf leben statt von Wiederkehrern. Die Muster sind erkennbar:
- Schlepper vor der Tür. Ein Lokal, das Passanten aktiv anspricht, am Arm nimmt oder mit einem „free shot“ lockt, gewinnt seine Gäste nicht über die Küche. Ein freundliches Kopfschütteln reicht; nachhaken muss man nicht.
- Bebilderte Karten und Aufsteller mit Fotos. Fotos sind für Küchen gedacht, deren Gerichte immer gleich aussehen, also für vorportionierte Ware. Tavernen mit Tagesangebot brauchen sie nicht.
- Karte in sechs Sprachen ohne griechische Spalte. Wenn nirgends Griechisch steht, sind Einheimische nicht die Zielgruppe.
- Preise ohne Einheit. Besonders beim Fisch und bei Meeresfrüchten: Steht dort nur eine Zahl ohne „/kg“, unbedingt nachfragen, bevor bestellt wird.
- „Special of the day“ ohne Preis. Mündlich angebotene Tagesgerichte sind normal und oft gut. Der Preis gehört aber ins Gespräch und nicht als Überraschung auf die Rechnung.
- Beste Lage, leerer Innenraum. Ein Lokal in der Toplage mit Meerblick, in dem am Abend nur Kurzgäste sitzen, verkauft Aussicht. Die darf man gern bezahlen, nur eben wissentlich.
Die günstigste Gegenstrategie ist Geografie: Zwei Querstraßen landeinwärts oder ein Dorf im Hinterland kosten oft ein Drittel weniger bei besserem Essen. Mit Mietwagen isst man in den Bergdörfern deutlich besser und billiger als an der Promenade.
Preisniveau: was Essen auf Rhodos kostet
Die Preise schwanken stark nach Lage: Zwischen Altstadtgasse mit Meerblick und Dorftaverne liegen schnell 30 bis 50 Prozent. Als Größenordnung (Stand September 2026):
- Gyros Pita auf die Hand: etwa 3,50–5 €. Griechenlandweit sind die Preise seit 2022 deutlich gestiegen; in Athen liegt die Spanne 2026 bei rund 3,80–5 €, auf den Inseln höher. In den Touristenzonen von Rhodos sind 5–6 € inzwischen keine Ausnahme mehr.
- Hauptgericht in der Taverne (Souvlaki-Teller, Moussaka, Stifado): meist 10–16 €, in Lindos und Pefkos eher 12–18 €, in einfachen Dorftavernen darunter.
- Mezedes: kleine Teller je 4–8 €, Dips und Horta am unteren Rand, Oktopus und Garnelen am oberen.
- Hauswein: das Glas ab etwa 3 €, der halbe Liter in der Karaffe meist 4–7 €, der Liter 8–12 €. Flaschenweine von der Insel beginnen in der Taverne bei rund 15 €.
- Bier (0,5 l): etwa 3–5 €, an Strandbars auch darüber.
- Wasser: 0,5 l für rund 0,50 €, die große Flasche 1–1,50 € (im Supermarkt deutlich weniger, siehe unten).
- Frappé oder Freddo Espresso: etwa 3–4 €, an Promenaden und in der Altstadt auch mehr; dafür sitzt man so lange, wie man will.
- Frischer Fisch: nach Gewicht deutlich teurer als alles andere auf der Karte, Details im nächsten Abschnitt.
Zwei Personen kommen in einer normalen Taverne mit einigen Mezedes, einem Hauptgericht und Hauswein meist auf 40–60 €; mit frischem Fisch statt Fleisch werden daraus schnell 70–90 €. Ein Tagesbudget fürs Essen von etwa 25–35 € pro Person ist realistisch, wenn mittags etwas Kleines und abends in einer Taverne gegessen wird. Konkrete Sparstrategien stehen im Beitrag Rhodos mit kleinem Budget.
Fisch: gut bestellen, ohne überrascht zu werden
Beim Fisch entstehen die meisten Missverständnisse rund um den Preis. Frischer Fisch wird grundsätzlich nach Gewicht berechnet, nicht pro Portion. Üblicher Ablauf:
- Der Wirt zeigt die Auswahl auf Eis, oft am Tisch oder an der Theke.
- Der ausgewählte Fisch wird vor der Zubereitung gewogen; beim Wiegen unbedingt dabei sein.
- Den Kilopreis vorher abklären und auf eine realistische Portion von rund 350 bis 500 g pro Person umrechnen.
- Beilagen sind in der Regel einfach: Patátes, Wildgemüse, Salat.
Warum überhaupt nach Gewicht? Weil frischer Fisch Tagesware ist: Der Fang wechselt mit Wetter und Saison, Größe und Art lassen sich nicht standardisieren, und ein Fixpreis pro Portion würde entweder die Taverne oder den Gast benachteiligen. Die Kilopreise (Stand September 2026) liegen grob so: Zuchtfisch wie Tsipoúra (Dorade) und Lavráki (Wolfsbarsch) meist 45–55 € pro Kilo, Wildfang wie Fangrí oder Synagrída je nach Tag 70–90 € und mehr. Für zwei Personen mit einem gemeinsamen Fisch von etwa 700 bis 900 Gramm landet man beim Zuchtfisch also typischerweise bei 35–45 €, bei einem großen Wildfang leicht beim Doppelten.
Sehr günstige Fischgerichte sind meist Zuchtfisch oder tiefgekühlte Ware wie Tintenfischringe und Kalamari. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, sollte aber bewusst gewählt werden; auf griechischen Karten muss Tiefkühlware gekennzeichnet sein, meist mit einem Sternchen und Fußnote oder mit dem Wort κατεψυγμένο (katepsigméno, tiefgekühlt). Günstig und trotzdem gut sind die kleinen Sorten: gebratene Gávros (Sardellen), frittierte Marídes oder gegrillte Sardinen kosten als Portion meist 8–12 €. Echte Fisch-Hotspots sind die kleinen Hafenorte abseits der Hotelzonen, etwa Stegna bei Archángelos, Haraki an der Ostküste oder Skala Kameirou (auch Kámiros Skála) im Westen mit Blick auf Chalki.
Wein und Souma aus Embonas
Rhodos hat eine eigenständige, alte Weinkultur, und ihr Zentrum liegt im Bergland um Embonas am Fuß des Attavyros, mit 1.215 Metern der höchste Berg der Insel. Die Höhenlage ist der Schlüssel: kühlere Nächte, langsamere Reife, mehr Frische im Glas, als man einer so südlichen Insel zutrauen würde. Die wichtigste weiße Rebsorte ist Athíri, die Basis des trockenen Weißweins der geschützten Herkunft „g.U. Rhodos“; sie wächst in den Hochlagen des Attavyros. Die wichtigste rote Sorte heißt auf der Insel Amorgianó (anderswo in Griechenland als Mandilariá bekannt) und steht eher in den tieferen Lagen Richtung Küste. Eine Besonderheit: Die Reblaus erreichte die Hochlagen des Attavyros nie flächendeckend, deshalb stehen dort bis heute wurzelechte, teils sehr alte Reben.
Neben dem trockenen Weißwein hat die Insel eine zweite geschützte Herkunft: „g.U. Muskat von Rhodos“ (PDO Muscat of Rhodes), ein aromatischer, meist süßer Muskateller. Die Rebsorte geht auf die italienische Zeit zurück: Der Muscat di Trani kam mit den Italienern aus Apulien auf die Insel. Beide Herkunftsbezeichnungen wurden 1971 anerkannt. Steht „g.U. Rhodos“ oder „PDO Rhodos“ auf dem Etikett, stammen die Trauben garantiert von der Insel.
Verarbeitet wird ein großer Teil der rhodischen Trauben von der Kellerei CAIR bei Rhodos-Stadt. Sie wurde 1928 in der italienischen Zeit als Compagnia Agricola Industriale Rodi gegründet (daher das Kürzel) und ging 1954 an den Verband der Landwirtschaftsgenossenschaften des Dodekanes über, dem sie bis heute gehört. CAIR nimmt die Trauben der Genossenschaftswinzer auf und stellt unter anderem den bekannten flaschenvergorenen Schaumwein der Insel her. Daneben gibt es kleinere Familienbetriebe in und um Embonas mit eigenen Verkostungsräumen. Wie eine Verkostung abläuft und worauf man bei Busgruppen-Stuben achten sollte, steht ausführlich im Beitrag zu Embonas.
Neben dem Wein verdient eine lokale Spezialität Aufmerksamkeit: Souma, der rhodische Tresterbrand. Er ist ein klarer, aromatischer Schnaps, der laut dem offiziellen griechischen Tourismusportal auf Rhodos vor allem aus Traubentrester gebrannt wird, verwandt mit Tsipouro und Grappa. Traditionell kommt er ohne Anis in die Flasche und schmeckt deshalb anders als Ouzo; nur manche Brenner aromatisieren beim zweiten Brennen, etwa mit Anis. Getrunken wird er eiskalt und in kleinen Mengen, traditionell als Willkommensschluck. Hergestellt wird Souma vor allem in den Bergdörfern Siana und Embonas. Die Arbeit beginnt Ende September direkt nach der Lese: Der Trester gärt zunächst rund einen Monat in Fässern, gebrannt wird im Spätherbst, meist von Ende Oktober bis in den November, und das Brennen ist in den Dörfern traditionell ein kleines Gemeinschaftsfest.
Herbsttipp: Im Oktober und November ist ein Abstecher nach Siana besonders reizvoll. Mit etwas Glück ist gerade ein Brennkessel in Betrieb, und der neue Jahrgang ist im Dorf frisch zu haben.
Zum Vergleich die griechischen Standards: Ouzo wird mit Wasser auf Eis vermischt (Verhältnis etwa 1:3) und vor oder zum Essen getrunken, nicht danach. Das herbere Tsipouro ähnelt Grappa und wird oft pur in kleinen Karaffen gereicht. Der Hauswein kommt als halber oder ganzer Liter in der Karaffe, weiß, rot oder rosé, und ist meist solide. Beim Bier dominiert Mythos, daneben gibt es Alfa, Fix und zunehmend Craft-Biere kleinerer griechischer Brauereien.
In der Taverne: wie es läuft
Ein gutes Essen auf Rhodos folgt einer eigenen Choreografie:
- Wasser und Brot kommen meist von selbst auf den Tisch.
- Mit drei oder vier Mezedes beginnen, statt direkt einen Hauptgang zu bestellen.
- Zeit lassen: Niemand erwartet schnelle Gangfolgen, und die Rechnung wird selten unaufgefordert gebracht.
- Nach Bedarf nachbestellen, lieber in zwei Runden als alles auf einmal.
- Am Ende einen Tsipouro, Souma oder ein Stück Halva vom Haus annehmen, wenn es kommt.
Die kleine Aufmerksamkeit zum Schluss, ob Süßgebäck, ein paar Trauben oder ein Glas Likör, ist keine Inszenierung für Touristen, sondern alte Tavernenkultur. Man nimmt sie an, auch wenn man längst satt ist.
Leitungswasser, Frühstück, Essenszeiten
Leitungswasser: Das Trinkwasser auf Rhodos stammt überwiegend aus dem Gadouras-Stausee und wird aufbereitet und gechlort. Es gilt als trinkbar, schmeckt aber oft nach Chlor; viele greifen deshalb zu Flaschenwasser, das günstig und überall erhältlich ist. In abgelegenen Dörfern und älteren Unterkünften fragt man im Zweifel an der Rezeption nach.
Frühstück: Ein Café-Frühstück mit Rührei und Brotkorb nach mitteleuropäischem Muster ist auf Rhodos wenig verbreitet; Hotels bieten meist ein Buffet, ansonsten dominiert am Morgen der Kaffee. Das griechische Alltagsfrühstück kommt aus der Bäckerei (foúrnos): Koulouri, der Sesamkringel, für rund 1 €, Tyrópita oder Spanakópita (Blätterteigtaschen mit Käse oder Spinat) für etwa 2–3,50 €, dazu Bougatsa mit Grießcreme. So frühstückt man für unter 5 € und oft besser als am durchschnittlichen Hotelbuffet. Die Alternative ist Joghurt mit Thymianhonig und Nüssen.
Essenszeiten: Die meisten Tavernen öffnen gegen 11 Uhr und schließen nach Mitternacht. Mittag wird zwischen 13 und 15 Uhr gegessen, das Abendessen selten vor 20 Uhr, und richtig voll wird es erst gegen 21:30 Uhr. Um 19 Uhr sitzt man häufig allein. Auf Nachbarinseln gilt teils anderes: Auf Sými etwa machen viele Tavernen zwischen 15 und 17 Uhr Mittagspause, was bei einem Tagesausflug nach Symi in die Planung gehört.
Kaffee, Frappé und die Kunst des Sitzenbleibens
Kaffee ist in Griechenland weniger Getränk als Zeiteinheit. Man bestellt einen, sitzt zwei Stunden, und niemand räumt ab oder legt ungefragt die Rechnung hin. Mit diesem Wissen sieht man Cafépreise anders: 3,50 € für einen Freddo sind die Miete für einen Platz mit Aussicht, nicht der Preis für 200 ml Flüssigkeit.
- Frappé: seit den 1950ern der griechische Sommerkaffee schlechthin, löslicher Kaffee, kalt aufgeschäumt, mit Eis. Bestellt wird er nach Süße und Milch: skétos (ohne Zucker), métrios (mittel), glykós (süß), jeweils me gála (mit Milch) oder ohne.
- Freddo Espresso und Freddo Cappuccino: die moderne Variante aus Espresso, geschüttelt und über Eis serviert, der Cappuccino mit kalt geschäumter Milchhaube. Heute die häufigste Bestellung auf der Insel.
- Ellinikós kafés: der griechische Kaffee im Kupferkännchen, langsam aufgekocht, mit denselben Süßegraden wie beim Frappé. Der Bodensatz bleibt in der Tasse, den letzten Schluck lässt man stehen.
- Getränke sonst: Mineralwasser mit Kohlensäure ist seltener als bei uns und heißt anthrakoúcho; frisch gepresster Orangensaft kostet 3–4 €. Alkoholfreie Alternativen am Abend sind Zitronenlimonade, griechischer Bergtee (tsái tou vounoú) und Kamille, praktisch für alle, die noch fahren.
Bezahlt wird im Café wie in der Taverne meist erst beim Gehen, und zwar drinnen an der Kasse oder durch Handzeichen. Der Kellner drängt nicht, man muss ihn aktiv holen.
Supermarkt, Bäckerei und Selbstversorgung
Im Studio oder Apartment mit Küche lassen sich die Essenskosten leicht halbieren. Die großen griechischen Ketten sind in Rhodos-Stadt, Ialyssos, Faliraki und Archángelos vertreten; in kleineren Orten gibt es Mini-Märkte mit spürbar höheren Preisen. Grobe Orientierung (Stand September 2026):
- Wasser 1,5 l: unter 0,50 €, im Sechserpack günstiger. Über zwei Wochen spart das gegenüber Kiosk und Taverne einen zweistelligen Betrag.
- Brot vom Fournos: 1–2 € pro Laib.
- Feta: rund 6–9 € pro Kilo, Oliven und Olivenöl deutlich billiger als in Deutschland.
- Tomaten, Gurken, Melonen im Sommer sehr günstig; Wochenmarkt (laikí) schlägt den Supermarkt bei Obst und Gemüse.
- Bier aus dem Markt: rund 1–1,50 € die Flasche statt 3–5 € in der Bar.
- Ein Wocheneinkauf mit Basics für zwei Personen liegt bei etwa 40–70 €.
Ein bewährter Spar-Rhythmus auf Rhodos: morgens Bäckerei, mittags Gyros oder Picknick vom Markt, abends einmal richtig in der Taverne. Zwei Warnungen: Strandkioske und Läden direkt an den Hotelzonen verlangen oft 30 bis 50 Prozent mehr als der Supermarkt zwei Straßen weiter, und viele Läden im Inselinneren schließen sonntags sowie nachmittags zwischen 14 und 17 Uhr.
Vegetarisch, vegan und mit Kindern
Die griechische Küche ist für Vegetarier unkompliziert: Ein großer Teil der Mezedes ist ohnehin fleischlos, etwa Dips, Horta, gefüllte Weinblätter, Pitaroudia, Saganaki, Gigantes (Riesenbohnen) und gebackenes Gemüse. Vegan Essende finden bei den vielen nistísima-Gerichten einen guten Ausgangspunkt: Speisen für die orthodoxen Fastenzeiten, traditionell ohne Fleisch, Milchprodukte und Eier (gefüllte Tomaten ohne Käse, Linsen, Wildkräuter, Bohnengerichte). Rein pflanzlich sind sie nicht automatisch, denn Tintenfisch, Meeresfrüchte und Fischrogen wie in der Taramosalata gelten an den meisten Fastentagen als erlaubt. Diese Fastenküche ist kein Nischenphänomen: Vor Ostern, vor Weihnachten und an vielen Mittwochen und Freitagen kochen Tavernen ohnehin fleisch- und oft milchfrei, und in der Fastenzeit weisen manche Karten die nistísima eigens aus. Dann ist die pflanzliche Auswahl am größten. Im Zweifel fragen, ob Joghurt, Feta, Ei, Meeresfrüchte oder Fischrogen enthalten sind; der Satz „Écheis káti nistísimo?“ (Haben Sie etwas Fastentaugliches?) wird sofort verstanden und ist verlässlicher als das Wort „vegan“. Bei Allergien hilft, dass die meisten Tavernengerichte aus wenigen, klar erkennbaren Zutaten bestehen; Sesam (Tahini, Melekouni) und Nüsse sind allerdings weit verbreitet, bei entsprechender Allergie also gezielt nachfragen.
Für Familien sind Tavernen entspannt: Kinder sind willkommen, das Teilen vom gemeinsamen Tisch passt gut zu kleinen Essern, und milde Gerichte wie Souvlaki, Pommes, Tzatziki, Reis oder gegrilltes Hähnchen funktionieren fast immer. Die späten Essenszeiten sind die einzige echte Umstellung. Viele Familien essen einfach früher und nehmen in Kauf, dass es dann noch ruhig ist. Mehr zur Praxis mit Kindern steht unter Mit Kindern auf Rhodos.
Praktisches: Reservierung, Bezahlen, Trinkgeld
Ein paar Handgriffe, die den Abend entspannter machen:
- Reservieren ist in Dorftavernen unnötig, in der Altstadt von Rhodos-Stadt und in Lindos zwischen Juni und September dagegen sinnvoll, vor allem für Tische mit Aussicht und für Gruppen ab vier Personen. Ein Anruf am Vormittag genügt meist.
- Kartenzahlung ist in Griechenland flächendeckend Pflicht und funktioniert auch in kleinen Tavernen; kontaktlos mit Karte oder Handy ist Standard. Bargeld braucht man trotzdem: für das Trinkgeld, für Bäckereien und Kioske, für kleine Betriebe im Inselinneren und für die Fälle, in denen „das Gerät heute nicht geht“.
- Rechnung: Sie kommt nicht von selbst. Blickkontakt und ein angedeutetes Kritzeln in der Luft reichen. Ein Beleg muss ausgestellt werden; kommt keiner, ruhig danach fragen.
- Trinkgeld ist eine Geste, keine Verpflichtung: aufrunden oder bei gutem Service 5 bis 10 Prozent, am besten bar auf den Tisch, auch wenn mit Karte bezahlt wurde. Was in Taxi, Hotel und auf Ausflügen üblich ist, steht im Beitrag Geld und Trinkgeld.
- Getrennt zahlen ist unüblich und mühsam, weil auf Mezedes-Art gemeinsam bestellt wird. Einer zahlt, der Rest gleicht später aus.
- Gedeck und Brot: Der Posten von meist 0,50 bis 1 € pro Person ist legitim, muss aber auf der Karte stehen. Brot, das ungefragt kommt und nicht angerührt wird, kann man zurückgehen lassen.
- Saison: In den Badeorten schließen viele Tavernen schon Ende Oktober, zwischen November und März bleibt ein großer Teil ganz zu. Im Winter isst man in Rhodos-Stadt und den größeren Dörfern, wo der Betrieb ganzjährig läuft.
- Rauchen: Das Rauchverbot in Innenräumen wird unterschiedlich streng gehandhabt; auf überdachten Terrassen wird geraucht. Empfindliche Gäste sitzen besser im Freien am Rand.
Häufige Fragen
- Was kostet ein Essen auf Rhodos?
- Ein Hauptgericht in einer normalen Taverne liegt 2026 bei etwa 10 bis 16 Euro, in Lindos und Pefkos eher bei 12 bis 18 Euro. Gyros Pita auf die Hand kostet 3,50 bis 5 Euro, in den Touristenzonen inzwischen auch bis 6 Euro. Zwei Personen zahlen für Mezedes, ein Hauptgericht und Hauswein meist 40 bis 60 Euro. Mit frischem Fisch werden daraus schnell 70 bis 90 Euro. Als Tagesbudget fürs Essen sind 25 bis 35 Euro pro Person realistisch (Stand September 2026).
- Warum wird Fisch auf Rhodos nach Gewicht verkauft?
- Frischer Fisch ist Tagesware: Art, Größe und Menge des Fangs wechseln täglich, deshalb lässt sich kein fester Portionspreis kalkulieren. Zuchtfisch wie Dorade oder Wolfsbarsch kostet meist 45 bis 55 Euro pro Kilo, Wildfang 70 bis 90 Euro. Ein gemeinsamer Fisch für zwei Personen wiegt 700 bis 900 Gramm und liegt damit beim Zuchtfisch bei rund 35 bis 45 Euro. Wichtig: den Kilopreis vor der Bestellung erfragen und beim Wiegen dabei sein.
- Kann man auf Rhodos das Leitungswasser trinken?
- Es gilt als trinkbar, schmeckt aber oft nach Chlor; viele greifen deshalb zu Flaschenwasser, das im Supermarkt sehr günstig ist. Das Wasser stammt überwiegend aus dem Gadouras-Stausee, wird aufbereitet, gechlort und nach europäischen Vorgaben kontrolliert. In abgelegenen Dörfern und älteren Unterkünften fragt man im Zweifel an der Rezeption nach.
- Gibt es auf Rhodos gute vegetarische und vegane Gerichte?
- Ja, und zwar ohne Sonderwünsche. Ein großer Teil der Mezedes ist ohnehin fleischlos: Dips, Wildgemüse, gefüllte Weinblätter, Riesenbohnen, gebackenes Gemüse und die rhodischen Kichererbsenbällchen Pitaroudia. Für rein pflanzliche Küche sind die Fastenspeisen der orthodoxen Küche ein guter Ausgangspunkt: ohne Fleisch, Milchprodukte und Eier, Tintenfisch, Meeresfrüchte und Fischrogen können aber dabei sein, deshalb im Zweifel nachfragen. Bei Sesam- oder Nussallergien hilft gezieltes Nachfragen, denn Tahini und Mandeln sind weit verbreitet.
- Wann wird auf Rhodos zu Abend gegessen?
- Deutlich später als in Mitteleuropa. Mittag wird zwischen 13 und 15 Uhr gegessen, das Abendessen beginnt selten vor 20 Uhr, und voll werden die Tavernen erst gegen 21:30 Uhr. Um 19 Uhr bekommt man fast immer einen Tisch, sitzt aber oft allein. Familien mit kleinen Kindern essen deshalb einfach früher, woran niemand Anstoß nimmt.






