Rhodos-Stadt liegt an der Nordspitze der Insel, dort wo die Ägäis auf das Mittelmeer trifft. Genau genommen besteht sie aus zwei Städten: der ummauerten mittelalterlichen Altstadt, einem der größten erhaltenen Festungsensembles Europas, und der jüngeren Neustadt, die im 20. Jahrhundert rund um den Mandraki-Hafen entstanden ist. Beide Hälften liegen unmittelbar nebeneinander und sind doch grundverschieden: hier Stein, enge Gassen und Patina, dort Boulevard, Promenade und italienische Verwaltungsarchitektur. Zugleich ist Rhodos-Stadt der Verkehrs-, Hafen- und Lebensmittelpunkt der Insel: Hier kommen die meisten an, hier beginnt für viele die Inselrundreise.
Zwei Städte in einer
Mit 56.440 Einwohnern in der Stadtgemeinde Rhodos (Volkszählung 2021) ist die Hauptstadt der einzige Ort der Insel, der auch ohne Tourismus funktioniert: Verwaltung, Universitätsstandort, Krankenhaus, Gerichte, Schulen und Reedereien sitzen hier. Der gesamte Inselgemeindeverband kommt auf gut 125.000 Menschen; jeder zweite Rhodier lebt also in oder direkt an der Stadt. Das erklärt den auffälligsten Unterschied zu Lindos oder Faliraki: Rhodos-Stadt schließt im Oktober nicht.
Praktisch heißt „zwei Städte in einer“ vor allem: unterschiedliche Maßstäbe. Hinter den Mauern misst man Wege in Minuten und Kopfsteinpflaster, Autos gibt es kaum, dafür Sackgassen, Katzen und plötzliche Innenhöfe. Außerhalb liegt eine ganz normale griechische Provinzstadt mit vierspurigen Uferstraßen, Ampeln, Supermärkten und Bürogebäuden, also mit genau dem Alltagsangebot, das der Altstadt fehlt. Der beste Tag verbindet beides: vormittags Neustadt und Museen, nachmittags Mauerring, abends wieder hinaus oder tief hinein, je nach Geschmack.
Die mittelalterliche Altstadt in Kürze
Die Altstadt von Rhodos ist seit 1988 UNESCO-Welterbe, eingeschrieben unter den Kriterien (ii), (iv) und (v). Rund vier Kilometer Festungsmauer aus der Zeit der Johanniter, an der Amboise-Bastion bis zu zwölf Meter dick, umschließen ein dichtes Geflecht aus Gassen, Plätzen und Innenhöfen. Die UNESCO unterteilt die Stadt in zwei Zonen: die nördliche Oberstadt, das Collachium, das der Orden geschlossen für sich errichtete, und die südliche Unterstadt, die Bourg, in der Bürger, Händler sowie jüdische und später osmanische Gemeinden lebten. Anders als viele Altstädte ist sie keine Kulisse, sondern bewohnt: Mehrere tausend Menschen leben dauerhaft hinter den Mauern, Werkstätten arbeiten dort, abends wird auf den Plätzen gegessen. Visit Greece nennt sie „one of the rare survivors of the medieval world“.
Die berühmteste Achse ist die Ritterstraße (Odos Ippoton): eine knapp zweihundert Meter lange Reihe gotischer Steinfassaden, an denen einst die Herbergen der „Zungen“ des Ordens lagen. So hießen die Landsmannschaften der Ritter: Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, England, Deutschland und die spanische Zunge, die 1462 in Aragón und Kastilien geteilt wurde. Aus sieben wurden damit acht. Die Straße führt hinauf zum Großmeisterpalast, der nach einer Explosion in osmanischer Zeit unter den Italienern wiederaufgebaut wurde und heute ein Museum beherbergt. Am unteren Ende steht das einstige Hospital der Johanniter (1440–1489), in dem heute das Archäologische Museum untergebracht ist. Die historischen Schichten der Stadt entfalten unsere Beiträge zur Johanniterzeit und zur osmanischen Zeit; alle Details zu Toren, Mauerabschnitten und Rundgängen stehen auf der eigenen Seite zur Altstadt.
Die zweite Schicht der Altstadt ist osmanisch, und sie fällt vielen erst auf den zweiten Blick auf. Am oberen Ende der Sokratous-Straße steht die Süleymaniye-Moschee mit ihrer rosafarbenen Fassade, gestiftet nach der osmanischen Eroberung von 1522 und 1808 weitgehend neu errichtet. Sie ist seit Jahren geschlossen und öffnet nur zu besonderen Anlässen; das Äußere mit dem Minarett lässt sich jederzeit betrachten. Gegenüber liegt die osmanische Bibliothek, ein paar Schritte weiter der Uhrturm Roloi: Der Aufstieg kostet einen kleinen Eintritt, in der Regel inklusive eines Getränks im Café darunter, und belohnt mit dem einzigen echten Überblick über Ziegeldächer, Kuppeln und Mauerring. Im Süden der Altstadt steht an der Platia Arionos das Große Hamam von 1558, das einzige historische Bad innerhalb der Mauern. Es wurde saniert, einen verlässlichen Badebetrieb gibt es derzeit aber nicht; ob die Türen offen sind, lässt sich nur vor Ort klären.
Neustadt & Mandraki-Hafen
Der Mandraki war in der Antike der Kriegshafen der Stadt; heute liegen hier Ausflugsboote und Yachten. Seine Einfahrt markieren zwei Säulen mit den Bronzefiguren eines Hirsches und einer Hirschkuh, Elafos und Elafina, den Wappentieren der Insel, die auf den auf Rhodos heimischen Damhirsch verweisen. Aufgestellt wurden sie in der italienischen Zeit. Auf der Hafenmole stehen drei restaurierte mittelalterliche Windmühlen, am äußersten Ende wacht das Kastell Agios Nikolaos, das die Johanniter in den 1460er-Jahren zum Schutz der Hafeneinfahrt errichteten und das heute einen Leuchtturm trägt.
An der Hafeneinfahrt verortet die Überlieferung den Koloss von Rhodos, das verschwundene Weltwunder. Das populäre Bild des Riesen, der breitbeinig über der Einfahrt gestanden und Schiffe zwischen seinen Beinen hindurchgelassen habe, ist allerdings eine spätere Legende; wo die Statue wirklich stand, ist bis heute ungeklärt. Westlich des Hafens reiht sich das Verwaltungsviertel, das die Italiener in den 1920er- und 1930er-Jahren anlegten: Gouverneurspalast, Gericht, Post, die Markthalle Nea Agora und die Kirche Evangelismos im venezianisch-maurischen Mischstil. Wie tief diese Epoche das Stadtbild prägt, zeigt unser Beitrag zur italienischen Zeit.
Viertel & jüdisches Erbe
Im Osten der Bourg liegt La Juderia, das jüdische Viertel. Jüdisches Leben auf Rhodos reicht weit zurück; geprägt wurde die Gemeinde vor allem von sephardischen Familien, die nach 1492 vor der spanischen Inquisition flohen und über Generationen das Ladino (Judäo-Spanisch) bewahrten. In den 1930er-Jahren zählte sie rund 4.000 Menschen. Erhalten ist die Synagoge Kahal Shalom (vollständig „Kahal Kadosh Shalom“, Heilige Gemeinde des Friedens), 1577 errichtet und nach Angaben der Jüdischen Gemeinde von Rhodos die älteste Synagoge Griechenlands und die einzige der Insel, in der noch Gottesdienste gehalten werden. In ihr ist heute auch das Jüdische Museum von Rhodos untergebracht.
Das Viertel trägt zugleich die Erinnerung an seinen Bruch. Nach der deutschen Besetzung der Insel wurden im Juli 1944 mehr als 1.600 Jüdinnen und Juden von Rhodos zusammengetrieben und über den Hafen deportiert; nach wochenlangem Transport erreichten sie Auschwitz, nur etwa 150 überlebten. Mit der Deportation am 23. Juli 1944 endete eine jahrhundertealte Gemeinde. Im Herzen des Viertels erinnert daran der Platz der jüdischen Märtyrer (Plateia Evraion Martyron) mit einem Mahnmal, das 2002 eingeweiht wurde; seine Inschrift gedenkt in sechs Sprachen der 1.604 jüdischen Märtyrer von Rhodos und Kos. Der Ort ist kein Sightseeing-Punkt, sondern ein Gedenkort, dem ein stiller, respektvoller Besuch am ehesten gerecht wird.
Museen und Eintritte
Die drei großen Häuser liegen alle im Collachium, wenige Gehminuten voneinander entfernt. Der Großmeisterpalast kostet 20 €, das Archäologische Museum im gotischen Ritterhospital 10 €; dort steht unter anderem die kleine kniende Aphrodite von Rhodos. Beide Häuser öffnen laut Kulturministerium vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 8 bis 20 Uhr, vom 1. November bis 31. März von 8:30 bis 15:30 Uhr, dienstags ist dann geschlossen; letzter Einlass jeweils 20 Minuten vor Schluss (Stand September 2026). Die Sammlung für dekorative Künste an der Platia Argyrokastrou (5 €, ganzjährig 8:30 bis 15:30 Uhr, dienstags zu) ist eher ein Zwischenstopp von zwanzig Minuten als ein Programmpunkt. Ein Kombiticket für vier Stätten ist amtlich gelistet: Archäologisches Museum, Sammlung für dekorative Künste, die Kirche Panagia tou Kastrou in der Altstadt und Großmeisterpalast. Die Preisangaben dazu widersprechen sich, deshalb am Schalter fragen. Freien Eintritt gewähren alle staatlichen Stätten am ersten und dritten Sonntag der Monate November bis März, außerdem unter anderem am 6. März, 18. April, 18. Mai, am letzten Septemberwochenende und am 28. Oktober; EU-Bürgerinnen und -Bürger bis 25 Jahre zahlen mit Ausweis nichts.
Kostenlos zugänglich sind zwei der schönsten Orte der Stadt: die Akropolis auf dem Monte Smith mit Apollon-Tempel, Stadion und wiederaufgebautem Odeon über den Dächern der Neustadt, und der Rodini-Park südlich der Stadt, ein schattiger Talgrund mit Wasserläufen, Pfauen und einem antiken Felsengrab, ohne Öffnungszeiten und ohne Kasse. An der Nordspitze, wo Ägäis und Mittelmeer zusammentreffen, sitzt das Aquarium: eine 1934–1937 in Art-déco-Formen erbaute hydrobiologische Station, heute Forschungsinstitut und Schauaquarium zugleich. In den Becken einer künstlich nachgebauten Unterwasserhöhle schwimmen Mittelmeerfische, Muränen und Schildkröten. Geöffnet ist täglich, vom 1. April bis 31. Oktober von 9 bis 20 Uhr, vom 1. November bis 31. März von 9 bis 16 Uhr; letzter Einlass jeweils 40 Minuten vor Schluss. Der Eintritt kostet 7 €, ermäßigt 5 € für Kinder und Jugendliche von 5 bis 18 Jahren, Menschen ab 66 und Studierende; Kinder bis 4 Jahre sind frei (Stand Oktober 2026).
Strände der Stadt
Baden lässt sich direkt in der Stadt, ohne Bus und ohne Auto. Fußläufig nördlich der Neustadt liegt der Stadtstrand Elli Beach: feiner Kies vor einer breiten Promenade, Liegenreihen, Duschen, Cafés im Rücken. Der Grund fällt rasch tief ab, das Wasser ist klar und meist ruhig, und weil der Strand mitten in der Stadt liegt, ist er im Hochsommer schon am Vormittag belegt. Der historische Sprungturm aus den 1930er-Jahren, das Wahrzeichen des Strandes, ist gesperrt: Das Zentrale Hafenamt von Rhodos ließ die Plattform Ende Juni 2026 wegen fehlenden Standsicherheitsnachweises versiegeln, nachdem ein Gutachten schon 2020 den Korrosionsschutz der Gründung bemängelt hatte. Die Sperre wird immer wieder ignoriert, die Küstenwache patrouilliert; Springen ist dort weder erlaubt noch sicher (Stand September 2026).
Rund um die Nordspitze wechselt der Charakter binnen weniger hundert Meter. Westlich des Aquariums liegt der als Windy Beach bekannte Abschnitt, an dem der Nordwestwind ungebremst auf die Küste trifft. Wellen und Wind sind hier an vielen Tagen kräftig, im Sommer vor allem bei Meltemi: schön zum Zusehen und für Erfahrene, mit kleinen Kindern aber die schlechtere Wahl als die geschütztere Ostseite bei Elli. Mehr Bucht und weniger Stadt bietet die Kallithea-Bucht einige Kilometer südlich an der Ostküste.
Anreise, Parken und Busse
Rhodos-Stadt ist der zentrale Knoten der Insel. Der Flughafen Diagoras liegt rund 14 Kilometer südwestlich; die Fahrt mit dem Taxi dauert je nach Verkehr etwa 20 bis 30 Minuten. Günstiger geht es mit dem Bus: Die städtische RODA-Linie verbindet den Flughafen über Kremasti und Ialyssos tagsüber etwa halbstündlich bis stündlich mit dem zentralen Busbahnhof an der Nea Agora (Fahrzeit 30 bis 40 Minuten, Einzelfahrt 2,50 €, auch bar beim Fahrer; Stand September 2026, Fahrplan vor Ort prüfen). Die Häfen liegen direkt am Stadtrand: Große Fähren legen in Akandia an, Katamarane und Inselschiffe am benachbarten Kolona-Hafen, Ausflugsboote am Mandraki. Welche Nachbarinseln sich von hier erreichen lassen, zeigt der Überblick Fähren und Inselhopping ab Rhodos. Die meisten Mietwagen werden hier oder am Flughafen übernommen.
Innerhalb der Altstadtmauern ist der Verkehr weitgehend gesperrt: Nur Anwohner, Lieferanten und Hotelgäste mit Genehmigung dürfen hinein, alle anderen bewegen sich zu Fuß. Geparkt wird am Rand des Mauerrings, etwa am Tor d'Amboise, am Hafen von Kolona oder entlang der Uferstraßen. Der Großteil dieser Flächen gehört zur bewirtschafteten Zone: Die blau markierten Kurzzeitplätze kosten rund 1,50 € pro Stunde, weiße Plätze sind Anwohnern vorbehalten, gelbe frei zu halten. Seit dem Frühjahr 2026 lässt sich der Parkschein auch digital lösen, per QR-Code am Automaten oder über das Portal der Stadt; nötig ist nur das Kennzeichen (Stand September 2026). Das erspart die Suche nach Kleingeld und einem funktionierenden Automaten.
Ohne Auto ist die Stadt gut angebunden, und das ist einer ihrer größten Vorteile als Standort. Beide Busgesellschaften starten unmittelbar nebeneinander am Neuen Markt beim Mandraki: Die regionalen KTEL-Linien fahren die Ostküste hinunter bis Lindos (Einzelfahrt 6,00 €, Fahrzeit etwa 1¼ bis 1½ Stunden) und weiter bis Prasonisi; Faliraki kostet 2,50 €. Die städtischen RODA-Linien bedienen Stadt, Vororte und den Nordwesten bis Ialyssos und Kremasti (Fahrpreis je nach Zone, am Kiosk oder Aushang); weitere Überlandlinien führen an die Westküste nach Kamiros und in die Bergdörfer. Diese Angaben gelten für den Sommerfahrplan 2026. Ab Mitte September wird ausgedünnt, im Winter (zuletzt Anfang November bis Mitte April) fahren deutlich weniger Kurse, und Strand- und Saisonlinien entfallen; aktuelle Fahrpläne hängen am Busbahnhof aus und stehen auf den Websites der Betreiber. Für Tagesausflüge an die Strände ist der Bus eine entspannte Alternative. Flexibler für die ganze Insel ist der Mietwagen, dann aber möglichst mit Unterkunft außerhalb des Mauerrings.
Essen und Abend in der Stadt
Die Sokratous-Straße und die Hauptgassen der Altstadt sind touristisch dicht: Speisekarten in acht Sprachen mit Fotos, Schlepper an der Tür, Plastikordner statt Tagestafel, oft mittelmäßige Qualität zu spürbaren Aufschlägen. Betrug ist das nicht, wohl aber eine andere Preisklasse für dasselbe Gericht. Drei Anhaltspunkte helfen: Ein Lokal, das Gäste von der Gasse hereinwinkt, hat es meist nötig; wo mittags Einheimische sitzen, stimmt oft das Verhältnis; und eine kurze, saisonal wechselnde Karte schlägt eine lange fast immer. Die besseren Adressen liegen häufig eine Gasse abseits der Hauptachse oder ganz außerhalb der Mauern. In den Wohnvierteln der Neustadt und rund um die Markthalle Nea Agora am Mandraki isst man in der Regel besser und günstiger als zehn Gehminuten entfernt in der Altstadt. Worauf man bei Karte, Gedeck und Trinkgeld achten sollte, steht in unseren Beiträgen zu Essen und Trinken und zu Geld und Trinkgeld. Konkrete Lokale nennen wir bewusst nicht, dafür wechseln sie zu schnell.
Der Abend teilt sich ähnlich auf. In der Altstadt sind es Tavernenplätze unter Bougainvillea, ein paar Bars in Gewölben und viel Ruhe, sobald man zwei Gassen weitergeht. Das laute Nachtleben spielt in der Neustadt, vor allem in der Bar- und Clubzone rund um die Orfanidou-Straße, die auch als „Straße der Bars“ bekannt ist: kompakt, laut, in der Hochsaison bis in den Morgen und ohne Anspruch auf Stil. Ruhiger sitzt man an der Mandraki-Promenade oder in den Cafés um die Nea Agora. An der Nordspitze liegt zudem das Casino im ehemaligen Grand Hotel des Roses, einem Bau der italienischen Zeit: Spielbetrieb täglich, Ausweispflicht am Eingang, Mindestalter 21 Jahre, Eintritt und Kleiderordnung je nach Bereich unterschiedlich. Eingekauft wird tagsüber an zwei völlig verschiedenen Orten: in der Altstadt Schmuck, Leder, Ikonen und viel Souvenirware in Preisen, über die verhandelt werden darf, in der Neustadt entlang der Straßen um die Nea Agora ganz normale griechische Geschäfte, Bäckereien und Supermärkte. Wochenmärkte, Ladenzeiten und echte Inselprodukte stellt der Beitrag Einkaufen auf Rhodos vor.
Kreuzfahrt-Andrang: wann die Gassen leer sind
Rhodos-Stadt ist ganzjährig belebt, der Andrang aber extrem ungleich verteilt. Den Takt gibt der Kreuzfahrthafen direkt neben der Altstadt vor. Die Saison läuft inzwischen praktisch durch: Das erste Schiff des Jahres 2026 legte schon am 2. Januar an, über das Jahr summieren sich mehrere hundert Anläufe. Von Mai bis Oktober liegen an vielen Tagen zwei bis vier Schiffe gleichzeitig am Kai, jedes mit ein- bis viertausend Passagieren, die fast alle denselben Weg nehmen: durch das Freiheitstor oder das Marinetor, die Sokratous-Straße hinauf, zum Großmeisterpalast und zurück.
Daraus ergibt sich ein verlässliches Zeitfenster. Zwischen etwa 10 und 15 Uhr ist die Hauptachse voll, während die südlichen und östlichen Gassen der Bourg (jüdisches Viertel, Platia Arionos, die Wohngassen hinter der Sokratous) selbst dann erstaunlich leer bleiben. Vor 9 Uhr und ab etwa 17 Uhr gehört die Altstadt weitgehend den Bewohnern; abends, wenn die Schiffe abgelegt haben, kippt die Stimmung völlig. Bei nur einem Tag empfiehlt sich deshalb die umgekehrte Reihenfolge: früh in die Altstadt, mittags ins Museum oder an den Strand, spätnachmittags noch einmal in die Gassen. Für Kreuzfahrtgäste mit nur wenigen Stunden an Land gibt es einen eigenen Zeitplan für einen Landgang. Am angenehmsten sind ohnehin die Randmonate April bis Juni und September bis Oktober mit mildem Wetter, klarem Licht und weniger Gedränge.
Übernachten in der Stadt
Die Grundentscheidung fällt zwischen Mauerring und Neustadt, und beide Seiten haben klare Nachteile. In der Altstadt wohnt man in umgebauten Steinhäusern und kleinen Hofpensionen, oft mit sehr viel Atmosphäre und sehr wenigen Zimmern. Dafür gilt: kein Auto vor der Tür, Koffer über Kopfsteinpflaster tragen, im Sommer bis nach Mitternacht Stimmen und Musik von den Plätzen, dünne Wände in alten Mauern und häufig kein Aufzug. Mit leichtem Gepäck und einer Vorliebe für lange Abende bekommt man dafür eine Kulisse, die kaum ein anderes Quartier der Insel bietet.
Die Neustadt liefert das Gegenteil: normale Hotelqualität, Klimaanlage, Aufzug, Parkplatz, Frühstücksbuffet, in Strandnähe bei Elli auch Ferienhotels der größeren Kategorien. Das ist austauschbarer, doch die Altstadt bleibt nur zehn bis zwanzig Gehminuten entfernt, für die meisten Reisenden das bessere Verhältnis. Für einen Badeurlaub liegen die Vororte Ixia und Ialyssos günstiger als die Stadt selbst. Konkrete Häuser nennen wir nicht; die grundsätzlichen Regionsvergleiche stehen unter Wo übernachten auf Rhodos. Einzuplanen ist außerdem die Klimakrisen-Abgabe, die vor Ort pro Zimmer und Nacht erhoben wird: in Hotels von April bis Oktober je nach Kategorie 2 bis 15 €, von November bis März 0,50 bis 4 €; Ferienwohnungen in Kurzzeitvermietung zahlen 8 € beziehungsweise 2 €, Häuser über 80 m² 15 € beziehungsweise 4 € (Stand September 2026).
Mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen
Die Altstadt ist der schwierigste Ort der Insel für alle, die nicht sicher zu Fuß sind. Der Untergrund besteht fast durchgehend aus Chochlakia, dem runden Kieselpflaster, dazwischen liegen Kopfsteinabschnitte, Stufen, Rampen mit starkem Gefälle und Gassen ohne Gehsteig. Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen mit kleinen Rädern kommen damit schlecht zurecht; auch mit Gehstock ist ein längerer Rundgang anstrengend. Am besten eignen sich die geglätteten Hauptachsen zwischen Freiheitstor, Ritterstraße und Palast, mit eingeplanten Pausen.
Bei den Museen hilft ein Anruf vorab. Der Großmeisterpalast hat laut Kulturministerium Rampe, Aufzug und ein barrierefreies WC. Auch für das Archäologische Museum nennt die Museumsverwaltung Rampe und Aufzug; welche Bereiche des verwinkelten Hospitalbaus tatsächlich stufenlos erreichbar sind, lässt sich unter +30 22413 65257 erfragen. Die Neustadt ist deutlich einfacher: breite Gehwege, Aufzüge, abgesenkte Bordsteine an den Hauptstraßen, wenn auch nicht lückenlos. Am Strandabschnitt bei Elli steht in der Saison eine Badehilfe für Menschen mit Behinderung, die 2026 allerdings wegen eines Defekts zeitweise außer Betrieb war; ob sie läuft, am besten vor Ort oder bei der Gemeinde erfragen. Details und weitere Adressen sammelt unser Beitrag Rhodos barrierefrei.
Die Stadt im Winter
Rhodos-Stadt ist der einzige Ort der Insel, der im Winter uneingeschränkt funktioniert. Während Faliraki, Lindos und die Küstenorte zwischen November und März weitgehend geschlossen sind, bleiben hier Geschäfte, Tavernen, Cafés und Kinos offen, weil sie von Einheimischen leben. Die staatlichen Museen schließen dann um 15:30 Uhr und dienstags ganz, bleiben aber geöffnet, und an einem klaren Januartag hat man die Altstadt praktisch für sich. Tagsüber sind 15 bis 17 Grad üblich, dazu kräftige Regentage und Wind; das Meer kühlt bis Februar auf etwa 16 bis 17 Grad ab. Zum Baden ist das nichts, zum Spazieren, Essen und für Museen umso mehr. Schon ab Ende Oktober ändert sich einiges: Nach der Zeitumstellung (2026 am 25. Oktober) geht die Sonne gegen 17:15 Uhr unter, die Ausflugsboote beenden ihre Saison, und die Busse fahren seltener. Mehr zur Nebensaison steht unter Rhodos im Winter.
Für wen die Stadt als Standort passt
Als Basis eignet sich Rhodos-Stadt für alle, die ohne Mietwagen auskommen wollen: Beide Busnetze starten hier, Fähren und Ausflugsboote legen um die Ecke ab, und abends gibt es mehr als eine Hotelbar. Vom Mandraki- und vom benachbarten Kolona-Hafen fahren die Boote zur Nachbarinsel Symi, einem der schönsten Tagesausflüge der Region (Ausflugsboote ab rund 30 €, bis etwa Ende Oktober, danach nur Linienfähren). Auch für Kurzreisen von drei bis fünf Nächten, für Städtereisende außerhalb der Badesaison und für alle mit Interesse an Geschichte ist die Stadt die naheliegende Wahl.
Weniger passend ist sie für einen Badeurlaub mit Kindern: Der Stadtstrand ist gut, aber laut und voll, das Meer im Norden oft windig, und Hotelanlagen mit Pool, Animation und ruhiger Bucht liegen anderswo. Bei zwei Wochen Aufenthalt bietet sich deshalb eine Teilung an: ein paar Nächte in der Stadt für Altstadt, Museen und Symi, danach ein ruhigerer Küstenort. Und die Altstadt selbst lässt sich an einem zweiten, späten Halbtag noch einmal ganz anders erleben als im Mittagstrubel.














