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Steinerner Torbogen in der Altstadt von Rhodos
Ort · Norden

Rhodos-Stadt

Eine vollständig erhaltene mittelalterliche Stadt im Norden der Insel — und gleichzeitig der Verkehrs-, Hafen- und Lebensmittelpunkt von Rhodos.

Rhodos-Stadt liegt an der Nordspitze der Insel, dort wo Ägäis und Mittelmeer aufeinandertreffen. Die Stadt zerfällt deutlich in zwei Hälften: die ummauerte mittelalterliche Altstadt — eines der größten erhaltenen Festungsensembles Europas — und die deutlich jüngere Neustadt, die sich im 20. Jahrhundert um den Mandraki-Hafen herum entwickelt hat.

Beide Hälften haben einen eigenen Charakter. Die Altstadt ist Stein, enge Gassen und Patina; die Neustadt ist Boulevard, Promenade und italienische Verwaltungsarchitektur. Wer Rhodos versteht, hat in der Regel beide Seiten gesehen.

Die Altstadt

Die Altstadt ist seit 1988 UNESCO-Welterbe. Rund vier Kilometer Festungsmauern aus der Zeit der Johanniter — an manchen Stellen bis zu zwölf Meter dick — umschließen ein dichtes Geflecht aus Gassen, Plätzen und Innenhöfen. Die Ritterstraße (Odos Ippoton) verbindet Großmeisterpalast und das ehemalige Hospital (heute Archäologisches Museum) und gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Straßenbildern Europas; an ihren Häuserfassaden hängen die Wappen der sieben „Zungen" der Johanniter.

Die Altstadt ist bewohnt — keine Museumskulisse. Rund 6.000 Menschen leben innerhalb der Mauern, Werkstätten arbeiten dort, abends wird auf den Plätzen gegessen. Tagsüber ist sie von Tagesgästen geprägt, am Abend wird sie ruhiger. Der Mauerring lässt sich an zwei Nachmittagen pro Woche (meist Dienstag und Samstag) bei einem geführten Wallgang teilweise begehen.

Mandraki und Neustadt

Der Mandraki-Hafen war in der Antike der Kriegshafen der Stadt — und der Ort, an dem der Koloss von Rhodos vermutlich nicht stand (das populäre Bild über der Hafeneinfahrt ist eine spätere Erfindung; der Standort lag wohl weiter im Inland). Heute markieren zwei Säulen mit den Bronzefiguren von Hirsch und Hirschkuh — den Wappentieren der Insel — die Einfahrt; daneben die drei Mühlen aus johanniterzeit­licher Zeit und der Festungsturm Agios Nikolaos. Westlich des Hafens reiht sich das von den Italienern in den 1920er- und 30er-Jahren errichtete Verwaltungsviertel: Gouverneurspalast, Gericht, Post, Markthalle (Nea Agora) und die Evangelismos-Kirche im venezianisch-maurischen Mischstil.

Als Ausgangspunkt

Rhodos-Stadt ist der logische Ausgangspunkt für die ganze Insel. Vom KTEL-Busbahnhof am Mandraki fahren regelmäßig Linien an die Ost- und Westküste, der Flughafen Diagoras liegt 14 Kilometer südwestlich, und die meisten Mietwagen werden hier übernommen.

Geschichte in Stichpunkten

Gegründet 408 v. Chr. als Synoikismos der drei dorischen Polis Lindos, Ialyssos und Kamiros, wurde die Stadt nach dem Schema des Hippodamos von Milet im strengen rechtwinkligen Raster angelegt — Reste dieses Grundrisses sind in der Neustadt nachgewiesen. Der Koloss von Rhodos, mit 32 – 33 m Höhe eines der Sieben Weltwunder, wurde 292 – 280 v. Chr. unter Chares von Lindos errichtet und stand nur rund 54 Jahre, bevor ihn das Erdbeben von 226 v. Chr. zerstörte; seine Trümmer lagen rund 900 Jahre sichtbar, bis sie 654 n. Chr. abtransportiert wurden. 1309 übernahmen die Johanniter die Stadt und bauten sie zur stärksten Festung der östlichen Mittelmeerwelt aus; nach langer Belagerung kapitulierten sie 1522 vor Sultan Süleyman dem Prächtigen. Es folgten knapp 400 Jahre osmanische Herrschaft, ab 1912 die italienische Besatzung, die das Mandraki-Quartier prägte, und 1948 schließlich der Anschluss an Griechenland.

Essen in der Stadt

Die Sokratous-Straße in der Altstadt ist touristisch dicht und mittelmäßig; bessere Adressen liegen in den Nebengassen rund um den Hippokratesplatz, in der südöstlichen Bourg und im jüdischen Viertel. In der Neustadt lohnt der Weg zur Neuen Markthalle (Nea Agora) am Mandraki — innen Fischtavernen, Bäcker und ein paar Souvlaki-Stände, abends gut besucht von Einheimischen. Für Cafekultur die Boulevards rund um den Akademie-Platz und die Strandpromenade an der Westseite.

Praktisches

Innerhalb des Mauerrings ist nur Anwohnerverkehr erlaubt; günstige Parkplätze finden sich am Tor d'Amboise (gebührenpflichtig) oder kostenlos an der Promenade unterhalb der Mauer. Der Stadtbus (RODA) verbindet Rhodos-Stadt mit Ialyssos und Faliraki im Halbstundentakt; der Fern-KTEL fährt vom separaten Bahnhof am Mandraki. Geldautomaten und Apotheken in der Neustadt deutlich dichter als in der Altstadt; in der Altstadt am besten am Hippokratesplatz.