Der Koloss von Rhodos war eine monumentale Bronzestatue des Sonnengottes Helios, die zwischen 292 und 280 v. Chr. am Eingang des Hafens der antiken Stadt Rhodos errichtet wurde. Mit einer Gesamthöhe von rund 32 Metern war sie eine der größten Statuen der Antike — und galt schon den Zeitgenossen als eines der Sieben Weltwunder. Erbaut wurde sie aus Dankbarkeit nach dem gescheiterten Belagerungsangriff durch Demetrios Poliorketes; das zurückgelassene Belagerungsgerät der Mazedonier wurde eingeschmolzen und lieferte einen Großteil der Bronze.
Bauweise
Verantwortlich war der Bildhauer Chares von Lindos, ein Schüler des berühmten Lysipp. Über zwölf Jahre wurde die Statue Schicht für Schicht aufgebaut: Ein Eisengerüst trug Bronzeplatten, das Innere wurde teilweise mit Stein gefüllt, um die Standfestigkeit zu sichern. Während der Bauphase wuchs der Erdwall rund um die Statue mit, sodass die Bildhauer von außen arbeiten konnten — am Ende musste die gesamte Aufschüttung wieder abgetragen werden.
Zerstörung und Verbleib
Schon 226 v. Chr., nach nur 54 Jahren, knickte die Statue während eines schweren Erdbebens an den Knien ein und stürzte zu Boden. Ein Orakel riet von einem Wiederaufbau ab, und so blieben die Trümmer fast 900 Jahre an Ort und Stelle liegen — selbst zerstört waren sie noch eine Touristenattraktion. Plinius der Ältere berichtet, dass kaum jemand mit den Armen einen der heruntergefallenen Daumen umfassen konnte.
654 n. Chr., nach der arabischen Eroberung der Insel, sollen die Bronzereste an einen jüdischen Händler verkauft und auf 900 Kamelen abtransportiert worden sein. Die Quelle ist allerdings spät und legendenhaft — sicher ist nur, dass danach nichts mehr da war.
Wo stand er?
Der genaue Standort ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Lange galt der Mandraki-Hafen als wahrscheinlichster Ort — heute markieren dort zwei Säulen mit den Bronzefiguren eines Hirsches und einer Hirschkuh symbolisch den vermuteten Standpunkt. Neuere Forschungen verorten die Statue eher auf der Hochfläche oberhalb des Hafens, wo der antike Helios-Tempel vermutet wird.
Was man heute sieht
Vom eigentlichen Koloss ist nichts erhalten. Wer dem Mythos nachspüren will, geht an den Mandraki-Hafen: Die Hirschsäulen am Hafeneingang, die mittelalterlichen Windmühlen und die Festung Agios Nikolaos zeichnen die Topografie des antiken Hafens nach. Im Archäologischen Museum in der Altstadt zeigen Modelle und Repliken, wie Forscher sich die Statue heute vorstellen.
Eine vollständig erhaltene mittelalterliche Stadt im Norden der Insel — und gleichzeitig der Verkehrs-, Hafen- und Lebensmittelpunkt von Rhodos.




