Kamiros war neben Lindos und Ialyssos die dritte der dorischen Städte, die im 5. Jahrhundert v. Chr. ihre Kräfte bündelten und Rhodos-Stadt gründeten. Im Gegensatz zu den anderen beiden wurde Kamiros nach der Vereinigung allmählich aufgegeben — wodurch die Anlage praktisch unverändert in ihrer hellenistischen Form überdauerte und im 19. Jahrhundert von Archäologen freigelegt werden konnte.
Aufbau der Stadt
Die Anlage gliedert sich in drei klare Ebenen. Unten der Marktplatz mit Brunnen und Tempel der Pythischen Apollon. In der Mitte die Wohnviertel — ein nahezu rechtwinkliges Straßenraster mit dutzenden ausgegrabenen Häusern, Zisternen und Geschäften. Oben die Akropolis mit Tempel der Athena Kameiras und einer monumentalen Stoa, von der noch sechs Säulen stehen.
Diese klare vertikale Gliederung — Markt, Wohnen, Heiligtum — ist heute deutlich nachvollziehbar und macht Kamiros zu einer der lehrreichsten antiken Stätten Griechenlands.
Beste Besuchszeit
Der Hang ist nach Westen gerichtet — am späten Nachmittag fällt das Licht ideal auf die Mauern und Säulen. Das ist gleichzeitig die Stunde, in der die Anlage am leersten ist, weil die Bustouren bereits zurückgefahren sind. Im Sommer ist ein Besuch zwischen 12 und 16 Uhr aufgrund der völligen Schattenlosigkeit nicht empfehlenswert.
Geschichte
Die ersten Siedlungsspuren auf dem Hügel reichen bis ins zweite Jahrtausend vor Christus zurück, die heute sichtbare Stadt ist jedoch im Wesentlichen hellenistisch — sie wurde nach einem Erdbeben 226 v. Chr. systematisch wiederaufgebaut. Im Gegensatz zu Lindos und Ialyssos verlor Kamiros nach der Gründung von Rhodos-Stadt 408 v. Chr. an Bedeutung und wurde spätestens im 2. Jh. v. Chr. weitgehend aufgegeben — kein osmanisches Dorf, keine byzantinische Kirche, keine mittelalterliche Festung überlagerte das antike Stadtbild. Wiederentdeckt wurde Kamiros in den 1850er-Jahren durch französische Konsuln in Rhodos, systematisch ausgegraben ab 1929 unter italienischer Verwaltung.
Anfahrt und Praktisches
Mit dem Mietwagen über die Westküstenstraße — von Rhodos-Stadt etwa 45 Minuten, von Faliraki rund eine Stunde. Großer Parkplatz direkt am Eingang. Der Bus KTEL Richtung Kamiros/Skala Kameirou hält am Stichweg, von dort etwa 1 km zu Fuß zur Anlage. Öffnungszeiten in der Hauptsaison meist 8 – 19:30 Uhr (April – Oktober), im Winter verkürzt auf ca. 8:30 – 15:30 Uhr und montags geschlossen — vor der Anreise prüfen. Hut, Wasser und feste Schuhe sind im Sommer kein optionales Extra.
In der Umgebung
Kamiros lässt sich gut mit dem Tal der Schmetterlinge (ca. 25 km nördlich), dem Kloster Filerimos oder einer Weiterfahrt nach Embonas und Monolithos kombinieren. Direkt nördlich liegt der kleine Hafenort Skala Kameirou — von hier fahren Boote nach Chalki, und ein paar einfache Fischtavernen bieten den passenden Mittagsstopp nach dem Besuch der Ruinen. Wer die ganze Westküste an einem Tag fahren will, sollte Kamiros früh am Vormittag einplanen.
Ein winziger Fischerhafen an der Westküste, von dem aus die kleine Insel Chalki angefahren wird — und Ausgangspunkt zur Ausgrabungsstätte Antikes Kamiros.





