Die Akropolis von Lindos sitzt auf einem fast senkrecht zum Meer abfallenden Felsmassiv, 116 Meter über der Bucht. Schon in der Bronzezeit stand hier ein Heiligtum; im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand der dorische Tempel der Athena Lindia, der einen älteren Bau ersetzte und bis in die Spätantike eine der wichtigsten Kultstätten der Ägäis blieb. Dieser Beitrag behandelt die Stätte selbst — das weiße Dorf, die Strände und die Anreise stehen im Ortsporträt zu Lindos.
Drei Epochen auf einem Felsen
Auf dem Plateau überlagern sich drei Schichten. Antik: der Tempel der Athena, die monumentale Treppe und die Reste einer hellenistischen Stoa. Mittelalterlich: die Burg der Johanniter, die im 14. Jahrhundert die antiken Strukturen weiterverwendeten und befestigten. Und die byzantinische Kapelle des Hl. Johannes aus dem 13. Jahrhundert, mitten im Burghof. In römischer Zeit kamen weitere Weihebauten am Heiligtum hinzu.
Was du oben siehst
Vom Eingang führt zunächst die Propyläen-Anlage und die monumentale Treppe hinauf — entworfen wie eine Theaterbühne. Sie mündet auf einer breiten Terrasse mit den Resten der hellenistischen Stoa aus dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. Eine zweite Treppe führt zur eigentlichen Tempelplattform: die dorische Ringhalle des Athena-Tempels, die byzantinische Kapelle des Hl. Johannes mit Fresken-Resten und das gewölbte Repräsentationsgebäude der Johanniter mit gotischen Spitzbögen. Am Fuß der Aufgangstreppe ist eine Trireme — der Bug eines Kriegsschiffs — in den Fels gehauen, ein Weihegeschenk des 2. Jahrhunderts v. Chr.; auf diesem Sockel stand einst eine Statue, ähnlich der Nike von Samothrake im Louvre.
Das antike Theater unterm Felsen
Wenig beachtet, weil außerhalb des umzäunten Geländes, liegt am Südwesthang unterhalb der Akropolis ein antikes Theater aus dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. Die unteren Sitzreihen sind in den Fels gehauen, der Rest war einst aufgemauert; erhalten sind rund zwanzig Sitzstufen und Reste des Orchestra-Rundes. Es fasste schätzungsweise einige tausend Zuschauer und gehörte zum Heiligtum der Athena. Der Zugang ist frei und liegt etwas abseits der üblichen Wege — wer vom Dorf zur St.-Pauls-Bucht geht, kommt in der Nähe vorbei.
Eintritt und Öffnungszeiten
Der Eintritt liegt bei 12 € (Stand Juni 2026); für Jugendliche aus der EU bis 25 Jahre ist er frei. In der Hochsaison (ab 1. April) ist die Stätte täglich 8 – 20 Uhr geöffnet; ab September verkürzt sich der Abend stufenweise (Anfang September bis etwa 19:30, ab Oktober bis 18:30 Uhr). Im Winter (November – März) gilt rund 8:30 – 15 Uhr, dienstags meist geschlossen. Preise und Zeiten ändern sich saisonal und sollten vor dem Besuch auf der offiziellen Seite des griechischen Kulturministeriums (culture.gov.gr) geprüft werden. Der Besuch dauert mit Aufstieg, Rundgang und Abstieg etwa 90 Minuten.
Beste Zeit und Aufstieg
Der Aufstieg beginnt am oberen Rand des Dorfes und ist zu Fuß je nach Tempo in fünfzehn bis fünfundzwanzig Minuten machbar — nicht schwierig, aber in der Mittagshitze zwischen den hellen Felsen anstrengend. Am angenehmsten ist es zur Öffnung gegen 8 Uhr oder nach 17 Uhr, wenn die Tagesbusse abgereist sind, das Licht weicher wird und es kühler ist. Wer ohnehin in der Gegend ist, verbindet die Akropolis gut mit einem Bad in der nahen St.-Pauls-Bucht südlich des Felsens — am besten die Akropolis am frühen Morgen, das Baden danach.
Eselsritt — Pro und Contra
Vom Dorfplatz bietet eine Eselskarawane den Aufstieg gegen Bezahlung an — ein Bild, das auf Postkarten omnipräsent ist. Tierschutzorganisationen kritisieren die Haltung seit Jahren scharf: zu viele Stunden Arbeit in der Sonne, zu wenig Wasser, oft übergewichtige Reiter. Wer auf den Eselsritt verzichtet, tut den Tieren einen Gefallen — der Weg zu Fuß ist gut zu schaffen.
Der Mythos
Die Mythologie macht Lindos zu einem der ältesten Heiligtümer Griechenlands. Nach dorischer Überlieferung soll Danaos auf seiner Flucht aus Ägypten hier zum ersten Mal Athena geopfert haben — noch bevor Athen gegründet war. Auch Herakles soll auf seiner Reise zu den Hesperiden Lindos besucht haben, allerdings auf eigene Weise: Er nahm einem Bauern dessen Pflugochsen ab und verzehrte ihn, woraufhin der Bauer ihn lautstark verwünschte. Aus dieser Episode entstand der ungewöhnliche Brauch, am Heiligtum der Athena Lindia mit Flüchen statt mit Lobreden zu opfern — ein ritueller Sonderfall, den schon antike Autoren mit Verwunderung registrierten.
Weiße Würfelhäuser, eine Akropolis über dem Meer und enge Gassen, in denen die Zeit langsamer geht.






