Lindos liegt rund fünfzig Kilometer südlich von Rhodos-Stadt an der Ostküste, dort, wo sich die Küste zu einer weiten Bucht öffnet. Über dem Ort steigt ein fast senkrecht zum Meer abfallender Felsen auf, auf dem die antike Akropolis sitzt — darunter drängt sich ein Gewirr weiß getünchter Häuser bis ans Wasser. Diese Lage ist kein Zufall: Schon in der Antike war Lindos einer der drei dorischen Stadtstaaten der Insel und, lange vor der Gründung der Stadt Rhodos, einer der wichtigsten Häfen der östlichen Ägäis.
Heute ist Lindos vor allem ein Bild — und ein zwiespältiges Erlebnis. Das Dorf ist eines der schönsten Griechenlands, zugleich aber eines der meistbesuchten Ziele der Insel. Wer den Ort nur zur Mittagszeit der Hauptsaison kennenlernt, sieht volle Gassen und spürt eine Hitze, die zwischen den weißen Wänden steht. Wer früh kommt, spät bleibt oder in der Nebensaison reist, erlebt einen anderen, stilleren Lindos.
Das weiße Dorf
Der Ortskern ist vollständig autofrei; durch die engen, gepflasterten Gassen kommt man nur zu Fuß, Lasten tragen Mopeds und — bis heute — Esel. Das eigentliche Kapital von Lindos sind seine Kapitänshäuser: zwei- und dreigeschossige Steinhäuser, die wohlhabende Schiffseigner vor allem im 17. und 18. Jahrhundert errichten ließen, als der Ort vom Seehandel lebte. Hinter hohen Mauern und kunstvoll gerahmten Portalen verbergen sich Innenhöfe, deren Böden mit Chochlakia ausgelegt sind — schwarz-weißen Kieselmosaiken, die für Lindos und die Dodekanes typisch sind.
Einige dieser Höfe lassen sich besichtigen, oft in Verbindung mit einem kleinen Laden oder einer Galerie; das prächtige Papakonstantis-Haus etwa zeigt geschnitzte Holzdecken und bemalte Friese hinter seiner Fassade. Mitten im Dorf steht die byzantinische Panagia-Kirche — äußerlich unscheinbar, innen vollständig ausgemalt: Die Fresken stammen aus dem Jahr 1779 vom Maler Gregorios von Symi, während bauliche Erweiterungen aus der Ritterzeit das Wappen des Großmeisters d'Aubusson und die Jahreszahl 1489/90 tragen. Die meisten Tagesgäste passieren sie, ohne hineinzuschauen.
Die Akropolis darüber
Der Blickfang über allem ist die Akropolis von Lindos: 116 Meter über dem Meer, mit dem Tempel der Athena Lindia, der hellenistischen Säulenhalle und der darübergebauten Burg der Johanniter. Der Aufstieg vom oberen Dorfrand dauert zu Fuß je nach Tempo fünfzehn bis fünfundzwanzig Minuten und führt über teils glatt gelaufene Stufen — feste Schuhe und Wasser gehören dazu, Schatten gibt es kaum. Vom Dorfplatz aus wird der Aufstieg auch per Esel angeboten; Tierschützer kritisieren diese Praxis seit Jahren, und zu Fuß ist der Weg gut zu schaffen. Öffnungszeiten, Eintritt und alle Details zum Rundgang stehen im eigenen Beitrag zur Akropolis.
Die Strände
Zu Füßen des Felsens liegen zwei sehr unterschiedliche Badeplätze. Im Norden öffnet sich die weite Lindos-Bucht — ein langer, flach abfallender Sandstrand am alten Haupthafen, ruhig und familienfreundlich, im Sommer dicht mit Liegen belegt. Südlich des Felsens versteckt sich die kleine St.-Pauls-Bucht, eine fast vollständig vom Fels umschlossene Lagune; der Überlieferung nach landete hier der Apostel Paulus während eines Sturms, eine winzige weiße Kapelle am Ufer erinnert daran. Beide Buchten samt Anfahrt, Schatten und Andrang behandelt der Strandbeitrag zu Lindos ausführlich.
Tagesgäste und die beste Zeit
Lindos lebt im Tagesrhythmus der Ausflügler. Vormittags rollen Reisebusse aus Rhodos-Stadt und den Küstenorten an, vom Wasser kommen Ausflugsboote — zwischen etwa elf und sechzehn Uhr ist der Ort in der Hauptsaison voll. Davor und danach kippt die Stimmung: Am frühen Morgen gehören die Gassen den Bewohnern und den wenigen Übernachtungsgästen, am späten Nachmittag leeren sich Dorf und Akropolis spürbar. Dazu kommt die Hitze. Lindos gilt als der im Jahresmittel wärmste Ort Griechenlands; im Sommer 2024 maß die Wetterstation hier sogar den höchsten durchschnittlichen Sommerwert Europas. Zwischen den weißen, sonnenreflektierenden Wänden staut sich die Mittagsglut zusätzlich.
Anreise und Parken
Mit dem Mietwagen fährt man von Rhodos-Stadt rund eine Stunde über die Ostküstenstraße. In den Ort selbst kommt man nicht hinein — gehalten und geparkt wird oberhalb, auf den Parkplätzen rund um den Ortseingang bei Krana. Sie sind gebührenpflichtig und füllen sich in der Hauptsaison früh; die Tagessätze der teils privaten Plätze schwanken saisonal (2025 wurden Größenordnungen um sieben bis zehn Euro genannt) und sind vor Ort zu prüfen. Von dort geht es zu Fuß hinunter ins Dorf. Ohne eigenes Auto bringt einen der KTEL-Bus mehrmals täglich von Rhodos-Stadt nach Lindos (Fahrzeit gut eine Stunde, Einzelfahrt 5,50 €, Stand 2025/26); in der Saison fahren außerdem Ausflugsboote die Bucht an.
Essen und Abende
Das kulinarische Markenzeichen von Lindos sind die Dachterrassen: Über den Gassen reihen sich Restaurants, von denen man auf die abends angestrahlte Akropolis blickt — diese Aussicht ist Teil dessen, was man bezahlt. Die Qualität schwankt stark. Direkt an der durchlaufenen Hauptgasse ist sie oft auf schnellen Durchsatz ausgelegt; in den ruhigeren Seitengassen und am Ortsrand kocht man häufig sorgfältiger. Eine feste Regel gibt es nicht — ein Blick auf Karte, Gäste und Preise vor dem Hinsetzen lohnt sich, und im Hochsommer ist für die begehrten Terrassen eine Reservierung sinnvoll. Was die Inselküche ausmacht, steht im Überblick Essen und Trinken.
Übernachten
Im Dorf selbst übernachtet man in restaurierten Kapitänshäusern — kleine Boutique-Hotels und Studios mit Innenhöfen und Dachterrassen, atmosphärisch konkurrenzlos, aber preislich gehoben und wegen der autofreien Gassen mit Gepäck etwas umständlich. Die ruhigere und günstigere Alternative ist eine Basis außerhalb: Das benachbarte Pefkos liegt wenige Autominuten südlich und verbindet einen flachen Familienstrand mit der Nähe zu Lindos. Ob man überhaupt im quirligen Norden oder lieber hier im Südosten Quartier nimmt, wägt der Vergleich Lindos oder Faliraki ab.
Lindos kombinieren
Lindos lässt sich gut mit der Umgebung verbinden. Als ruhige Übernachtungsbasis bietet sich neben Pefkos auch das weiter südlich gelegene Kiotari an, von dem aus der stille Süden der Insel in Reichweite liegt. Wer einen Tag erübrigt, kann von Lindos oder Rhodos-Stadt aus die Nachbarinsel auf einem Tagesausflug nach Symi besuchen. Und für die Frage, in welchen Monaten sich der Ort von seiner besten Seite zeigt, hilft der Überblick zur besten Reisezeit weiter.









