Lindos liegt rund fünfzig Kilometer südlich von Rhodos-Stadt an der Ostküste der Insel — eingebettet zwischen einer geschützten Bucht im Norden und einer kleineren Bucht im Süden, überragt von einem Felsmassiv, auf dem die antike Akropolis sitzt. Diese Lage ist nicht zufällig: Schon in der Antike war Lindos einer der drei dorischen Stadtstaaten von Rhodos und einer der wichtigsten Häfen der östlichen Ägäis.
Heute ist Lindos vor allem ein Ortsbild: weiß getünchte Würfelhäuser, schmale, autofreie Gassen, gepflasterte Höfe mit den charakteristischen Choklakia-Mosaiken aus schwarzen und weißen Kieseln. Viele dieser Häuser stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und gehörten den Schiffskapitänen, die hier ihren Reichtum verbauten.
Was Lindos besonders macht
Drei Dinge prägen den Eindruck. Erstens das Zusammenspiel aus Akropolis, Dorf und Meer: Von fast jedem Punkt im Ort sieht man die antiken Säulen über sich. Zweitens die Architektur — Lindos ist ein geschütztes Ensemble, Neubauten sind verboten. Drittens das Licht: Die weißen Wände reflektieren die Sonne so stark, dass jede Aufnahme aus dem Ort fast überbelichtet wirkt.
Was Lindos nicht ist: ein ruhiger Ort. Im Hochsommer kommen täglich tausende Tagesgäste mit Bussen und Booten. Wer Lindos in seiner ruhigen Form erleben will, sollte früh morgens oder am späten Nachmittag dort sein — oder die Nebensaison wählen.
Akropolis von Lindos
Die Akropolis ist der zentrale Anziehungspunkt. Auf einem 116 Meter hohen Felsen über dem Ort thront der Tempel der Athena Lindia — ein Kultort, der bis ins 10. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht und in dem der Sage nach schon Helena von Troja und Alexander der Große geopfert haben sollen. Ergänzt wird er durch eine zweischiffige Stoa aus hellenistischer Zeit (208 v. Chr.), die byzantinische Agios-Ioannis-Kapelle und den Palast der Johanniter aus dem 14. Jahrhundert. Der Aufstieg dauert je nach Tempo 15 – 25 Minuten und führt über teils sehr glatte, abgenutzte Stufen — feste Schuhe und Wasser sind Pflicht. Eintritt 12 € (Stand 2025), geöffnet ganzjährig, im Sommer meist 8 – 19:30 Uhr.
Die zwei Buchten
Die größere Bucht im Norden — die Lindos-Bucht — bietet einen langen Sandstrand mit ruhigem, flachem Wasser. Sie ist familienfreundlich, aber im Sommer dicht belegt. Die kleinere Bucht im Süden ist die Pallas-Bucht, der antike Hafen — eine geschützte, fast geschlossene Bucht, ideal für ruhige Schwimmer und mit Blick auf die Akropolis von unten.
Durch die Gassen
Wer abseits der Hauptachse läuft, findet die eigentliche Substanz von Lindos: die Kapitänshäuser. Vor allem das Papakonstantis-Haus und das Krekas-Haus sind tagsüber gegen kleinen Eintritt zugänglich — geschnitzte Holzdecken, gemalte Friese, Choklakia-Mosaike im Hof. Auch die Panagia-Kirche aus dem 14. Jahrhundert mit ihren spätmittelalterlichen Fresken ist ein lohnender Stopp; sie liegt direkt an der Hauptgasse, wird aber von den meisten Tagesgästen ohne Halt passiert.
Essen und Trinken
Die meisten Tavernen in Lindos liegen auf den Dachterrassen — der Blick auf die beleuchtete Akropolis am Abend ist Teil des Preises. Die Qualität schwankt: Auf den ersten Metern entlang der Hauptachse ist sie oft mäßig, in den ruhigeren Nebengassen Richtung Pallas-Bucht und am südlichen Ortsrand deutlich besser. Reservieren ist im Hochsommer fast überall sinnvoll.
Anreise und Parken
Mit dem Mietwagen aus Rhodos-Stadt rund eine Stunde über die Ostküstenstraße. Im Ort selbst herrscht ganzjährig Fahrverbot — der einzige Zugang führt zu Fuß durch das nördliche oder südliche Tor. Parkplätze gibt es oberhalb des Ortes (gebührenpflichtig, ca. 5 € / Tag) und an der Lindos-Bucht. KTEL-Busverbindung aus Rhodos-Stadt mehrmals täglich (Linie Rhodos – Lindos – Pefki), Fahrzeit knapp 1,5 Stunden, im Sommer im 1- bis 2-Stunden-Takt. Für den Aufstieg zur Akropolis empfehlen wir den Fußweg; den traditionellen Eseltransport sehen Tierschutzorganisationen seit Jahren kritisch.












