Lindos hat streng genommen drei Badebuchten. Zwei liegen direkt am Fuß des Akropolis-Felsens und sind doch grundverschieden: die weite Hauptbucht im Norden, offiziell Megali Paralia, im vorderen Abschnitt vor dem Ort auch Pallas Beach genannt: flach, sandig, durchorganisiert und der Familienstrand des Dorfes. Südlich des Felsens liegt die kleine St.-Pauls-Bucht (Agios Pavlos), eine fast vollständig vom Fels umschlossene Lagune mit einem schmalen Durchlass zum offenen Meer. Rund zwei Kilometer nördlich, schon außerhalb des Dorfes, folgt die Vlicha-Bucht, die als Ausweichstrand häufig unterschätzt wird. Urlauber mit Quartier im Ort baden meist in mehreren, Tagesgäste schaffen oft nur eine. Den Ort selbst, das autofreie Dorf und den Aufstieg zur Burgfelsenanlage behandeln die Beiträge zu Lindos und zur Akropolis von Lindos.
Die drei Buchten im Vergleich
Die Unterschiede sind größer, als die Luftlinie vermuten lässt. Die Hauptbucht ist mit gut 500 Metern Länge die einzige, die spürbar Platz bietet; sie hat den flachsten Einstieg, das breiteste Angebot an Liegen, Tavernen und Wassersport und ist von der Dorfmitte in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Die St.-Pauls-Bucht ist der Postkartenstrand: spektakulär eingerahmt, glasklar, aber winzig: Der eigentliche Sandstreifen ist nur wenige Dutzend Meter breit, und die Liegen kosten hier das Zwei- bis Dreifache. Vlicha schließlich ist die pragmatische Alternative, eine ruhige, weite Bucht mit sanft abfallendem Grund, deutlich weniger Andrang und wesentlich günstigeren Liegen. Als einzige der drei trägt sie 2026 die Blaue Flagge, vergeben für zwei Hotelabschnitte (Lindos Grand und Lindos Mare). Dass die beiden Lindos-Buchten auf der Liste fehlen, sagt nichts über ihre Wasserqualität; ausgezeichnet werden Betreiber, die Rettungsschwimmer und Infrastruktur nach festen Auflagen stellen.
Die Hauptbucht (Megali Paralia / Pallas Beach)
Die große, leicht geschwungene Sandbucht liegt direkt unterhalb des Dorfes am alten Haupthafen — jener Bucht, aus der die lindische Flotte in der Antike auslief. Der Sand ist fein bis mittelkörnig, am Wasserrand mischt sich stellenweise feiner Kies darunter. Das Wasser fällt ausgesprochen flach ab: Man watet an vielen Stellen zwanzig, dreißig Meter, bevor es hüfttief wird. Durch die geschützte Lage bleibt die See auch bei Wind meist ruhig, Wellen sind selten. Damit gehört die Bucht zu den verlässlichsten Familienstränden der Ostküste.
Im Sommer ist der Strand fast vollständig mit Liegen und Schirmen ausgelegt; freie Handtuchplätze gibt es dann vor allem am östlichen Ende Richtung Bootssteg und ganz früh am Morgen. Angeboten werden Tretboote, Kanus und Stand-up-Paddling, dazu Bananenboot-Runden hinter dem Motorboot. Der Blick vom Wasser hinauf auf den Akropolis-Felsen mit den weißen Häusern darunter gehört zu den bekanntesten Lindos-Bildern, weshalb auch Ausflugsboote aus Rhodos-Stadt die Bucht ansteuern.
Die St.-Pauls-Bucht (Agios Pavlos)
Eine fast kreisrunde Lagune, die nur durch einen wenige Meter breiten Felsdurchlass mit dem offenen Meer verbunden ist. Das Wasser steht hier oft nahezu still und ist glasklar. Damit ist die Lagune wohl die ruhigste Schwimmbucht der Insel und ein guter Ort für erste Schnorchelversuche entlang der Felsränder. Über dem Strand steht die kleine weiße Kapelle Agios Pavlos, in ihrer heutigen Form Mitte der 1950er-Jahre errichtet und bis heute für Taufen und Hochzeiten genutzt; in der Saison finden dort so viele Trauungen statt, dass die Bucht als eine der beliebtesten Hochzeitskulissen Griechenlands gilt. Der Überlieferung nach landete der Apostel Paulus hier während eines Sturms, als er das Christentum auf die Insel brachte; daher der Name.
Die Bucht ist klein, und das merkt man. Im Hochsommer ist der Sandstreifen oft schon vormittags belegt; nachmittags stehen Besucher am Rand und suchen einen Platz. Der Untergrund ist sandig, wird zum Durchlass hin steiniger, und der Einstieg ist flach genug für Kinder. Es gibt zwei Zugänge: von oben über eine Treppe vom Parkplatz an der Straße nach Pefkos hinunter zur Kapellenseite, und über den Fußweg vom Dorf, der ebenfalls in Stufen endet. Beide sind ohne Treppensteigen nicht zu bewältigen.
Liegen, Schirme und was sie wirklich kosten
Der Preisunterschied zwischen den beiden Buchten ist der wichtigste praktische Punkt dieser Seite. In der Hauptbucht kostet ein Set aus zwei Liegen und Schirm je nach Betreiber und Reihe rund 20 bis 35 Euro pro Tag; einzelne Beach-Bars verlangen mehr, rechnen den Betrag aber teilweise auf den Verzehr an. In der St.-Pauls-Bucht liegen die Sets deutlich darüber: in der Hochsaison ab etwa 60 Euro für zwei Liegen, in den vorderen Reihen und bei den überdachten Kabanas erheblich mehr. Stundenweise Miete gibt es dort nicht, gezahlt wird der ganze Tag (Stand September 2026).
Der Strand selbst kostet nichts, nur die Ausstattung: Der Sand ist öffentlich, und Liegenreihen dürfen laut den Strandregeln den Zugang zum Wasser nicht versperren. In der Hauptbucht findet sich für das eigene Handtuch meist noch Platz, in der St.-Pauls-Bucht bleibt in der Hochsaison kaum unbelegter Sand übrig. Günstigere Strandalternativen an der Südostküste sammelt der Beitrag Rhodos mit kleinem Budget.
Anfahrt, Parken und Shuttle
Lindos liegt rund 50 Kilometer südlich von Rhodos-Stadt, mit dem Mietwagen über die Ostküstenstraße in gut einer Stunde erreichbar. In den Ort hinein kommt man nicht: Das Dorf ist autofrei. Geparkt wird oberhalb auf dem Plateau bei Krana oder auf privaten Plätzen am Ortseingang, üblicherweise für 6 bis 10 Euro pro Tag (Stand September 2026); in der Hauptsaison sind die Plätze ab dem späten Vormittag belegt. In der Saison pendelt ein kleiner Shuttle zwischen Krana und dem Dorfplatz. Von dort geht es zu Fuß hinunter: zur Hauptbucht wenige Minuten über Gassen und Stufen, zur St.-Pauls-Bucht je nach Weg ein gutes Stück bergab. Für die St.-Pauls-Bucht gibt es zusätzlich einen eigenen, gebührenpflichtigen Parkplatz an der Straße Richtung Pefkos, von dem eine Treppe hinunterführt.
Ohne Auto fährt der KTEL-Bus mehrmals täglich nach Lindos, in etwa 1¼ bis 1½ Stunden ab Rhodos-Stadt für 6,00 Euro einfach (Sommerfahrplan 2026). Ab Mitte September wird ausgedünnt, im Winter (zuletzt von Anfang November bis Mitte April) fahren deutlich weniger Kurse; aktuelle Zeiten hängen am Busbahnhof aus und stehen auf der KTEL-Website. Die Haltestelle liegt oberhalb des Dorfes, der Rest ist Fußweg. In der Saison steuern außerdem Ausflugsboote die Hauptbucht an. Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Eselstaxis: Sie bringen Besucher ausschließlich vom Dorf hinauf zur Akropolis, nicht zu den Stränden, und tragen laut Auflage höchstens 100 Kilogramm inklusive Gepäck.
Schatten, Hitze und Saisonende
Beide Buchten sind nach Osten bis Süden offen und liegen praktisch den ganzen Tag in der Sonne; natürlicher Schatten fehlt fast vollständig. In der Hauptbucht hilft ein gemieteter Schirm, an der St.-Pauls-Bucht ist das Angebot kleiner und deutlich teurer, und der Felsrand wirft erst am späten Nachmittag etwas Schatten. Dazu speichert der Fels die Wärme, und der Kessel unter der Akropolis lässt wenig Wind durch. Über Mittag steht die Sonne erbarmungslos.
Angenehmer sind die Randzeiten: früh am Morgen und ab etwa sechzehn Uhr, wenn die Busgruppen abziehen und sich die Lage sichtbar entspannt. Am wärmsten ist das Meer im August und September, im Oktober hat es noch 22 bis 24 Grad. Dann leert sich allerdings auch der Strandbetrieb: Im Lauf des Oktobers bauen die Betreiber Liegen und Schirme nach und nach ab, viele Strandtavernen schließen, und Wassertaxis wie Ausflugsboote fahren meist nur bis etwa Ende Oktober. Im November sind die Buchten weitgehend unbewirtschaftet, bei rund 20 Grad Wassertemperatur aber noch für ein Bad gut. Mehr dazu unter Rhodos im September und im Überblick zur besten Reisezeit.
Wassersport und Bootstaxi
Von der Hauptbucht starten in der Saison kleine Boote und Wassertaxis zur St.-Pauls-Bucht und zu den umliegenden Felsküsten; die Überfahrt dauert nur wenige Minuten und erspart den Treppenweg. Halbtagestouren mit Schnorchel-Stopp und Badepausen an sonst nicht erreichbaren Felsbuchten sind beliebt, Buchung am Strand oder direkt am Bootssteg. Dazu kommen Tretboot-, Kanu- und SUP-Verleih sowie Bootscharter mit und ohne Skipper. Was es sonst auf dem Wasser gibt, steht im Überblick Bootstouren ab Rhodos; Hinweise zu Ausrüstung und guten Stellen im Beitrag Schnorcheln und Wassersport.
Essen, Trinken und Praktisches
An der Hauptbucht liegen mehrere Strandtavernen und Bars mit Liegenservice; die besseren Adressen findet man allerdings oben im Dorf auf den Dachterrassen mit Blick auf den Felsen (siehe Essen und Trinken). An der St.-Pauls-Bucht gibt es nur wenige Lokale direkt am Wasser. Für einen ganzen Tag dort gehört ausreichend Trinkwasser ins Gepäck, denn Nachschub ist teuer und der Weg zurück hinauf lang. Toiletten und Duschen sind an beiden Buchten vorhanden, in der Hauptbucht in besserem Zustand.
Rettungsschwimmer gibt es an keiner der beiden Buchten. Das Wasser ist ungewöhnlich ruhig und flach, was sie auch für Familien mit Kindern gut nutzbar macht. Die Aufsicht bleibt trotzdem Sache der Eltern, besonders in der St.-Pauls-Bucht, wo es zum Felsdurchlass hin schnell tiefer und steiniger wird. Für einen längeren Aufenthalt im Ort, mit den ruhigen Randzeiten vor der Tür, gibt Wo übernachten auf Rhodos Hinweise zu Standortwahl und Preisniveau.
Hauptbucht oder St. Paul: Welche Bucht zu wem passt
Familien: klare Empfehlung für die Hauptbucht mit flachem Einstieg, ruhigem Wasser, Tavernen und Toiletten in Reichweite und kurzem Weg vom Dorf. Schwimmer und Schnorchler: die St.-Pauls-Bucht früh am Morgen, wenn das Wasser noch spiegelglatt ist. Ruhesuchende im Hochsommer: eher nicht, denn Lindos ist im Juli und August einer der vollsten Orte der Insel. Stiller ist es dann in Vlicha, in Glystra oder an den langen Sandstränden bei Lardos. Budget-Reisende: Vorsicht, insbesondere in der St.-Pauls-Bucht; mit Handtuch, eigenem Sonnenschirm und mitgebrachtem Proviant lässt sich der Tag in der Hauptbucht dagegen günstig gestalten. Fotografen: beide Buchten im ersten und letzten Tageslicht, die St.-Pauls-Bucht zusätzlich vom Rundweg oberhalb der Kapelle.
Mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen
Lindos ist kein einfaches Pflaster für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Das Dorf besteht aus schmalen Gassen mit Kieselmosaik und Kopfsteinpflaster, teils mit Gefälle und Stufen; der Weg vom Parkplatz oder von der Bushaltestelle hinunter ist überall abschüssig. Die Hauptbucht erreicht man von der Dorfmitte über einen Weg mit einigen Stufen und ist damit die vergleichsweise machbarste der drei, mit Begleitung und guter Tagesform. Die St.-Pauls-Bucht ist über beide Zugänge nur per Treppe erreichbar und für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen nicht geeignet; bequemer ist in der Saison das Wassertaxi von der Hauptbucht, sofern ein paar Schritte ins Boot möglich sind. Vlicha ist die einzige Bucht der Umgebung mit ebenerdiger Zufahrt bis nahe an den Sand. Weitere Hinweise stehen im Beitrag Rhodos barrierefrei.
Baden, Akropolis, Dachterrasse: ein Tag in Lindos
Ein typischer Lindos-Tag verbindet Bucht und Fels: morgens baden, solange es noch leer ist, in der Mittagshitze durch die schattigen Gassen des Dorfes mit seinen Kapitänshäusern, am späten Nachmittag hinauf zur Akropolis von Lindos (Eintritt 20 Euro) und abends auf eine Dachterrasse. Im Herbst schließt die Akropolis früher, ab 1. Oktober um 18:30 Uhr, ab 16. Oktober um 18 Uhr. Für mehr Strandzeit bieten sich die Nachbarbuchten an: Pefkos mit mehreren kleinen Sandabschnitten liegt nur wenige Kilometer südlich, dahinter das ruhige Glystra. Nach Norden führt der Weg über Vlicha nach Haraki mit Burgruine und Strandpromenade. Bei der Wahl zwischen den Urlaubsorten hilft der Vergleich Lindos oder Faliraki.







