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Reisetipps

Bootstouren ab Rhodos: Welche Tour zu wem passt

Lindos-Klassiker mit Badestopps, Glasboden-Boote, Symi, Chalki, Piratenschiff oder privates RIB: Das Angebot an den Häfen von Rhodos ist riesig — und nicht jede Tour hält, was der Aushang verspricht. Ein ehrlicher Überblick mit Buchungs-Praxis.

9 Min. LesezeitAktualisiert 6. Juli 2026

Am Mandraki-Hafen von Rhodos-Stadt liegt jeden Morgen eine kleine Flotte aus Ausflugsbooten, und an den Ständen davor wird um Tagesgäste geworben wie auf einem Basar. Dazu kommen die Boote an den Stränden von Faliraki, die Katamarane am benachbarten Kolona-Hafen und ein unübersichtliches Online-Angebot. Die gute Nachricht: Hinter dem Lärm stecken nur eine Handvoll Tour-Typen — und wer sie auseinanderhalten kann, findet schnell die passende.

Dieser Überblick sortiert das Angebot ehrlich: was jede Tour wirklich bietet, für wen sie gedacht ist, was sie als Größenordnung kostet und wo man am besten bucht. Preise und Programme ändern sich saisonal — alle Zahlen hier sind Orientierung, keine Zusage.

Der Klassiker: Ostküsten-Tour nach Lindos

Die meistverkaufte Bootstour der Insel fährt von Mandraki die Ostküste hinunter nach Lindos — ein ganzer Tag auf dem Wasser mit Küstenpanorama, üblicherweise zwei bis drei Stunden Landgang unter der Akropolis und Badestopps auf dem Rückweg, fast immer in der Anthony-Quinn-Bucht und oft zusätzlich vor Tsambika. Als Größenordnung (Stand Juli 2026): einfache Tickets beginnen bei etwa 20 bis 35 € pro Person, die größeren Boote mit Bordessen und Getränken liegen eher bei 45 bis 70 € — je nach Anbieter und Saison. Kinder fahren meist ermäßigt, viele Anbieter holen per Bustransfer auch in den Hotelorten ab.

Ehrlich eingeordnet: Die Tour ist ein bequemer Weg, Lindos ohne Parkplatzsuche zu sehen, und die Küste vom Wasser aus ist tatsächlich ein eigenes Erlebnis. Die Kehrseite ist der Takt — alle Boote fahren ähnliche Zeiten, in der Lindos-Bucht und an den Badestopps ist man selten allein, und „Badestopp" heißt oft nur 30 bis 45 Minuten Ankern in einer gut gefüllten Bucht. Wer Lindos lieber leer erleben will, fährt früh morgens selbst — die Abwägung dazu steht im Mietwagen-Artikel.

Glasboden- und Schnorchel-Touren

Die zweite Familie sind die kürzeren Bade- und Schnorchel-Touren: halb- oder ganztägige Fahrten zu den Felsbuchten zwischen Rhodos-Stadt und Faliraki, meist mit Stopps an der Kallithea-Bucht und der Anthony-Quinn-Bucht. Glasboden-Boote zeigen die Unterwasserwelt auch denen, die nicht ins Wasser wollen — die Erwartung sollte realistisch bleiben: Mittelmeer-Felsgrund mit Fischschwärmen, keine Korallenshow. Preislich (Stand Juli 2026, anbieterabhängig): kurze Glasboden-Runden gibt es auf den Plattformen ab rund 10 bis 15 €, Halbtages-Badetouren Richtung Kallithea und Anthony Quinn ab etwa 30 €, oft mit Getränken oder kleinem Buffet. Für alle, die selbst Maske und Schnorchel anlegen, gilt: Je kleiner das Boot, desto besser meist die Spots und desto länger die Stopps. Welche Buchten sich unter Wasser wirklich lohnen und was an Ausrüstung sinnvoll ist, steht ausführlich im Artikel Schnorcheln & Wassersport.

Inselausflüge: Symi und Chalki

Die Königsdisziplin der Bootstouren sind die Nachbarinseln — und hier lohnt sich die Unterscheidung zwischen Ausflugsboot und Linienfähre besonders:

  • Symi ist der meistgebuchte Inselausflug ab Rhodos: neoklassizistische Hafenkulisse, Treppenweg nach Chorio, bei den Ausflugsdampfern oft mit Stopp am Panormitis-Kloster. Tagestouren ab Mandraki liegen als Größenordnung um 40 bis 50 € pro Person (Stand Juli 2026). Varianten, Zeitbudget und Stolperfallen stehen im eigenen Artikel zum Tagesausflug nach Symi.
  • Chalki ist das ruhige Gegenstück: winziger Hafenort, ein Sandstrand, kaum Autos. Organisierte Touren und Katamarane fahren ab Rhodos-Stadt, deutlich kürzer ist die Personenfähre ab Skala Kameirou an der Westküste. Beide Wege samt Fahrplan-Vorbehalten beschreibt der Artikel zum Tagesausflug nach Chalki.

Faustregel für beide: Organisierte Tour nehmen, wenn man Programm und Transfer will — Linienverbindung nehmen, wenn man maximale Zeit auf der Insel will und sich selbst um Tickets und Rückfahrt kümmert.

Piratenschiff und Familien-Touren ab Faliraki

Ab Faliraki und Rhodos-Stadt fahren in der Saison mehrere ausdrücklich auf Familien zugeschnittene Touren — am bekanntesten die „Piratenschiff"-Fahrten mit kostümierter Crew, Kinderanimation und Badestopps in den Buchten der Ostküste. Das ist kein verschämtes Nischenprodukt, sondern genau das, was es verspricht: laut, bunt, mit Musik — und für Kinder zwischen vier und zehn oft der beste Tag des Urlaubs. Wer Ruhe auf dem Wasser sucht, ist hier falsch und sollte das vor der Buchung wissen. Preislich liegen die Familien-Touren in derselben Größenordnung wie die Lindos-Klassiker, Kinder zahlen ermäßigt oder fahren frei.

Privat: RIB-Charter und Mietboote

Wer Buchten ohne Bootskolonne will, mietet selbst: Rund um Rhodos-Stadt, Faliraki und Lindos vermitteln Agenturen und Plattformen Motorboote, RIBs (Festrumpfschlauchboote) und Segelyachten — vom kleinen, führerscheinfrei fahrbaren Motorboot (bis 30 PS) bis zum privaten RIB- oder Yacht-Tag mit Skipper. Billig ist das nicht: Führerscheinfreie Boote kosten als Größenordnung (Stand Juli 2026) etwa 200 bis 250 € für einen halben Tag und ab rund 250 € für den ganzen Tag, Sprit kommt obendrauf — auf fünf, sechs Personen verteilt relativiert sich das. Ein RIB- oder Yacht-Tag mit Skipper kostet je nach Boot und Saison schnell mehrere hundert Euro und rechnet sich vor allem für Gruppen. Der Gewinn ist real: eigene Route, leere Buchten am frühen Morgen, Stopps so lange man will. Die Pflichten auch — Wind- und Wellenlage gehören vor dem Auslaufen geprüft, und bei auffrischendem Meltemi sagen seriöse Vermieter ab. Genau daran erkennt man sie.

Buchen: am Hafen, online oder im Hotel?

Drei Wege führen zum Ticket, und sie unterscheiden sich weniger im Preis als in der Transparenz:

  • Direkt am Hafen: An den Ständen am Mandraki und in Faliraki sieht man das Boot vorher, kann Fragen stellen und kurzfristig nach Wetterlage buchen. Handeln ist außerhalb der Hochsaison nicht unüblich.
  • Online: Buchungsplattformen und die Websites der Veranstalter zeigen Bewertungen und das Kleingedruckte (Stornobedingungen!) — in der Hochsaison der sicherste Weg an die beliebten Boote. Die Plattform-Provision steckt im Preis, dafür gibt es meist kostenlose Stornofristen.
  • Über Hotel oder Reiseleitung: Bequem, oft mit Transfer ab Hotel — aber ehrlicherweise der Weg mit der dicksten Provisionsschicht. Es wird dasselbe Boot verkauft wie am Hafen, nur selten günstiger. Wer den Komfort will, zahlt ihn bewusst; wer sparen will, vergleicht vorher den Direktpreis.

Unabhängig vom Weg gilt: Vor der Buchung klären, was genau enthalten ist (Essen? Getränke? Eintritte? Transfer?), wie lange die Badestopps wirklich dauern und was bei Schlechtwetter passiert — erstattet oder verschoben.

Was an Bord gehört

  • Sonnenschutz in ernsthafter Dosis: Auf dem Wasser verbrennt man schneller als am Strand — Creme, Hut und ein UV-Shirt für die Badestopps.
  • Badesachen unter der Kleidung plus Handtuch und Badeschuhe — die Leitern enden oft über Fels und Kies.
  • Eigene Maske und Schnorchel: Leihmasken an Bord sind Glückssache.
  • Wasser und ein kleiner Snack — Bordverpflegung ist nicht überall enthalten und an Bord teurer.
  • Bargeld für Bordkasse, Liegen am Landgang und Trinkgeld.
  • Eine leichte Windjacke — auf der Rückfahrt am späten Nachmittag frischt es auf dem Deck spürbar auf.

Rücksicht: Das Meer ist kein Bordausguss

Die Buchten, die diese Touren tragen, stehen unter erheblichem Druck — an Spitzentagen ankern in der Anthony-Quinn-Bucht Dutzende Boote. Was jeder Gast beitragen kann: nichts über Bord (auch keine Obstreste oder Zigaretten), Fische nicht füttern — selbst wenn die Crew Brot verteilt —, beim Schnorcheln nichts anfassen und nichts mitnehmen, Sonnencreme rechtzeitig vor dem Sprung ins Wasser einziehen lassen. Anbieter, die Müll trennen, nicht im Seegras ankern und aufs Fischfüttern verzichten, verdienen den Vorzug. Was an Land gilt, steht in den Strandregeln — auf dem Wasser gilt es doppelt.