Skala Kameirou — auf Schildern und in Fahrplänen meist Kamiros Skala — ist kaum mehr als eine Bucht mit Mole an der Westküste von Rhodos, rund 50 Kilometer südwestlich der Inselhauptstadt. Ein paar Fischerboote, ein Kai, an dem morgens Kisten und Vorräte auf die Überfahrt warten, eine Handvoll Tavernen, daneben ein kurzer Kiesstrand: Das ist der ganze Ort. Hotels, Promenade oder Strandbars gibt es nicht — und genau das macht den Stopp lohnend.
Der Name erklärt die Funktion. Skala bezeichnet im Griechischen die Anlegestelle eines Ortes im Hinterland; diese Bucht diente seit jeher als Hafen für das Bergdorf Kritinia und sein Umland, benannt ist sie nach der antiken Stadt Kamiros weiter nördlich an derselben Küste. Heute hat der kleine Hafen vor allem eine Aufgabe: Er verbindet Rhodos mit der vorgelagerten Insel Chalki.
Der Hafen
Wer am Vormittag kommt, sieht den Hafen bei der Arbeit: Fischer landen den Fang der Nacht an, am Kai wird geladen, was die Nachbarinsel braucht, dazwischen warten Einheimische und ein paar Ausflügler auf das Boot. Skala Kameirou ist in erster Linie Versorgungshafen — ein Gutteil dessen, was auf Chalki täglich gebraucht wird, geht über diese Mole. Tourismus findet hier nebenbei statt, nicht als Hauptgeschäft.
Entsprechend unaufgeregt ist das Bild: keine Liegenreihen, keine Souvenirstände, nur der Kai, die Tavernen und gleich neben dem Hafen ein kleiner Kiesstrand mit ruhigem, klarem Wasser — für eine Abkühlung zwischen Mittagessen und Weiterfahrt reicht er völlig. Ein paar Privatzimmer werden vermietet, viel mehr Unterkunft gibt es nicht. Wenn am Nachmittag das letzte Boot zurück ist, wird es still.
Fischtavernen am Kai
Gegessen wird in Skala Kameirou direkt am Wasser: Eine Handvoll einfacher Fischtavernen reiht sich am Kai und an der kurzen Zufahrt hinunter zum Hafen, die Terrassen liegen nur wenige Meter von den Booten entfernt. Die Küche ist unkompliziert — gegrillter Fisch aus dem Tagesfang, Oktopus, Kalamari, dazu Salat, Brot und offener Wein. Stärkste Zeit ist der Mittag, wenn sich Westküsten-Ausflügler und Fährgäste treffen; am Abend und außerhalb der Saison ist es deutlich ruhiger, im Winter schließen manche Häuser ganz.
Frischer Fisch wird wie überall in Griechenland nach Gewicht berechnet — das gehört hier zum Ritual und ist kein Misstrauensbeweis. Was die Inselküche insgesamt ausmacht, vom Mezedes-Tisch bis zur Frage des Hausweins, steht im Überblick Essen und Trinken.
Das Tor nach Chalki
Seinen festen Platz im Inselalltag hat Skala Kameirou als Fährhafen für Chalki, die kleine Nachbarinsel rund 20 Seekilometer westlich. Kleine Personenfähren — zuletzt die Boote Nikos Express, Nissos Halki und Fedon — pendeln in der Regel täglich hinüber, in der Sommersaison mehrmals am Tag. Die Überfahrt dauert je nach Schiff etwa 45 bis 75 Minuten, einfache Tickets lagen zuletzt um die 15 Euro (Stand Mai 2026). Verbindlich ist daran wenig: Die Fahrpläne werden häufig monatlich neu festgelegt und vor allem per Aushang am Hafen und über die Kanäle der Betreiber bekannt gegeben — wer die Überfahrt fest einplant, prüft die Zeiten unmittelbar vorher.
Als Tagesausflug ist Chalki eine der schönsten Ideen der Westküste — ein zweites, viel langsameres Inselbild. Um den Naturhafen Emporio (Nimborio) staffeln sich die pastellfarbenen Kapitänshäuser des einzigen Ortes der Insel; Autos gibt es kaum, das Straßennetz misst nur gut ein Dutzend Kilometer, und der flache Sandstrand von Pontamos ist vom Anleger aus zu Fuß erreichbar. Wer mehr will, steigt zum verlassenen Bergdorf Chorio auf, über dem eine kleine Johanniterburg wacht. Der Mietwagen bleibt derweil in Skala Kameirou stehen — die Boote nehmen im Regelfall nur Fußgäste mit. Ob aus dem Ausflug ein voller Tag wird, entscheidet allein der aktuelle Fahrplan.
Antikes Kamiros
Rund 13 Kilometer nördlich des Hafens — etwa eine Viertelstunde über die Küstenstraße — liegt das Antike Kamiros, die am vollständigsten erhaltene antike Stadtanlage der Insel: Agora, Wohnviertel und Akropolis einer hellenistischen Polis, terrassenförmig in den Hang über dem Meer gebaut. Die Kombination ist ein Klassiker der Westküste: vormittags durch die Ausgrabung, bevor die Sonne auf dem schattenlosen Hang steht, danach Mittagessen am Kai von Skala Kameirou. Öffnungszeiten, Eintritt und der Rundgang im Detail stehen im eigenen Beitrag.
Die Burg über Kritinia
Die zweite Station in der Nachbarschaft ist die Johanniterburg Kastellos. Sie steht nicht direkt über dem Hafen, sondern auf einem Hügel über dem Bergdorf Kritinia, wenige Kilometer landeinwärts — von der Küstenstraße führt eine kurze Stichstraße hinauf. Ab 1472 als Teil der Wach- und Signalkette des Ordens errichtet, ist sie heute eine frei zugängliche Ruine mit weitem Blick über das Meer bis Chalki und zu den vorgelagerten Eilanden. Am späten Nachmittag, wenn das Licht flach über die Westküste fällt, ist der Abstecher am schönsten; Geschichte, Anfahrt und Hinweise stehen im eigenen Beitrag zur Burg.
Praxis: Anfahrt und Parken
Am einfachsten kommt man mit dem Mietwagen: Von Rhodos-Stadt führt die Westküstenstraße in rund einer Stunde bis zur ausgeschilderten Abfahrt, eine kurze Stichstraße läuft hinunter zum Wasser. Geparkt wird auf dem Platz direkt am Hafen — kostenfrei, aber begrenzt: In der Hochsaison füllt er sich vor den Bootsabfahrten, ein Zeitpuffer schadet nicht. Busse fahren die südliche Westküste nur selten an; einzelne Kurse sind auf die Fährabfahrten abgestimmt, verlassen sollte man sich darauf aber nicht, ohne den aktuellen Plan gesehen zu haben. Die Infrastruktur vor Ort ist minimal — getankt und eingekauft wird besser unterwegs.
Kombinieren: die Westküsten-Runde
Am meisten gibt Skala Kameirou her, wenn man es in eine Tagesrunde über die Westküste einbaut. Das klassische Programm: am Vormittag die Ausgrabung von Kamiros, mittags Fisch am Kai, danach hinauf zur Burg über Kritinia. Wer dann noch Zeit hat, fährt landeinwärts ins Weindorf Embonas am Fuß des Attavyros oder die Küste weiter nach Süden bis Monolithos mit der zweiten großen Johanniterburg dieser Seite der Insel. In genau dieser Reihenfolge ist die Runde auch ein natürlicher Baustein der 7-Tage-Route.







