Skala Kameirou, auf Schildern, in Fahrplänen und auf Buchungsportalen meist Kamiros Skala, ist kaum mehr als eine Bucht mit Mole an der Westküste von Rhodos, rund 45 Straßenkilometer von der Inselhauptstadt entfernt. Ein paar Fischerboote, ein Kai, an dem morgens Kisten und Vorräte auf die Überfahrt warten, eine Handvoll Tavernen, daneben ein kurzer Kiesstrand: Das ist der ganze Ort. Hotels, Promenade oder Strandbars fehlen, und gerade darin liegt der Reiz des Stopps.
Der Name erklärt die Funktion. Skala bezeichnet im Griechischen die Anlegestelle eines Ortes im Hinterland; die Bucht diente seit jeher als Hafen für das Bergdorf Kritinia und sein Umland, ihren Namen trägt sie nach der antiken Stadt Kamiros weiter nördlich an derselben Küste. Heute hat der kleine Hafen vor allem eine Aufgabe: Er verbindet Rhodos mit der vorgelagerten Insel Chalki.
Ein Hafen ohne Ort
Am besten justiert man die Erwartung gleich: Skala Kameirou ist kein Dorf, sondern eine Funktion. Es gibt keinen Ortskern, keine Kirche im Zentrum, keinen Platz mit Kafenion. Die Bewohner der Gegend leben oben in Kritinia, rund fünf Straßenkilometer landeinwärts und gut 200 Meter höher. Unten am Meer stehen die Mole, ein Fährbüro, die Tavernen und ein Parkplatz. Mit einem malerischen Fischerort wie Haraki oder Stegna hat das wenig zu tun; hier arbeitet ein Hafen, und genau so sieht er aus.
Am Vormittag lässt sich das gut beobachten: Fischer landen den Fang der Nacht an, am Kai wird geladen, was die Nachbarinsel braucht, von Getränkekisten über Baumaterial bis zu Gemüsesteigen, dazwischen warten Einheimische und ein paar Ausflügler auf das Boot. Ein Gutteil dessen, was auf Chalki täglich gebraucht wird, geht über diese Mole. Tourismus läuft nebenbei mit.
Entsprechend unaufgeregt ist das Bild: keine Liegenreihen, keine Souvenirstände, kein Geldautomat, kein Supermarkt. Sobald am späten Nachmittag das letzte Boot zurück ist und die Tagesgäste abgefahren sind, wird es still. Für den Hafen selbst reichen zwei Stunden, der Rest des Tages gehört der Umgebung.
Die Fähre nach Chalki
Seinen festen Platz im Inselalltag hat Skala Kameirou als Fährhafen für Chalki, die kleine Nachbarinsel rund 20 Kilometer westlich. Kleine Personenfähren pendeln hinüber, die Überfahrt dauert je nach Schiff und Wetter etwa 45 bis 75 Minuten. Die einfache Fahrt kostet laut Buchungsportalen rund 15 Euro (Stand September 2026); manche Portale nennen niedrigere Ab-Preise, verbindlich ist der Tarif am Kai.
Wichtiger als der Preis ist die Fahrplanlogik. In der Hauptsaison von Juni bis September fährt praktisch täglich ein Boot, an vielen Tagen mehrere, über die Woche gerechnet gut anderthalb Dutzend Verbindungen. Von Oktober bis Mai schrumpft das Angebot auf wenige Verbindungen pro Woche, laut den Portalen etwa drei (Stand September 2026); dann bestimmt der Versorgungsbedarf der Insel den Takt, nicht der Ausflugsverkehr. Ganzjährig verkehren außerdem größere Fähren ab Rhodos-Stadt nach Chalki.
Die Boote ab Skala Kameirou sind Linien- und Versorgungsschiffe, keine Ausflugsdampfer. Das hat drei praktische Folgen. Erstens stehen die Zeiten oft erst wenige Tage bis eine Woche im Voraus fest und hängen teils nur am Hafen aus; ein im Frühjahr ausgedruckter Augustfahrplan stimmt im August selten noch. Zweitens nehmen die Fähren nur Fußgäste mit. Der Mietwagen bleibt auf dem Hafenparkplatz, was für einen Tagesausflug kein Nachteil ist, denn auf Chalki braucht man kein Auto. Drittens entscheidet bei Wind, im Sommer meist dem Meltemi, der Kapitän, und seine Entscheidung kann eine Abfahrt kurzfristig kippen.
Rückkehr am selben Tag: Im Sommer klappt das regelmäßig, aber nicht automatisch. Typisch ist ein Kurs am Vormittag hinüber und einer am späten Nachmittag zurück; das ergibt vier bis sechs Stunden auf der Insel, genug für Emporio, ein Bad und ein Mittagessen. In der Nebensaison fährt das nächste Boot dagegen unter Umständen erst zwei Tage später zurück, und aus dem Ausflug wird eine Übernachtung. Deshalb zuerst die Rückfahrt klären, dann die Hinfahrt buchen. Tickets gibt es am Kai und über die üblichen Fährportale; an Spitzentagen der Hochsaison sind die kleinen Boote voll.
Ohne die frühe Anfahrt an die Westküste geht es auch ab Rhodos-Stadt hinüber: Der Katamaran fährt Chalki ebenfalls an, kostet mit rund 25 bis 35 Euro einfach aber deutlich mehr und verkehrt seltener. Welche Variante zu welchem Tagesplan passt und was auf der Insel wartet, beschreibt der Tagesausflug nach Chalki ausführlich.
Was auf Chalki wartet
Als Tagesziel gehört Chalki zu den schönsten Ideen der Westküste: ein zweites, viel langsameres Inselbild. Um den Naturhafen Emporio (Nimborio) staffeln sich die pastellfarbenen Kapitänshäuser des einzigen Ortes der Insel. Autos gibt es kaum, das Straßennetz misst nur gut ein Dutzend Kilometer, und der flache Kiesstrand von Pontamos ist vom Anleger aus zu Fuß erreichbar. Weiter oben liegt das verlassene Bergdorf Chorio, darüber wacht eine kleine Johanniterburg aus derselben Wach- und Signalkette, zu der auch Kastellos bei Skala Kameirou gehört. Rund 300 Menschen leben ganzjährig auf der Insel, Hektik ist keine dabei.
Essen am Hafen
Gegessen wird in Skala Kameirou direkt am Wasser. Eine Handvoll einfacher Fischtavernen reiht sich am Kai und am kurzen Hang darüber, die Terrassen liegen wenige Meter von den Booten entfernt und blicken auf die Mole und die Silhouette von Chalki. Die Küche ist unkompliziert: gegrillter Fisch aus dem Tagesfang, Oktopus, Kalamari, dazu Salat, Brot und offener Wein. Für einen einfachen Mezedes-Teller mit Getränk sind rund 12 bis 18 Euro pro Person zu rechnen, frischer Fisch nach Gewicht kostet je nach Art und Größe deutlich mehr (Stand September 2026).
Am vollsten ist es mittags, wenn sich Westküsten-Ausflügler und Fährgäste treffen; zwischen etwa 13 und 15 Uhr wird es an den wenigen Tischen eng, besonders kurz nach der Ankunft eines Bootes. Abends und außerhalb der Saison ist es deutlich ruhiger, in der Nebensaison öffnen manche Tavernen nur noch mittags, im Winter schließen einige ganz. Was die Inselküche insgesamt ausmacht, vom Mezedes-Tisch bis zur Frage des Hausweins, steht im Überblick Essen und Trinken.
Der Strand am Hafen
Direkt neben der Mole liegt ein kurzer Kies- und Grobsandstrand mit ruhigem, sehr klarem Wasser. Für einen ganzen Badetag ist er nicht gedacht: Es gibt weder Liegen noch Schirme, keine Strandbar und keinen Rettungsschwimmer, und der Untergrund ist so grob, dass Badeschuhe die Sache deutlich angenehmer machen. Für eine Abkühlung zwischen Mittagessen und Weiterfahrt reicht er aber völlig, und weil kaum jemand herkommt, hat man das Wasser oft für sich.
Wie überall an der Westküste ist das Meer hier windanfälliger und oft etwas kühler als an der Ostküste, denn von Juni bis September steht an vielen Tagen der Meltemi aus Nordwest auf der Küste. An ruhigen Tagen ist eine Maske eine gute Idee, der felsige Rand der Bucht ist überraschend belebt. Für einen richtigen Strandtag sind die geschützteren Buchten auf der anderen Inselseite die bessere Wahl; die Abwägung steht in Ost- oder Westküste.
Die Burg Kastellos über der Küste
Die nächste Station ist die Johanniterburg Kastellos, auch Burg von Kritinia genannt. Sie steht gut einen Kilometer Luftlinie südlich des Hafens auf einem 131 Meter hohen Hügel über der Küste; das namensgebende Bergdorf Kritinia liegt rund zweieinhalb Kilometer weiter landeinwärts. Von der Küstenstraße führt eine kurze, steile Stichstraße hinauf zu einem kleinen Parkplatz mit etwa 15 Stellplätzen. Ab 1472 als Teil der Wach- und Signalkette des Ordens errichtet, ist die Burg heute eine frei zugängliche Ruine: kein Ticket, keine Öffnungszeiten, aber auch kein Geländer. Auf dem unebenen Mauerwerk ist Vorsicht angebracht, festes Schuhwerk hilft.
Hinauf lockt vor allem der Blick. Von der obersten Terrasse liegt die halbe Westküste offen, dazu das Meer bis Chalki und die vorgelagerten Eilande, also die Strecke, die die Fähre unten zurücklegt. Am schönsten ist es am späten Nachmittag, wenn das Licht flach über die Küste fällt. Geschichte, Anfahrt und Hinweise stehen im eigenen Beitrag zur Burg.
Antikes Kamiros in der Nähe
Rund zwölf Kilometer nördlich des Hafens, etwa eine Viertelstunde über die Küstenstraße, liegt das Antike Kamiros, die am vollständigsten erhaltene antike Stadtanlage der Insel: Agora, Wohnviertel und Akropolis einer hellenistischen Polis, terrassenförmig in den Hang über dem Meer gebaut. Der Eintritt kostet 10 Euro. Vom 1. April bis 31. Oktober ist die Ausgrabung in der Regel von 8 bis 20 Uhr geöffnet, vom 1. November bis 31. März von 8:30 bis 15:30 Uhr, dienstags ist dann geschlossen (Stand September 2026).
Trotz des ähnlichen Namens sind die beiden Orte nicht dasselbe und liegen auch nicht nebeneinander, eine Verwechslung, die regelmäßig für verpasste Fähren sorgt. Zusammen ergeben sie trotzdem einen der schönsten Halbtage der Westküste: vormittags durch die Ausgrabung, bevor die Sonne auf dem schattenlosen Hang steht, danach Mittagessen am Kai von Skala Kameirou. Details zum Rundgang stehen im eigenen Beitrag.
Anreise und Parken
Realistisch führt der Weg hierher nur über den Mietwagen. Von Rhodos-Stadt sind es über die Westküstenstraße rund 45 Kilometer und etwa eine Stunde bis zur ausgeschilderten Abfahrt, von der eine kurze Stichstraße hinunter zum Wasser führt. Die Strecke ist gut ausgebaut, das letzte Stück eng, aber problemlos. Geparkt wird auf dem Platz direkt am Hafen, kostenfrei, aber begrenzt. Vor den Bootsabfahrten der Hochsaison füllt er sich, zumal Chalki-Tagesgäste ihr Auto den ganzen Tag stehen lassen; früh da zu sein zahlt sich aus.
Mit dem Bus ist der Hafen nur mit Mühe zu erreichen. Die Überlandlinie über Kritinia nach Kamiros Skala, laut den Westseiten-Fahrplänen der Stadt Rhodos eine Linie der städtischen RODA, fährt nach dem Stand vom August 2026 werktags nur einmal am frühen Nachmittag (13:30 Uhr ab Rhodos) hin und frühmorgens zurück, sonntags gar nicht. Für einen Fährtag geht diese Rechnung nicht auf, und im Winter kann sich der Fahrplan weiter ändern. Was das Bussystem insgesamt leistet und wo seine Grenzen liegen, steht in Busse auf Rhodos.
Die Infrastruktur vor Ort ist minimal: keine Tankstelle, kein Geldautomat, kein Supermarkt. Getankt und eingekauft wird besser unterwegs. Auch weiter südlich wird es dünn; in Monolithos etwa gibt es keine Tankstelle, die nächste steht in Apolakkia.
Wem sich der Stopp lohnt
Für die Überfahrt nach Chalki ist Skala Kameirou ohnehin der Startpunkt. Darüber hinaus taugt der Ort als Mittagsstopp auf einer Westküsten-Runde, denn zwischen Ausgrabung und Burg bietet sich hier die einzige nennenswerte Gelegenheit, gut und ohne Touristenkulisse am Wasser zu essen. Fotografen kommen auf ihre Kosten, wenn morgens die Boote entladen werden.
Weniger geeignet ist der Hafen für Badegäste mit Ganztagsanspruch, für Familien, die Schatten, Spielplatz und Kiosk brauchen, und für Reisende ohne Auto. Einen Tag allein trägt Skala Kameirou nicht, als Baustein eines Tages aber sehr gut.
Beste Zeit und Sonnenuntergang
Für den Hafen selbst ist der frühe Vormittag die beste Zeit: Dann wird gearbeitet, die Luft ist klar, und die Sonne steht noch nicht senkrecht über dem schattenarmen Kai. Fährgäste haben ohnehin keine Wahl, die Hinkurse liegen meist am Morgen. Für die Kombination aus Ausgrabung, Mittagessen und Burg passen Mai, Juni, September und Oktober am besten: warm genug für ein Bad, kühl genug für die Ruinen. Ab November ist es am Hafen still, Ausgrabung und Tavernen haben kürzere Zeiten, und die Fähre fährt nur noch an wenigen Tagen.
Unterschätzt wird der Abend. Skala Kameirou liegt auf der Sonnenuntergangsseite der Insel, und der Blick über die offene See nach Chalki ist frei von Bebauung. Allerdings schließen die Tavernen abends früher als an den Touristenküsten, und die Rückfahrt führt im Dunkeln über kurvige Straßen; nach der Zeitumstellung am letzten Oktobersonntag (2026: 25.10.) geht die Sonne schon gegen 17:15 Uhr unter, dunkel wird es rund eine halbe Stunde später. Schöner ist es, den Sonnenuntergang oben an der Burg oder auf dem Weg nach Embonas mitzunehmen. Welcher Monat wofür taugt, steht in der besten Reisezeit.
Übernachten
Am Hafen selbst gibt es kaum Betten, ein paar Privatzimmer und Apartments, in der Nebensaison oft nicht einmal die. Als Basis für die Gegend eignen sich eher Kritinia und die Dörfer des Hinterlands oder gleich Monolithos weiter südlich. Vor einem Chalki-Ausflug mit früher Abfahrt ist eine Nacht in der Nähe durchaus sinnvoll, weil sie den Start um halb sieben in Rhodos-Stadt oder Faliraki erspart. Die grundsätzliche Standortfrage klärt Wo übernachten auf Rhodos.
Die Westküsten-Runde: Kamiros, Kastellos, Embonas
Am meisten gibt Skala Kameirou als Teil einer Tagesrunde über die Westküste her. Ein bewährter Ablauf: gegen 9 Uhr die Ausgrabung von Kamiros, gegen 13 Uhr Fisch am Kai, danach hinauf zur Burg Kastellos. Das sind rund fünf Stunden, alles innerhalb von gut zwölf Kilometern, und der Tag hat trotzdem Luft.
Danach bieten sich zwei Richtungen an. Landeinwärts liegt das Weindorf Embonas am Fuß des Attavyros, rund 15 Kilometer über eine kurvige Bergstraße, mit Weinproben, Grilltavernen und dem Aufstieg auf den höchsten Inselberg. Südlich führt die Küstenstraße in etwa 25 Kilometern nach Monolithos mit der zweiten großen Johanniterburg dieser Inselseite. Beides an einem Tag geht, wird aber hektisch; bei Hitze spricht mehr für Embonas, bei gutem Licht mehr für Monolithos. In dieser Reihenfolge ist die Runde auch ein natürlicher Baustein der 7-Tage-Route.











