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Mittelalterliche Festung von Kritinia auf einem Felshügel über der Westküste von Rhodos
Sehenswürdigkeit · Mittelalter

Kritinia Castle (Kastellos)

Eine Johanniterburg über dem Bergdorf Kritinia an der Westküste — heute weitgehend Ruine, frei zugänglich und mit einem der weitesten Ausblicke der Insel: bis Chalki und an klaren Tagen bis zur anatolischen Küste.

Kritinia Castle — bei den Einheimischen Kastellos — liegt auf einem bewaldeten Hügel über dem gleichnamigen Bergdorf an der Westküste von Rhodos, rund 130 Meter über dem Meer. Die Burg gehört zum Verteidigungsnetz, das der Johanniterorden im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert über die ganze Insel zog: eine Kette aus Wachposten und Zufluchtsorten, die im Falle eines osmanischen Angriffs Zeit verschaffen und der Landbevölkerung Schutz bieten sollte. Von hier oben ließen sich die See nach Westen und die Bewegungen feindlicher Flotten weithin überblicken — eine Aufgabe, für die die exponierte Lage wie geschaffen war.

Eine Wächterburg an der Westküste

Das Dorf Kritinia trägt seinen Namen — sinngemäß „Neu-Kreta“ — nach Familien, die aus Kreta hierher flohen; die ältere Siedlung lag ursprünglich unten an der Küste und wurde aus Furcht vor Piraten ins geschützte Bergland verlegt. Bis in die jüngere Zeit hieß der Ort selbst Kastelli, vom lateinischen castellum — Burg. Genau diese Burg ist der Grund, weshalb der Platz überhaupt gewählt wurde: Die Anhöhe erlaubt eine Rundsicht über das Meer in nahezu alle Richtungen, ideal, um Piraten und andere Gegner früh zu erkennen.

Geschichte: Bau in Etappen

Der Baubeginn wird üblicherweise auf 1472 datiert, ausgeführt vom venezianisch-dalmatinischen Bildhauer und Architekten Giorgio Orsini (Giorgio da Sebenico). Auftraggeber waren die Johanniter; die Anlage entstand nicht in einem Zug, sondern über mehrere Großmeister hinweg und wurde erst im frühen 16. Jahrhundert vollendet. Diese Etappen spiegelten sich in der ursprünglichen Gliederung in drei Ebenen wider, die in der Überlieferung je einem anderen Großmeister zugeschrieben werden.

Die wuchtige Verstärkung mit Turm und Geschützstellung wird dem Großmeister Pierre d’Aubusson zugeschrieben — demselben, unter dem auch die Burg von Monolithos und die große Befestigung der Altstadt vorangetrieben wurden. Den Abschluss der Arbeiten verbinden die Quellen mit Großmeister Fabrizio del Carretto (1513–1521); kurz vor dem Fall der Insel, zwischen 1520 und 1522, soll der Festungsfachmann Basilio della Scola die Anlage noch einmal überprüft haben. Im großen osmanischen Angriff von 1480 war auch Kritinia ein Ziel; die Burg wurde beschädigt, gehalten und danach wieder instand gesetzt.

Was von der Burg erhalten ist

Heute steht im Wesentlichen die Hülle: die äußeren Wehrmauern, die als gut erhalten gelten, ein Turm und das Grundgerüst der rechteckigen Anlage mit einem Mauerring von rund 180 Metern Umfang. Das Haupttor liegt an der Südseite, der südwestliche Teil ist dem offenen Meer mit Blick auf Chalki zugewandt. Im Inneren liegen die Reste einer kleinen katholischen Kapelle — in den Quellen mal dem Hl. Johannes, mal dem Hl. Paulus zugeordnet — mit Spuren von Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert, dazu Mauerzüge späterer, jüngerer Einbauten.

Über dem Eingang sind die Wappen mehrerer Großmeister des Johanniterordens angebracht. Welche genau es sind, geben die Quellen unterschiedlich an — am häufigsten genannt werden d’Amboise (1503–1512), del Carretto (1513–1521) sowie Orsini und d’Aubusson. Eine Beschilderung vor Ort gibt es nicht; die Burg ist eine unkommentierte Ruine. In der italienischen Zeit (1912–1943) diente die Anlage zeitweise als Marinestützpunkt.

Der Ausblick: Chalki und die Westküste

Der eigentliche Grund, hier hinaufzusteigen, ist die Aussicht. Von den oberen Mauern öffnet sich der Blick weit über das Ägäische Meer nach Westen: auf die Nachbarinsel Chalki und die vorgelagerten Eilande Alimia, Makri und Strongyli, an klaren Tagen bis zur türkischen Küste. Genau diese Sichtlinien hatten militärischen Wert: Kritinia war Teil einer Signalkette, die Feuer- und Warnzeichen von den vorgelagerten Inseln aufnahm und weitergab. Wegen der Westausrichtung ist die Burg ein beliebter Ort für den Sonnenuntergang.

Praktischer Besuch

Am einfachsten kommt man mit dem Mietwagen: über die Westküstenstraße sind es von Rhodos-Stadt etwa 50 bis 55 Kilometer und gut eine Stunde Fahrt. Eine Straße führt bis zu einem kleinen Parkplatz unterhalb der Burg; das letzte Stück hinauf ist teils unbefestigt. Direkt am Parkplatz liegt ein kleines Café für eine Pause. Das Dorf Kritinia und die Burg liegen an einer Buslinie, der Takt ist für einen Tagesausflug aber wenig praktikabel.

Für den kurzen Aufstieg und die unebenen Mauern sind feste, geschlossene Schuhe sinnvoll — Sandalen sind hier fehl am Platz. Eingeplant werden sollten rund 30 bis 45 Minuten für Aufstieg, Rundgang und Aussicht. Der Besuch ist frei und an keine festen Öffnungszeiten gebunden; einen Ticketschalter gibt es nicht (Stand Juni 2026 — bitte aktuell prüfen). Schatten ist oben Mangelware, im Sommer also Wasser und Sonnenschutz mitnehmen.

In der Nähe

Unterhalb der Burg liegt der kleine Hafen Skala Kameirou (Kamiros Skala), von dem aus die Fähre nach Chalki ablegt und an dem ein paar einfache Fischtavernen zum Mittagsstopp einladen. Nur wenige Kilometer nördlich beginnt das Gelände des Antiken Kamiros, der am besten erhaltenen Polis-Ausgrabung der Insel. Landeinwärts erreicht man das Weindorf Embonas am Fuß des Attavyros, südlich entlang der Küste die spektakulär gelegene Burg von Monolithos. Die Westküste lässt sich gut zu einer ruhigen Tagesrunde verbinden — Kritinia eignet sich dabei als Aussichtsstopp am späten Nachmittag.

Liegt in
Skala Kameirou

Eine Mole, ein paar Fischerboote, eine Handvoll Tavernen: Der kleinste Hafen der Westküste ist das Tor zur Nachbarinsel Chalki — und der ideale Mittagsstopp zwischen dem antiken Kamiros und der Burg über Kritinia.