Der Großmeisterpalast steht am höchsten Punkt der Altstadt, am Ende der Ritterstraße. Errichtet wurde er im 14. Jahrhundert als Sitz des jeweiligen Großmeisters des Johanniterordens — gleichzeitig Wohnung, Verwaltung und letzter Rückzugsort innerhalb der Befestigungsanlage. Mit über 150 Räumen ist er das größte mittelalterliche Bauwerk der Insel.
Zerstörung und Wiederaufbau
1856 explodierte in der angrenzenden Johanneskirche ein vergessenes osmanisches Schießpulverdepot — der Palast wurde dabei weitgehend zerstört. Was heute zu sehen ist, ist im Wesentlichen ein Wiederaufbau aus den späten 1930er-Jahren, geplant unter italienischer Herrschaft als repräsentative Sommerresidenz für König Viktor Emanuel III. und — falls nötig — Mussolini. Der Anspruch war historisch korrekt; tatsächlich wurde er deutlich monumentaler als das mittelalterliche Original.
Was man drinnen sieht
Der Rundgang führt durch das Erdgeschoss — eine Dauerausstellung zur antiken Geschichte von Rhodos — und das erste Obergeschoss mit Repräsentationsräumen, Kaminen und Mosaikböden. Besonders sehenswert sind der „Saal des Laokoon", die Galerie mit Marmorbüsten und der Innenhof mit hellenistischen Statuen.
Praktischer Besuch
Der Eingang liegt am südlichen Ende der Ritterstraße. Öffnungszeiten in der Hauptsaison meist 8 – 19:40 Uhr (April – Oktober), im Winter verkürzt auf ca. 8:30 – 15:30 Uhr und montags geschlossen. Im Sommer ist es im Inneren angenehm kühl — der Palast eignet sich gut für die Mittagsstunden, wenn die Altstadtgassen unerträglich heiß werden. Ein Kombiticket mit Archäologischem Museum, Panagia-tou-Kastrou-Kirche und Befestigungsanlagen (rund 20 €) lohnt sich, wenn ein zweiter Besichtigungstag eingeplant ist.
Geschichte des Ordens
Der Johanniterorden — offiziell der „Souveräne Malteserorden" — wurde im 11. Jahrhundert in Jerusalem als Hospitalbruderschaft gegründet, übernahm während der Kreuzzüge militärische Aufgaben und musste nach dem Fall von Akkon 1291 das Heilige Land verlassen. 1309 eroberte der Orden Rhodos und etablierte hier seinen Staat — ein theokratisches Wahlkönigtum unter einem auf Lebenszeit gewählten Großmeister. 213 Jahre lang war Rhodos die Hauptstadt eines vollständig souveränen Mönchsstaats mit eigener Marine, Münze und Diplomatie. Erst 1522, nach einer sechsmonatigen Belagerung durch Sultan Süleyman den Prächtigen mit etwa 200.000 Soldaten gegen rund 7.000 Verteidiger, kapitulierten die Ritter und verließen die Insel ehrenvoll mit ihren Waffen. Sie zogen weiter nach Malta, wo sie ihren bis heute geläufigen Namen erhielten.
Mosaike aus Kos
Mehrere der prachtvollsten Bodenmosaike im Obergeschoss stammen ursprünglich nicht aus Rhodos: Sie wurden in den 1930er-Jahren von hellenistischen und römischen Villen auf Kos hierher transportiert, um die leeren Räume des Wiederaufbaus zu schmücken. Besonders sehenswert sind das Medusa-Mosaik im ersten großen Saal, ein Mosaik mit Nereiden und Tritonen sowie ein geometrisches Mosaik aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Aus heutiger denkmalpflegerischer Sicht ist diese Verfrachtung problematisch — historisch ist sie ein eigenständiges Dokument italienischer Antikenpolitik der 1930er-Jahre.
Die zwei Dauerausstellungen
Im Erdgeschoss erwarten dich zwei aufwendig gestaltete Dauerausstellungen, die im Eintritt enthalten sind. „Antikes Rhodos — 2.400 Jahre" erzählt die Stadtgeschichte vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis in die Spätantike anhand archäologischer Funde aus der gesamten Insel. „Mittelalterliches Rhodos" dokumentiert die Johanniterzeit mit Waffen, Münzen, Wappen und einem detaillierten Modell der Festung. Plane für beide Ausstellungen zusammen mindestens eine zusätzliche Stunde ein — sie liefern den Kontext, der den anschließenden Rundgang durch die Altstadt deutlich verständlicher macht.
Eine vollständig erhaltene mittelalterliche Stadt im Norden der Insel — und gleichzeitig der Verkehrs-, Hafen- und Lebensmittelpunkt von Rhodos.







