Hinter den Toren der Altstadt von Rhodos beginnt kein Freilichtmuseum, sondern eine Stadt, in der seit dem Mittelalter ununterbrochen gelebt wird. Innerhalb des rund vier Kilometer langen Mauerrings liegen gotische Ordensherbergen, Moscheen, byzantinische Kirchen, Werkstätten und Wäscheleinen dicht beieinander. Ihre heutige Gestalt erhielt die Stadt im Kern zwischen 1309 und 1522 unter dem Johanniterorden. Die osmanischen Jahrhunderte und die italienische Verwaltung des 20. Jahrhunderts legten weitere Schichten darüber, ohne den mittelalterlichen Grundriss zu verwischen. Der Zutritt ist frei; bezahlt wird nur in einzelnen Monumenten und Museen.
Warum dieser Ort besonders ist
Seit 1988 steht die „Medieval City of Rhodes“ unter der Nummer 493 auf der UNESCO-Welterbeliste, eingeschrieben nach den Kriterien (ii), (iv) und (v) und mit einer Kernzone von 65,85 Hektar. Die UNESCO nennt die Oberstadt „eines der schönsten städtischen Ensembles der Gotik“ und zählt ausdrücklich auch die Bauten der Zeit nach 1522 zum anerkannten Wert der Stätte: Moscheen, Bäder und Wohnhäuser der osmanischen Epoche gelten ihr als einzigartiges Zeugnis der Geschichtsschichtung.
Häufig liest man, Rhodos sei „die größte bewohnte mittelalterliche Stadt Europas“. Offizielle Rangfolgen gibt es nicht, und Tallinn, Dubrovnik oder Carcassonne werden je nach Zählweise ähnlich beschrieben; treffender ist deshalb „eine der größten und am besten erhaltenen“. Unstrittig ist der Kern: Die Altstadt wird bewohnt. Die Angaben schwanken zwischen rund 3.000 und gut 6.000 Menschen innerhalb der Mauern, je nachdem, ob Nebenwohnsitze und die vielen zu Pensionen umgebauten Häuser mitgezählt werden. Schulweg, Müllabfuhr, Katzenfütterung und Handwerkerlärm gehören so oder so zum Bild.
Zur Einordnung gehört auch die Restaurierungsgeschichte. Die italienische Verwaltung hat nach 1912 tief eingegriffen und einzelne Großbauten rekonstruiert, allen voran den Großmeisterpalast; die UNESCO wertet diese Eingriffe nüchtern als Teil der Stadtgeschichte. In den Gassen zeigt sich also kein eingefrorenes Mittelalter, sondern sieben ineinandergebaute Jahrhunderte. Wie stark die 1920er- und 1930er-Jahre das Bild mitprägen, erklärt unser Beitrag zur italienischen Zeit.
Geschichte in Schichten
Man versteht die Altstadt am schnellsten, wenn man sie als Stapel liest. Ganz unten liegt die antike Stadt, 408 v. Chr. als Zusammenschluss von Ialysos, Kamiros und Lindos gegründet und nach einem strengen Rasterplan angelegt, der bis heute in einigen schnurgeraden Gassenzügen der Unterstadt durchschimmert. Das antike Zentrum lag weiter westlich auf dem Monte Smith; mehr dazu bei der Akropolis von Rhodos und in unserem Überblick zur Antike.
Darüber liegt die byzantinische Schicht: eine deutlich kleinere, befestigte Siedlung, deren Mauerverlauf die Johanniter später übernahmen und deren Kirchen teils erhalten sind. Ab 1309 baute der Johanniterorden daraus eine europäische Ordenshauptstadt mit Palast, Hospital, Herbergen und einem der modernsten Festungsringe seiner Zeit, bis Großmeister Villiers de l'Isle-Adam 1522 kapitulierte. Die osmanischen Jahrhunderte machten aus Kirchen Moscheen, ergänzten Bäder, Brunnen, Bibliotheken und hölzerne Erker und verlegten die christliche Bevölkerung weitgehend vor die Mauern. Seit 1912 formte schließlich die italienische Verwaltung das Bild mit Freilegungen, Rekonstruktionen und Abbrüchen, denkmalpflegerisch nicht immer zimperlich, aber prägend bis heute.
Kollachium und Ritterstraße
Die Johanniter teilten ihre Stadt in zwei Welten. Im Norden, zwischen Palast und Hafen, lag das Kollachium: das Ordensviertel, ursprünglich durch eine eigene Binnenmauer vom Rest der Stadt getrennt und vollständig vom Orden errichtet. Die Gemeinschaft organisierte sich in „Zungen“, Landsmannschaften nach Herkunft, bis 1462 sieben, danach acht. Jede unterhielt ihre eigene Herberge, Versammlungshaus, Quartier und Repräsentationsbau zugleich. Wie dieser Ordensstaat im Inneren funktionierte und warum er 213 Jahre Bestand hatte, erzählt der Beitrag zur Johanniterzeit.
Die Odos Ippoton, die Ritterstraße, steigt auf knapp 200 Metern vom einstigen Hospital zum Palast an, für die UNESCO eines der schönsten Zeugnisse gotischen Städtebaus. An ihr reihten sich die Herbergen der Zungen von Italien, Frankreich, Spanien und der Provence; die Herberge der Auvergne steht etwas abseits weiter nördlich, nahe dem ersten Hospiz des Ordens. Am unteren Ende schließt das Große Hospital an, zwischen 1440 und 1489 errichtet und heute Sitz des Archäologischen Museums.
Über den Portalen sitzen die Wappen der Großmeister, an denen sich die Bauphasen ablesen lassen, dazu Bögen, die die Gasse überspannen und Erdbebenschäden vorbeugen sollten. Die Fassaden wirken heute glatter und einheitlicher als im 16. Jahrhundert, weil die italienische Restaurierung spätere An- und Umbauten großzügig entfernt hat. Läden und Lokale fehlen bewusst, die Ritterstraße ist die einzige Gasse der Altstadt, in der niemand etwas verkauft. Früh am Morgen, wenn das Licht flach über das Pflaster fällt, hat man sie beinahe für sich. Die Herbergen selbst sind bis auf wenige Ausnahmen nicht zu besichtigen, weil Behörden und Konsulate darin sitzen.
Die Unterstadt: osmanisches und jüdisches Erbe
Südlich schließt die Unterstadt an, griechisch Bourgos: das Viertel der Bürger, Händler und Handwerker, in dem zur Zeit der Belagerung von 1522 rund 5.000 Menschen lebten. Nach der Übernahme wurden die meisten Kirchen zu Moscheen, und über den gotischen Kern legte sich eine osmanische Schicht aus Minaretten, Brunnen und hölzernen Erkern. Ihr auffälligstes Zeichen ist die Süleymaniye-Moschee am oberen Ende der Sokratous-Gasse, der alten Basarachse: nach der Eroberung von 1522 errichtet und 1808 grundlegend umgebaut, weshalb ihr heutiges Bild aus dieser Zeit stammt. Sie ist seit Jahren geschlossen und öffnet nur zu besonderen Anlässen; das rosa getünchte Äußere mit dem Minarett lässt sich jederzeit ansehen (Stand September 2026).
Schräg gegenüber, in der Odos Orfeos, steht die Hafız-Ahmed-Agha-Bibliothek von 1793, ein kleiner Steinbau mit Garten, in dem arabische, persische und osmanisch-türkische Handschriften, alte Korane und Karten bewahrt werden. Die betreuende Stiftung öffnet nur eingeschränkt und unregelmäßig; steht die Tür offen, ist der Blick in den Hof ein paar Minuten wert. Direkt daneben erhebt sich der Uhrturm Roloi auf byzantinischen Fundamenten: privat bewirtschaftet, Eintritt 5 € inklusive Getränk in der Terrassenbar unter dem Turm (Stand September 2026). Rund fünfzig steile Holzstufen führen zu einer niedrigen Kammer mit dem besten Rundblick der Altstadt über Ziegeldächer, Minarette und Palast; für sehr große Menschen und bei Knieproblemen ist der Aufstieg unbequem.
Das Große Hamam an der Platia Arionos, 1558 errichtet und im 18. Jahrhundert um einen Frauentrakt erweitert, ist das einzige historische Bad innerhalb der Mauern. Es wurde saniert, einen verlässlichen Badebetrieb gibt es derzeit aber nicht; ob es offen ist, erfährt man nur vor Ort, fest einplanen sollte man es nicht. Den großen Bogen dieser Epoche schlägt der Beitrag zur osmanischen Zeit.
Im Osten der Unterstadt liegt La Juderia, das jüdische Viertel, dessen sephardisch geprägte Gemeinde seit dem 16. Jahrhundert zur Stadt gehörte und in der Zwischenkriegszeit mehrere tausend Menschen zählte. Erhalten ist die Synagoge Kahal Shalom von 1577, nach Angaben der Jüdischen Gemeinde die älteste Griechenlands, mit schwarz-weißem Kieselmosaikboden, zentraler Bima und einem angeschlossenen Museum zur Geschichte der Gemeinde. Gottesdienste finden bis heute statt. Geöffnet ist von April bis Oktober sonntags bis freitags, von November bis März montags bis freitags, jeweils 10 bis 15 Uhr; an jüdischen Feiertagen sowie an örtlichen und nationalen Feiertagen bleibt sie zu. Eintritt 6 €, Kinder unter 12 frei (Stand September 2026, Angaben der Gemeinde).
Der nahe Platz der jüdischen Märtyrer, nach seinem Brunnen auch Seepferdchenplatz genannt, erinnert an die Deportation: Im Juli 1944 wurden mehr als 1.600 Jüdinnen und Juden von Rhodos über Athen nach Auschwitz verschleppt; nur etwa 150 überlebten. Die Gemeinde, die das Viertel über vier Jahrhunderte geprägt hatte, existierte danach praktisch nicht mehr. Dem Gedenkort mitten im Besucherstrom, umgeben von Cafés, wird ein stiller Moment eher gerecht als ein schneller Fotostopp. Ausführlicher beschreibt unser Porträt von Rhodos-Stadt die Geschichte der Gemeinde.
Mauern, Graben und Tore
Der Mauerring sitzt teilweise auf den Fundamenten der byzantinischen Stadtbefestigung und wurde vom 14. bis ins 16. Jahrhundert unter den Großmeistern laufend verstärkt, zuletzt vor allem für das Artilleriezeitalter mit Geschützstellungen und vorgelagerten Bastionen. Am 1512 errichteten Tor d'Amboise erreicht die Kurtine zwölf Meter Stärke, darüber sitzt eine vier Meter hohe Brustwehr mit Schießscharten. Bewährt hat sich das System mehrfach: 1444 scheiterte eine ägyptische Belagerung, 1480 die große Belagerung Mehmeds II. Erst am 22. Dezember 1522, nach einem halben Jahr Belagerung durch Süleyman den Prächtigen, endete die Ritterzeit, und zwar nicht mit einer Erstürmung, sondern mit einer ausgehandelten Kapitulation, die dem Orden freien Abzug sicherte; im Januar 1523 verließen die Ritter die Insel.
Der Graben davor war nie mit Wasser gefüllt, sondern als trockener Verteidigungsraum angelegt. Heute zieht er sich als frei zugänglicher, parkartiger Grünzug auf rund zweieinhalb Kilometern um die Landseite, mit Zugängen unter anderem nahe dem Eleftherias-Tor und am Akandia-Tor. Davon zu unterscheiden ist der Wehrgang oben auf der Mauerkrone. Er ist nur abschnittsweise und nicht jeden Tag geöffnet, im Winter war er zuletzt ganz geschlossen. Tickets gibt es gegen Aufpreis an der Kasse des Großmeisterpalastes; die Freigabezeiten sind seit Jahren eng und wechselhaft, verbreitet ist ein Zeitfenster an Werktagen um die Mittagsstunden. Eine feste Uhrzeit nennen wir deshalb nicht: Am sichersten ist die Nachfrage am Vortag oder am Morgen an der Palastkasse (Stand September 2026). Oben läuft man auf einer breiten, weitgehend ebenen Bahn ohne Schatten, mit Blicken in Graben und Innenstadt.
Von den heute elf Toren sind vier für die Orientierung wichtig. Das monumentale Doppeltor d'Amboise von 1512 im Nordwesten ist der eindrucksvollste Zugang und führt über zwei Brücken und einen abgewinkelten Gang direkt zum Palast. Das Marinetor (Pyli Thalassinis) mit seinen zwei mächtigen Rundtürmen wurde 1478 unter Großmeister d'Aubusson vollendet und ist bis heute der Hauptzugang vom Handelshafen, durch den die Kreuzfahrtgruppen hineinströmen. Das Tor des Agios Athanasios im Süden gilt als jenes, durch das die osmanischen Truppen 1522 einzogen und das danach lange zugemauert blieb; heute ist es einer der ruhigsten Eingänge. Das Eleftherias-Tor (Freiheitstor) im Norden schließlich wurde erst 1924 unter italienischer Verwaltung gebrochen und ist der kürzeste Weg von der Neustadt.
Museen und Monumente in der Altstadt
Das Archäologische Museum im Großen Hospital ist das wichtigste Haus innerhalb der Mauern: Funde aus Ialysos und Kamiros, eine bedeutende Skulpturensammlung mit der kauernden „Aphrodite von Rhodos“ und ein Innenhof mit Mosaikböden hellenistischer Villen. Amtliche Zeiten: vom 1. April bis 31. Oktober täglich 8 bis 20 Uhr, vom 1. November bis 31. März 8:30 bis 15:30 Uhr, dienstags geschlossen. Einige Teilausstellungen, etwa die prähistorische Sammlung und die epigraphische Abteilung, öffnen im Sommer nur an bestimmten Wochentagen und kürzer, im Winter gar nicht. Eintritt 10 €, letzter Einlass 20 Minuten vor Schluss (Stand September 2026). Die Museumsverwaltung nennt Rampe, Aufzug und ein barrierefreies WC; welche Bereiche des verschachtelten Hospitalbaus stufenlos erreichbar sind, lässt sich vorab unter +30 22413 65257 erfragen.
Klein, aber sehenswert ist die Decorative Arts Collection im einstigen Zeughaus des Ordens am Argyrokastrou-Platz: Stickereien, Schnitzwerk, Trachten und Keramik aus vier Jahrhunderten Dodekanes-Alltag, dazu die berühmten Teller aus Lindos. Geöffnet ganzjährig 8:30 bis 15:30 Uhr außer dienstags, Eintritt 5 €. Dazu kommen die byzantinische Kirche Panagia tou Kastrou am Beginn der Ritterstraße und der Großmeisterpalast (20 €), dem wir eine eigene Seite widmen. Er öffnet laut Kulturministerium vom 1. April bis 31. Oktober täglich 8 bis 20 Uhr, im Winter 8:30 bis 15:30 Uhr, dienstags geschlossen, und hat Rampe und Aufzug.
Für alle staatlichen Häuser gelten dieselben Sonderregeln. Frei ist der Eintritt am 6. März, 18. April, 18. Mai, am letzten Septemberwochenende, am 28. Oktober und von November bis März am ersten und dritten Sonntag jedes Monats. EU-Bürgerinnen und -Bürger bis einschließlich 25 Jahre zahlen mit Ausweis nichts. Geschlossen ist an Neujahr, am 25. März, an Ostersonntag, am 1. Mai sowie am 25. und 26. Dezember. Ein Kombiticket für vier Stätten ist amtlich gelistet: Archäologisches Museum, Decorative Arts Collection, die Kirche Panagia tou Kastrou und Großmeisterpalast. Der Wehrgang auf der Mauer gehört nicht dazu. Die Preisangaben zum Kombiticket widersprechen sich, deshalb am Schalter fragen.
Ein Rundgang, der funktioniert
Die Altstadt ist klein genug, um sich zu verlaufen, und groß genug, dass planloses Treiben in denselben drei Souvenirgassen endet. Diese Route dauert mit Museen vier bis fünf Stunden und hält die Menge weitgehend im Rücken:
- Kurz vor 8 Uhr, Tor d'Amboise. Von der Neustadt kommend über die beiden Brücken hinein; schon der abgewinkelte Torgang ist den kleinen Umweg gegenüber dem Eleftherias-Tor wert.
- 8 Uhr, Großmeisterpalast. Zur Öffnung drin (im Winter erst 8:30 Uhr), bevor die ersten Busse eintreffen. Hier an der Kasse auch nach dem Tagesfenster für den Wehrgang fragen.
- 10:00 Uhr, Ritterstraße abwärts. Langsam gehen, Wappen suchen, am unteren Ende links halten.
- 10:30 Uhr, Archäologisches Museum. Zwei Stunden reichen; der Kreuzganghof ist der kühlste Ort der Altstadt.
- 12:30 Uhr, Argyrokastrou-Platz und Decorative Arts Collection. Kurzer Besuch, dann weiter Richtung Süden, bewusst weg vom Hafen, an dem jetzt die Gruppen anlanden.
- 13:30 Uhr, jüdisches Viertel. Kahal Shalom (bis 15 Uhr, samstags zu) und der Platz der jüdischen Märtyrer. Danach Mittagessen in einer der Quergassen um die Odos Pythagora.
- 15:30 Uhr, osmanische Unterstadt. Süleymaniye-Moschee von außen, Bibliothek, Uhrturm Roloi mit Aussicht und Getränk; die Sokratous-Gasse wird dabei nur einmal gequert statt abgelaufen.
- 17:00 Uhr, Wallgraben. Aus dem Agios-Athanasios-Tor hinaus und im Graben zurück nach Norden: der ruhigste und im Abendlicht schönste Teil des Tages.
Mit nur zwei Stunden bleiben Palast, Ritterstraße und ein Abschnitt des Grabens. Ein zweiter Tag gehört am besten dem späten Nachmittag und Abend, ohne Museen.
Wann die Gassen leer sind
Die Altstadt hat einen sehr klaren Tagesrhythmus, und er hängt an den Kreuzfahrtschiffen. Liegen ein oder zwei große Schiffe im Handelshafen, füllt sich zwischen etwa 10 und 15 Uhr die Achse Marinetor, Hippokratesplatz, Sokratous und Palast bis zur Unpassierbarkeit; dazu kommen die Busausflüge der Hotels. Vor 9 Uhr gehören die Gassen den Bewohnern, dem Lieferverkehr auf kleinen Dreirädern, den Katzen und dem besten Licht des Tages. Zwischen 15 und 17 Uhr leert es sich spürbar, weil die Schiffe zurückrufen und die Busse abfahren.
Der Abend ist nicht still, aber anders: Auf den Plätzen wird gegessen, die Mauern sind angestrahlt, und in den Wohngassen zwei Ecken weiter hört man nur die eigenen Schritte. Übers Jahr sind April bis Juni und September bis Oktober die angenehmsten Monate. Im Hochsommer gehören die Mittagsstunden in Museen und Schattengassen, denn zwischen den hellen Steinmauern staut sich die Hitze. Ab Ende Oktober wird es ruhiger: Die Ausflugsboote beenden ihre Saison, nach der Zeitumstellung am letzten Oktobersonntag geht die Sonne schon gegen 17:15 Uhr unter. Im Winter hat man die Altstadt streckenweise fast für sich, muss aber mit verkürzten Öffnungszeiten, dem dienstäglichen Schließtag der staatlichen Museen und vielen geschlossenen Lokalen planen.
Essen: wo man besser nicht hingeht
Die Sokratous-Gasse und die Terrassen rund um den Hippokratesplatz bieten, was jede gut besuchte Altstadt bietet: bestes Pflaster, höchste Mieten, größte Laufkundschaft und Preise, die eher die Lage als die Küche abbilden. Drei Warnzeichen funktionieren zuverlässig: ein Kellner, der Gäste von der Gasse hereinwinkt; eine bebilderte Karte in sechs Sprachen; ein Angebot, das Moussaka, Pizza, Schnitzel und Sushi zugleich enthält. Auch Lokale mit Klischee-Dekor und Live-Sirtaki zur Essenszeit zielen auf Gäste, die genau einmal kommen.
Besser wird es fast immer eine Quergasse abseits: in den Wohnstraßen östlich der Sokratous, rund um die Odos Pythagora und Odos Aristotelous und im südlichen Teil der Unterstadt. Gute Zeichen sind eine kurze Karte, Tagesgerichte auf einer Tafel, Einheimische unter den Gästen und plausibel gestaffelte Preise. Ein Gedeck- oder Brotpreis pro Person ist üblich und kein Betrug, muss aber auf der Karte stehen. Was sonst noch zur Karte, zu Portionsgrößen und zum Trinkgeld zu wissen ist, steht in Essen und Trinken und Geld und Trinkgeld.
Barrierefreiheit
Die Altstadt ist eine mittelalterliche Festungsstadt, und das merkt man in jeder Gasse. Der Belag besteht überwiegend aus grobem Kopfsteinpflaster und dem typischen schwarz-weißen Kieselmosaik, das nach Jahrhunderten spiegelglatt poliert und bei Nässe ausgesprochen rutschig ist. Dazu kommen Stufen ohne Vorwarnung, hohe Bordkanten, enge Durchlässe unter Strebebögen und starke Steigungen zwischen Unter- und Oberstadt.
Realistisch heißt das: Die Hauptachsen (Marinetor bis Hippokratesplatz, Sokratous, Palastvorplatz) sind mit einem Aktivrollstuhl und Begleitung machbar, aber anstrengend, und der Wallgraben ist über die Rampen an mehreren Toren streckenweise befahrbar. Zu Palast und Archäologischem Museum steht das Nötige oben bei den Museen. Viele Nebengassen, der Wehrgang auf der Mauer und der Uhrturm sind nicht zugänglich. Für Kinderwagen eignen sich große, luftgefüllte Räder, noch besser ist eine Trage. Öffentliche Toiletten gibt es nur wenige, unter anderem nahe dem Hippokratesplatz und am Palast. Mehr zur ganzen Insel sammelt unser Ratgeber Rhodos barrierefrei.
Praktischer Besuch
In die Altstadt kommt man nur zu Fuß: Innerhalb der Mauern gilt ein weitgehendes Fahrverbot, ausgenommen sind Anwohner mit Genehmigung und der Lieferverkehr in den frühen Morgenstunden. Geparkt wird außerhalb, entlang der Uferstraßen an der Akandia-Seite, beim Tor d'Amboise und in der Neustadt, auf bewirtschafteten Plätzen, die im Hochsommer oft schon am Vormittag belegt sind. Vom zentralen Busbahnhof an der Neustadt sind es zum Eleftherias-Tor wenige Gehminuten. Details zu Parkzonen und Buslinien stehen im Porträt von Rhodos-Stadt.
Zur Orientierung genügt ein einfaches Bild: Der Palast liegt oben im Nordwesten, der Hafen unten im Nordosten, die Unterstadt breitet sich nach Süden aus. Stößt man auf die Mauer, führt sie zuverlässig zum nächsten Tor. Kartenapps helfen in den engen Gassen nur bedingt, weil die GPS-Position zwischen den Häusern springt; ein, zwei gemerkte Fixpunkte sind verlässlicher.
Bargeld gehört in die Tasche: Größere Museen und viele Läden nehmen Karte, kleine Tavernen, Kioske und der Uhrturm nicht immer; Geldautomaten stehen vor allem an den Rändern und am Hippokratesplatz. Übernachten in der Altstadt ist stimmungsvoll, aber hellhörig: Gassenlärm bis spät, Kirchenglocken früh, Gepäck nur zu Fuß über Pflaster, Klimaanlage in den alten Häusern nicht selbstverständlich.
Für wen die Altstadt passt
Für Geschichtsinteressierte ist die Altstadt der wichtigste Ort der Insel: Nirgendwo sonst liegen Antike, Byzanz, lateinisches Mittelalter, osmanische und italienische Zeit so dicht übereinander. Fotografierende kommen früh und spät auf ihre Kosten, mittags ist das Licht hart und die Gassen sind voll. Familien kommen gut zurecht, solange die Runde kurz bleibt; Mauern, Tore und Graben wirken auf Kinder stärker als jedes Museum, aber Kopfsteinpflaster ermüdet kleine Beine schnell.
Weniger geeignet ist die Altstadt bei starker Mobilitätseinschränkung und für den kurzen Fotostopp: Dreißig Minuten zwischen zwei Bussen auf der Sokratous zeigen vor allem Souvenirs. Als Standquartier für die ganze Insel taugt sie nur bedingt; praktischer sind die Neustadt oder ein Ort mit einfacher Parkmöglichkeit.
Kombinieren
Nach dem Rundgang bietet sich Wasser an: Der Stadtstrand Elli Beach liegt nach einem kurzen Fußweg durch die Neustadt an der Nordspitze. Unterwegs führt ein kleiner Abstecher zum Mandraki-Hafen, wo die Überlieferung den Koloss von Rhodos verortet. Nach Sonnenuntergang lohnt ein zweiter, leiserer Rundgang, denn dann ist die Altstadt eine andere Stadt.
Zwei Städte in einer: die ummauerte mittelalterliche Altstadt, UNESCO-Welterbe und eine der besterhaltenen Mittelalterstädte Europas, und die italienisch geprägte Neustadt am Mandraki-Hafen. Zugleich der Verkehrs- und Lebensmittelpunkt der Insel.











