Die Altstadt von Rhodos ist nicht nur ein Bauwerk, sondern eine vollständige mittelalterliche Stadt — mit Mauern, Toren, Burgen, Kirchen, Wohnhäusern und einem aktiven Alltag. Sie wurde im Wesentlichen zwischen 1309 und 1522 unter dem Johanniterorden zu ihrer heutigen Form ausgebaut, die folgenden osmanischen und italienischen Phasen haben sie weiter geprägt, ohne ihren Charakter grundsätzlich zu verändern.
Aufbau
Die Stadt zerfällt in zwei klar getrennte Teile. Im Norden liegt die Collachium — das einstige Ordensquartier mit Großmeisterpalast, Ritterstraße und Hospital (heute Archäologisches Museum). Im Süden erstreckt sich die Bourg — der zivile Stadtteil, in dem Bürger, Händler und ab dem 16. Jahrhundert auch jüdische und osmanische Gemeinden lebten und in dem heute der Großteil des Lebens stattfindet.
Die Ritterstraße
Die Odos Ippoton, die Ritterstraße, ist die berühmteste Achse der Altstadt. Auf rund 200 Metern reihen sich die einstigen Auberges der nationalen Sprachgruppen des Ordens — Frankreich, Italien, Spanien, Provence, England — als Reihe weitgehend unverbauter gotischer Steinfassaden. Sie wirkt heute museal, war aber ursprünglich eine bewohnte Stadtstraße.
Praktisches
Die Altstadt ist tagsüber von Bus- und Kreuzfahrtgästen geprägt, ab etwa 18 Uhr fast still. Wer in der Altstadt übernachtet, sollte auf Lärm- und Hitzefestigkeit achten — viele Häuser haben weder Klimaanlage noch Schalldämmung. Autoverkehr ist innerhalb der Mauern nur für Anwohner erlaubt; Parkplätze finden sich vor den Toren D'Amboise oder am Mandraki-Hafen.
Die wichtigsten Tore
Von den ursprünglich elf Toren werden heute sieben regelmäßig genutzt. Das Tor d'Amboise im Westen ist der monumentalste Zugang — eine vorgeschobene Bastion mit Doppeltor, errichtet 1512 unter dem gleichnamigen Großmeister. Das Marinetor (Pylí Thalassinís) am Hafen ist der schönste Zugang vom Wasser: zwei Türme flankieren ein gotisches Portal mit Reliefs der Großmeister d'Aubusson und Caretto. Das Akantia-Tor am Handelshafen wird im Sommer von Kreuzfahrtgästen benutzt — wer es ruhiger mag, weicht auf D'Amboise oder das Heilige Tor aus.
Was man oft übersieht
Drei Orte in der Altstadt werden von den meisten Tagesgästen verpasst und lohnen sich besonders. Erstens der Süleyman-Komplex mit der osmanischen Moschee von 1522, der türkischen Bibliothek mit handschriftlichen Korans und dem türkischen Bad in der unmittelbaren Nachbarschaft — ein dichtes Stück osmanisches Rhodos. Zweitens das Jüdische Viertel (La Juderia) im Osten der Bourg mit dem Holocaust-Mahnmal auf dem Platz der Märtyrer-Juden und der Synagoge Kahal Shalom, der ältesten erhaltenen Synagoge Griechenlands. Drittens die Decorative Arts Collection in einem ehemaligen Lagerhaus an der Argyrokastrou-Straße — eine ruhige Sammlung osmanischer und ländlicher Möbel, Keramik und Trachten.
Essen in der Altstadt
Die Hauptachse Sokratous-Straße ist touristisch dicht — bunte Speisekarten in zehn Sprachen, deutliche Preisaufschläge, mittelmäßige Qualität. Die guten Adressen liegen in den Nebengassen: rund um den Hippokratesplatz in den oberen Etagen, in der Pythagorasstraße, und besonders in der südöstlichen Bourg rund um die ehemalige jüdische Schule. Faustregel: Wo gegen 14 Uhr Einheimische sitzen und keine Speisekarte am Eingang hängt, sondern eine Tafel mit drei Tagesgerichten steht, lohnt sich der Versuch.
Eine vollständig erhaltene mittelalterliche Stadt im Norden der Insel — und gleichzeitig der Verkehrs-, Hafen- und Lebensmittelpunkt von Rhodos.









