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Reisetipps

Rhodos in 7 Tagen — eine Route, die die Insel wirklich zeigt

Altstadt, Akropolis, Bergdörfer, Südspitze und ein Tag Reserve: eine realistische Mietwagen-Route für eine Woche — ohne Hetze, mit ehrlichen Fahrzeiten und klaren Prioritäten für jeden Tag.

9 Min. LesezeitAktualisiert 5. Juni 2026

Eine Woche reicht, um Rhodos kennenzulernen — wenn man die Insel in sinnvolle Tagesetappen schneidet, statt jeden Tag quer hindurchzufahren. Die folgende Route geht von einem Mietwagen aus, hält die Fahrzeiten pro Tag bewusst kurz und lässt an jedem Tag Luft für Pausen, Badestopps und spontane Abzweige. Eines vorweg, der Ehrlichkeit halber: Sieben Tage ergeben einen guten Überblick, keinen Komplett-Anspruch. Die Insel ist groß genug, dass am Ende der Woche Lust auf ein zweites Mal bleibt — und genau so sollte man die Route auch lesen.

Tag 1: Rhodos-Stadt — die Altstadt zu Fuß

Der Auftakt braucht kein Auto: Rhodos-Stadt mit ihrer vollständig erhaltenen mittelalterlichen Altstadt ist ein Tag zu Fuß. Morgens durch das Tor in die Ritterstraße und zum Großmeisterpalast, danach treiben lassen: die dichten Gassen abseits der Hauptachsen, die Plätze im ehemaligen türkischen Viertel, ein Abschnitt entlang der gewaltigen Festungsmauern. Nachmittags lohnt der Kontrast — die Hafenfront von Mandraki mit ihren Bauten aus der italienischen Zeit.

Praxis: Früh starten, bevor die Gassen voll werden, und für mittags einen schattigen Innenhof einplanen. Wer den Mietwagen erst ab Tag 2 nimmt, spart sich an diesem Tag die Parkplatzsuche komplett.

Tag 2: Der Norden — Filerimos, Schmetterlingstal, Sonnenuntergang

Die erste Autoetappe bleibt kurz. Vormittags auf den Klosterhügel Filerimos westlich der Stadt: Kloster, antike Fundamente, die Zypressenallee zum Kreuz und der weite Blick über die Nordküste. Danach ins Inselinnere zum Tal der Schmetterlinge — eine schattige Schlucht mit Bachlauf, deren berühmte Falter allerdings nur saisonal da sind: etwa von Mitte Juni bis Mitte September. Außerhalb dieser Zeit ist das Tal ein schöner, ruhiger Spaziergang ohne Schmetterlinge — das sollte man vorher wissen.

Praxis: Den Tag an der Westküste ausklingen lassen — sie ist die Sonnenuntergangsseite der Insel, mit freiem Blick über das offene Meer. Eine Taverne mit Westblick reicht als Programm völlig.

Tag 3: Ostküste — Kallithea, Anthony-Quinn, Tsambika

Heute geht es die Ostküste hinunter, in kurzen Sprüngen. Erster Halt ist die Kallithea-Bucht mit der eleganten Thermenanlage aus der italienischen Zeit — Baden und Schnorcheln vor Art-déco-Kulisse. Weiter südlich folgen die Anthony-Quinn-Bucht und die benachbarte Ladiko-Bucht, zwei kleine Felsbuchten mit klarem Wasser. Am Nachmittag hinauf zum Kloster Tsambika auf seinem Felsspitz — der Blick über die Küste gehört zu den besten der Insel — und danach hinunter an den Tsambika-Strand zum Ausklang.

Praxis: Die kleinen Buchten sind im Hochsommer ab dem späten Vormittag voll — wer baden will, fängt dort an und hebt sich den großen Tsambika-Strand für den Nachmittag auf.

Tag 4: Lindos früh — Pefkos am Nachmittag

Der wichtigste Taktik-Tag der Woche. Lindos ist im Hochsommer ab dem späten Vormittag von Tagesgästen geflutet — deshalb früh los, als Erstes hinauf zur Akropolis von Lindos, solange Licht und Temperatur noch freundlich sind, danach durch die weißen Gassen und Kapitänshäuser, bevor die Busse ankommen. Den Nachmittag verbringt man besser nicht im überhitzten Ort, sondern wenige Kilometer südlich in Pefkos: flacher Sandstrand, ruhige Tavernen, kein Gedränge.

Praxis: Lindos ist autofrei — geparkt wird auf den Plätzen oberhalb des Ortes, die ab dem Vormittag knapp werden. Wer vor neun Uhr ankommt, hat Parkplatz, Akropolis und Gassen in der besten Reihenfolge.

Tag 5: Der Süden — Gennadi, Lachania, Prasonisi

Je weiter südlich, desto leerer wird die Insel — dieser Tag ist die Entschleunigung der Woche. Erster Halt ist Gennadi, das letzte echte Dorf vor der Südspitze, mit seiner kilometerlangen, offenen Strandlinie. Von dort ein kurzer Abstecher ins Hügel-Hinterland nach Lachania, ein traditionelles Bergdorf mit Platia und alten Platanen, wie aus der Zeit gefallen. Zum Abschluss ganz hinunter nach Prasonisi: eine Sandzunge zwischen zwei Meeren, auf der einen Seite ruhige Lagune, auf der anderen Wind und Kiter — die Südspitze der Insel als Naturschauspiel.

Praxis: Im Süden werden Tankstellen und Einkehr-Optionen dünner — mit gut gefülltem Tank starten und Wasser dabeihaben. Die Strecken sind nicht lang, aber die Infrastruktur ist es auch nicht.

Tag 6: Der Westen — Kamiros, Kritinia, Embonas, Monolithos

Der inhaltlich dichteste Tag. Morgens in die Ausgrabungsstätte Antikes Kamiros — eine komplette hellenistische Stadt am Hang über der Westküste, am besten vor der Mittagshitze. Weiter südlich die Burgruine Kritinia Castle auf ihrem Felsen über dem Meer, frei zugänglich und mit weitem Blick auf die vorgelagerten Inseln. Mittags hinauf ins Weindorf Embonas am Fuß des Attavyros — Tavernen und Weingüter, die zur Region gehören wie sonst nichts auf der Insel. Zum Abschluss nach Monolithos mit seiner Johanniterburg auf dem freistehenden Felsen, einer der spektakulärsten Punkte von Rhodos.

Praxis: Die Westroute ist kurviger und langsamer als die Ostküstenstraße — die reine Streckenlänge täuscht. Wer in Embonas ausgiebig zu Mittag isst, sollte Monolithos vor dem späten Nachmittag erreichen, um die Burg noch in Ruhe zu sehen.

Tag 7: Freier Badetag — oder Symi

Der letzte Tag bleibt bewusst offen, und das ist kein Verlegenheits-Programm, sondern der Puffer, der die ganze Woche entspannt macht. Variante eins: ein reiner Badetag am Lieblingsstrand der Woche — nach sechs Tagen Programm weiß man, wo man noch einmal hinwill. Variante zwei für Unermüdliche: der Tagesausflug nach Symi, die kleine Nachbarinsel mit ihrer neoklassizistischen Hafenkulisse — die Boote starten morgens in Rhodos-Stadt, die Rückkehr ist am späten Nachmittag.

Praxis: Wer Symi wählt, gibt den Mietwagen idealerweise schon am Vorabend ab oder lässt ihn stehen — am Hafen von Rhodos-Stadt braucht man ihn nicht. Und wer am Folgetag früh fliegt, ist mit dem Badetag ehrlicherweise besser beraten.

Was diese Route bewusst auslässt

Sieben Tage zwingen zu Entscheidungen. Nicht enthalten sind unter anderem die Besteigung des Attavyros (ein eigener halber Tag), das Tal der Sieben Quellen, die Töpferdörfer um Archangelos und etliche Strände, die einen eigenen Besuch verdient hätten. Das ist kein Mangel der Route, sondern ihre ehrliche Grundlage: Lieber wenige Dinge in Ruhe als alles im Vorbeifahren. Wer nach dieser Woche wiederkommt, hat eine Insel vor sich, die sich beim zweiten Mal noch einmal neu sortiert — und genug Lücken, um sie zu füllen.