Filerimos — griechisch Φιλέρημος, „die Einsamkeit liebend“ — ist ein flacher, von Zypressen und Pinien bestandener Hügel rund fünfzehn Kilometer westlich von Rhodos-Stadt, etwa 267 Meter über dem Meer und unmittelbar über dem Vorort Ialyssos. Auf seinem Plateau liegen drei Epochen übereinander: die antike Akropolis von Ialysos, eine byzantinisch-mittelalterliche Klosteranlage und die Spuren des italienischen Wiederaufbaus der 1930er-Jahre. Dazu kommt, was viele zuerst bemerken — frei laufende Pfauen und ein weiter Blick über die Bucht.
Drei Schichten auf einem Hügel
In der Antike trug der Hügel die Akropolis von Ialysos, einer der drei dorischen Stadtstaaten der Insel; Ialysos führte die Initiative an, aus der 408/407 v. Chr. die gemeinsame Stadt Rhodos hervorging (Hintergrund im Überblick zur Antike und beim Ort Ialyssos). Vom wichtigsten Bau, dem Tempel der Athena Polias und des Zeus Polieus, sind nur die Fundamente erhalten — ein sechssäuliger Tempel, in dessen Inneren eine korinthische Säulenstellung das Kultbild rahmte. Er stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., doch der Kult auf dem Plateau reicht nachweislich bis ins 9. Jahrhundert v. Chr. zurück. Etwas unterhalb der Südseite führt eine Treppe zum dorischen Brunnenhaus, ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.: eine von sechs Säulen gefasste Sandsteinanlage, die die Italiener 1927/28 restaurierten — eines der elegantesten antiken Bauwerke des Dodekanes.
Über den Tempel legte sich ab dem 5./6. Jahrhundert eine dreischiffige frühchristliche Basilika, deren kreuzförmiges Taufbecken bis heute gut erhalten ist. In spätbyzantinischer Zeit umzog eine Befestigung den Gipfel — aus dieser Epoche stammt auch der Name Filerimos. Mit den Johannitern (1309–1522) kam rege Bautätigkeit, die viel antike Substanz verschwinden ließ; am Ostrand des Plateaus steht bis heute ein mittelalterliches Fort, vor dem Zweiten Weltkrieg von den Italienern instand gesetzt. Westlich des Tempels liegt zudem die in den weichen Fels gehauene Kapelle des Agios Georgios Chostos — des „verborgenen“ heiligen Georg — mit Wandmalereien des 14./15. Jahrhunderts in westlich-gotischem Stil.
Das Kloster und die Ikone
Das Herzstück des Plateaus ist die Klosterkirche der Muttergottes von Filerimos. Die heutige Kirche geht auf einen Bau des frühen 14. Jahrhunderts zurück, der eine ältere byzantinische Kirche ersetzte; im 15. Jahrhundert kamen zwei kreuzgewölbte Seitenkapellen hinzu — die eine trägt das Wappen des Großmeisters d’Aubusson, die andere barg einst in einer gotischen Nische die berühmte Ikone. In den 1930er-Jahren bauten die Italiener die Anlage zu einem Franziskanerkloster aus (siehe italienische Zeit); die schlichten Mönchszellen am Kreuzgang stammen aus dieser Phase. Heute ist die Kirche ein griechisch-orthodoxes Gotteshaus.
Die Panagia Filerimou, die Muttergottes von Filerimos, war eine byzantinische Marienikone des 11. oder 12. Jahrhunderts — und das wohl wandlungsreichste Heiligtum der Insel. Den Johannitern galt sie als Schutzpatronin; ihr wurde besonders die Abwehr der osmanischen Belagerung von 1480 zugeschrieben. Als der Orden Rhodos 1522 verlor, nahm er die Ikone mit: über Malta, wo sie in der Kathedrale von Valletta verehrt wurde, gelangte sie nach der französischen Besetzung 1798 nach Russland und galt fortan beinahe als Eigentum der Zarenfamilie. Nach der Revolution kam sie über Dänemark und Belgrad schließlich nach Montenegro. Heute wird das Original im Nationalmuseum in Cetinje aufbewahrt.
Kreuzweg und Kreuz
Gegenüber dem Kasseneingang zur Akropolis beginnt der Kreuzweg (Via Crucis, auch „Weg nach Golgatha“). Ein gut 400 Meter langer, steingepflasterter Pfad führt zwischen hohen Zypressen mit den vierzehn Stationen der Passion zu einem Kreuz an der Westkante des Plateaus; die Reliefs der Stationen entstanden in italienischer Zeit. Der Weg steigt nur sanft an, ist im unteren Teil schattig und braucht hin und zurück etwa 25 bis 30 Minuten — er liegt außerhalb des Ticketbereichs und ist frei zugänglich.
Das erste, steinerne Kreuz von 1934 war rund 30 Meter hoch und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der heutige Betonbau entstand zwischen 1992 und 1996; die Höhenangaben schwanken je nach Quelle zwischen 15 und 18 Metern. In seinem Inneren führt eine enge Wendeltreppe hinauf zu den Querbalken, die als Aussichtsplattform dienen — dieser Aufstieg ist allerdings seit mehreren Jahren gesperrt und war auch 2026 nicht zugänglich (Stand September 2026). Reiseführer und Ausflugsbeschreibungen, die den Blick von den Kreuzarmen bewerben, sind veraltet; die eigentliche Aussicht hat man ohnehin von der Plattform am Fuß des Kreuzes.
Die Pfauen
Über das ganze Gelände stolzieren frei laufende Pfauen — für viele Besucher das eigentliche Markenzeichen von Filerimos. Wie sie hierherkamen, ist nicht eindeutig überliefert; heute gehören sie fest zum Bild zwischen Zypressen und Klostermauern. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt, sollten aber nicht gefüttert werden. Und wer den durchdringenden Schrei zum ersten Mal aus dem Geäst hört, erschrickt fast immer.
Der Ausblick
Der Hügel ist nach Westen orientiert. Vom Kreuz und von der Plateaukante reicht der Blick über die Bucht von Ialyssos und die Westküste, über Kremasti und Trianda und die Hotelzeile von Ixia bis zur Start- und Landebahn des Flughafens; an klaren Tagen sind die Insel Symi und die türkische Küste zu erkennen. Am schönsten ist das Licht am späten Nachmittag — auch deshalb ist Filerimos ein beliebter Ort für den Sonnenuntergang. Mittags ist es trotz der Höhe heiß, früh morgens am stillsten, bevor die ersten Busse heraufkommen.
Die angenehmste Jahreszeit für den Hügel ist der Herbst: Im Oktober ist die Luft klarer als im Hochsommer, der Pinienwald riecht nach dem ersten Regen, und die Stätte hat noch bis Monatsende bis 20 Uhr geöffnet — das reicht auf der Westseite bequem für den Sonnenuntergang. Im Winter dagegen schließt sie am frühen Nachmittag; das späte Licht bekommt dann nur zu sehen, wer sich auf den frei zugänglichen Kreuzweg beschränkt.
Praktischer Besuch
Für das gesamte Plateau sollte man 1 bis 1,5 Stunden einplanen: gut eine halbe Stunde für Kirche, Kreuzgang, Tempelfundamente und Kapelle, dazu noch einmal eine halbe Stunde für den Kreuzweg hin und zurück. Wer nur Kreuz und Aussicht sehen möchte, kommt mit 30 Minuten aus.
Feste Schuhe sind nicht nötig, rutschfeste aber sinnvoll: Die Hauptwege sind gepflastert, das antike Pflaster an den Tempelfundamenten ist uneben und stellenweise blank poliert. Schatten spenden die Pinien und Zypressen reichlich, auf dem offenen Tempelplateau und am Kreuz dagegen kaum — Wasser, Hut und Sonnenschutz gehören in den Rucksack. Im Hochsommer besucht man den Hügel am besten vor 11 oder nach 17 Uhr; Getränke gibt es oben nur im Café am Parkplatz, im Gelände selbst nicht.
Eintritt und Öffnungszeiten
Der Eintritt zum archäologischen Gelände mit Kloster kostet 10 € (Stand September 2026). Der Preis wurde 2026 von zuvor 6 € angehoben — ältere Reiseführer, Hotelmappen und viele Webseiten nennen deshalb noch den alten Betrag. EU-Bürgerinnen und -Bürger bis einschließlich 25 Jahre kommen mit Ausweis kostenlos hinein; für weitere Gruppen gilt der übliche ermäßigte Tarif. Frei ist der Eintritt außerdem an den landesweiten Aktionstagen: 6. März, 18. April, 18. Mai, am letzten September-Wochenende, am 28. Oktober sowie an jedem ersten Sonntag von November bis März. Gezahlt wird am Häuschen oberhalb des Parkplatzes; Karte wird meist akzeptiert, etwas Bargeld schadet aber nicht.
Geöffnet ist die Stätte in der Sommersaison (1. April bis 31. Oktober) täglich 8–20 Uhr, im Winter (ab 1. November) Mittwoch bis Montag 8:30–15:30 Uhr, dienstags geschlossen (Quelle: odysseus.culture.gr, Objekt-ID 7942, Stand September 2026). Anders als an der Akropolis von Lindos, wo der Schließzeitpunkt ab Mitte September in mehreren Stufen vorrückt, gibt das Ministerium für Filerimos bis Ende Oktober durchgehend 20 Uhr an. Verlassen sollte man sich darauf trotzdem nicht: Der letzte Einlass liegt rund 20 Minuten vor Schließung, und wegen Personalmangels wurden in den vergangenen Sommern einzelne Tage kurzfristig verkürzt — Ende August 2026 etwa schloss das Gelände schon um 13:30 Uhr. Wer erst am späten Nachmittag anreist, plant besser Puffer ein.
Der Kreuzweg mit seinen vierzehn Stationen und dem großen Kreuz liegt gegenüber dem Kasseneingang und ist frei zugänglich — ein Ticket braucht nur, wer Kirche, Kloster und Ausgrabungen sehen will. Damit taugt Filerimos auch für Rhodos mit kleinem Budget: Zypressenallee, Pinienduft, Pfauen und der Westküstenblick kosten nichts.
Anfahrt, Parken und Bus
Am bequemsten kommt man mit dem Mietwagen: Von Rhodos-Stadt sind es rund 15 Kilometer und 20 bis 25 Minuten die Westküste entlang, vorbei an Ixia, Abzweig an der Ampel in Trianta/Ialyssos, danach eine kurvige Bergstraße durch Pinienwald (unterwegs die beiden Kapellen des Propheten Elias). Die Serpentinen sind gut ausgebaut, aber schmal — für Wohnmobile und ungeübte Fahrer eher unangenehm. Oben liegt ein großer, kostenloser Parkplatz mit Café, ein paar Ständen und Toiletten; an Kreuzfahrt- und Bustagen ist er zwischen 10 und 13 Uhr voll.
Ohne eigenes Auto wird es mühsam. Die RODA-Stadtbuslinie von Rhodos-Stadt nach Ialyssos kostet 2,20 € im Vorverkauf und 2,30 € beim Fahrer (Stand September 2026), hält aber unten an der Küstenstraße — von dort sind es rund fünf Kilometer und etwa 250 Höhenmeter bergauf, im Sommer eine schweißtreibende Stunde ohne Gehweg. Praktikabler sind ein Taxi ab Ialyssos oder Kremasti/Trianda, ein Ausflugsbus oder eine der geführten Halbtagestouren, die Filerimos fast immer mit dem Tal der Schmetterlinge bündeln. Wie das Liniennetz insgesamt funktioniert, steht im Ratgeber zu den Bussen auf Rhodos.
Barrierefreiheit — ehrlich betrachtet
Nur teilweise gegeben. Parkplatz, Café und Vorplatz sind eben erreichbar, und die breite, sanft ansteigende Allee des Kreuzwegs lässt sich mit Begleitperson im Rollstuhl bis fast zum Kreuz schieben; erst der letzte Abschnitt wird steiler und gröber gepflastert. Im Ticketbereich sieht es schlechter aus: Stufen zur Klosterkirche, unebenes antikes Pflaster an den Tempelfundamenten und eine schmale, steile Treppe hinab zur Felsenkapelle Agios Georgios, die für Rollstühle und unsichere Knie nicht in Frage kommt. Kinderwagen kommen auf dem Kreuzweg gut durch, im Ausgrabungsteil eher schlecht — ein Tragetuch ist dort die bessere Wahl. Behindertengerechte Toiletten gibt es am Parkplatz nur eingeschränkt. Weitere Hinweise sammelt der Ratgeber Rhodos barrierefrei.
Filerimos verbinden
Filerimos lässt sich gut mit dem Ort am Hangfuß verbinden: Ialyssos mit seinem langen Wassersport-Strand liegt nur die Serpentinen hinunter, direkt daneben Kremasti und Trianda für Taverne und Kaffee. Wenige Kilometer südwestlich beginnt das Tal der Schmetterlinge bei Petaloudes — die klassische Halbtagesrunde im Inselnordwesten. Wer mehr Zeit hat, hängt die Ausgrabungen von Kamiros an und hat damit an einem Tag zwei der drei antiken Stadtstaaten gesehen.
Weil Rhodos-Stadt nur eine knappe Viertelstunde entfernt ist, eignet sich der Hügel auch als ruhiger Nachmittagsstopp am Ende eines Stadttags — oder als Ergänzung zum Archäologischen Museum, in dem die wichtigsten Funde aus Ialysos liegen: Erst die Objekte in der Vitrine, dann der Ort, an dem sie gefunden wurden. Für die Rückfahrt bietet sich ein Bad am Strand von Ixia an, der vom Kreuz aus ohnehin die ganze Zeit im Blick lag.
Für wen sich Filerimos lohnt
Für alle, die Geschichte gern in Schichten sehen: Auf wenigen hundert Quadratmetern liegen dorischer Tempel, frühchristliches Taufbecken, Johanniterkirche, osmanische Überformung und italienische Rekonstruktion übereinander, und man kann sie in einer Stunde ablaufen. Für Familien ist es einer der wenigen Kulturstopps, an denen Kinder nicht quengeln — wegen der Pfauen, der Zypressenallee und des Kreuzes am Ende. Und für alle, die einen ruhigen, kühlen Ort mit großem Ausblick suchen, ohne dafür ins Gebirge zu fahren.
Weniger geeignet ist Filerimos für Besucher, die aufgearbeitete Museumsräume erwarten: Beschilderung und Erklärtafeln sind sparsam, vieles erschließt sich erst mit Vorwissen — weshalb es sich lohnt, die Abschnitte zur Johanniterzeit und zur italienischen Zeit vorher zu lesen. Wer mit eingeschränkter Gehfähigkeit reist oder die Mittagshitze schlecht verträgt, sollte den Besuch auf Kreuzweg und Aussicht beschränken.
Amtlich Ialyssos, im Alltag oft noch Trianda: ein langgezogener Badeort an der windigen Nordwestküste — bekanntes Windsurf-Revier mit langem Kiesstrand, kurzen Wegen nach Rhodos-Stadt und dem Filerimos als stillem Hausberg.






