Rhodos hat zwei Wassersport-Gesichter, und sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Die Ostküste ist die ruhige Seite: geschützte Felsbuchten, klares Wasser, ideale Bedingungen für Maske und Schnorchel, morgens oft spiegelglatt. Die Westseite und die Südspitze sind die windige Seite — dort macht der Meltemi, der trockene Sommerwind der Ägäis, aus Kiesstränden Surfreviere von internationalem Ruf. Wer beides versteht, kann sich den Urlaub danach sortieren: schnorcheln und paddeln im Osten, surfen und kiten im Westen und Süden. Und weil beide Küsten nirgends mehr als eine gute halbe Stunde auseinanderliegen, muss man sich nicht einmal entscheiden — morgens Maske, nachmittags Brett ist auf Rhodos ein ganz normaler Tagesplan.
Was das Revier ausmacht: Fels statt Riff
Damit die Erwartung stimmt, gleich vorweg: Das Mittelmeer vor Rhodos ist kein Rotes Meer und kein Indischer Ozean. Es gibt keine Korallengärten, keine Rochen-Putzerstationen und keine Schwärme in Neonfarben. Was es gibt, ist eine felsige, sehr klare, sehr strukturreiche Küste — und genau daraus zieht das Schnorcheln hier seinen Reiz.
Drei Dinge machen das Revier aus. Erstens die Sicht: An ruhigen Tagen liegt sie an der Ostküste bei 20 bis 40 Metern, weil das Wasser nährstoffarm ist und kaum Flüsse Sediment eintragen. Man sieht den Grund oft schon vom Ufer aus in einer Klarheit, die aus Nord- und Ostsee kommende Urlauber regelmäßig verblüfft. Zweitens die Struktur: Vulkanisch geprägte Felsrücken, Blockfelder, Überhänge, kleine Grotten und Seegraswiesen wechseln sich auf engem Raum ab — jede Kante ist ein eigener Lebensraum. Drittens der Einstieg: Viele der besten Stellen liegen in Buchten, die man vom Strand aus in zwei Minuten erschnorchelt, ohne Boot und ohne Guide.
Die Kehrseite: Über Sand ist praktisch nichts los. Wer an den langen Kiesstränden von Faliraki oder Afandou in der Strandmitte ins Wasser geht, sieht eine leere Fläche. Die Regel für Rhodos lautet deshalb schlicht: immer die Felsränder ansteuern — die Enden der Buchten, die Kaps, die Blockfelder unter den Klippen. Dort sitzt das Leben.
Die besten Schnorchel-Spots im Einzelnen
Die folgenden Spots liegen alle an der windgeschützten Ost- und Nordostküste zwischen Kallithea und Lindos. Alle sind vom Ufer aus zu erschnorcheln, alle mit dem Mietwagen erreichbar, die meisten auch mit dem Bus. Die Einschätzung zur Schwierigkeit bezieht sich auf Einstieg und Kondition, nicht auf die Tiefe — geschnorchelt wird hier fast überall in zwei bis acht Metern.
- Kallithea-Bucht — der beste Allrounder. Rund um die italienische Therme fällt der Fels in kleinen Stufen ins Meer, dazwischen liegen Blockfelder und kleine Grotten in 10 bis 15 Metern Tiefe. Die Sicht gehört zu den besten der Insel, weshalb hier auch fast alle Tauchbasen ihre Schnupperkurse abhalten. Zugang über Betonplattformen und Leitern, also bequem und auch für unsichere Schwimmer machbar. Der Zutritt zum Thermengelände kostet 5 € von Mai bis Oktober und 3 € von November bis April (Stand September 2026). Schwierigkeit: leicht.
- Anthony-Quinn-Bucht — der Klassiker. Rotbraune, steil abfallende Felsen, Seegras und sehr klares Wasser machen sie zum bekanntesten Schnorchelziel der Insel — entsprechend voll wird es ab dem späten Vormittag, mittags kommen zusätzlich die Ausflugsboote und ankern mitten in der Bucht. Das Beste liegt ohnehin an den Rändern: links und rechts der Bucht ziehen sich Felskanten hinaus, an denen Brassen, Meerjunker und Seesterne stehen. Der Einstieg über die Felsplatten ist rutschig, Badeschuhe sind hier keine Kür. Ein Liegen-Set kostet rund 30 € (Stand September 2026); der Parkplatz wird mit Ladiko geteilt und ist ab 10 Uhr regelmäßig voll. Schwierigkeit: mittel.
- Ladiko — der ruhigere Zwilling. Die kleine Doppelbucht direkt nebenan bietet dieselbe Felslandschaft mit etwas weniger Betrieb und einem sanfteren Kieseinstieg. An den Felskanten lassen sich Fischschwärme, Einsiedlerkrebse und mit Glück Tintenfische beobachten. Wer beide Buchten am selben Tag machen will, stellt das Auto einmal ab und läuft die zehn Minuten hinüber. Schwierigkeit: leicht bis mittel.
- Traganou-Höhle bei Afandou — der Abenteuer-Spot. Am Nordende des langen Kiesstrands von Afandou hat das Meer eine Sandsteinklippe unterhöhlt. In die Grotte lässt sich bei ruhiger See hineinschnorcheln, das Licht fällt durch die Öffnungen und zeichnet Muster auf den Grund — der fotogenste Platz der Ostküste. Der Weg dorthin führt über den unbefestigten Piste-Abzweig zum nördlichen Strandende und dann ein Stück am Ufer entlang. Wichtig: nur bei glattem Wasser hinein, bei Dünung wird die Höhlenkante zur Falle. Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll.
- Das Felskap von Kolymbia — der Geheimtipp für Fischdichte. Nördlich des Strands schiebt sich eine flache Felszunge ins Meer, an deren Kanten sich das Wasser schnell auf sechs bis acht Meter vertieft. Dort steht regelmäßig mehr Fisch als in den berühmten Buchten, weil kaum jemand hinschwimmt. Einstieg über Kies, danach entlang der Kante bleiben. Schwierigkeit: leicht.
- Fourni — der wilde an der Südwestküste. Unterhalb der Burg von Monolithos liegt eine Bucht mit ausgewaschenen Sandsteinfelsen, Höhlen im Uferbereich und sehr klarem Wasser. Das ist der einzige Spot dieser Liste an der Westhälfte — und er funktioniert nur an windstillen Tagen, weil hier sonst Welle steht. Anfahrt über eine kurvige Stichstraße. Schwierigkeit: mittel, wetterabhängig.
- Agathi — der Familien-Spot. Feiner Sand, flacher, sehr sanfter Einstieg, warmes Wasser — an den Felsen am rechten Buchtende sammeln sich kleine Fische in Hüfttiefe. Ideal, um Kindern das Schnorcheln beizubringen, ohne dass gleich Tiefe und Wellen dazukommen. Schwierigkeit: sehr leicht.
- St.-Pauls-Bucht bei Lindos — die malerischste. Das fast geschlossene Felsrund unterhalb der Akropolis ist geschützt wie ein Naturpool; an den Felswänden der schmalen Einfahrt ist am meisten Leben. Mehr dazu im Porträt der Lindos-Bucht und St.-Pauls-Bucht. Schwierigkeit: leicht.
Was man unter Wasser tatsächlich sieht
Das Standardprogramm der Ostküste sind Brassen in mehreren Arten, silbrige Meeräschen in Ufernähe, farbige Meerjunker — die Männchen mit dem orangefarbenen Zickzackband sind die bunteste Erscheinung im Revier —, dazu Lippfische, Schriftbarsche, Meerbarben, die im Sand gründeln, und über Seegras die schlanken Pfeifenfische, die man erst sieht, wenn sie sich bewegen. Am Grund liegen Seesterne und Seegurken, in den Spalten sitzen Seeigel und Einsiedlerkrebse. Wer geduldig an einer Felskante wartet, entdeckt mit etwas Glück einen Oktopus — sie sind hier häufiger, als es scheint, aber Meister der Tarnung. Im Spätsommer treiben gelegentlich Quallen vorbei; gefährliche Arten sind selten, die Feuerqualle brennt aber unangenehm.
Die eigentliche Hauptrolle spielt eine Pflanze: Posidonia oceanica, das Neptungras. Die dunklen Wiesen, über die man an fast jedem Spot schwimmt, sind kein Unkraut und kein Zeichen für schmutziges Wasser, sondern das Gegenteil — Posidonia wächst nur in sehr sauberem Wasser, produziert große Mengen Sauerstoff, bindet Kohlenstoff über Jahrhunderte, hält den Sand fest und ist Kinderstube für einen Großteil der Fischarten des Mittelmeers. Sie wächst extrem langsam, wenige Zentimeter im Jahr, und ist europaweit als prioritärer Lebensraumtyp geschützt. Deshalb gilt: nicht darauf stehen, nichts ausreißen, keine Halme mitnehmen und beim Ankern von gemieteten Booten Sandflächen suchen. Die braunen Fasern und Kugeln, die im Herbst an den Strand gespült werden, sind übrigens abgestorbenes Posidonia-Material und ein gutes Zeichen, kein schlechtes.
Ausrüstung: was man wirklich braucht
Die eigene Maske ist die wichtigste Anschaffung. Leihmasken an Stränden und auf Booten sind fast immer zerkratzt, ausgehärtet oder undicht — und eine undichte Maske ruiniert jeden Schnorchelgang. Eine gut sitzende eigene Maske mit Schnorchel kostet weniger als zwei Tage Liegen-Miete und passt in jeden Handgepäck-Rucksack. Der Sitztest: Maske ohne Band aufs Gesicht setzen, einatmen, loslassen — sie muss allein halten. Wer eine Sehschwäche hat, bekommt Masken mit Korrekturgläsern; das lohnt sich enorm, weil man sonst nur Umrisse sieht.
Badeschuhe sind das zweite Pflichtstück und an den Fels- und Kiesufern von Rhodos die beste Investition des Urlaubs — gegen Seeigel, scharfe Kanten und heiße Steine gleichermaßen. Flossen sind angenehm, aber an den kompakten Buchten der Ostküste kein Muss; wer sie mitnimmt, wählt kurze Reiseflossen. Ein UV-Shirt oder Lycra-Oberteil verhindert den klassischen Schnorchel-Sonnenbrand auf Rücken und Kniekehlen, der im kühlenden Wasser unbemerkt entsteht. Für Mai, Oktober und kalte Auftriebstage lohnt ein dünner Neopren-Shorty (2 bis 3 mm): Er verlängert die Zeit im Wasser von zwanzig auf sechzig Minuten und ist der Unterschied zwischen frösteln und genießen.
Optional, aber sinnvoll: eine Signalboje zum Umschnallen (dazu mehr im nächsten Abschnitt), ein wasserdichter Beutel für Schlüssel und Handy und für Kinder eine Schwimmweste oder ein Schnorchel-Shirt mit Auftrieb. Vor Ort kaufen lässt sich alles in den Supermärkten und Strandshops, allerdings in mäßiger Qualität und zu Ferienpreisen.
Sicherheit beim Schnorcheln
Schnorcheln auf Rhodos ist harmlos — solange man drei Dinge im Blick behält: Boote, Wind und die eigenen Füße.
Boote und Badezonen. Vor bewachten Stränden markieren gelbe Bojenketten die Badezone; innerhalb davon dürfen Motorboote und Jetskis nicht fahren. Genau dort gehört man als Schnorchler hin. Wer weiter hinausschwimmt — etwa zu einem Kap oder an einer Felskante entlang —, sollte eine gut sichtbare Signalboje mitführen: Ein Kopf im Wasser ist von einem Motorboot aus praktisch unsichtbar, eine orangerote Boje auf zwei Metern Leine ist es nicht. In der Anthony-Quinn-Bucht und vor Kallithea ankern ab Mittag Ausflugsboote mitten in der Bucht; dann besser an den Rändern bleiben.
Wind und Strömung. Der Meltemi frischt im Sommer typischerweise im Lauf des Vormittags auf. An der Ostküste bleibt es meist harmlos, an der Süd- und Westküste kann er ablandig drücken oder an Kaps Strömung aufbauen — dann treibt man schneller ab, als man merkt, und der Rückweg wird zur Arbeit. Faustregel: Immer gegen den Wind hinausschwimmen und mit dem Wind zurück, an Kaps nie ohne Puffer, und bei Weißschaum auf dem Wasser gar nicht erst rein. Wer in Strömung gerät, schwimmt parallel zum Ufer heraus statt dagegen an.
Rettungsschwimmer. An den als vielbesucht eingestuften Stränden ist nach dem griechischen Präsidialdekret 71/2020 vom 1. Juni bis 30. September ein Rettungsschwimmer vorgeschrieben, in der Regel von 10 bis 18 Uhr (Stand September 2026). Außerhalb dieses Fensters — früh morgens, im Mai, im Oktober — schwimmt man auf eigene Verantwortung, und genau dann sind die Buchten am schönsten. Alleine schnorcheln ist möglich, aber jemand am Strand sollte wissen, wo man ist und wann man zurück sein will. Details zu Flaggen, Liegen und Zuständigkeiten stehen im Überblick zu den Strandregeln.
Windsurfen: Ixia, Trianda und die Meltemi-Logik
Wer nicht zwei Stunden in den Süden fahren will, findet das verlässlichste Windsurf-Revier direkt vor der Haustür von Rhodos-Stadt. Vor Ixia in der Trianda-Bucht baut sich an Sommernachmittagen ein thermischer Wind auf, der fast täglich 4 bis 6 Beaufort erreicht. Die Mechanik dahinter ist simpel und deshalb so zuverlässig: Der Meltemi kommt von Nordwest, die Bucht liegt genau in seiner Achse, und tagsüber heizt sich das Land auf und verstärkt ihn zusätzlich. Ergebnis ist eine Tagesroutine, nach der man die Woche planen kann.
Die Meltemi-Logik im Tagesverlauf: Morgens bis etwa 11 Uhr ist es schwach bis mäßig — das ist das Fenster für Einsteigerkurse und für alle, die Wasserstart und Halsen in Ruhe üben wollen. Zwischen Mittag und 15 Uhr zieht es an. Am Nachmittag steht der Wind, dann gehört das Wasser den Fortgeschrittenen, und Anfänger sind am Strand besser aufgehoben. Gegen Abend flaut es meist wieder ab. Über das Jahr gesehen weht der Meltemi von Juni bis September, am stärksten im Juli und August; im Mai und Oktober ist er unbeständiger, dafür ist der Strand leer.
Entlang der Hotelmeile von Ixia und Ialyssos arbeiten mehrere Stationen mit Verleih, Unterricht und Materialdepot. Als Größenordnung kostet eine Windsurf-Gruppenstunde ab rund 50 €, ein kompletter Einsteigerkurs über mehrere Tage entsprechend mehr, und die Tagesmiete für Board und Segel liegt bei etwa 90 € (Stand September 2026); Wochenpakete sind deutlich günstiger pro Tag, und die meisten Stationen erlauben unbegrenzten Materialwechsel innerhalb der Miete. Das Ufer ist Kies, kein Postkartensand — dafür ist der Einstieg flach und der Wind kommt mit Ansage. Kiten ist vor Ixia und in der Trianda-Bucht untersagt; das ist reines Windsurf- und Wingfoil-Revier.
Kiten: Prasonisi und Theologos
Prasonisi an der Südspitze ist der Grund, warum Rhodos in Surf-Kreisen weltweit ein Begriff ist. Die schmale Sandzunge zur vorgelagerten Halbinsel trennt zwei völlig verschiedene Reviere: auf der einen Seite eine flache, gut stehbare Lagune, auf der anderen die offene Welle für Fortgeschrittene — eine Kombination, die es so im Mittelmeer kaum ein zweites Mal gibt. Der Meltemi bläst von etwa Mai bis September verlässlich, im Juli und August oft mit 15 bis 30 Knoten. Vor Ort arbeiten in der Saison mehrere Surf- und Kitestationen mit Verleih, Kursen und Rettungsboot; ein Tag ohne eigene Ausrüstung ist problemlos machbar.
Wichtig für Kiter — die Zonen haben sich geändert: Auf der flachen Lagunenseite ist das Kiten inzwischen untersagt. Gekitet wird nur noch auf der Wellenseite; die Lagune bleibt Windsurfern, Wingfoilern und Badenden vorbehalten (Stand September 2026). Wer mit der Vorstellung anreist, die Kite-Anfängerschritte im hüfttiefen Lagunenwasser zu machen, sollte das vorab mit der Station klären — Einsteigerkurse laufen entsprechend anders ab als noch vor ein paar Jahren.
Das zweite Kite-Revier liegt an der Westküste bei Theologos, wenige Kilometer südlich des Flughafens. Der Wind steht dort cross-onshore, das Wasser wird nach einem Kiesstreifen schnell tief, und die Stationen sind ab dem Frühjahr geöffnet. Theologos ist der pragmatische Kompromiss: fast so windsicher wie Prasonisi, aber eine gute Autostunde näher an den Hotelorten des Nordens. Kite-Einsteigerkurse liegen inselweit als Größenordnung bei 150 bis 300 € je nach Umfang, reine Materialmiete beginnt bei etwa 30 € (Stand September 2026); wer eine internationale Zertifizierung mitnehmen will, zahlt für die Prüfungskarte extra.
Ein Hinweis zum Naturschutz, der in Prasonisi oft untergeht: Die Dünenlandschaft der Sandzunge nicht befahren und nicht als Parkplatz nutzen — sie ist empfindlich, wächst nur langsam nach und ist der eigentliche Schatz des Ortes.
Bananenboot, Jetski, Parasailing: was der Spaß kostet
An den großen Hotelstränden — vor allem Faliraki, Ixia und die Strandabschnitte bei Lardos und Kolymbia — stehen in der Saison die Stationen für Jetski, Bananenboot, Ringos, Wakeboard und Parasailing. Das Geschäftsmodell ist überall dasselbe: kurze Einheiten, feste Listenpreise, Buchung spontan am Strand, Bezahlung meist bar. Als Größenordnung (Stand September 2026):
- Bananenboot und Ringo: rund 20 € pro Person für 10 bis 15 Minuten, oft mit Mindestteilnehmerzahl — zu zweit wartet man notfalls, bis sich das Boot füllt.
- Jetski: etwa 50 bis 60 € für 15 bis 20 Minuten, eine halbe Stunde eher 90 €. Gefahren wird ab 18 Jahren, mit Ausweis und meist gegen Kaution; Zweisitzer kosten wenig mehr als Einsitzer, sodass sich Teilen lohnt.
- Parasailing: rund 60 bis 80 € pro Person im Solo- oder Tandemflug von etwa 10 bis 15 Minuten; Privatflüge und längere Leinen kosten deutlich mehr.
- Wakeboard, Wasserski, Tube am Seil: je nach Station 30 bis 60 € pro Einheit.
Zwei Dinge lohnen den Blick vor dem Bezahlen: ob die Station eine sichtbare Lizenz und Schwimmwesten in passenden Größen hat, und ob der Preis pro Person oder pro Boot gilt — daraus entsteht an der Kasse das häufigste Missverständnis. Wer schnorchelt oder schwimmt, sollte umgekehrt die markierten Motorsport-Korridore kennen und meiden: Dort haben Schwimmer nichts verloren, und Jetskis haben im Badebereich nichts verloren.
SUP und Kajak: morgens an der Ostküste
Stand-up-Paddling und Seekajak funktionieren auf Rhodos nach einer einfachen Formel: Ostküste plus früher Vormittag. Bis mittags ist das Meer zwischen Faliraki und Lindos oft nahezu glatt, am Nachmittag frischt es meist auf — wer um acht oder neun auf dem Wasser ist, paddelt im besten Licht und bei den ruhigsten Bedingungen. Verleih gibt es an den meisten größeren Stränden der Ostküste; als Größenordnung kostet ein SUP rund 20 € pro Stunde, ein Kajak ab etwa 15 € (Stand September 2026), Halbtagespreise sind deutlich günstiger gerechnet. Geführte Kajaktouren starten in der Saison unter anderem rund um Stegna und die Buchten bei Lindos und kombinieren Paddeln mit Schnorchel-Stopps an Stellen, die zu Fuß kaum erreichbar sind — die eleganteste Art, das Revier zu erschließen.
Ein Hinweis, der jedes Jahr Leute in Schwierigkeiten bringt: Aufblasbare SUPs und Luftmatratzen sind Windfänger. Bei ablandigem Wind treibt man in Minuten weit hinaus, und zurückzupaddeln ist gegen 4 Beaufort aussichtslos. Deshalb bei auffrischendem Wind gar nicht erst starten und immer in Ufernähe entlangpaddeln statt hinaus. Die windige Westküste ist für beides nichts — dort gehört das Wasser den Surfern.
Boot mieten ohne Führerschein
Die schönste Art, die Buchten der Ostküste zu sammeln, ist ein eigenes kleines Boot — und dafür braucht man in Griechenland keinen Bootsführerschein. Die Regel: Motorboote bis 30 PS und Schlauchboote beziehungsweise RIBs bis 15 PS dürfen ohne Führerschein gefahren werden (Stand September 2026). Mindestalter ist in der Praxis 18 Jahre, es genügt ein Personalausweis oder Reisepass, und anders als in Italien oder Kroatien gibt es keine zusätzliche Längenbeschränkung. Boote, die nach griechischem Recht als Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge gelten, fallen nicht darunter und brauchen einen Schein oder einen Skipper an Bord.
Verleiher gibt es unter anderem in Faliraki, Kolymbia, Stegna, Lindos und Rhodos-Stadt. Was man vor der Abfahrt klären sollte: ob Benzin im Preis enthalten ist (meist nicht), wie hoch die Kaution ist, welches Seegebiet man befahren darf — praktisch immer nur die geschützte Ostküste bei ruhiger See — und bis wann das Boot zurück sein muss. Die Hafenpolizei kann bei Starkwind kurzfristig ein Auslaufverbot verhängen; dann fällt die Miete aus, und das ist kein Ärgernis, sondern der Grund, warum das System funktioniert. Beim Ankern Sandflächen suchen und nie in Seegraswiesen — Posidonia nimmt Ankerschäden über Jahrzehnte nicht zurück.
Tauchen: kurz eingeordnet
Wer mehr will als Maske und Schnorchel, findet rund um die Insel mehrere etablierte, überwiegend PADI-zertifizierte Basen — Schwerpunkte sind Rhodos-Stadt, Kallithea, Faliraki und Lindos. Das Angebot reicht vom Schnuppertauchgang ohne Vorkenntnisse über Open-Water-Kurse bis zu geführten Bootstauchgängen an Steilwänden, Grotten und Wracks. Die Kallithea-Bucht ist das Haustauchrevier der Insel: geschützt, klar, mit Grotten in 10 bis 15 Metern Tiefe — historisch gewachsen, denn bis 2006 war Sporttauchen auf Rhodos überhaupt nur hier erlaubt. Als Größenordnung startet ein Schnuppertauchgang bei etwa 70 €, ein zweiter Tauchgang am selben Tag kostet meist rund 40 € zusätzlich (Stand September 2026). Alles Weitere — Basen, Kurse, Wracks, beste Monate — steht ausführlich im eigenen Beitrag zum Tauchen auf Rhodos.
Bootstouren: die bequeme Variante
Wer keinen eigenen Mietwagen hat oder die Buchten lieber vom Wasser aus sammelt, findet am Mandraki-Hafen von Rhodos-Stadt und an den Stränden von Faliraki ein breites Angebot an Tagestouren: klassische Küstenfahrten Richtung Lindos mit Badestopps, Schnorchel-Touren zu den Felsbuchten, dazu Glasboden- und Katamaran-Varianten. Als Größenordnung kosten einfache Tagestouren ab etwa 30 bis 40 € pro Person (Stand September 2026), mit Essen und kleineren Gruppen mehr — Programm und Stopps vorher prüfen, denn „Schnorchel-Stopp“ bedeutet manchmal nur zwanzig Minuten Ankerbucht mit vielen Booten. Je kleiner das Boot, desto besser meist die Spots. Speziell für die Traganou-Höhle bei Afandou gibt es kleine Bootstouren ab Kolymbia und Faliraki, die dort tatsächlich Zeit zum Schnorcheln einplanen.
Beste Zeit fürs Wasser: Temperaturen Monat für Monat
Die Lufttemperatur sagt auf Rhodos wenig darüber aus, wie lange man im Wasser bleiben kann — das Meer hinkt der Sonne rund zwei Monate hinterher. Als Orientierung für die Ostküste (Stand September 2026):
- Mai: 19 bis 21 °C. Kurz und frisch. Für einen Sprung ins Wasser reicht es, für eine Stunde Schnorcheln braucht es einen Shorty. Dafür ist die Sicht oft am besten und die Buchten sind leer. Mehr dazu im Monatsporträt Rhodos im Mai.
- Juni: 22 bis 24 °C. Der erste richtige Bademonat, ohne die Hitze und den Andrang des Hochsommers — für viele die beste Kombination des Jahres.
- Juli: rund 25 °C. Warm, klar, voll. Der Meltemi ist am kräftigsten, was surfen großartig und paddeln anstrengend macht.
- August: rund 26 °C. Wärmstes Wasser, längste Aufenthalte, aber auch die schlechteste Sicht an belebten Stränden am Nachmittag.
- September: 25 bis 26 °C. Das ist der Geheimfavorit für Wassersport: Das Meer ist noch auf Sommerniveau, der Wind lässt nach, die Buchten leeren sich. Details im Beitrag Rhodos im September.
- Oktober: 22 bis 24 °C. Erstaunlich lange badbar, vor allem in der ersten Monatshälfte. Zum Schnorcheln über eine Stunde hinaus wieder mit Neopren angenehmer.
Wer die Wahl hat, plant Schnorchel- und Paddeltage in die Ränder der Saison und Surftage in den Hochsommer. Die vollständigen Werte für Luft, Wasser, Regen und Sonnenstunden stehen in der Klimatabelle, die Gesamtabwägung in Beste Reisezeit.
Naturschutz: die Regeln unter Wasser
Die Felsbuchten der Ostküste sind kleine, empfindliche Lebensräume — und sie stehen unter erheblichem Besucherdruck. Ein paar Regeln machen den Unterschied:
- Nichts anfassen, nichts mitnehmen. Das gilt auch für leere Muscheln, hübsche Kiesel und den einen kleinen Seestern — Seesterne sterben außerhalb des Wassers innerhalb von Minuten.
- Seegras ist kein Stehplatz. Posidonia-Wiesen sind europarechtlich geschützt und wachsen nur wenige Zentimeter im Jahr. Nicht darauftreten, nicht hineinankern, keine Halme ausreißen.
- Nicht füttern. Auch wenn es auf manchen Bootstouren angeboten wird: Fütterung verändert Verhalten und Artenzusammensetzung einer Bucht dauerhaft.
- Sonnencreme mit Abstand. Mindestens 20 Minuten vor dem Schwimmen auftragen, damit sie einzieht, oder mineralische Produkte verwenden.
- Abstand zu Tieren. Meeresschildkröten und Robben sind an der Südküste selten, aber möglich — dann gilt: beobachten, nicht folgen, nicht anfassen.
- Müll mitnehmen, auch fremden. Wer bei jedem Schnorchelgang ein Stück Plastik mit an Land bringt, hat mehr getan als jede Kampagne.
Liegenpflichten, Zufahrten und geschützte Strandabschnitte regelt der Überblick zu den Strandregeln — die dort beschriebenen Grundsätze gelten unter Wasser erst recht.
Häufige Fragen
- Wo kann man auf Rhodos am besten schnorcheln?
- Die besten Spots liegen an der windgeschützten Ostküste: die Kallithea-Bucht mit ihren Felsstufen und Grotten, die Anthony-Quinn-Bucht und das ruhigere Ladiko, das Felskap nördlich von Kolymbia, die Traganou-Höhle am Nordende des Strands von Afandou und die St.-Pauls-Bucht bei Lindos. Für Familien mit kleinen Kindern ist Agathi mit seinem flachen Einstieg ideal, an windstillen Tagen lohnt Fourni an der Südwestküste. Grundregel überall: an den Felsrändern schnorcheln, nicht über Sand — und möglichst vor zehn Uhr morgens, wenn Wasser und Sicht am besten sind.
- Braucht man auf Rhodos Badeschuhe?
- Ja, an Fels- und Kiesufern praktisch immer. In den Spalten und auf flachen Steinen sitzen Seeigel, deren Stacheln beim Tritt in der Haut abbrechen, dazu sind nasse Felsplatten rutschig und Kiesel im Hochsommer heiß. Badeschuhe sind die günstigste sinnvolle Anschaffung für den Rhodos-Urlaub. Nur an reinen Sandstränden wie Agathi oder Tsambika kann man darauf verzichten.
- Wie warm ist das Meer auf Rhodos?
- Im Mai liegt die Wassertemperatur bei 19 bis 21 Grad, im Juni bei 22 bis 24, im Juli bei rund 25, im August bei rund 26, im September bei 25 bis 26 und im Oktober noch bei 22 bis 24 Grad (Stand September 2026). Zum längeren Schnorcheln ist der Zeitraum Juni bis Oktober angenehm; im Mai und im späten Oktober verlängert ein dünner Neopren-Shorty die Zeit im Wasser deutlich.
- Wo darf man auf Rhodos kiten?
- Kitesurfen ist auf Rhodos auf bestimmte Reviere beschränkt. Hauptspot ist Prasonisi an der Südspitze — dort allerdings nur noch auf der Wellenseite: In der flachen Lagune ist Kiten inzwischen untersagt, sie bleibt Windsurfern, Wingfoilern und Badenden vorbehalten (Stand September 2026). Das zweite Revier ist Theologos an der Westküste. Vor Ixia und in der gesamten Trianda-Bucht ist Kiten dagegen verboten; dort wird ausschließlich gewindsurft.
- Was kostet Jetski fahren auf Rhodos?
- Als Größenordnung zahlt man an den Hotelstränden 50 bis 60 Euro für 15 bis 20 Minuten, eine halbe Stunde kostet eher 90 Euro (Stand September 2026). Gefahren werden darf ab 18 Jahren, meist gegen Ausweis und Kaution. Ein Bananenboot-Ritt liegt bei rund 20 Euro pro Person, Parasailing bei 60 bis 80 Euro. Vor dem Bezahlen klären, ob der Preis pro Person oder pro Boot gilt.
- Kann man auf Rhodos ohne Führerschein ein Boot mieten?
- Ja. In Griechenland dürfen Motorboote bis 30 PS und Schlauchboote beziehungsweise RIBs bis 15 PS ohne Bootsführerschein gefahren werden (Stand September 2026); Mindestalter ist in der Praxis 18 Jahre, Ausweis oder Reisepass genügen. Verleiher gibt es unter anderem in Faliraki, Kolymbia, Stegna, Lindos und Rhodos-Stadt. Benzin ist meist nicht im Preis enthalten, das Fahrgebiet ist auf die geschützte Ostküste begrenzt, und bei Starkwind kann die Hafenpolizei ein Auslaufverbot verhängen.


