Rhodos hat zwei Wassersport-Gesichter, und sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Die Ostküste ist die ruhige Seite: geschützte Felsbuchten, klares Wasser, ideale Bedingungen für Maske und Schnorchel, morgens oft spiegelglatt. Die Westseite und die Südspitze sind die windige Seite — dort macht der Meltemi, der trockene Sommerwind der Ägäis, aus Kiesstränden Surfreviere von internationalem Ruf. Wer beides versteht, kann sich den Urlaub danach sortieren: schnorcheln und paddeln im Osten, surfen und kiten im Westen und Süden.
Schnorcheln: die besten Spots der Ostküste
Die Grundregel zuerst: Gute Schnorchel-Spots auf Rhodos sind fast immer Felsbuchten, nicht Sandstrände. Über Sand gibt es wenig zu sehen — Fische, Seesterne und Tintenfische halten sich dort auf, wo Felsen Verstecke bieten. Genau das liefern die bekannten Buchten zwischen Faliraki und Lindos:
- Anthony-Quinn-Bucht — der Klassiker. Rotbraune Felsen, Seegraswiesen und sehr klares Wasser machen sie zum bekanntesten Schnorchelziel der Insel — entsprechend voll wird es ab dem späten Vormittag. Die besten Bedingungen hat, wer früh kommt und sich an die Felsränder der Bucht hält.
- Ladiko — der ruhigere Zwilling. Die kleine Doppelbucht direkt nebenan bietet dieselbe Felslandschaft mit etwas weniger Betrieb. An den Felskanten lassen sich Fischschwärme, Krebse und mit Glück Tintenfische beobachten.
- Kallithea-Bucht — die abwechslungsreichste. Rund um die historische Therme fällt der Fels in kleinen Stufen ins Meer, die Sicht gehört zu den besten der Insel, und es gibt mehr Unterwasser-Struktur als an jedem Sandstrand. Auch beliebt bei Tauchbasen für Schnupperkurse — ein gutes Zeichen für die Bedingungen.
- St.-Pauls-Bucht bei Lindos — die malerischste. Das fast geschlossene Felsrund unterhalb der Akropolis ist geschützt wie ein Naturpool; an den Felswänden der Einfahrt ist am meisten los. Mehr dazu im Porträt der Lindos-Bucht & St.-Pauls-Bucht.
Erwartung ehrlich gesetzt: Rhodos ist Mittelmeer, kein Rotes Meer. Bunte Korallengärten gibt es nicht — dafür Brassen, Meerjunker, Pfeifenfische, Seeigel, Seesterne und sehr gute Sichtweiten, an guten Tagen 15 bis 20 Meter.
Windsurfen und Kiten: Prasonisi und Ixia
Prasonisi an der Südspitze ist der Grund, warum Rhodos in Surf-Kreisen weltweit ein Begriff ist. Die schmale Sandzunge zur vorgelagerten Halbinsel trennt zwei Reviere: auf der einen Seite eine flache, gut stehbare Lagune zum Lernen, auf der anderen Welle für Fortgeschrittene — eine Kombination, die es so im Mittelmeer kaum ein zweites Mal gibt. Der Meltemi bläst von etwa Mai bis September verlässlich, am stärksten im Juli und August mit oft 15 bis 30 Knoten. Vor Ort arbeiten in der Saison mehrere Surf- und Kitestationen mit Verleih und Kursen; ein Tag ohne eigene Ausrüstung ist also problemlos machbar. Wichtig: Die Dünenlandschaft der Sandzunge nicht befahren — sie ist empfindlich und der eigentliche Schatz des Ortes.
Wer nicht zwei Stunden in den Süden fahren will, findet das zweite Revier direkt vor der Haustür von Rhodos-Stadt: Vor Ixia in der Trianda-Bucht baut sich an Sommernachmittagen ein thermischer Wind auf, der fast täglich 4 bis 6 Beaufort erreicht. Morgens ist es deutlich schwächer — gut für Einsteigerkurse —, nachmittags kommen die Fortgeschrittenen auf ihre Kosten. Mehrere Stationen entlang der Hotelmeile bieten Verleih und Unterricht. Kiel- und Kiesstrand statt Postkartenbucht, dafür Wind mit Ansage.
SUP und Kajak: morgens an der Ostküste
Stand-up-Paddling und Seekajak funktionieren auf Rhodos nach einer einfachen Formel: Ostküste plus früher Vormittag. Bis mittags ist das Meer zwischen Faliraki und Lindos oft nahezu glatt, am Nachmittag frischt es meist auf — wer um acht oder neun auf dem Wasser ist, paddelt im besten Licht und bei den ruhigsten Bedingungen. Verleih gibt es an den meisten größeren Stränden der Ostküste; geführte Kajaktouren starten in der Saison unter anderem rund um Stegna und die Buchten bei Lindos und kombinieren Paddeln mit Schnorchel-Stopps in Buchten, die zu Fuß kaum erreichbar sind. Die windige Westküste ist für beides nichts — dort gehört das Wasser den Surfern.
Tauchen: Basen, Kurse, Erwartungen
Rund um die Insel arbeiten mehrere etablierte Tauchbasen, viele davon PADI-zertifiziert — Schwerpunkte sind Rhodos-Stadt, Kallithea, Faliraki und Lindos. Das Angebot reicht vom Schnuppertauchgang ohne Vorkenntnisse über Open-Water-Kurse bis zu geführten Bootstauchgängen an Steilwänden, kleinen Höhlen und einem oder zwei Wracks. Die Kallithea-Bucht ist dabei das Haustauchrevier der Insel: geschützt, klar, mit Grotten in 10 bis 15 Metern Tiefe. Preise schwanken je nach Basis und Saison deutlich — ein Schnuppertauchgang liegt als Größenordnung bei 60 bis 90 €, ein kompletter Einsteigerkurs im mittleren dreistelligen Bereich; aktuelle Preise und freie Plätze direkt bei den Basen erfragen. Seriöse Anbieter erkennt man am Briefing, an gewartetem Material und daran, dass sie bei schlechten Bedingungen absagen.
Bootstouren: die bequeme Variante
Wer keinen eigenen Mietwagen hat oder die Buchten lieber vom Wasser aus sammelt, findet am Mandraki-Hafen von Rhodos-Stadt und an den Stränden von Faliraki ein breites Angebot an Tagestouren: klassische Küstenfahrten Richtung Lindos mit Badestopps, Schnorchel-Touren zu den Felsbuchten, dazu Glasboden- und Katamaran-Varianten. Als Größenordnung kosten einfache Tagestouren ab etwa 30 bis 40 € pro Person, mit Essen und kleineren Gruppen mehr — Programm und Stopps vorher prüfen, denn „Schnorchel-Stopp" bedeutet manchmal nur zwanzig Minuten Ankerbucht mit vielen Booten. Je kleiner das Boot, desto besser meist die Spots.
Ausrüstung: was sich mitzubringen lohnt
Die wichtigste Anschaffung ist die eigene Schnorchelmaske: Leihmasken an Stränden und auf Booten sind oft zerkratzt oder undicht, und eine gut sitzende eigene Maske mit Schnorchel kostet weniger als zwei Liegen-Tage. Dazu gehören Badeschuhe für Fels und Kies, eine UV-Shirt-Lage für lange Schnorchelrunden — der Rücken verbrennt im Wasser schneller, als man merkt — und für Frühjahr und Herbst gegebenenfalls ein dünner Neoprenshorty. Flossen sind angenehm, aber an den kompakten Buchten der Ostküste kein Muss.
Rücksicht unter Wasser
Die Felsbuchten der Ostküste sind kleine, empfindliche Lebensräume — und sie stehen unter erheblichem Besucherdruck. Ein paar Regeln machen den Unterschied: nichts anfassen, nichts mitnehmen — auch keine leeren Muscheln oder „nur ein kleiner Seestern"; Seegraswiesen sind Kinderstube vieler Arten und kein Stehplatz; Fische nicht füttern, auch wenn es auf manchen Bootstouren angeboten wird; und Sonnencreme rechtzeitig vor dem Schwimmen auftragen oder auf mineralische Produkte setzen. Müll, Liegenpflichten und geschützte Strandabschnitte regelt der Überblick zu den Strandregeln — die dort beschriebenen Grundsätze gelten unter Wasser erst recht.

