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Reisetipps

Tauchen auf Rhodos: Spots, Basen, Preise & Rechtslage

Höhlen und Steilwände vor Kallithea, ein Frachter-Wrack im Süden und Sichtweiten von 20 Metern und mehr: Rhodos ist ein solides Mittelmeer-Tauchrevier mit besonderer Geschichte: Bis 2006 war Tauchen hier fast überall verboten. Was heute gilt, wo es sich lohnt und was es kostet.

11 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert: 27. September 2026

Rhodos ist kein Tauchziel, das mit Korallenriffen oder Walhaien wirbt, und gerade deshalb hilft ein nüchterner Blick. Was die Insel bietet: sehr klares Wasser mit Sichtweiten von oft 20 Metern und mehr, Höhlen und Steilwände an der Ostküste, ein echtes Wrack im Süden und eine Saison, die von Juni bis Oktober warmes Wasser garantiert. Dazu kommt eine Besonderheit, die man kennen sollte, bevor man mit der eigenen Ausrüstung anreist: In Griechenland ist Tauchen bis heute stärker reguliert als in den meisten Urlaubsländern.

Was Rhodos als Tauchrevier ausmacht und was nicht

Mit Erfahrung aus dem Roten Meer oder aus Südostasien schraubt man die Erwartung besser eine Stufe herunter: Das östliche Mittelmeer ist nährstoffarm, entsprechend dünn besiedelt ist es. Große Fischschwärme sind die Ausnahme, Hartkorallen fehlen ganz, und die Farbigkeit unter Wasser kommt eher vom Licht als von der Fauna. Dieselbe Nährstoffarmut ist aber auch der Grund für das, was Rhodos stark macht: Das Wasser ist außergewöhnlich klar, und die Topografie übernimmt die Rolle, die anderswo das Riff spielt.

Die Ostküste zwischen Kalithea und Afandou ist eine durchgehende Kette aus Kalk- und Sandsteinfelsen, die unter Wasser weiterläuft: Canyons, Spalten, Überhänge, Kavernen und kleine Durchschwimmhöhlen in gut belichteter Tiefe zwischen 8 und 20 Metern. Dazu kommen Steilwände vor Lindos und ein gut erreichbares Frachterwrack im Süden. Kurz: Rhodos ist ein Licht- und Landschaftsrevier, kein Großfischrevier. Mit dieser Erwartung bekommt man entspannte, sehr klare Tauchgänge mit kurzen Anfahrten; mit Riffbildern im Kopf enttäuscht die Insel, ganz gleich bei welcher Basis.

Praktisch spricht noch etwas für die Insel: Die Reviere liegen dicht an den Urlaubsorten. Von den Basen in Rhodos-Stadt, Faliraki oder rund um Lindos sind die meisten Plätze in 15 bis 45 Bootsminuten erreicht. Ein Tauchtag frisst damit den halben Tag, nicht den ganzen, und Tauchen lässt sich gut in einen normalen Familien- oder Rundreiseurlaub einbauen.

Wann tauchen: Saison, Wassertemperatur, Sicht

Die Basen fahren im Kern von Ende April bis Ende Oktober; im November wird nur noch vereinzelt auf Anfrage getaucht, im Winter kaum. Die Wassertemperaturen hinken der Luft etwa vier bis sechs Wochen hinterher: Im Mai liegt das Meer bei 19 bis 21 Grad, im Juni bei 22 bis 24, im Juli bei rund 25, im August bei etwa 26 und im September noch bei 25 bis 26 Grad. Erst im Oktober fällt es auf 22 bis 24 Grad zurück, im November auf etwa 20 bis 21. Im September ist das Wasser also noch so warm wie im August, während die Hitze an Land nachlässt; ein Grund, warum viele Taucher diesen Monat bevorzugen.

Für den Anzug heißt das: Juli bis September reicht vielen ein Shorty oder ein 3-Millimeter-Anzug, im Mai, Juni und ab Mitte Oktober ist ein 5-Millimeter-Anzug angenehmer. Wichtig ist die Sprungschicht: Unterhalb von etwa 20 Metern kann das Wasser auch im Hochsommer spürbar kühler sein als an der Oberfläche, gerade an den tieferen Plätzen vor Lindos.

Die Sicht ist das eigentliche Verkaufsargument. 20 bis 30 Meter sind an durchschnittlichen Tagen normal, an ruhigen Tagen im Spätsommer sind 40 Meter möglich. Getrübt wird sie vor allem durch zwei Dinge: kräftigen Wellengang der Vortage, der Sand aufwirbelt, und den Badebetrieb in flachen Buchten ab der Mittagszeit. Beides spricht für frühe Tauchgänge: Die erste Ausfahrt des Tages ist fast immer die klarste.

Der dritte Faktor ist der Wind. Der Meltemi weht von Juni bis September vorwiegend aus Nord bis Nordwest und trifft die Westküste frontal; die Ostküste liegt im Windschatten und bleibt deutlich häufiger tauchbar. Das ist der Hauptgrund, warum praktisch alle Reviere der Insel an der Ostseite liegen. Wie sich der Wind über das Jahr verteilt und warum der Spätsommer besonders ruhig ausfällt, steht ausführlich im Monatsprofil zu Rhodos im September.

Vom Verbot zur Freigabe: die besondere Rechtslage

Jahrzehntelang war Sporttauchen in Griechenland fast flächendeckend verboten, nicht aus Sicherheitsgründen, sondern zum Schutz der Antike: Der Meeresboden der Ägäis ist voller historischer Wracks und Fundstätten, und das Tauchverbot sollte Raubgräber fernhalten. Auf Rhodos hieß das konkret: Bis 2006 war Tauchen nur in der Kallithea-Zone erlaubt, jeder Tauchgang fand in dieser einen überwachten Bucht statt. Erst ein Gesetz von 2005 liberalisierte das Tauchen landesweit, seither sind rund um die Insel weitere Zonen freigegeben.

Zwei Grundsätze gelten aber weiterhin. Erstens: An ausgewiesenen antiken Stätten und archäologischen Schutzzonen bleibt Tauchen verboten, und wer unter Wasser auf Altertümer stößt, darf nichts berühren oder mitnehmen; das ist eine Straftat, keine Ordnungswidrigkeit. Zweitens: Getaucht wird praktisch ausschließlich über lizenzierte Tauchbasen, die wissen, welche Plätze freigegeben sind. Für Urlauber ist das kein Nachteil, denn es hält die Spots geordnet und das Niveau der Anbieter hoch.

Gesperrt sind nach dem geltenden Rahmen vier Kategorien von Flächen: ausgewiesene Unterwasser-Antikenzonen, besonders empfindliche Meeresbereiche, Schifffahrtsrinnen und Ankerplätze sowie militärisch genutzte Gebiete. Hinzu kommen zwei Regeln, die viele nicht auf dem Schirm haben: Ohne anerkannte Zertifizierung darf gar nicht selbstständig getaucht werden, und Wracks, die länger als 50 Jahre unter Wasser liegen, dürfen nur in Begleitung eines lizenzierten Anbieters betaucht werden. Ein Gesetz von 2020 hat den Rahmen zudem um Tauchparks und Unterwassermuseen erweitert; Griechenland öffnet seine Unterwasser-Archäologie also schrittweise, aber kontrolliert.

Was das für die Praxis bedeutet: Eigene Ausrüstung mitzubringen ist allenfalls für Maske, Computer und Anzug sinnvoll. Mit Flasche und Blei auf eigene Faust von der Küste aus zu tauchen, ist keine gute Idee. Füllungen gibt es ohnehin nur über die Basen, und ein Tauchgang außerhalb der freigegebenen Zonen ist kein Kavaliersdelikt. Umgekehrt ist der organisierte Weg unkompliziert: Brevet und Logbuch vorlegen, bei längerer Pause einen Check-Dive einplanen, fertig.

Antikenschutz ernst nehmen
Amphorenscherben, Ankersteine oder auffällig regelmäßige Strukturen am Grund: liegen lassen, Position merken, der Basis melden. Das Aufnehmen oder Bewegen von Antiken ist in Griechenland strafbar, auch als Souvenir „nur eine Scherbe“. Seriöse Basen briefen das vor jedem Tauchgang.

Die Reviere: Kallithea, Ladiko, Traganou, Lindos und der Süden

Kallithea-Bucht — wo alles begann. Das historische Haustauchrevier der Insel ist bis heute ihr meistgetauchter Platz: geschützt, klar, mit kleinen Höhlen und Grotten in 10 bis 15 Metern Tiefe und einer Steilkante für den zweiten Tauchgang. Hier finden die meisten Schnuppertauchgänge statt, und auch Zertifizierte bekommen mehr geboten, als der Ruf als „Anfängerbucht“ vermuten lässt. Die Bucht gehört zum historischen Thermenareal, das tagsüber Eintritt kostet; Tauchgruppen kommen in der Regel per Boot und umgehen die Frage.

Ladiko und Anthony-Quinn-Bucht — Felslandschaft pur. Die Doppelbucht bei Faliraki bietet unter Wasser dieselbe rotbraune Felskulisse wie darüber: Canyons, Spalten und Überhänge, dazwischen Oktopusse und Muränen. Beliebt als Boots- und Landtauchplatz, mittags mit viel Badebetrieb, morgens am schönsten. Beim Landtauchgang liegt der Einstieg besser abseits der Badezone; ein Liegen-Set am Strand kostet rund 30 €.

Traganou-Höhle bei Afandou — Licht und Fels. Nördlich des langen Kiesstrands von Afandou hat das Meer eine Reihe von Grotten in die Steilküste gefressen. Die bekannteste, die Traganou-Höhle, wird von Ausflugsbooten angefahren und von Basen als Schnorchel- und flacher Tauchplatz genutzt: sehr klares Wasser, spektakuläres Gegenlicht am Höhleneingang, geringe Tiefe. Kein anspruchsvoller Tauchgang, aber einer der fotogensten Plätze der Insel und bei ruhiger See auch für Schnorchler machbar.

St.-Pauls-Bucht bei Lindos — Süden mit Steilwand-Anschluss. Das fast geschlossene Felsrund unterhalb der Akropolis ist ein idealer Einsteiger-Platz, und von hier aus werden auch die Kavernen und Steilwände vor Lindos angefahren. Vor der Ostküste fällt der Meeresboden zum Rhodos-Becken hin ab, das mit über 4.000 Metern zu den tiefsten Zonen des Mittelmeers gehört; entsprechend dramatisch sind die Wände.

Plimmiri — das Wrack. Im Süden liegt die Giannoula K, ein rund 110 Meter langer Frachter, 1981 nach schwerem Wetter gesunken. Das Wrack ruht in maximal etwa 22 Metern Tiefe, ist weitgehend intakt und damit auch für frisch Zertifizierte machbar. Es ist der einzige große Wracktauchgang der Insel und der mit der weitesten Anfahrt.

Basen, Kurse und Preise

Auf Rhodos arbeiten mehrere etablierte Tauchbasen nach PADI- oder SSI-Standard, mit Schwerpunkten in Rhodos-Stadt und Kalithea, in Faliraki und Kolymbia sowie rund um Lindos und Pefkos. Das Angebot ist überall ähnlich aufgebaut: Schnuppertauchgang ohne Vorkenntnisse, geführte Tauchgänge für Zertifizierte, komplette Kurse vom Open Water bis zu Spezialkursen.

Als Größenordnungen (Stand September 2026): Ein Schnuppertauchgang startet bei etwa 70 €, meist mit rund 20 Minuten Theorie und einem betreuten Tauchgang auf etwa sechs Meter; ein zweiter Tauchgang am selben Tag kostet häufig rund 40 € zusätzlich. Geführte Fun-Dives liegen je nach Basis und Bootsanfahrt bei etwa 70 bis 120 € pro Ausfahrt, oft mit zwei Tauchgängen; Zehnerkarten senken den Einzelpreis spürbar. Ein kompletter Open-Water-Kurs kostet mit E-Learning rund 450 bis 550 €, der abgespeckte Scuba-Diver-Kurs beginnt bei etwa 180 €, der Advanced-Kurs liegt um 420 €.

Beim Vergleich lohnt der Blick aufs Kleingedruckte: Bei mehreren Anbietern ist eine Zertifizierungs- und Materialgebühr von rund 120 € nicht im Onlinepreis enthalten, sondern vor Ort fällig. Ebenfalls zu klären, bevor gebucht wird: ob Leihausrüstung, Tauchcomputer und Bootsgebühr inklusive sind, ob Nitrox angeboten wird (auf Rhodos verbreitet, aber nicht überall) und welches Mindestalter gilt; bei den meisten Programmen sind es 10 Jahre für Kinderformate und 12 Jahre für den regulären Schnuppertauchgang und die Kurse. Preise schwanken saisonal; aktuelle Listen und freie Plätze immer direkt bei der Basis erfragen. Seriöse Anbieter erkennt man am ausführlichen Briefing, an gewartetem Material, an kleinen Gruppen pro Guide und daran, dass sie bei schlechten Bedingungen absagen statt rauszufahren.

Für Einsteiger: Schnuppertauchen oder gleich der Kurs?

Die Entscheidung hängt weniger vom Budget als von der Urlaubslänge ab. Der Schnuppertauchgang ist ein einmaliges Erlebnis unter enger Betreuung: kurze Theorie, Übungen im Flachwasser, dann ein begleiteter Tauchgang auf etwa sechs Meter. Er dauert einen halben Tag, verlangt keine Vorkenntnisse und endet ohne Brevet. Für alle, die einfach wissen wollen, wie sich Atmen unter Wasser anfühlt, ist das die richtige Wahl, auch weil er sich spontan bei passendem Wetter buchen lässt.

Der Open-Water-Kurs braucht dagegen drei bis vier zusammenhängende Tage und damit Planung. Mit E-Learning lässt sich die Theorie vorab zu Hause erledigen; das spart vor Ort einen guten halben Tag Unterricht und bringt mehr Zeit im Wasser. Sinnvoll ist der Kurs, wenn mindestens eine Woche Urlaub bleibt, das Tauchen nicht der einzige Programmpunkt ist und das Brevet später auch anderswo zum Einsatz kommen soll. Bei nur fünf Tagen, in denen auch die Insel nicht zu kurz kommen darf, verplant ein voller Kurs schnell den halben Urlaub.

Zwei Dinge gehören in jedem Fall dazu. Erstens ein wahrheitsgemäß ausgefüllter medizinischer Fragebogen; bei Vorerkrankungen ist ein tauchärztliches Attest von zu Hause die deutlich bessere Lösung als eine Absage am Steg. Zweitens etwas Erholung nach der Anreise: Empfehlenswert ist, den ersten Tauchgang nicht auf den Ankunftstag zu legen, sondern rund 24 Stunden Abstand zum Flug zu lassen, damit Müdigkeit und Flüssigkeitsmangel abklingen. Das ist eine Empfehlung, keine feste Regel; verbindliche Wartezeiten gelten für die umgekehrte Richtung, das Fliegen nach dem Tauchen.

Unterwasserwelt: was man wirklich sieht

Die Lebensräume unter Wasser lassen sich grob dritteln: Felsriff mit Bewuchs aus Algen, Schwämmen und Moostierchen in den ersten 20 Metern, dazwischen Sandflächen und, wo der Grund flach ausläuft, Wiesen aus Neptungras (Posidonia). Diese Seegraswiesen sehen unspektakulär aus, sind aber die Kinderstube des Reviers; an ihren Rändern steht oft der meiste Fisch. Strömung ist an den geschützten Ostküsten-Plätzen selten ein Thema, was auch weniger geübten Tauchern entgegenkommt.

Haie, Schildkröten in Serie oder Korallengärten gehören nicht zum Programm. Mit offenen Augen findet man dafür Oktopusse in Felsspalten, Muränen unter Überhängen, Barrakuda-Schwärme im Blauwasser, dazu Zackenbarsche, Drachenköpfe und in den Höhlen ein stimmungsvolles Lichtspiel, das viele Tropenreviere so nicht bieten. Die Höhlen und Kavernen sind für viele der eigentliche Grund, hier zu tauchen.

Sicherheit: Druckkammer, Flugpause, Versicherung, Wind

Der wichtigste und am seltensten gestellte Punkt zuerst: die Druckkammer. Rhodos hat keine öffentlich dokumentierte, rund um die Uhr für Sporttaucher verfügbare Behandlungskammer, auf die man sich in der Planung verlassen könnte. Belegt sind Einrichtungen an anderen Stellen der Ägäis, unter anderem am Krankenhaus von Kalymnos, das aus der Schwammtaucher-Tradition der Insel eine eigene Überdruck-Abteilung unterhält, sowie mehrere Zentren in Athen. Ein Tauchunfall auf Rhodos kann also eine Verlegung per Flugzeug oder Hubschrauber bedeuten. Deshalb ist die Versicherungsfrage hier keine Formalie: Eine spezielle Tauchunfallversicherung kostet im Jahr wenig und deckt Druckkammer-Behandlung und Transport ab, also Leistungen, die normale Auslandskrankenversicherungen häufig ausschließen. Die Police vor der Buchung prüfen, nicht danach.

Vier weitere Punkte gehören in jede Tauchplanung. Erstens der Wind: Der Meltemi kann im Hochsommer an offenen Abschnitten auch die Ostküste kabbelig machen. Die Basen wählen die Plätze danach; kurzfristige Umplanungen sind normal und sprechen eher für die Basis als gegen sie. Zweitens der Bootsverkehr: In den beliebten Buchten ankern ab mittags Ausflugsboote und kreuzen Jetskis. Aufstiege gehören an die Boje oder ans eigene Boot, nie ins freie Blau. Drittens die Ausstattung an Bord: Sauerstoff, Erste-Hilfe-Set und ein funktionierendes Funkgerät sind Standard. Danach zu fragen ist normal, eine gute Basis antwortet ohne Zögern. Viertens die Flugpause: Nach einem einzelnen Tauchgang mindestens 12, nach mehreren Tauchgängen oder mehreren Tagen in Folge besser 18 bis 24 Stunden nicht fliegen; den letzten Tauchtag also nicht auf den Vortag des Rückflugs legen. Das gilt auch für Fahrten über hohe Pässe, auf Rhodos allerdings kaum relevant.

Für die Planung helfen außerdem die Seiten zur besten Reisezeit und zu den Bootstouren ab Rhodos. An windigen Tagen ist eine Tour auf der Leeseite oft die bessere Alternative zum abgesagten Tauchgang.

Freediving und Schnorcheln: die Alternativen

Nicht jeder braucht eine Flasche, um von dem Revier etwas zu haben, und in einem Licht- und Felsrevier mit 20 bis 40 Metern Sicht gilt das doppelt. Zum Schnorcheln reichen die drei klaren Felsbuchten der Ostküste vollkommen aus: Kallithea, Ladiko und die Anthony-Quinn-Bucht bilden die Trias, an der praktisch jeder Ausflugsanbieter Halt macht. Mit eigener Ausrüstung ist man morgens vor dem Bootsbetrieb im Vorteil; Neoprenshirt und Schwimmschuhe sind an den felsigen Einstiegen sinnvoller als jede Flossenverbesserung.

Apnoetauchen wird auf Rhodos seltener kommerziell angeboten als Gerätetauchen, einzelne Basen führen aber Freediving-Kurse und geführte Sessions im Programm. Rechtlich gelten dieselben Zonenregeln wie beim Gerätetauchen, und die Antikenschutz-Vorschriften machen keinen Unterschied zwischen Flasche und Atemzug. Was viele unterschätzen: Apnoe nach einem Gerätetauchgang am selben Tag ist nicht harmlos, Reihenfolge und Pausen also mit dem Guide klären. Ganz ohne Flasche und Apnoe kommt man mit den Bootsprogrammen zu Höhlen und Buchten sehr weit; eine Übersicht steht in den Ratgebern zu Schnorcheln und Wassersport und Bootstouren ab Rhodos.

Für wen das Revier passt

Rhodos ist ein sehr gutes Einsteiger- und Urlaubsrevier: kurze Anfahrten, ruhiges Wasser, hohe Sicht, verlässliche Wassertemperaturen von Juni bis Oktober, dichtes Basennetz und Preise im europäischen Mittelfeld. Gut aufgehoben ist hier, wer sein erstes Brevet machen, nach Jahren Pause wieder einsteigen oder im Familienurlaub zwei, drei Tauchgänge unterbringen möchte. Auch für Fotografen ist die Kombination aus Höhlenlicht und klarem Wasser attraktiv.

Weniger geeignet ist die Insel für Wracktaucher mit größeren Ansprüchen als ein einziges Frachterwrack und für alle, die eine dichte Folge technisch anspruchsvoller Plätze suchen. Rhodos trägt einen Tauchurlaub gut mit, allein trägt es ihn selten: Am besten funktioniert die Insel als Reiseziel, bei dem Tauchen einer von mehreren Gründen ist.

Quellen & Stand
Geprüft September 2026. Rechtslage und Historie (Liberalisierung durch Gesetz 3409/2005, Umsetzung ab 2006, Kallithea als zuvor einzige Zone, Sperrkategorien, 50-Jahre-Regel für Wracks, Erweiterung um Tauchparks 2020): divernet.com, divelog.gr, thediver.gr, earthdive.com. Spots und Wrack Giannoula K (110-m-Frachter, 1981 gesunken, max. ca. 22 m): waterhoppers.com, divessi.com, padi.com und Angaben örtlicher Tauchbasen. Preise (Schnuppertauchgang ab ca. 70 €, Zweittauchgang ca. 40 €, Scuba Diver ab ca. 180 €, Zusatzgebühr ca. 120 €, Open-Water- und Advanced-Kurs) und Saisonzeiten (meist Ende April bis Ende Oktober): Preislisten örtlicher Basen und Buchungsportale. Flugpause (mind. 12 Std. nach einem Tauchgang, 18 Std. und mehr nach Wiederholungstauchgängen): DAN-Empfehlungen. Druckkammer-Lage (keine öffentlich dokumentierte Kammer auf Rhodos; belegte Einrichtungen u. a. Kalymnos und Athen): dan.org, alertdiver.eu, kalymnos-hospital.gov.gr, ykia.gr. Rhodos-Becken (über 4.000 m tief): geowissenschaftliche Fachliteratur (Marine Geology). Wassertemperaturen: portalweite Klimawerte. Alle Preis- und Temperaturangaben sind Größenordnungen; saisonabhängig direkt bei den Basen prüfen.

Häufige Fragen

Wo darf man auf Rhodos tauchen?
Getaucht wird in den freigegebenen Zonen rund um die Insel — praktisch immer über eine lizenzierte Tauchbasis, die die erlaubten Plätze kennt. Verboten bleibt das Tauchen an ausgewiesenen antiken Stätten und in militärisch oder nautisch gesperrten Bereichen; eigenmächtige Tauchgänge mit eigenem Gerät abseits der Basen sind rechtlich heikel und nicht zu empfehlen.
Was kostet Schnuppertauchen auf Rhodos?
Ein betreuter Schnuppertauchgang ohne Vorkenntnisse startet bei etwa 70 € (Stand September 2026), meist mit kurzer Theorie und einem Tauchgang auf rund sechs Meter Tiefe; ein zweiter Tauchgang am selben Tag kostet oft rund 40 € extra. Geführte Tauchgänge für Zertifizierte liegen als Größenordnung bei 70 bis 120 € pro Ausfahrt, ein kompletter Open-Water-Kurs bei etwa 450 bis 550 €. Wichtig ist, ob Zertifizierungs- und Materialgebühren im Preis stecken; bei manchen Basen kommen rund 120 € separat dazu.
Wann ist die beste Tauchsaison auf Rhodos?
Juni bis Oktober. Das Wasser liegt dann bei etwa 22 bis 26 Grad, die Sicht erreicht an guten Tagen 20 bis 40 Meter. Die ruhigsten Bedingungen bietet oft der September, wenn das Meer am wärmsten ist und der Meltemi nachlässt. Im Mai wird bei 19 bis 21 Grad mit dickerem Anzug getaucht. Die meisten Basen schließen Ende Oktober, im November wird nur noch vereinzelt auf Anfrage getaucht.
Welche Neoprenstärke braucht man auf Rhodos?
Im Hochsommer bei 25 bis 26 Grad reicht vielen ein Shorty oder ein dünner 3-Millimeter-Anzug. Im Mai, Juni und ab Mitte Oktober ist ein 5-Millimeter-Anzug die bessere Wahl, weil unter der Sprungschicht deutlich kühleres Wasser liegen kann. Bei mehreren Tauchgängen am Tag friert man schneller; im Zweifel die dickere Variante nehmen, die Basen halten beide Stärken vor.
Darf man an antiken Stätten tauchen?
Nein. Ausgewiesene Unterwasser-Antikenzonen sind für Sporttaucher gesperrt, ebenso militärische Sperrgebiete, Fahrrinnen und Ankerplätze. Auch außerhalb dieser Zonen gilt striktes Anfass-Verbot: Amphoren, Scherben oder andere Fundstücke aufzunehmen oder zu bewegen, ist in Griechenland strafbar. Funde bleiben liegen und werden der Tauchbasis gemeldet, die sie weitergibt. Wracks, die älter als 50 Jahre sind, dürfen nur in Begleitung eines lizenzierten Anbieters betaucht werden.
Wie lange muss man nach dem Tauchen vor dem Rückflug warten?
Nach einem einzelnen Tauchgang gelten mindestens 12 Stunden als Untergrenze, nach mehreren Tauchgängen oder mehreren Tauchtagen in Folge sind 18 bis 24 Stunden die verbreitete Empfehlung. Praktisch heißt das: den letzten Tauchtag nicht auf den Vortag eines frühen Rückflugs legen. Bei einem Abendflug sollte der letzte Tauchgang spätestens am Vormittag des Vortags enden.
Gibt es Wracks vor Rhodos?
Ja. Das bekannteste ist die Giannoula K bei Plimmiri im Süden, ein rund 110 Meter langer Frachter, der 1981 sank und in maximal etwa 22 Metern Tiefe liegt. Das Wrack wird von Tauchbasen im Südosten als Bootstauchgang angefahren und ist auch für wenig erfahrene zertifizierte Taucher machbar. Weitere Kleinwracks und versenkte Objekte fahren einzelne Basen an, ein zweites großes Wrackrevier hat die Insel aber nicht.