Rhodos ist kein Tauchziel, das mit Korallenriffen oder Walhaien wirbt — und genau deshalb lohnt der ehrliche Blick. Was die Insel bietet: sehr klares Wasser mit Sichtweiten von oft 20 Metern und mehr, Höhlen und Steilwände an der Ostküste, ein echtes Wrack im Süden und eine Saison, die von Juni bis Oktober warmes Wasser garantiert. Dazu kommt eine Besonderheit, die man kennen sollte, bevor man mit der eigenen Ausrüstung anreist: In Griechenland ist Tauchen bis heute stärker reguliert als in den meisten Urlaubsländern.
Vom Verbot zur Freigabe: die besondere Rechtslage
Jahrzehntelang war Sporttauchen in Griechenland fast flächendeckend verboten — nicht aus Sicherheitsgründen, sondern zum Schutz der Antike: Der Meeresboden der Ägäis ist voller historischer Wracks und Fundstätten, und das Tauchverbot sollte Raubgräber fernhalten. Auf Rhodos hieß das konkret: Bis 2006 war Tauchen nur in der Kallithea-Zone erlaubt, jeder Tauchgang fand in dieser einen überwachten Bucht statt. Erst ein Gesetz von 2005 liberalisierte das Tauchen landesweit, seither sind rund um die Insel weitere Zonen freigegeben.
Zwei Grundsätze gelten aber weiterhin. Erstens: An ausgewiesenen antiken Stätten und archäologischen Schutzzonen bleibt Tauchen verboten, und wer unter Wasser auf Altertümer stößt, darf nichts berühren oder mitnehmen — das ist eine Straftat, keine Ordnungswidrigkeit. Zweitens: Getaucht wird praktisch ausschließlich über lizenzierte Tauchbasen, die wissen, welche Plätze freigegeben sind. Für Urlauber ist das kein Nachteil — es hält die Spots geordnet und das Niveau der Anbieter hoch.
Die Spots: Kallithea, Ladiko, Lindos und der Süden
Kallithea-Bucht — der Klassiker. Das historische Haustauchrevier der Insel ist bis heute ihr meistgetauchter Platz: geschützt, klar, mit kleinen Höhlen und Grotten in 10 bis 15 Metern Tiefe und einer Steilkante für den zweiten Tauchgang. Hier finden die meisten Schnuppertauchgänge statt, und auch Zertifizierte bekommen mehr geboten, als der Ruf als „Anfängerbucht" vermuten lässt.
Ladiko und Anthony-Quinn-Bucht — Felslandschaft pur. Die Doppelbucht bei Faliraki bietet unter Wasser dieselbe rotbraune Felskulisse wie darüber: Canyons, Spalten und Überhänge, dazwischen Oktopusse und Muränen. Beliebt als Boots- und Landtauchplatz — mittags mit viel Badebetrieb, morgens am schönsten.
St.-Pauls-Bucht bei Lindos — Süden mit Steilwand-Anschluss. Das fast geschlossene Felsrund unterhalb der Akropolis ist ein idealer Einsteiger-Platz, und die örtliche Basis fährt von hier auch die Kavernen und Steilwände vor Lindos an — die Gegend liegt am Rand des Lindos-Beckens, einer der tiefsten Stellen des Mittelmeers, entsprechend dramatisch fallen die Wände ab.
Plimmiri — das Wrack. Im Süden liegt die Giannoula K, ein rund 110 Meter langer Frachter, 1981 nach schwerem Wetter gesunken. Das Wrack ruht in maximal etwa 22 Metern Tiefe, ist weitgehend intakt und damit auch für frisch Zertifizierte machbar — der einzige klassische Wracktauchgang der Insel und die weiteste Anfahrt.
Basen, Kurse und Preise
Auf Rhodos arbeiten mehrere etablierte Tauchbasen nach PADI- oder SSI-Standard, mit Schwerpunkten in Rhodos-Stadt und Kalithea, in Faliraki und Kolymbia sowie rund um Lindos und Pefkos. Das Angebot ist überall ähnlich aufgebaut: Schnuppertauchgang ohne Vorkenntnisse, geführte Tauchgänge für Zertifizierte, komplette Kurse vom Open Water bis zu Spezialkursen.
Als Größenordnungen (Stand Juli 2026): Ein Schnuppertauchgang startet bei etwa 70 €, meist mit rund 20 Minuten Theorie und einem betreuten Tauchgang auf etwa sechs Meter. Geführte Fun-Dives liegen je nach Basis und Bootsanfahrt bei etwa 70 bis 120 € pro Ausfahrt, oft mit zwei Tauchgängen. Ein kompletter Open-Water-Kurs kostet mit E-Learning rund 450 bis 550 €, der Advanced-Kurs um 420 €. Preise schwanken saisonal — aktuelle Listen und freie Plätze direkt bei den Basen erfragen. Seriöse Anbieter erkennt man am ausführlichen Briefing, an gewartetem Material und daran, dass sie bei schlechten Bedingungen absagen statt rauszufahren.
Bedingungen und Unterwasserwelt: Mittelmeer-ehrlich
Die Bedingungen sind die eigentliche Stärke des Reviers: Sichtweiten von 20 Metern und mehr sind an guten Tagen normal, Strömung ist an den geschützten Ostküsten-Plätzen selten ein Thema, und von Juni bis Oktober liegt das Wasser bei angenehmen 23 bis 26,5 Grad — im Hochsommer reicht ein dünner Shorty, im Frühjahr und Spätherbst gehört ein 5-Millimeter-Anzug dazu.
Bei der Tierwelt hilft eine ehrliche Erwartung: Rhodos ist Mittelmeer, kein Großfisch-Revier. Wer Haie, Schildkröten in Serie oder Korallengärten erwartet, wird enttäuscht. Wer dagegen mit offenen Augen taucht, findet Oktopusse in Felsspalten, Muränen unter Überhängen, Barrakuda-Schwärme im Blauwasser, dazu Zackenbarsche, Drachenköpfe und in den Höhlen ein stimmungsvolles Lichtspiel, das viele Tropenreviere so nicht bieten. Die Höhlen und Kavernen sind für viele der eigentliche Grund, hier zu tauchen. Wer dieselben Buchten lieber von der Oberfläche aus erkundet, findet die besten Plätze im Ratgeber Schnorcheln & Wassersport auf Rhodos.
Sicherheit: Wind, Boote, Versicherung, Flugpause
Vier Punkte gehören in jede Tauchplanung. Erstens der Wind: Der Meltemi kann im Hochsommer auch die Ostküste kabbelig machen — Basen legen die Plätze danach, kurzfristige Umplanungen sind normal und ein Qualitätsmerkmal, kein Ärgernis. Zweitens der Bootsverkehr: In den beliebten Buchten ankern ab mittags Ausflugsboote und kreuzen Jetskis — Aufstiege gehören an die Boje oder ans eigene Boot, nie ins freie Blau. Drittens die Versicherung: Eine Tauchunfall-Versicherung (etwa DAN oder aqua med) kostet wenig und deckt Druckkammer-Behandlungen, die die normale Auslandskrankenversicherung oft ausschließt. Und viertens die Flugpause: Nach dem letzten Tauchgang mindestens 12, nach mehreren Tauchgängen besser 18 bis 24 Stunden nicht fliegen — den letzten Tauchtag also nicht auf den Abreisetag legen.
Wer den Tauchurlaub plant, kombiniert am besten mit dem Blick auf die beste Reisezeit und die Bootstouren ab Rhodos — an windigen Tagen ist eine Tour auf der Leeseite oft die bessere Alternative zum abgesagten Tauchgang.
Häufige Fragen
- Wo darf man auf Rhodos tauchen?
- Getaucht wird in den freigegebenen Zonen rund um die Insel — praktisch immer über eine lizenzierte Tauchbasis, die die erlaubten Plätze kennt. Verboten bleibt das Tauchen an ausgewiesenen antiken Stätten und in militärisch oder nautisch gesperrten Bereichen; eigenmächtige Tauchgänge mit eigenem Gerät abseits der Basen sind rechtlich heikel und nicht zu empfehlen.
- Was kostet ein Schnuppertauchgang auf Rhodos?
- Ein betreuter Schnuppertauchgang ohne Vorkenntnisse startet bei etwa 70 € (Stand Juli 2026), meist mit kurzer Theorie und einem Tauchgang auf rund sechs Meter Tiefe. Geführte Tauchgänge für Zertifizierte liegen als Größenordnung bei 70 bis 120 € pro Ausfahrt, ein kompletter Open-Water-Kurs bei etwa 450 bis 550 €.
- Wann ist die beste Zeit zum Tauchen auf Rhodos?
- Juni bis Oktober: Das Wasser ist dann mit etwa 23 bis 26,5 Grad angenehm warm, die Sicht liegt oft bei 20 Metern und mehr. Im Frühjahr und späten Herbst tauchen die Basen teils weiter, dann gehört aber ein dickerer Anzug dazu.
- Gibt es Wracks vor Rhodos?
- Ja — das bekannteste ist die Giannoula K bei Plimmiri im Süden, ein rund 110 Meter langer Frachter, der 1981 sank und in maximal etwa 22 Metern Tiefe liegt. Das Wrack wird von Tauchbasen im Südosten als Bootstauchgang angefahren und ist auch für wenig erfahrene zertifizierte Taucher machbar.


