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Historisches Kuppelgebäude der Thermen von Kallithea zwischen Pinien am Meer
Ort · Ostküste

Kalithea

Eine Rotunde über dem Meer, Kolonnaden im Fels, Kieselmosaiken: Die italienische Kuranlage von 1929 ist nach langem Verfall restauriert — heute Baudenkmal, Veranstaltungsort und Badebucht in einem.

Kalithea — griechisch Καλλιθέα, „die schöne Aussicht“ — beginnt rund neun Kilometer südlich von Rhodos-Stadt, dort, wo die Küste in niedrige Felsterrassen und kleine Buchten zerfällt. Ein gewachsenes Dorf sucht man vergeblich: Der Name steht heute für einen Küstenstrich mit Resorthotels, für die Gemeindeeinheit, zu der auch Faliraki und das Hügeldorf Koskinou gehören — und vor allem für ein einziges Bauwerk, das diesem Abschnitt seine Berühmtheit verschafft hat.

Die Kallithea-Therme (offiziell Kallithea Springs) ist eines der elegantesten Erbstücke der italienischen Jahre auf Rhodos: eine 1929 eröffnete Kuranlage, in Terrassen über eine Felsbucht gebaut, nach Jahrzehnten des Verfalls restauriert und seit 2007 wieder zugänglich. Wer herkommt, bekommt drei Dinge auf einmal — ein Architekturdenkmal, ein Stück Inselgeschichte und einen klaren Badeplatz an der Ostküste.

Die Therme: Italiens Kur-Architektur am Meer

Die Geschichte beginnt lange vor den Italienern. Aus dem Felsufer der Bucht trat rötlich gefärbtes Quellwasser, dem seit jeher heilende Wirkung nachgesagt wurde. Vor allem im August und September kamen Kranke mit ihren Familien, wohnten in Behelfsquartieren oder gleich in den Kouspes, den natürlichen Felsnischen rund um die Bucht — orthodoxe Christen, Muslime und Juden kurten hier nebeneinander. Als Italien 1912 den Dodekanes besetzte, erkannte Gouverneur Mario Lago den Wert des Ortes und nahm die Quellen in den großen Entwicklungsplan auf, mit dem die neuen Herren die Insel überformten.

1928 erhielt der Architekt Pietro Lombardi den Auftrag für die Gebäude, die künstlerische Ausgestaltung übernahm sein Kollege Armando Bernabiti. Entstanden ist eine Anlage auf drei Felsterrassen: Kuppelbauten und Kolonnaden, geschwungene Wege unter Palmen und Pinien, Böden aus Kieselmosaiken, wie sie die Dodekanes-Tradition kennt — italienische Moderne, orientalisierend verkleidet und erstaunlich behutsam in die Felsküste gesetzt. Am 1. Juli 1929 wurde die Anlage eingeweiht, in Anwesenheit König Vittorio Emanueles III.; die Quellen trugen fortan den Beinamen „königlich“. Wie dieser Bau in die Kolonialpolitik der Zwischenkriegszeit gehört, erklärt der Beitrag zur italienischen Zeit.

Der Kurbetrieb der 1930er-Jahre war — anders, als das Wort „Therme“ vermuten lässt — vor allem eine Trinkkur: Das Mineralwasser galt als abführend und harntreibend und wurde gegen Nieren- und Leberleiden verschrieben; eine Kur dauerte üblicherweise um die fünfzehn Tage. 1930 bekam die Anlage mit Aeneas Brunetti einen eigenen Kurarzt, als Berater wirkte Alberto Mocchi, Chefarzt des italienischen Hospitals in Kairo, der hier einen internationalen Hydrologie-Kongress mit über zweihundert Fachleuten ausrichtete. Für gut ein Jahrzehnt war Kallithea ein Kurort mit internationalem Publikum.

Verfall und Restaurierung

Der Zweite Weltkrieg beendete die kurze Blüte abrupt: Die deutsche Besatzung verwandelte den Komplex in ein Gefängnis, Stacheldraht und Minenfelder ersetzten das Kurpublikum. Auch nach 1948, als der Dodekanes zu Griechenland kam, erholte sich die Anlage nicht mehr — mit Mitteln des Marshall-Plans lief der Betrieb noch einmal bescheiden an, ehe 1967 endgültig Schluss war.

Es folgten vier Jahrzehnte Stillstand, in denen die leeren Kuppeln vor allem Fotografen und Filmteams anzogen; 1993 galt die Anlage offiziell nur noch als „Schatten ihres früheren Glanzes“.

Dass es anders kam, ist wesentlich einem Mann zu verdanken: Ioannis Iatridis, Bürgermeister der damaligen Gemeinde Kallithea, machte die Rettung ab Ende der 1990er-Jahre zu seinem Projekt. Das Gelände, bis dahin Eigentum der griechischen Fremdenverkehrszentrale EOT, ging schrittweise an die Gemeinde über; ab 1999 wurden Eingangsbau, Kuppel, die große Rotunde und die Quellgrotte in Etappen restauriert, dazu Parkplatz und ein kleines Freilichttheater angelegt. Am 1. Juli 2007 — auf den Tag 78 Jahre nach der Einweihung — öffnete die Anlage wieder; unter den Gästen der Zeremonie waren Mitglieder der Familie Anthony Quinns.

Was man heute sieht

Der Rundgang beginnt am monumentalen Eingangstor und führt über Mosaikwege durch die Gärten hinab zur Bucht. Architektonischer Höhepunkt ist die große Rotunde direkt über dem Wasser: ein flacher Kuppelbau mit umlaufenden Kolonnaden, dessen Boden ein großflächiges Kieselmosaik ist — heute der zentrale Veranstaltungssaal der Anlage. Dazu kommen ein zweiter, kleinerer Kuppelbau, die in den Fels gehauene Quellgrotte und überall jene Terrassen, Treppen und Pergolen, die Lombardis Entwurf so fotogen machen.

In den Nebenräumen erzählt eine Fotoausstellung die Geschichte vom Kurbetrieb bis zur Restaurierung, ergänzt um wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Abends gehört das Monument häufig geschlossenen Gesellschaften — Hochzeiten, Empfänge und Konzerte sind inzwischen ein wichtiges Standbein des Betreibers.

Eine eigene Fußnote ist die Filmgeschichte des Ortes, die die Betreiber ausführlich dokumentieren: Schon italienische Wochenschauen zeigten „Calitea“, 1948 drehte Michail Gaziades hier „Anna Roditi“, später folgten griechische Klassiker wie „To Doloma“ (1964) mit Aliki Vougiouklaki. International diente die Anlage als Kulisse für „Surprise Package“ (1960) mit Yul Brynner, für Szenen von „The Guns of Navarone“ (1961) — dessen Dreharbeiten Visit Greece vor allem in der Nachbarbucht Ladiko verortet — und ausgiebig für „Escape to Athena“ (1979) mit Roger Moore und Telly Savalas. Navarone-Star Anthony Quinn blieb der Insel danach eng verbunden; die Anthony-Quinn-Bucht wenige Kilometer südlich trägt bis heute seinen Namen.

Die Bucht: Baden unterhalb der Rotunde

Zum Eintritt gehört der Zugang zur kleinen Felsbucht, die sich in das Areal schmiegt — Badeplattformen und Kies statt Sand, dafür tiefes, klares Wasser mit reichem Fischbestand entlang der Felskanten. Charakter, Liegen, Einstieg und die Frage, für wen sich der Platz eignet, behandelt der eigene Beitrag zur Kallithea-Bucht. Die steil abfallenden Felskanten machen die Bucht zu einem beliebten Schnorchelrevier der Ostküste — Reviere, Ausrüstung und Sicherheit im Überblick Schnorcheln und Wassersport. Für kleine Kinder ist der flach abfallende Sand von Faliraki die entspanntere Wahl — mehr dazu im Überblick Mit Kindern auf Rhodos.

Praktischer Besuch: Eintritt, Zeiten, Anfahrt

Die Eckdaten sind amtlich geregelt (laut Betreiberseite kallitheasprings.com, Stand Juni 2026): Geöffnet ist täglich — vom 1. Mai bis 31. Oktober von 8 bis 20 Uhr bei 5 € Eintritt, vom 1. November bis 30. April von 8 bis 16 Uhr zum ermäßigten Ticket von 3 €. Das Café im Monument bewirtet von 9 Uhr bis Mitternacht, der Parkplatz am Eingang ist kostenlos. Einzige Einschränkung: Im Winter kann die Anlage für Wartungsarbeiten wochenweise schließen — zuletzt von Ende Dezember 2024 bis Ende Februar 2025; vor einem Nebensaison-Besuch lohnt der Blick auf die Website.

Die Anfahrt ist unkompliziert: mit dem Mietwagen rund eine Viertelstunde ab Rhodos-Stadt, gut ausgeschildert. Die KTEL-Busse der Linie Rhodos–Faliraki halten an der Küstenstraße direkt an der Haltestelle „Kallithea Springs“ (Einzelfahrt 2,50 €, im Sommer etwa alle zwanzig Minuten); von dort sind es nur ein paar Gehminuten zum Eingang. Wie die Busnetze der Insel zusammenspielen, steht im Beitrag Busse auf Rhodos. In der Saison ankern außerdem Ausflugsboote aus Rhodos-Stadt vor der Bucht.

Die beste Zeit für den Besuch

Kalithea ist ein Halbtagesziel — zwei bis drei Stunden reichen für Rundgang, Kaffee und Schwimmen. Am schönsten ist der frühe Vormittag: Die Anlage öffnet um acht, das Morgenlicht steht auf Rotunde und Bucht, und Reisegruppen wie Ausflugsboote kommen erst gegen Mittag. Nachmittags wird es voller, gegen Abend können Teile des Monuments für Veranstaltungen reserviert sein. Fürs Baden ist Mai bis Oktober die verlässliche Spanne; in der Nebensaison hat man Mosaiken und Kolonnaden für das kleine 3-€-Ticket dagegen oft fast für sich.

Kombinieren: Faliraki und Rhodos-Stadt

Als Zwischenstopp liegt Kalithea ideal. Wenige Kilometer südlich beginnt Faliraki mit seinem vier Kilometer langen Sandstrand — Therme am Vormittag, Strandnachmittag nebenan: eine der rundesten Tageskombinationen der Ostküste. In die andere Richtung lohnt Rhodos-Stadt; wer an der Rotunde Gefallen an der italienischen Architektur gefunden hat, findet rund um den Mandraki-Hafen ihre große Fortsetzung. Und auf dem Hügel hinter der Küste liegt Koskinou, ein denkmalgeschütztes Dorf mit bunt gefassten Häusern — ein stiller Kontrapunkt zum Badebetrieb.