Wenn es einen Monat gibt, den man auf Rhodos kaum falsch machen kann, dann ist es der September. Das Meer hat die Wärme des ganzen Sommers gespeichert und erreicht jetzt seinen Jahreshöchststand — im Mittel ist es im September wärmer als im August. Die Luft verliert gleichzeitig die Härte des Hochsommers, die komplette Saison-Infrastruktur läuft weiter, und sobald die letzten deutschen Sommerferien ausgelaufen sind, leert sich die Insel Woche für Woche, während die Preise nachgeben.
Genau darum geht es hier: der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Monatshälfte, die Badelage im wärmsten Meer des Jahres, die Umstellung der Öffnungszeiten an den antiken Stätten ab dem 16. September, die Termine, die sich lohnen — und der ehrliche Vergleich mit Juli/August und Oktober. Wie sich der Monat in die Reisezeiten des Jahres einordnet, steht im Überblicksbeitrag.
Wetter: Anfang und Ende September sind zwei Monate
In der ersten Monatshälfte ist der Hochsommer noch kaum abgeklungen: Tageshöchstwerte um 28 bis 29 °C, Nächte um 21 bis 22 °C, praktisch ungetrübter Sonnenschein. Bis in den frühen Abend bleibt es hochsommerlich warm, und die Mittagssonne verdient weiterhin Respekt. In der zweiten Monatshälfte geht es sanft bergab: Tagsüber sind es dann eher 26 bis 27 °C, nachts 20 bis 21 °C — die Sorte Wärme, bei der ein Stadtbummel durch die Altstadt von Rhodos auch mittags funktioniert.
Regen bleibt die große Ausnahme. Je nach Datenreihe werden für den September ein bis drei Regentage und rund 15 bis 30 mm Niederschlag genannt, fast ausschließlich in der letzten Monatsdekade und meist als kurzer Schauer, nicht als Dauerregen. Die Sonne scheint rund neun bis zehn Stunden am Tag — das sind gerundete langjährige Mittel, keine Vorhersage für die konkrete Reisewoche; einzelne Jahre weichen nach oben wie unten ab. Alle Monate im Vergleich stehen in der Klimatabelle für Rhodos.
Der zweite große Unterschied zum Hochsommer ist der Wind. Der Meltemi, der trockene Nordwind der Ägäis, weht von Juni bis September und erreicht seine Spitzen im Juli und August. Im September ist er bereits deutlich schwächer und flaut gegen Monatsmitte und -ende in der Regel weiter ab; er bleibt möglich, überschreitet aber selten noch die Stärken des Hochsommers. Für Bootsausflüge und die exponierte Westküste rund um Ixia heißt das: ruhigere Tage werden wahrscheinlicher. Wer umgekehrt gezielt zum Surfen und Kiten nach Prasonisi fährt, findet in der ersten Septemberhälfte noch die verlässlicheren Bedingungen — gegen Monatsende wird der Wind launischer.
Baden: das Meer steht auf dem Jahreshöchststand
Das ist das Hauptargument für den Monat, und es wird oft unterschätzt: Das Meer rund um Rhodos ist im September wärmer als im August. Wasser speichert Wärme träge und gibt sie mit Verzögerung wieder ab — deshalb folgt die Wassertemperatur der Luft mit rund vier bis sechs Wochen Abstand und erreicht ihr Jahresmaximum erst, wenn die Lufttemperatur schon wieder sinkt. Gängige Datenreihen nennen für den September rund 25 bis 26 °C im Monatsmittel, einzelne Messreihen an geschützten Ostküstenbuchten liegen sogar darüber (Stand September 2026).
Praktisch bedeutet das: Baden ist den ganzen Monat über uneingeschränkt komfortabel — vom frühen Morgen bis nach Sonnenuntergang, ohne den kurzen Kälteschock beim Reingehen, den man im Juni noch kennt. Wer mit Kindern reist, findet im September die freundlichsten Wassertemperaturen des Jahres; Hinweise dazu stehen im Beitrag Rhodos mit Kindern.
Bei der Strandwahl hat man im September noch die volle Auswahl. Die großen Ostküstenstrände wie Tsambika, Afandou oder der Abschnitt vor Lardos laufen mit kompletter Infrastruktur — Liegen, Schirme, Strandbars, Duschen, alles in Betrieb —, aber Woche für Woche mit mehr Platz. Wer es ruhiger mag, fährt an die kleineren Buchten: Stegna unterhalb von Archangelos oder Glystra im Südosten sind im September oft angenehm leer, ohne dass die Tavernen dort schon geschlossen hätten. Für die Wasserqualität spricht die Bilanz der Saison: 28 Strände auf Rhodos tragen 2026 die Blaue Flagge — mehr als auf den meisten anderen griechischen Inseln.
Auch zum Schnorcheln und Tauchen ist der September die beste Zeit des Jahres: warmes, klares Wasser, gute Sicht und weniger Betrieb in den Buchten. Die Anthony-Quinn-Bucht ist dafür der Klassiker; Spots und Ausrüstungsfragen stehen im Beitrag Schnorcheln & Wassersport, Basen und Reviere unter Tauchen auf Rhodos. Die Wassersport-Stationen an den großen Stränden haben im September durchgehend geöffnet und bauen erst im Oktober ab — Surfbretter, SUPs, Jetski und Bananenboote sind also noch verfügbar.
Andrang und Preise: nach den Sommerferien kippt die Saison
Anfang September ist auf Rhodos noch Hochsaison. In mehreren deutschen Bundesländern laufen die Sommerferien bis in die erste oder zweite Septemberwoche hinein, dazu kommen niederländische, britische und skandinavische Reisende — Flüge und Hotels kosten entsprechend, die großen Strände sind familiengeprägt, und in den gefragten Tavernen von Lindos oder Pefkos ist ein Tisch ohne Reservierung nicht garantiert.
Ab Mitte September dreht sich das Bild spürbar: Die Ferien sind überall vorbei, die Familien fahren nach Hause, und es bleiben Paare, ältere Reisende und Ruhesuchende. Strände, an denen Anfang des Monats jede Liege belegt war, haben plötzlich freie Reihen; die Warteschlange am Aufstieg zur Akropolis von Lindos löst sich auf. Wer flexibel ist, legt die Reise deshalb in die zweite Monatshälfte — gleiches Wetter, wärmeres Meer als im Juni, deutlich weniger Geld und Gedränge.
Konkrete Preisversprechen verbieten sich: Die Spannen ändern sich jedes Jahr und hängen stark von Abflughafen und Vorlauf ab. Als Faustregel gilt, dass die zweite Septemberhälfte klar unter August-Niveau liegt, aber noch über dem Oktober — der Nebensaisonvorteil ist real, aber noch nicht so groß wie im Herbst. Ansatzpunkte zum Sparen stehen im Beitrag Rhodos mit kleinem Budget, und wer noch nicht weiß, in welchem Ort er buchen soll, findet die Abwägung unter Wo auf Rhodos übernachten.
Öffnungszeiten: ab dem 16. September wird früher geschlossen
Ein Detail, das im September regelmäßig Ausflugsplanungen durcheinanderbringt: Die staatlichen Museen und Ausgrabungen fahren ihre Sommerzeiten zum 16. September zurück. Wer die Akropolis von Lindos für den späten Nachmittag eingeplant hat, weil das Licht dann am schönsten ist, verliert dadurch eine volle Stunde (Stand September 2026):
- Akropolis von Lindos (20 €): bis 15. September 8–20 Uhr, ab 16. September 8–19 Uhr. Der Winterfahrplan folgt erst zum 1. November mit 8:30–15:10 Uhr und Ruhetag dienstags.
- Archäologisches Museum (10 €): im September 8–20 Uhr, ab 1. November 8:30–15:30 Uhr, dienstags geschlossen.
- Großmeisterpalast (20 €) und Filerimos (10 €) folgen demselben Sommer-Winter-Rhythmus.
Wichtig ist dabei weniger die Schließzeit als der letzte Einlass: Er liegt typischerweise 20 bis 30 Minuten davor. Am Aufstieg zur Akropolis von Lindos ist das der Unterschied zwischen einem entspannten Rundgang und einer Absage am Ticketschalter — zumal der Weg hinauf selbst noch einmal 15 bis 20 Minuten kostet. Verbindlich sind allein die Angaben des griechischen Kulturministeriums auf odysseus.culture.gr.
Termine im September: Wallfahrt, freier Eintritt, Weinlese
Der September ist auf Rhodos kein leerer Festkalender — drei Termine sind für Urlauber konkret relevant.
- 8. September — Wallfahrt zum Kloster Tsambika. Das Fest der Geburt Marias ist der wichtigste religiöse Termin der Ostküste. Gläubige aus der ganzen Insel steigen die rund 300 Stufen zum Kloster hinauf, viele davon barfuß als Gelübde; die Ikone gilt als kinderwundertätig, weshalb besonders Paare mit Kinderwunsch anreisen. Rund um den Termin gibt es in Archangelos Tanz, Musik und Essen. Der Besuch ist frei, Parkplätze sind an diesem Tag knapp, und wer nur die Aussicht sucht, kommt besser an einem anderen Tag.
- Letztes September-Wochenende — freier Eintritt. Zu den European Heritage Days sind die staatlichen Museen und archäologischen Stätten Griechenlands an einem Wochenende Ende September kostenlos zugänglich; 2026 sind das Samstag, der 26., und Sonntag, der 27. September (Stand September 2026). Für Rhodos heißt das: Akropolis von Lindos, Großmeisterpalast, Archäologisches Museum und Filerimos an diesen beiden Tagen gratis — ein Sightseeing-Programm, das sonst 50 bis 60 € pro Person kostet. Entsprechend voll wird es, ein früher Start lohnt sich.
- Weinlese in Embonas. Im Weindorf am Fuß des Attavyros wird zwischen August und September geerntet. Die Weingüter arbeiten dann sichtbar, die Verkostungsräume sind offen, und traditionell feiert das Dorf das Ende der Lese mit einem Weinfest — Termin und Ablauf variieren von Jahr zu Jahr und werden oft kurzfristig festgelegt; vor Ort oder beim Vermieter nachfragen.
Was im September noch läuft — und was endet
Anders als im Oktober muss man im September nichts abwägen: Ausflugsboote fahren im vollen Takt, die KTEL-Busse laufen im Sommerfahrplan (die Hauptstrecke Rhodos–Lindos kostet 5,50 €), sämtliche Sehenswürdigkeiten sind geöffnet, und auch in den reinen Badeorten hat noch alles auf. Die Bootstouren zu den Nachbarinseln fahren zuverlässig — der Tagesausflug nach Symi ebenso wie die ruhigere Variante nach Chalki, und mit abflauendem Meltemi wird die Überfahrt im Monatsverlauf angenehmer.
Eine Sache endet allerdings: das Tal der Schmetterlinge. Die Falter des Russischen Bären sind von Mitte Juni bis Mitte September im Tal, mit dem Höhepunkt im Juli und August. Anfang September lohnt sich der Besuch noch, gegen Monatsende dünnt die Population sichtbar aus — und ab Oktober sieht man praktisch keine Falter mehr. Wer das Tal wegen der Schmetterlinge besucht, sollte also die erste Monatshälfte wählen; der Eintritt liegt in der Hauptsaison bei 5 €, in der Nebensaison bei rund 3 €. Als schattige Schlucht mit Bachlauf und Holzstegen ist das Tal auch ohne Falter ein angenehmes Ziel für heiße Nachmittage.
Aktivitäten: Wandern wird gegen Monatsende wieder machbar
Wandern. In der ersten Septemberhälfte bleibt jede längere Tour ins Inselinnere eine Hitzefrage — bei 29 °C und wenig Schatten ist das kein Vergnügen. Ab etwa Monatsmitte kippt das: Touren auf den Attavyros, ins Tal der Sieben Quellen oder rund um Salakos funktionieren mit frühem Start wieder gut. Die Landschaft ist allerdings noch sommerbraun; grün wird sie erst nach den ersten Herbstregen. Routen und Ausrüstung stehen im Beitrag Wandern auf Rhodos.
Rundreise mit dem Mietwagen. Der September ist ein guter Monat für eine Inselrunde: Die Straßen leeren sich ab Monatsmitte, Parkplätze an Stränden und Ausgrabungen werden frei, und die Mietwagenpreise geben nach den Ferien nach. Eine bewährte Aufteilung zeigt die Sieben-Tage-Route. Für die Fahrt in den Süden — Gennadi, Lachania, Plimmiri — ist der eigene Wagen ohnehin die einzig praktikable Lösung.
Sightseeing und Kultur. Weil die 35-Grad-Tage des Hochsommers seltener werden, funktionieren Besichtigungen wieder auch außerhalb der frühen Morgenstunden. Die Akropolis von Rhodos auf dem Monte Smith, Kamiros oder die Burg von Kritinia lassen sich am späten Nachmittag entspannt gehen — mit dem schönsten Licht des Tages und, an der Westküste, Sonnenuntergängen über dem Meer.
September, August oder Oktober? Der direkte Vergleich
Gegenüber Juli und August gewinnt der September fast auf ganzer Linie: wärmeres Meer, weniger Hitze an Land, schwächerer Meltemi, ab Monatsmitte weniger Menschen und niedrigere Preise — bei identischer Infrastruktur. Der Hochsommer hat nur zwei echte Vorteile: die absolute Wetterverlässlichkeit ohne jedes Regenrisiko und das volle Nachtleben in Faliraki, das im September zwar noch läuft, aber gegen Monatsende ausdünnt. Wer an die Sommerferien gebunden ist, verpasst also nicht viel — bezahlt aber deutlich mehr.
Gegenüber dem Oktober ist die Rechnung differenzierter. Der Oktober bringt mehr Ruhe, niedrigere Preise und die besseren Wanderbedingungen, dafür fällt das Meer auf rund 23 °C, die Tage werden kürzer, einzelne Regentage gehören dazu, und ab Monatsmitte beginnt das gestaffelte Saisonende in Orten wie Kiotari und Pefkos. Der September ist damit der letzte Monat des Jahres, in dem man auf Rhodos auf gar nichts verzichten muss.
Für wen der September ideal ist — und für wen nicht
Badeurlauber bekommen das wärmste Meer des Jahres bei voller Strand-Infrastruktur — besser wird es nicht. Familien außerhalb der Ferienzeiten bekommen ab Monatsmitte einen der entspanntesten Strandmonate überhaupt: warmes, flaches Wasser, freie Liegen, gelassene Atmosphäre. Paare bekommen laue Abende, freie Tische und Nachsaison-Ruhe ohne Saisonende-Tristesse. Aktive und Ausflügler bekommen den vollen Boots- und Bustakt bei nachlassender Hitze. Und Schnorchler und Taucher bekommen die beste Kombination aus Wassertemperatur und Sicht, die das Jahr hergibt.
Weniger geeignet ist der Monat für drei Gruppen. Wer ein blühendes, grünes Rhodos sucht, findet es im Mai oder April — im September ist die Insel ausgedörrt und sommerbraun. Wer lange Bergtouren plant, wartet besser den Oktober ab. Und wer auf den Preis schaut und an keine Ferien gebunden ist, bekommt im Oktober für weniger Geld fast dasselbe Wetter. Für alle anderen gilt: Der September hat kaum Schwächen — und ist genau deshalb längst kein Geheimtipp mehr.
Häufige Fragen
- Ist das Meer im September auf Rhodos noch warm?
- Es steht auf dem Jahreshöchststand. Weil Wasser Wärme träge speichert und der Lufttemperatur mit vier bis sechs Wochen Verzögerung folgt, hält das Meer sein Jahresmaximum bis in den September — gängige Datenreihen nennen 25 bis 26 °C im Monatsmittel, teils mehr. Baden ist den ganzen Monat über uneingeschränkt komfortabel, auch früh morgens und nach Sonnenuntergang.
- Wie voll ist Rhodos im September?
- Das hängt stark von der Monatshälfte ab. Anfang September laufen in mehreren deutschen Bundesländern noch die Sommerferien — dann herrscht Hochsaison mit vollen Stränden und Hochsaison-Preisen. Ab Mitte des Monats leert sich die Insel spürbar: freie Liegen, kürzere Schlangen am Aufstieg zur Akropolis von Lindos, Tische in guten Tavernen auch ohne Reservierung. Wer flexibel ist, reist in der zweiten Monatshälfte.
- Gibt es im September noch Schmetterlinge im Tal der Schmetterlinge?
- Anfang September ja, gegen Monatsende kaum noch. Die Falter des Russischen Bären sind von Mitte Juni bis Mitte September im Tal, mit dem Höhepunkt im Juli und August; im Monatsverlauf dünnt die Population deutlich aus. Wer wegen der Schmetterlinge kommt, plant den Besuch für die erste Septemberhälfte. Der Eintritt liegt in der Hauptsaison bei 5 €, in der Nebensaison bei rund 3 €.
- Weht im September noch der Meltemi?
- Ja, aber deutlich schwächer als im Hochsommer. Der Meltemi weht von Juni bis September und hat seine Spitzen im Juli und August; im September flaut er allmählich ab und erreicht gegen Monatsmitte und -ende selten noch die Sommerstärken. Bootsausflüge und die exponierte Westküste werden dadurch ruhiger. Für Surfer und Kiter in Prasonisi ist umgekehrt die erste Monatshälfte die verlässlichere Zeit.
- Ändern sich im September die Öffnungszeiten der Sehenswürdigkeiten?
- Ja, zum 16. September. Die staatlichen Stätten fahren dann ihre Sommerzeiten zurück: Die Akropolis von Lindos schließt statt um 20 Uhr bereits um 19 Uhr. Der letzte Einlass liegt noch einmal 20 bis 30 Minuten früher, und der Aufstieg kostet zusätzlich 15 bis 20 Minuten — Spätnachmittagsbesuche also entsprechend planen. Der große Schnitt auf Winterzeiten folgt erst zum 1. November.
- Gibt es im September freien Eintritt in Museen und Ausgrabungen?
- Ja, am letzten September-Wochenende. Zu den European Heritage Days sind die staatlichen Museen und archäologischen Stätten Griechenlands kostenlos zugänglich — 2026 am Samstag, dem 26., und Sonntag, dem 27. September. Auf Rhodos gilt das unter anderem für die Akropolis von Lindos, den Großmeisterpalast, das Archäologische Museum und Filerimos. Entsprechend voll wird es, ein früher Start lohnt sich.



