Das Archäologische Museum von Rhodos ist gleich doppelt sehenswert: als Sammlung und als Gebäude. Es residiert im ehemaligen Hospital des Johanniterordens am unteren Ende der Ritterstraße, mitten im einstigen Ordensviertel der Altstadt von Rhodos — wenige Gehminuten vom Mandraki-Hafen am Platz Megalou Alexandrou. Wer die Antike der Insel verstehen will, kommt an diesem Haus nicht vorbei: Hier liegen die Funde aus den großen Nekropolen von Ialysos und Kamiros, und hier stehen die zwei berühmtesten Skulpturen der Insel.
Das Gebäude: Hospital der Johanniter
Die Krankenpflege war die Gründungsaufgabe des Johanniterordens — das Hospital entsprechend sein wichtigster Zweckbau. Der Neubau wurde ab 1440 unter Großmeister de Lastic begonnen, finanziert auch aus dem Vermächtnis seines Vorgängers Fluvian, und 1489 unter d’Aubusson vollendet. Kernstück ist der große Krankensaal im Obergeschoss, eine über 50 Meter lange Halle, in der die Ordensritter Kranke und Pilger aller Herkunft versorgten. Um den Arkaden-Innenhof gruppieren sich Lagerräume und Kammern; nach der osmanischen Eroberung diente der Bau lange profanen Zwecken, ehe die italienische Verwaltung ihn restaurierte und 1916 als Museum einrichtete. Wie der Ordensstaat funktionierte, erzählt unser Artikel zur Johanniterzeit.
Die Highlights der Sammlung
Star des Hauses ist die Aphrodite von Rhodos, eine kauernde Aphrodite aus Marmor (1. Jahrhundert v. Chr.), die sich das Haar wringt — eines der meistreproduzierten Stücke hellenistischer Kleinplastik. Fast ebenso bekannt ist die „Meeres-Aphrodite“ (Aphrodite Thalassia), 1929 von Fischern aus dem Meer geborgen, vom Salzwasser weich verschliffen — Lawrence Durrell machte sie mit „Reflections on a Marine Venus“ literaturberühmt. Dazu kommen die klassische Grabstele der Krito und Timarista (um 410 v. Chr.), ein bewegendes Abschiedsbild von Mutter und Tochter, sowie Vasen, Schmuck und Grabbeigaben aus Ialysos und Kamiros von der mykenischen bis zur klassischen Zeit. Eigene Flügel zeigen die prähistorische und die epigraphische Sammlung — allerdings nur an bestimmten Wochentagen (siehe unten). Den historischen Rahmen liefert unser Überblick zur Antike auf Rhodos.
Innenhof und Garten: Mosaiken unter freiem Himmel
Unterschätzt wird der Außenbereich: Im restaurierten Hof und im kleinen Skulpturengarten sind Mosaikböden aus hellenistischen Wohnhäusern der Stadt ausgelegt, dazwischen Kapitelle, Grabaltäre und ein Löwenpaar. Anders als die nach Rhodos verfrachteten Mosaiken von Kos im Großmeisterpalast stammen diese Böden tatsächlich von der Insel selbst. Mit Oleander und Hibiskus ist der Hof zugleich der angenehmste Ort des Museums — Zeit dafür einplanen.
Öffnungszeiten, Eintritt, Kombiticket
Amtliche Angaben (Stand Juni 2026): In der Sommersaison vom 1. April bis 31. Oktober täglich 8 – 20 Uhr; die Nebenflügel öffnen im Tageswechsel jeweils 9 – 17 Uhr (prähistorische Ausstellung Mo/Mi/Fr/So, Epigraphik und Villaragut-Haus Di/Do/Sa). Im Winter (1. November bis 31. März) gilt 8:30 – 15:30 Uhr, dienstags geschlossen, die Nebenausstellungen bleiben zu. Der Eintritt kostet 10 €; frei ist es u. a. am 18. Mai, am letzten Septemberwochenende, am 28. Oktober und von November bis März an jedem ersten Sonntag im Monat. Ein Kombiticket für die staatlichen Museen der Altstadt (mit Großmeisterpalast u. a.) ist amtlich gelistet, die Preisangaben dazu sind uneinheitlich — an der Kasse oder auf hhticket.gr prüfen. Zeiten und Preise ändern sich; vor dem Besuch aktuell prüfen.
Kombinieren: Ritterstraße und Ordensviertel
Museum und Großmeisterpalast bilden die beiden Endpunkte der Ritterstraße — die natürliche Route führt vom Hospital die gotische Gasse hinauf zum Palast (oder umgekehrt). Wer beide Häuser ansehen will, sollte einen halben Tag rechnen und die Kreuzfahrt-Stoßzeit zwischen etwa 10 und 14 Uhr meiden: Direkt zur Öffnung um 8 Uhr hat man den Krankensaal oft fast für sich. Alles Weitere zur Umgebung im Porträt von Rhodos-Stadt.
Zwei Städte in einer: die ummauerte mittelalterliche Altstadt — UNESCO-Welterbe und eine der besterhaltenen Mittelalterstädte Europas — und die italienisch geprägte Neustadt am Mandraki-Hafen. Zugleich der Verkehrs- und Lebensmittelpunkt der Insel.






