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Symbolbild · KI-generiertDrei wiederaufgerichtete antike Säulen auf einem grünen Hügel mit angedeutetem Stadion
Sehenswürdigkeit · Antike Stätte

Akropolis von Rhodos (Monte Smith)

Die antike Oberstadt von Rhodos auf dem Monte Smith: Apollon-Tempel, restauriertes Stadion und Odeon — kostenlos, rund um die Uhr zugänglich und der beste Gratis-Sonnenuntergang der Stadt. Nicht zu verwechseln mit der Akropolis von Lindos.

Wer „Akropolis Rhodos“ sucht, landet oft beim falschen Berg: Die berühmte Tempelterrasse hoch über dem Meer ist die Akropolis von Lindos, 50 Kilometer weiter südlich. Die Akropolis der Stadt Rhodos liegt dagegen auf dem Monte Smith, einem flachen Hügelrücken rund zwei Kilometer westlich der Altstadt von Rhodos-Stadt — und sie ist das genaue Gegenteil des Lindos-Erlebnisses: kein Ticket, keine Schlangen, keine Eselskarawane, sondern ein weitläufiges, frei zugängliches Antikengelände, über das man einfach spazieren kann. Spektakuläre Einzelmonumente darf man nicht erwarten, dafür Stadion, Odeon und Tempelreste in einer Ruhe, die es an den großen Stätten der Insel längst nicht mehr gibt.

Der Monte Smith ist damit einer der wenigen echten Höhepunkte der Insel, die keinen Cent kosten — er steht bei uns nicht ohne Grund weit oben im Ratgeber Rhodos mit kleinem Budget. Wer mit begrenzter Zeit in der Stadt ist, sollte trotzdem wissen, worauf er sich einlässt: Das Gelände ist ein grünes Archäologiepark-Areal von mehreren Hektar, die Monumente liegen weit auseinander, und ein Teil dessen, was heute so eindrucksvoll dasteht, stammt aus den 1930er-Jahren. Beides gehört zur ehrlichen Beschreibung dieses Ortes.

Die Oberstadt des antiken Rhodos

Die Stadt Rhodos entstand 408 v. Chr. durch den Synoikismos, den Zusammenschluss der drei alten Inselstädte Lindos, Ialyssos und Kameiros zu einer gemeinsamen Hauptstadt. Angelegt wurde sie nach dem rechtwinkligen Rasterprinzip, das mit dem Namen Hippodamos von Milet verbunden ist: breite Hauptachsen, gleichmäßige Wohnblöcke, öffentliche Zonen an festgelegten Stellen. Rhodos wuchs in hellenistischer Zeit zu einer der reichsten Handelsmetropolen der Ägäis — die Epoche, in der auch der Koloss von Rhodos entstand. Den größeren Rahmen erzählt unser Artikel zur Antike auf Rhodos.

Die Akropolis war dabei keine Wehrburg wie in Athen, sondern die offene Oberstadt: eine monumentale Zone mit Heiligtümern, großen Tempeln, Sportstätten, unterirdischen Kulträumen und Parkanlagen auf dem höchsten Geländerücken im Westen, terrassenförmig zum Meer hin abfallend. Genau deshalb fehlt hier die Mauerkrone, die viele Besucher erwarten — es gab schlicht nie eine.

Der Hügel selbst heißt eigentlich Agios Stefanos und misst 111 Meter über dem Meer. Sein heutiger Name hat mit der Antike nichts zu tun: Der britische Admiral Sir Sidney Smith richtete hier 1802, während der Napoleonischen Kriege, einen Beobachtungsposten ein, um die Bewegungen der französischen Flotte im Zusammenhang mit dem Ägyptenfeldzug zu verfolgen. Seitdem hält sich der Name Monte Smith — ein britischer Offizier, italianisiert ausgesprochen, auf einem griechischen Hügel.

Rundgang: Apollon-Tempel, Stadion, Odeon, Nymphäen

Ein sinnvoller Rundgang beginnt oben und arbeitet sich nach unten. Das auffälligste Monument ist der Tempel des Pythischen Apollon auf der Kuppe im südlichen Teil des Hügels: ein Peripteros aus Kalkstein, dessen erste Bauphase ins späte 4. oder frühe 3. Jahrhundert v. Chr. fällt. In der Antike wurde er zweimal neu errichtet — nach dem schweren Erdbeben von 226 v. Chr. und nach einem Brand im späten 1. Jahrhundert v. Chr. Das griechische Kulturministerium bezeichnet ihn nach den Grabungsbefunden als den größten Tempel der antiken Stadt; ältere Reiseliteratur ordnet ihn dagegen kleiner ein als die Tempel der Athena Polias und des Zeus Polieus. Sichtbar sind heute vier wiederaufgerichtete Säulen — drei vollständig, eine als Stumpf — auf einem mächtigen Krepis-Unterbau.

Vom Tempel führt der Weg hangabwärts zum Stadion aus dem 3./2. Jahrhundert v. Chr. Es misst ein Stadion Länge, also rund 200 Meter, und ist die anschaulichste Anlage des Geländes: Man kann die Bahn ablaufen, an deren Ende die Sphendone, die gerundete Schmalseite, liegt. Original erhalten sind die Sphendone selbst, die Proedrien — die steinernen Ehrensitze der Kampfrichter —, einige der untersten Sitzreihen und Teile der Startvorrichtung für die Läufer. Hier fanden die Halieia statt, die großen Spiele zu Ehren des Sonnengottes Helios.

Direkt daneben steht das Odeon, ein kleines Marmortheater für etwa 800 Zuschauer. Es diente nicht dem großen Drama, sondern Musikaufführungen und vor allem den Vorträgen der berühmten rhodischen Rhetorenschule — die Insel war in hellenistisch-römischer Zeit eine der wichtigsten Adressen für Redekunst im Mittelmeerraum. Bis heute finden im Odeon gelegentlich Konzerte und Aufführungen statt.

Odeon und Stadion gehörten zum Gymnasion, einer riesigen quadratischen Anlage mit rund 200 Metern Seitenlänge, deren Reste östlich beziehungsweise vor dem Odeon im Gelände liegen; zu ihm gehörte auch eine bedeutende Bibliothek. Wer weiter nach Norden geht, findet die spärlichen Fundamente der Tempel der Athena Polias und des Zeus Polieus entlang der Odos Isiodou sowie die Nymphäen: vier in den Fels geschnittene Grottenanlagen mit Wasserbecken und Lichtöffnungen, die Kult, Erholung und Wasserversorgung verbanden. Sie sind das am wenigsten spektakuläre und zugleich eigenwilligste Bauwerk der Akropolis — und werden von den meisten Besuchern schlicht übersehen.

Was ist antik, was ist italienische Rekonstruktion?

Ehrlichkeit gehört dazu: Was hier so geschlossen antik wirkt, ist zu großen Teilen Rekonstruktion aus der italienischen Besatzungszeit. Der Apollon-Tempel verdankt seine heutige Gestalt einer Anastylose unter dem italienischen Architekten Mario Paolini in den Jahren 1937/38 — die Säulen wurden aus vorgefundenen Trommeln neu aufgerichtet und mit modernem Material ergänzt. Stadion und Odeon wurden bei den italienischen Grabungen der 1920er- und 1930er-Jahre ausgegraben und anschließend stark ergänzt: Die Sitzstufen, die man heute besteigt, sind ganz überwiegend Neubau, das Odeon praktisch eine Neuschöpfung auf antikem Grundriss.

Das ist kein Grund zur Enttäuschung, aber ein Grund zum genauen Hinsehen. Wer den Unterschied zwischen verwittertem, unregelmäßigem antikem Kalkstein und der glatten, gleichmäßigen Ergänzung einmal erkannt hat, liest das Gelände völlig anders. Die italienische Denkmalpolitik auf Rhodos hat systematisch mehr inszeniert als konserviert — Hintergründe dazu in unserem Artikel zur italienischen Zeit. Die Originalfunde vom Hügel, darunter Skulpturen und Inschriften, sind übrigens nicht hier, sondern im Archäologischen Museum in der Altstadt zu sehen (10 €, Stand September 2026).

Sonnenuntergang über der Westküste

Der Monte Smith ist der beste Gratis-Sonnenuntergang der Stadt: Der Hügel fällt nach Westen direkt zum Meer ab, bei klarer Sicht reicht der Blick über die Ägäis bis zu den Bergen der türkischen Küste und zur Insel Symi. Das Timing ist simpel — etwa 45 Minuten vor Sonnenuntergang oben sein, dann hat man Zeit für den Rundgang im weichen Licht und einen Platz an der Hangkante, bevor es voll wird. Am frühen Abend füllt sich die Kante entsprechend mit Einheimischen, Joggern und Gästen; wer Fotos ohne Menschen will, kommt früh morgens.

Wichtig für die Rückkehr: Nach Sonnenuntergang ist das Gelände unbeleuchtet, und die Wege sind uneben. Eine Taschenlampe oder das Handylicht gehört ins Gepäck, und der Rückweg zu Fuß in die Stadt sollte nicht erst im Dunkeln beginnen. Wer den Abend lieber am Wasser ausklingen lässt: Der Elli Beach auf der Nordseite der Stadt ist die nächstgelegene Bade-Alternative und vom Hügel in gut 20 Gehminuten erreichbar. Auch im Winter funktioniert der Ort übrigens gut — dann steht die Sonne früher, das Gelände ist grün statt ausgedörrt und man hat es oft für sich allein, siehe Rhodos im Winter.

Anreise, Parken und Öffnungszeiten

Das Gelände ist kostenlos und rund um die Uhr frei zugänglich — es gibt keine Kasse, kein Ticket und keine offiziellen Öffnungszeiten (Stand September 2026). Einzelne Monumentbereiche sind eingezäunt und über Tore erschlossen; der Apollon-Tempel ist wegen der laufenden Arbeiten teilweise abgesperrt. An der Nordmauer des Areals gibt es einen kleinen Ausstellungsraum mit Informationen zu den Ruinen, dessen Öffnung aber nicht verlässlich ist.

Zu Fuß braucht man von der Altstadt — praktischerweise ab dem Amboise-Tor — etwa 25 bis 35 Minuten, stetig bergauf durch Wohnstraßen und über weite Strecken ohne Schatten. Vom Mandraki-Hafen dauert es ähnlich lang. Bequemer ist der städtische RODA-Bus: Vom Neuen Markt (Plateia Rimini) fährt die Stadtlinie in Richtung Monte Smith/Akropolis, Einzelfahrt rund 2,20 bis 2,50 €, in der Saison etwa alle 30 bis 45 Minuten. Liniennummern und Takt ändern sich saisonal, deshalb vorab am Aushang prüfen; wie das Bussystem der Insel insgesamt funktioniert, erklärt unser Ratgeber Busse auf Rhodos.

Wer mit dem Mietwagen kommt, findet oben einen kostenlosen Parkplatz direkt am Gelände — die Zufahrtsstraße am Hügel ist streckenweise als Einbahnstraße geführt, dem Schilderverlauf folgen. Am Parkplatz gibt es saisonal ein Café mit Toiletten sowie einen Getränkeautomaten; außerhalb der Hauptsaison sollte man sich darauf nicht verlassen und Wasser mitbringen.

Barrierefreiheit und Besuch mit Hund

Ehrliche Einschätzung: Der Monte Smith ist nur eingeschränkt barrierefrei. Der Parkplatz, die asphaltierte Hügelstraße und die Aussichtskante über der Westküste lassen sich mit Rollstuhl oder Rollator gut erreichen — der Sonnenuntergangsblick ist damit auch ohne Trittsicherheit zu haben. Das eigentliche Antikengelände ist es nicht: unbefestigte, oft ausgewaschene Wege, Wurzeln und lose Steine, Stufen ohne Handlauf hinunter ins Stadion, und der Weg zum Apollon-Tempel führt über eine Böschung. Rampen, Leitsysteme oder taktile Elemente gibt es nicht. Wer mit eingeschränkter Mobilität reist, findet in unserem Ratgeber Rhodos barrierefrei die besser geeigneten Alternativen in der Stadt.

Hunde: Das griechische Kulturministerium hat den Zugang von Haustieren 2023 für über 120 offene, weitläufige archäologische Areale grundsätzlich erlaubt, während sie in Bauwerken, Theatern und Tempeln weiterhin nichts zu suchen haben. Der Monte Smith ist ein großes, unbewachtes Parkgelände mit öffentlichen Straßen und wird von Einheimischen ohnehin als Spazierweg genutzt — an der Leine und außerhalb der eingezäunten Monumentbereiche ist ein Besuch in der Praxis unproblematisch. Eine offizielle Beschilderung dazu gibt es unseres Wissens nicht; im Zweifel Rücksicht nehmen und die Absperrungen respektieren. Mehr dazu in Rhodos mit Hund.

Kombinieren: Antike oben, Mittelalter unten

Ein guter Stadt-Tag lässt sich klar aufteilen: vormittags die mittelalterliche Altstadt mit dem Großmeisterpalast (20 €), mittags das Archäologische Museum (10 €), in dem die Funde vom Hügel liegen — und ab dem späten Nachmittag hinauf auf den Monte Smith, wenn das Licht weich wird und die Antike den Tag beschließt. Das Gelände selbst braucht nur 45 bis 60 Minuten, mit ausgiebiger Sonnenuntergangspause entsprechend länger.

Wer zwischendurch Schatten und Grün sucht, findet beides im Rodini-Park am südlichen Stadtrand, gut zwei Kilometer vom Hügel entfernt und ebenfalls kostenlos. Für eine Badepause zwischen Museum und Akropolis liegt der Elli Beach am nächsten. Mit dieser Kombination bekommt man an einem einzigen Tag drei Epochen: hellenistische Oberstadt, Johanniterfestung und italienische Denkmalinszenierung.

Für wen sich der Monte Smith lohnt

Lohnt sich besonders für: Sparsame Reisende, die einen kostenlosen Höhepunkt suchen; Antikeninteressierte, die gern selbst lesen und zuordnen statt geführt zu werden; Fotografen und Sonnenuntergangsjäger; Familien mit älteren Kindern, die auf einer 200 Meter langen Stadionbahn Dampf ablassen dürfen; und alle, die nach dem Gedränge in der Altstadt Weite und Stille brauchen.

Eher nicht das Richtige ist der Ort für: Besucher, die eine große, geschlossene Ruinenkulisse à la Lindos erwarten — hier steht vieles einzeln in der Landschaft und muss zusammengedacht werden. Auch wer auf Beschilderung, Audioguide und Infrastruktur angewiesen ist, wird enttäuscht: Erklärtafeln sind spärlich und teils verblichen, und außerhalb der Saison ist auf dem Hügel niemand, den man fragen könnte. Zwei Sätze Vorwissen — dieser Text genügt — machen aus einem netten Aussichtsspaziergang einen richtigen Besuch.

Liegt in
Rhodos-Stadt

Zwei Städte in einer: die ummauerte mittelalterliche Altstadt — UNESCO-Welterbe und eine der besterhaltenen Mittelalterstädte Europas — und die italienisch geprägte Neustadt am Mandraki-Hafen. Zugleich der Verkehrs- und Lebensmittelpunkt der Insel.