Wer „Akropolis Rhodos“ sucht, landet oft beim falschen Berg: Die berühmte Tempelterrasse hoch über dem Meer ist die Akropolis von Lindos, 50 Kilometer weiter südlich. Die Akropolis der Stadt Rhodos liegt dagegen auf dem Monte Smith, einem flachen Hügelrücken etwa drei Kilometer südwestlich des Zentrums von Rhodos-Stadt — und sie ist das genaue Gegenteil des Lindos-Erlebnisses: kein Ticket, keine Schlangen, keine Eselskarawane, sondern ein weitläufiges, frei zugängliches Antikengelände, über das man einfach spazieren kann. Spektakuläre Einzelmonumente darf man nicht erwarten, dafür Stadion, Odeon und Tempelreste in einer Ruhe, die es an den großen Stätten der Insel längst nicht mehr gibt.
Die Oberstadt des antiken Rhodos
Die Stadt Rhodos wurde 408 v. Chr. als planmäßige Neugründung der drei alten Inselstädte angelegt und wuchs in hellenistischer Zeit zu einer der reichsten Metropolen der Ägäis — die Epoche, in der auch der Koloss von Rhodos entstand. Die Akropolis war dabei keine Burg wie in Athen, sondern die offene Oberstadt: Heiligtümer, Sportstätten und Parkanlagen auf dem höchsten Geländerücken im Westen, terrassenförmig zum Meer hin abfallend. Den größeren Rahmen erzählt unser Artikel zur Antike auf Rhodos.
Sein heutiger Name hat mit der Antike nichts zu tun: Der britische Admiral Sir Sidney Smith beobachtete von hier aus 1802, während der Napoleonischen Kriege, die Bewegungen der französischen Flotte — der Hügel heißt seitdem Monte Smith.
Was man sieht: Tempel, Stadion, Odeon
Das auffälligste Monument sind die wiederaufgerichteten Säulen des Tempels des Pythischen Apollon am Südwesthang — nach den Grabungsbefunden der größte Tempel der antiken Stadt. Darunter liegt das Stadion aus dem 3./2. Jahrhundert v. Chr.: rund 210 Meter lang, mit erhaltener Wendemarke und Ehrensitzen, die Sitzreihen weitgehend rekonstruiert. Daneben das kleine Odeon, ein Marmortheater für etwa 800 Zuschauer, das vermutlich für Rhetorik-Vorführungen und Musik diente. Weiter nördlich finden sich die spärlichen Reste der Tempel der Athena Polias und des Zeus Polieus sowie in den Hang geschnittene Nymphäen-Grotten.
Ehrlichkeit gehört dazu: Was hier so geschlossen antik wirkt, ist zu großen Teilen Rekonstruktion der italienischen Besatzungszeit der 1920er- bis 1940er-Jahre — Stadion und Odeon wurden damals stark ergänzt, der Apollon-Tempel teilweise wieder aufgerichtet. Wie auf so vielen Baustellen der Insel haben die Italiener mehr inszeniert als konserviert; Hintergründe in unserem Artikel zur italienischen Zeit.
Sonnenuntergang über der Westküste
Der Monte Smith ist der Sonnenuntergangs-Platz von Rhodos-Stadt: Der Hügel fällt nach Westen direkt zum Meer ab, bei klarer Sicht reicht der Blick über die Ägäis bis zu den Bergen der türkischen Küste und zur Insel Symi. Am frühen Abend füllt sich die Hangkante entsprechend mit Einheimischen und Gästen — wer Fotos ohne Menschen will, kommt früh morgens. Wer den Abend lieber am Wasser ausklingen lässt: Der Elli Beach auf der Nordseite der Stadt ist die nächstgelegene Bade-Alternative.
Anreise und praktischer Besuch
Das Gelände ist kostenlos und rund um die Uhr frei zugänglich — keine Kasse, keine Öffnungszeiten (Stand Juni 2026). Zu Fuß braucht man vom Mandraki-Hafen etwa 30 bis 40 Minuten, stetig bergauf und über weite Strecken ohne Schatten. Bequemer ist der Stadtbus: Vom Neuen Markt fahren Linien Richtung Monte Smith, in der Saison etwa alle 30 bis 45 Minuten — Linien und Takt ändern sich, daher vorab prüfen; wie das Bussystem der Insel funktioniert, erklärt unser Ratgeber Busse auf Rhodos. Wer mit dem Mietwagen kommt, findet oben einen Parkplatz. Seit 2024 gibt es am Gelände saisonal ein Café mit Toiletten — darauf verlassen sollte man sich außerhalb der Hauptsaison nicht.
Kombinieren: Antike oben, Mittelalter unten
Ein guter Stadt-Tag lässt sich klar aufteilen: vormittags die mittelalterliche Altstadt mit dem Großmeisterpalast, dann Pause in den heißen Stunden — und ab dem späten Nachmittag hinauf auf den Monte Smith, wenn das Licht weich wird und die Antike den Tag beschließt. Mehr als anderthalb Stunden braucht das Gelände selbst nicht.
Zwei Städte in einer: die ummauerte mittelalterliche Altstadt — UNESCO-Welterbe und eine der besterhaltenen Mittelalterstädte Europas — und die italienisch geprägte Neustadt am Mandraki-Hafen. Zugleich der Verkehrs- und Lebensmittelpunkt der Insel.








