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Symbolbild · KI-generiertSchattiger Park mit hohen Platanen über einem Bachlauf und einer kleinen Steinbrücke
Sehenswürdigkeit · Natur

Rodini-Park

Ein schattiges Bachtal mit Platanen, Pfauen und einem hellenistischen Felsgrab, drei Kilometer vor den Toren von Rhodos-Stadt — oft als einer der ältesten Parks der Welt bezeichnet, nach Jahren der Verwahrlosung seit 2025 in Etappen saniert und 2026 zum „Jahr des Rodini“ erklärt. Kostenlos und einen ehrlichen Blick wert.

Der Rodini Park liegt rund drei Kilometer südlich des Zentrums von Rhodos-Stadt, in einem schmalen Bachtal direkt an der Ausfallstraße Richtung Lindos (Eingang: Leoforos Lindou 211). Reiseführer nennen ihn gern „einen der ältesten angelegten Parks der Welt“ — und tatsächlich reicht die Nutzung des Tals als Garten- und Erholungsgelände bis in die Antike zurück. Heute ist Rodini vor allem eines: ein schattiges, leicht verwildertes Stück Stadtgeschichte mit Platanen, Wasser, frei laufenden Pfauen und einem monumentalen Felsgrab. Nach Jahren der Verwahrlosung und schweren Sturmschäden im November 2024 wird der Park seit 2025 in Etappen instand gesetzt; 2026 hat die Stadt ihm ein eigenes Themenjahr gewidmet. Was das für den Besuch bedeutet, steht weiter unten — ehrlich, nicht beschönigt.

Geschichte: von der Rhetorikschule zur italienischen Parkanlage

Die Anfänge des Parks fallen der Überlieferung nach mit der Gründung der Stadt Rhodos im späten 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. zusammen. Berühmt wurde das Tal durch die rhodische Rhetorenschule: Der athenische Redner Aischines, der Gegenspieler des Demosthenes, soll sich nach seiner Niederlage im Kranzprozess um 330 v. Chr. nach Rhodos zurückgezogen und hier gelehrt haben. Die Schule wurde später zur ersten Adresse für römische Aristokraten — Cicero und Caesar werden als Schüler genannt, wobei die Verbindung genau zu diesem Tal Tradition ist, kein gesicherter Befund. Handfest ist dagegen die antike Nekropole am Hang: Das hellenistische Felsgrab mit seinen dorischen Halbsäulen gehört zu den eindrucksvollsten Grabbauten der Insel. Die Zuschreibung an die Familie des Ptolemaios I., des Alexander-Generals und späteren Königs von Ägypten, ist nicht belegt — sie ist der Grund, warum das Tal gelegentlich als „ptolemäischer Park“ firmiert. Mehr zur Epoche in unserem Überblick zur Antike auf Rhodos.

In der Johanniterzeit sollen die Großmeister im Tal ein Landhaus unterhalten haben; auch das ist Überlieferung, nicht Ausgrabung. Seine heutige Gestalt verdankt der Park der italienischen Zeit: In den 1920er- und 1930er-Jahren, spätestens um 1940, ließ die italienische Verwaltung das Tal als Landschaftspark anlegen — Wege, Brücken, Teiche, Bepflanzung mit Platanen, Zypressen, Pinien und Oleander, dazu ein kleines Wildgehege. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rodini zum sommerlichen Treffpunkt der Insel: Von den 1950er-Jahren an feierte Rhodos hier sein Weinfest, an das sich ältere Rhodier bis heute erinnern. Danach begann der langsame Abstieg, der erst in den 2020er-Jahren gestoppt wurde.

Was man sieht: Rundweg, Bach, Brücken, Pfauen, Grab

Das Tal ist eine kleine grüne Schlucht, in der der Zephyros-Bach unter hohen Platanen und Zypressen hindurchzieht. Ein Rundweg folgt beiden Ufern, verbunden durch einfache Steinbrücken und Holzstege, unterbrochen von zwei kleinen Teichen mit Seerosen. An heißen Tagen ist Rodini einer der wenigen Orte nahe der Stadt, an denen es unter dem dichten Laubdach spürbar kühler ist als draußen auf der Straße. Dazwischen lebt eine halbwilde Menagerie: Pfauen sind die unbestrittenen Herren des Parks, stolzieren frei über die Wege, rufen von den Ästen und schlagen im Frühjahr ihre Räder; dazu kommen Enten, Hühner und Wasserschildkröten in Bach und Teichen. Das ehemalige Gehege für die rhodischen Damhirsche steht heute meist leer — verlassen Sie sich nicht darauf, dort Tiere zu sehen.

Am Hang über dem Südteil des Tals liegt das Ptolemäer-Grab, ein aus dem Fels gehauener hellenistischer Grabbau von rund 27 Metern Breite, dessen Fassade 21 dorische Halbsäulen gliedern. Der Aufstieg dorthin ist kurz, aber steinig und nicht ausgeschildert; wer ihn findet, hat meist die ganze Anlage für sich. Im Tal selbst stößt man außerdem auf Reste eines antiken Aquädukts, das einst Wasser in die Stadt führte, und auf Spuren der italienischen Gartenarchitektur — Treppen, Mauern und Brüstungen, an denen man die ursprüngliche Anlage noch erahnt.

Ehrlich eingeordnet: der Zustand (Stand September 2026)

Ehrlich muss man sein: Über Jahre wurde der Park nur notdürftig gepflegt. Besucher berichteten von Müll, Graffiti und maroden Stegen; in der griechischen Lokalpresse war die „Verwahrlosung von Rodini“ ein Dauerthema. Der Sturm „Bora“ im November 2024 beschädigte zusätzlich Wege, Böschungen, Brücken und die Teiche. Seitdem hat sich etwas getan: Im April 2025 begann die erste umfassende Instandsetzung seit Jahren — Stadt Rhodos und die kommunale Gesellschaft DERMAE haben in einer ersten Etappe für rund 260.000 Euro Wege repariert, Hänge geräumt, umgestürzte Bäume entfernt und die Entwässerung erneuert; auch der Haupteingang wurde neu gefasst. Diese Etappe A gilt seit Frühjahr 2026 als abgeschlossen. Eine zweite Etappe soll den dauerhaften Betrieb und die Pflege regeln; die zugrunde liegende Gesamtplanung der DERMAE beziffert die vollständige Wiederherstellung auf rund 1,25 Millionen Euro.

Zugleich bleibt Rodini ein Park in Arbeit. Die Opposition im Stadtrat nannte den Zustand noch im November 2025 „beschämend“, und Besucherberichte aus dem Frühjahr 2026 sprechen weiterhin von abgelegtem Schnittgut, defekten Holzaufbauten und trübem Wasser — neben Berichten über sichtbar laufende Arbeiten. Neu ist der wissenschaftliche Ansatz: Im Sommer 2026 hat die Stadt eine 18-monatige Bestandsaufnahme der Flora und Fauna im Park und am Zephyros-Bach beauftragt (rund 35.000 Euro, mit Schwerpunkt auf invasiven Arten), die Grundlage für die weitere Pflege sein soll. Die Stadt hat 2026 außerdem zum „Jahr des Rodini“ erklärt: Das 10. Festival Künstlerischer Schaffenskraft der Rhodier (1. bis 30. September 2026) stellt den Park in den Mittelpunkt und bringt am 26. September eine abendliche Veranstaltung mit Erzählungen, Musik und lokalen Produkten ins Tal — Eintritt frei (Stand September 2026). Ein gepflegter botanischer Garten ist Rodini damit noch lange nicht; wer ein verwunschenes, leicht verwildertes Stück Stadtgeschichte mit Pfauen mag, wird das Tal trotzdem mögen.

Praktischer Besuch: Dauer und beste Zeit

Für den Rundweg mit Abstecher zum Grab reichen ein bis zwei Stunden; wer nur unter den Platanen sitzen will, ist in 45 Minuten durch. Es gibt keine Kasse, keine festen Öffnungszeiten und keine Infrastruktur — Wasser und einen Snack mitbringen, Toiletten sind nicht verlässlich vorhanden (Stand September 2026). Am schönsten ist das Tal von März bis Mai, wenn der Bach Wasser führt, Oleander und Wildblumen blühen und die Pfauen balzen; was die Insel in dieser Zeit sonst bietet, steht in unserem Monatsüberblick zu Rhodos im April. Im Herbst, vor allem im Oktober, ist es wieder angenehm, das Wasser aber oft knapp. Im Hochsommer gilt eine Besonderheit: Während die Altstadt mittags glüht, ist Rodini dank Laubdach und Bach einer der wenigen Orte, an denen man auch um 14 Uhr im Schatten spazieren kann — der frühe Morgen bleibt trotzdem die ruhigere Wahl, dann sind auch die Tiere aktiver. Im Winter ist der Park meist grüner und wasserreicher als im Sommer, nach Starkregen aber auch matschig, und Stege können gesperrt sein.

Anreise: Stadtbus, zu Fuß oder mit dem Auto

Der Eintritt ist frei, das Gelände ohne Tor und Zeiten zugänglich (Stand September 2026). Der Park liegt direkt an der Leoforos Lindou, der Hauptstraße Richtung Faliraki und Lindos. Seit 2026 bedient die „gelbe Linie“ des städtischen Busbetreibers RODA das Viertel Rodini ab dem Zentrum; eine Fahrt kostet etwa 2,20 bis 2,50 Euro (Stand September 2026). Auch die KTEL-Überlandbusse entlang der Ostküste fahren an der Haltestelle Rodini vorbei — Linien und Takt ändern sich saisonal, daher vorher prüfen; wie das funktioniert, steht im Ratgeber Busse auf Rhodos. Zu Fuß braucht man vom Neumarkt am Mandraki-Hafen etwa 40 bis 45 Minuten (knapp drei Kilometer), allerdings entlang einer wenig reizvollen Ausfallstraße ohne Schatten. Mit dem Mietwagen parkt man kostenlos am Straßenrand beim Eingang oder in den Wohnstraßen dahinter; ein Taxi vom Zentrum kostet nur wenige Euro.

Mit Kindern, Hund oder Rollstuhl?

Für Kinder ist Rodini ein dankbares Ziel: Pfauen, Enten und Schildkröten, Brücken zum Überqueren und ein Bach zum Beobachten tragen leicht eine Stunde — Details für Familien in unserem Ratgeber Rhodos mit Kindern. Die Ufer sind allerdings nicht gesichert und Stege stellenweise marode, kleine Kinder also an die Hand nehmen. Mit Hund ist der Park eine der besten Optionen der Stadt: Es gibt keine Verbotsschilder, Einheimische gehen hier täglich mit ihren Tieren spazieren, im Schatten bleibt der Boden auch mittags erträglich — Leine ist wegen der Pfauen und Hühner Pflicht der Vernunft; mehr im Ratgeber Rhodos mit Hund. Für Rollstuhl und Kinderwagen taugt Rodini dagegen nur eingeschränkt: Der Eingangsbereich ist eben, die Wege im Tal aber uneben, teils mit Stufen und schmalen Stegen, das Grab nur über einen steinigen Pfad zu erreichen. Welche Ziele auf der Insel besser geeignet sind, zeigt Rhodos barrierefrei.

Kombinieren: Monte Smith und Altstadt

Rodini ist kein Pflichtprogramm, aber ein guter Halbtages-Baustein. Die naheliegendste Kombination ist die Akropolis von Rhodos auf dem Monte Smith: Beide liegen am südlichen Stadtrand, mit dem Auto trennt sie eine Fahrt von fünf Minuten, zu Fuß eine halbe Stunde. Wer erst am späten Nachmittag durch das schattige Tal geht und dann auf den Hügel fährt, erlebt dort den besten kostenlosen Sonnenuntergang der Stadt. Als ruhiger Kontrast passt Rodini auch nach einem Vormittag in der Altstadt von Rhodos; Funde aus der rhodischen Nekropole, zu der das Tal gehörte, zeigt das Archäologische Museum. Wer die große, gepflegtere Variante dieser Landschaft sucht, findet sie im Tal der Sieben Quellen an der Ostküste — und wer vor allem wegen der Tiere kommt, im Tal der Schmetterlinge.

Für wen sich der Abstecher lohnt

Für Geschichtsinteressierte, die das Grab und die Aura der Rhetorenschule reizt; für Familien und Hundehalter, die ein schattiges Stück Grün ohne Eintritt suchen; für Stadturlauber im Hochsommer, die mittags eine Abkühlung brauchen; und für alle, die Orte mit Patina mögen. Weniger geeignet ist Rodini für Besucher, die einen gepflegten botanischen Garten erwarten, für Menschen mit Gehbehinderung und für die knappe Inselwoche mit vollem Programm — wann die Insel insgesamt am angenehmsten ist, steht in unserem Artikel zur besten Reisezeit.

Liegt in
Rhodos-Stadt

Zwei Städte in einer: die ummauerte mittelalterliche Altstadt — UNESCO-Welterbe und eine der besterhaltenen Mittelalterstädte Europas — und die italienisch geprägte Neustadt am Mandraki-Hafen. Zugleich der Verkehrs- und Lebensmittelpunkt der Insel.