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Symbolbild · KI-generiertDichte Nadelwälder an einem Berghang, darin ein historisches alpines Berghotel aus Stein und Holz
Sehenswürdigkeit · Natur

Profitis Ilias: Bergwald und italienische Alpenhotels

Ein dicht bewaldeter Bergrücken von 798 Metern im Inselinneren — mit Damhirschen im Kiefern- und Zypressenwald, einem alten Pflasterpfad ab Salakos, einem kleinen Kloster am Kamm und zwei italienischen Hotels aus den Jahren 1929/1930 im Chalet-Stil, die hier oben wie aus den Alpen abgestellt wirken.

Wer Rhodos nur von der Küste kennt, hält den Profitis Ilias beim ersten Besuch leicht für eine andere Insel. Der 798 Meter hohe Bergrücken im Nordwesten des Inselinneren ist bis hinauf zum Kamm dicht bewaldet — Kiefern, Zypressen, Steineichen —, die Luft riecht nach Harz statt nach Sonnencreme, und im Sommer liegt die Temperatur spürbar unter der der Strände. Dazu kommt die eigentümlichste Kulisse der Insel: zwei Hotels im alpinen Chalet-Stil mit steilen Dächern und Holzbalkonen, die die Italiener 1929 und 1930 in den Hang gebaut haben. Zusammen ergibt das einen Halbtagesausflug, der mit dem üblichen Rhodos-Programm nichts zu tun hat — und genau darin liegt sein Reiz.

Der Berg und die Landschaft

Mit 798 Metern ist der Profitis Ilias nach dem Attavyros (1.215 m) und dem Akramitis der dritthöchste Berg von Rhodos — aber unbestritten der grünste. Während der Attavyros oben kahler Kalk und Geröll ist, trägt der Profitis Ilias einen geschlossenen Wald bis in die Gipfelregion. Geologisch ist er ein Kalkrücken, der von Nordosten nach Südwesten streicht; nach Norden fällt er zu den Dörfern Salakos und Dimylia ab, nach Osten Richtung Eleousa und Apollona, nach Westen zur Küstenebene bei Kalavarda. Weil er die feuchte Nordwestströmung abfängt, fällt hier deutlich mehr Niederschlag als an der Südküste — der Grund, warum das Inselinnere um den Berg gern als grünes Herz von Rhodos beschrieben wird.

Oben, auf rund 750 Metern, liegt keine Gipfelkuppe, sondern eine wellige, schattige Hochfläche mit Lichtungen, Forststraßen, Picknickplätzen unter Kiefern und Aussichtsbalkonen über die Westküste. Der eigentliche höchste Punkt trägt eine militärische Anlage und ist nicht frei zugänglich — ein Gipfelfoto ist also nicht das Ziel des Besuchs, und das ist kein Verlust: Der Reiz liegt im Waldklima, in den Wegen und in der Ruhe. Was in Reisetexten gelegentlich als Zedernwald auftaucht, sind botanisch übrigens Zypressen; echte Zedern wachsen hier nicht.

Damhirsche, Wald und Wildschutzgebiet

Der bekannteste Bewohner des Berges ist der Damhirsch (Dama dama), das Wappentier der Insel — die rhodische Population gilt als der einzige frei lebende Damwildbestand Griechenlands und hat hier oben eines ihrer wichtigsten Rückzugsgebiete. Die Tiere finden im Wald ganzjährig Wasser und Deckung; das Gebiet ist als Wildschutzzone ausgewiesen und Teil des europäischen Natura-2000-Netzes. Garantiert sind Sichtungen trotzdem nicht — Damwild ist scheu und dämmerungsaktiv. Am besten stehen die Chancen früh morgens und in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang an Waldrändern und Lichtungen abseits der Straße. Wer sicher Hirsche sehen will, findet sie in den Gehegen der Insel; am Berg braucht es Geduld und Stille.

Dazu kommen Füchse, Steinmarder, Dachse, Greifvögel und im Frühjahr eine bemerkenswerte Bodenflora: Orchideen, Alpenveilchen, Zyklamen und Päonien unter den Kiefern. Für die Insel ist der Wald außerdem ökologisch heikel — Brände haben in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach große Flächen im Inselinneren zerstört, und die Wiederbewaldung dauert Jahrzehnte. Wer hier unterwegs ist, verhält sich entsprechend: auf den Wegen bleiben, kein Feuer, keine Zigaretten, nichts liegen lassen.

Elafos und Elafina: Alpenarchitektur in der Ägäis

Die beiden Häuser am Hang sind ein Stück gebauter Kolonialgeschichte. 1929 eröffneten die italienischen Besatzer hier oben das Albergo del Cervo — „Hotel zum Hirsch“, griechisch Elafos —, kurz darauf folgte der Nebenbau Elafina („Hirschkuh“); die Bauzeit beider Häuser wird meist mit 1929/1930 angegeben, für die Elafina findet sich vereinzelt auch die Jahreszahl 1932. Gedacht waren sie als Sommerfrische für Offiziere und Funktionäre der italienischen Verwaltung: Man floh vor der Küstenhitze in die kühle Bergluft, und gebaut wurde im alpinen Chalet-Stil mit steilen Dächern, Holzbalkonen und Gauben — ein Anblick, der zwischen Kiefern und Ägäis-Licht bis heute herrlich deplatziert wirkt. Zur Anlage gehörten auch ein Garten des damaligen Gouverneurs De Vecchi und einige Nebenhäuser, deren Reste man auf der Hochfläche noch findet. Wie diese Bauten in die Modernisierungs- und Repräsentationspolitik der Besatzungszeit passen, erzählt unser Beitrag zur italienischen Zeit.

Zum heutigen Zustand muss man ehrlich sein, denn die Häuser haben Jahrzehnte des Wechsels hinter sich. Beide verfielen nach dem Krieg lange. Das Elafos wurde aufwendig saniert, im April 2006 als Hotel wiedereröffnet und ist auch nach zwischenzeitlichen Pausen heute wieder in Betrieb — mit Zimmern, einem Restaurant im Erdgeschoss und einer Weinbar; die Fassade mit Holzbalkonen und Bruchsteinsockel ist erhalten geblieben (Stand September 2026). Die Elafina nebenan steht dagegen ungenutzt: Sie wurde nie vergleichbar saniert, ist verschlossen und verfällt sichtbar. Pläne für eine Instandsetzung gibt es seit Jahren, umgesetzt sind sie nicht. Das Betreten der leerstehenden Elafina ist weder erlaubt noch ratsam — fotogen ist sie ohnehin von außen.

Das Kloster Profitis Ilias

Namensgeber des Berges ist das kleine Kloster Profitis Ilias (Prophet Elias) nahe dem Kamm, unweit der beiden Hotels. Wie viele Elias-Kirchen in Griechenland steht es auf einer Höhe — die Bergkuppen-Tradition dieses Heiligen zieht sich durch die ganze Ägäis. Die Anlage ist bescheiden: ein weiß getünchtes Kirchlein mit Ziegeldach unter hohen Bäumen, dazu ein paar Nebengebäude und ein gepflasterter Vorplatz. Große Ikonen oder Fresken sollte man nicht erwarten; der Reiz liegt in der Lage und der Stille, und der Kirchhof ist ein guter Ort für eine Pause. Ob die Kirche offen ist, hängt vom Tag ab — sie wird nicht als Museum betrieben. Am Namenstag des Propheten Elias, dem 20. Juli, wird hier wie andernorts auf der Insel Panigiri gefeiert. Wenige Minuten oberhalb steht zudem eine kleine katholische Kapelle des Erzengels Michael, ebenfalls ein Bau aus italienischer Zeit. Für Besuche gilt, was in ganz Griechenland gilt: Schultern und Knie bedecken, leise sein, nicht in Gottesdienste hineinfotografieren.

Wandern: der alte Kalderimi ab Salakos

Die klassische Tour ist der Aufstieg von Salakos, einem Dorf auf rund 200 Metern am Nordfuß des Berges. Der Weg beginnt an der Quelle Nymfi am Ortsrand; von dort windet sich ein alter, streckenweise gepflasterter Maultierpfad (Kalderimi) durch dichten Wald hinauf zur Hochfläche mit Kloster und Hotels. Rechnen sollte man mit rund sieben Kilometern hin und zurück, etwa 600 Höhenmetern und dreieinhalb bis vier Stunden reiner Gehzeit plus Pausen. Steile Passagen und loses Geröll machen die Tour anspruchsvoller, als die kurze Distanz vermuten lässt — Trittsicherheit und feste Schuhe sind Pflicht, Turnschuhe reichen nicht. Anders als am schattenlosen Attavyros läuft man dafür fast durchgehend unter Bäumen.

Wer nicht die ganze Strecke laufen will, fährt mit dem Auto bis zu den Hotels und dreht oben eine leichte Runde: Auf der Hochfläche verbinden Forst- und Fußwege Kloster, Hotels, Aussichtspunkte und Picknickplätze zu Schleifen von 30 bis 90 Minuten, weitgehend eben und familientauglich. Eine hübsche Zwischenlösung ist die Einbahn-Variante — eine Gruppe fährt hinauf, die andere steigt von Salakos auf und lässt sich oben einsammeln. Markierungen sind vorhanden, aber nicht überall verlässlich; eine offline gespeicherte Karte gehört in die Tasche. Einordnung und weitere Touren sammelt der Überblick Wandern auf Rhodos.

Anfahrt und Parken

Ohne Mietwagen ist der Berg praktisch nicht zu machen. Die KTEL-Linien der Westküste fahren die Bergdörfer nur werktags und mit wenigen Kursen an; für eine Tageswanderung lässt sich das kaum planen. Mit dem Auto führt eine durchgehend asphaltierte, kurvige, aber gut fahrbare Bergstraße bis direkt vor die beiden Hotels. Die gängigen Zufahrten sind Salakos im Norden (rund 6 km bis zur Hochfläche), Eleousa im Osten und Kalavarda beziehungsweise die Westküstenstraße. Von Rhodos-Stadt sind es je nach Route etwa 55 Kilometer und gut eine Stunde Fahrzeit, von Embonas rund 15 Kilometer.

Geparkt wird kostenlos an der Straße und auf den Schotterflächen bei den Hotels; einen bewirtschafteten Parkplatz gibt es nicht. An Wochenenden im Frühjahr und Herbst ist deutlich mehr los, weil auch Einheimische zum Picknicken heraufkommen — dann früh da sein. Wohnmobile und breite Fahrzeuge kommen durch, sollten in den engen Kehren aber mit Gegenverkehr rechnen. Tanken lässt sich oben nicht; die letzte verlässliche Tankstelle liegt an der Küstenstraße.

Praktischer Besuch: Dauer, Einkehr, Kleidung

Für einen reinen Besuch der Hochfläche mit Kloster, Hotels und Aussichtspunkten reichen ein bis zwei Stunden; mit einer kleinen Runde und Einkehr wird ein halber Tag daraus, mit dem Aufstieg ab Salakos ein ganzer. Eintritt kostet nichts, Öffnungszeiten gibt es keine — der Berg ist offenes Gelände. Verpflegung sollte man mitbringen, wenn man sich nicht auf das Restaurant im Elafos verlassen will; Kioske, Automaten oder Trinkwasserstellen gibt es oben nicht.

Wichtigster praktischer Hinweis: Es ist hier oben deutlich kühler als am Strand — je nach Wetterlage vier bis sechs Grad, bei Wind und Bewölkung noch mehr, und in der Dämmerung kippt die Temperatur schnell. Eine leichte Jacke gehört auch im Juli ins Auto. Im Winter und im zeitigen Frühjahr kann Nebel den Wald einhüllen, gelegentlich fällt sogar Schnee. Mobilfunk ist auf der Hochfläche meist vorhanden, im Wald am Aufstieg aber lückenhaft. Barrierefrei ist der Berg nicht: Die Straße führt zwar bis vor die Häuser, die Wege selbst sind aber Waldboden, Pflaster und Schotter.

Beste Reisezeit

Die schönsten Monate sind April bis Anfang Juni sowie Ende September bis November. Im Frühjahr steht der Wald in Blüte, die Bäche führen Wasser und die Temperaturen sind ideal zum Gehen — der April auf Rhodos ist für diesen Berg fast die beste Zeit überhaupt. Im Herbst ist die Luft klar, das Licht weich, und der Oktober bietet noch verlässlich warme, aber nicht mehr drückende Tage.

Im Hochsommer ist der Profitis Ilias genau dann attraktiv, wenn die Küste glüht — die Fahrt hinauf ist eine der wirksamsten Hitzefluchten der Insel. Lange Aufstiege verbieten sich dann aber weitgehend, und in der heißen Phase von Juli bis September kann der Zugang zu Wald- und Naturgebieten bei hoher Warnstufe kurzfristig gesperrt werden — wie die Warnstufen funktionieren und worauf im Ernstfall zu achten ist, erklärt unser Beitrag zu Sicherheit, Erdbeben und Waldbränden. Im Winter ist es oben nass, kühl und oft neblig; die Straße bleibt in der Regel befahrbar, das Restaurant hat aber nicht durchgehend geöffnet.

Kombinationen für einen runden Tag

Der Profitis Ilias liegt ideal für eine Tagestour durch das grüne Inselinnere. Direkt am Nordfuß liegt Salakos mit seiner schattigen Platia unter alten Ficus-Bäumen und der Quelle Nymfi — der natürliche Start- oder Endpunkt. Eine halbe Stunde weiter südlich folgt das Weindorf Embonas am Fuß des Attavyros: Mittagessen und Weinprobe nach der Wanderung. An der Westküste unterhalb warten das antike Kamiros und die Ruine Kritinia Castle mit ihrem Blick auf Chalki. In die andere Richtung bietet sich Petaloudes mit dem Tal der Schmetterlinge an (Falter-Saison beachten). Und wer über Eleousa herauffährt, passiert mit der byzantinischen Kapelle Agios Nikolaos Fountoukli und den verfallenen italienischen Bauten des ehemaligen Agrarstädtchens Campochiaro zwei weitere Zwischenstopps.

Für wen sich der Profitis Ilias lohnt

Ideal ist der Berg für Wanderer, Naturfreunde und alle, die Rhodos jenseits der Strandpromenaden sehen wollen — dazu für Architektur- und Geschichtsinteressierte, die sich für die italienische Hinterlassenschaft der Insel erwärmen können. Familien mit Kindern kommen mit dem Auto bequem hinauf und finden oben leichte Wege und Picknickplätze. Fotografierende bekommen im weichen Morgen- und Abendlicht die besten Motive.

Weniger geeignet ist er für Besucher, die eine klassische Sehenswürdigkeit mit Kasse, Rundgang und Beschilderung erwarten: Hier gibt es keinen kuratierten Besuch, sondern Wald, zwei alte Häuser, eine kleine Kirche und Aussicht. Auch wer nur wegen der Damhirsche kommt, sollte die Erwartungen dämpfen — die Tiere zeigen sich, wann sie wollen. Wer aber einen halben Tag Ruhe, Schatten und Höhenluft sucht, findet auf Rhodos kaum einen besseren Ort.