Zum Inhalt springen
Grüne, bewaldete Schlucht im Tal der Schmetterlinge im Westen von Rhodos
Sehenswürdigkeit · Natur

Profitis Ilias: Bergwald und italienische Alpenhotels

Ein dicht bewaldeter Bergrücken um 800 Meter im Inselinneren — mit Damhirschen im Kiefernwald, alten Wanderpfaden ab Salakos und zwei italienischen Hotels von 1929 im Chalet-Stil, die hier oben wie aus den Alpen abgestellt wirken.

Wer Rhodos nur von der Küste kennt, hält den Profitis Ilias beim ersten Besuch leicht für eine andere Insel. Der knapp 800 Meter hohe Bergrücken im Nordwesten des Inselinneren ist bis hinauf zum Kamm dicht bewaldet — Aleppokiefern, Zypressen, Steineichen —, die Luft riecht nach Harz statt nach Sonnencreme, und im Sommer liegt die Temperatur spürbar unter der der Strände. Dazu kommt die eigentümlichste Kulisse der Insel: zwei Hotels im Schweizer Chalet-Stil mit steilen Holzdächern, die die Italiener in den 1920er- und 1930er-Jahren in den Hang gebaut haben. Zusammen ergibt das einen Halbtagesausflug, der mit dem üblichen Rhodos-Programm nichts zu tun hat — und genau darin liegt sein Reiz.

Ein Bergwald mit Damhirschen

Der Profitis Ilias ist nach Attavyros und Akramitis der dritthöchste Berg von Rhodos — aber der grünste. Während der Attavyros oben kahler Kalk ist, trägt der Profitis Ilias einen geschlossenen Wald bis in die Gipfelregion; das Gebiet ist als Wildschutzgebiet ausgewiesen. Sein bekanntester Bewohner ist der Damhirsch (Dama dama), das Wappentier der Insel, dessen rhodische Population hier eines ihrer wichtigsten Rückzugsgebiete hat. Garantiert sind Sichtungen nicht — die Tiere sind scheu —, aber in den ruhigen Morgen- und Abendstunden stehen die Chancen am Waldrand und an den Lichtungen nicht schlecht. Dazu kommen Füchse, Greifvögel und im Frühjahr eine bemerkenswerte Blüte mit Orchideen und Alpenveilchen unter den Kiefern.

Der eigentliche Gipfelbereich trägt eine militärische Anlage und ist nicht frei zugänglich — das Ziel ist hier ohnehin nicht ein Gipfelkreuz, sondern der Weg: schattige Pfade, Aussichtsbalkone über die Westküste und die stille Hochfläche um die alten Hotels mit Picknickplätzen unter Kiefern. Namensgeber ist das kleine Kloster Profitis Ilias (Prophet Elias) nahe dem Kamm, dessen Kirchlein und Nebengebäude zu der Anlage um die Hotels gehören.

Elafos und Elafina: Alpenarchitektur in der Ägäis

Die beiden Holzhäuser am Hang sind ein Stück gebauter Kolonialgeschichte. 1929 eröffneten die italienischen Besatzer hier oben das Albergo del Cervo — „Hotel zum Hirsch“, griechisch Elafos —, 1932 folgte der Nebenbau Elafina („Hirschkuh“). Gedacht waren die Häuser als Sommerfrische für Offiziere und Funktionäre der italienischen Verwaltung: Man floh vor der Küstenhitze in die kühle Bergluft, und gebaut wurde im alpinen Chalet-Stil mit steilen Dächern, Holzbalkonen und Gauben — ein Anblick, der zwischen Kiefern und Ägäis-Licht bis heute herrlich deplatziert wirkt. Wie diese Bauten in die Modernisierungs- und Repräsentationspolitik der Besatzungszeit passen, erzählt unser Beitrag zur italienischen Zeit.

Zum Zustand muss man ehrlich sein, denn er wechselt seit Jahrzehnten: Beide Häuser verfielen nach dem Krieg lange, das Elafos wurde aufwendig saniert und 2006 als Hotel wiedereröffnet, war zwischenzeitlich aber auch wieder geschlossen. Zuletzt wurde es über die eigene Website und Buchungsportale wieder als Berghotel mit Café geführt (Stand der Recherche: Juni 2026) — wer dort übernachten oder einkehren will, sollte den aktuellen Betriebsstatus unbedingt vorab prüfen. Die Elafina nebenan wurde nie saniert und verfällt sichtbar; das Betreten der Ruine ist keine gute Idee. Auch von außen lohnen beide Häuser den Weg — fotogen sind sie in jedem Zustand.

Wandern: der alte Pfad ab Salakos

Die klassische Tour ist der Aufstieg von Salakos, einem Dorf am Nordfuß des Berges. Ein alter, streckenweise gepflasterter Pfad (Kalderimi) windet sich vom Dorf durch dichten Wald hinauf zur Hochfläche mit Kloster und Hotels — gut sieben Kilometer hin und zurück, rund 550 Höhenmeter, je nach Tempo dreieinhalb bis vier Stunden. Anders als am schattenlosen Attavyros läuft man hier fast durchgehend unter Bäumen, was die Tour auch an warmen Tagen machbar hält; oben warten Picknickplätze und der Blick über die Westküste. Kürzere Varianten gibt es ebenfalls: Wer mit dem Auto bis zu den Hotels fährt, kann von dort auf Forst- und Fußwegen eine Runde über den Kamm drehen. Markierungen sind vorhanden, aber nicht überall verlässlich — eine offline gespeicherte Karte gehört in die Tasche. Einordnung und weitere Touren der Insel sammelt der Überblick Wandern auf Rhodos.

Anfahrt und beste Zeit

Ohne Mietwagen ist der Berg praktisch nicht zu machen — Busverbindungen in die Bergdörfer sind selten und für eine Wanderung nicht planbar. Mit dem Auto erreicht man die Hochfläche über kurvige, aber gut fahrbare Bergstraßen von Salakos im Norden oder von Eleousa im Osten; von Rhodos-Stadt sollte man eine knappe Stunde rechnen. Die schönsten Monate sind April bis Juni, wenn der Wald grün ist und blüht, sowie September und Oktober. Im Hochsommer ist der Berg als kühler Fluchtpunkt gerade dann attraktiv, wenn die Küste glüht — mit den genannten Einschränkungen bei langen Aufstiegen.

Kombinationen für einen runden Tag

Der Profitis Ilias liegt ideal für eine Tagestour durch das grüne Inselinnere. Die naheliegendste Kombination ist das Weindorf Embonas am Fuß des Attavyros, eine halbe Stunde weiter südlich — Mittagessen und Weinprobe nach der Wanderung. In die andere Richtung bietet sich das Tal der Schmetterlinge an, das nur wenige Kilometer nordwestlich in derselben bewaldeten Bergregion liegt (Falter-Saison beachten). Und wer auf der Strecke von Eleousa herauffährt, passiert mit der byzantinischen Kapelle Agios Nikolaos Fountoukli und den italienischen Bauten des ehemaligen Agrarstädtchens Campochiaro gleich zwei kleine Zwischenstopps, die den Tag abrunden.