Salakos liegt rund 40 Kilometer südwestlich von Rhodos-Stadt im Inselinneren, auf etwa 200 Metern Höhe am Nordfuß des Profitis Ilias. Wer von der Westküstenstraße bei Kalavarda abbiegt, merkt nach wenigen Kilometern, dass hier eine andere Insel beginnt: Die Straße steigt an, es wird grün, und statt Strandbars stehen Platanen am Weg. Das Dorf lebt vom Wasser, das aus dem Berg kommt — und davon, dass hier der bekannteste Wanderweg der Insel beginnt.
Ein Ausflugsziel mit Programm ist Salakos nicht. Es ist ein Etappenort: Man kommt zum Wandern, zum Mittagessen unter den Platanen oder als Zwischenstopp auf der Runde über die Westseite — und genau in dieser Rolle ist das Dorf schwer zu schlagen.
Das Dorf: Platia, Brunnen, Quellwasser
Das Zentrum von Salakos ist seine gepflasterte Platia: ein schattiger Platz unter großen Platanen, an dem die Tische der Tavernen und des Kafenions stehen. Mitten im Ort läuft ständig Wasser — der Brunnen erhielt seine steinerne Fassung in der italienischen Zeit, als die Besatzer den wasserreichen Berghang systematisch erschlossen. Ringsum schmale Gassen, Steinhäuser, Gärten mit Feigen- und Obstbäumen; im Dorf leben heute grob geschätzt 500 Menschen, deutlich weniger als noch in den 1990er-Jahren.
Der Wasserreichtum ist keine Anekdote, sondern das Kapital des Ortes: Oberhalb des Dorfs, auf rund 220 Metern, entspringt die Nymphi-Quelle, deren Wasser als rhodisches Quellwasser in Flaschen abgefüllt und auf der ganzen Insel verkauft wird. Der Name taucht einem auf Rhodos also ständig auf dem Tavernentisch wieder auf — die Quelle selbst liegt an einem alten Pflasterweg, der von Salakos in den Bergwald hinaufführt.
Auf den Profitis Ilias
Der Hauptgrund, nach Salakos zu fahren, steht direkt hinter dem Dorf: der Profitis Ilias, mit 798 Metern der dritthöchste Berg der Insel und ihr grünster — dichter Kiefern- und Zypressenwald bis fast zum Kamm. Von der Platia führt ein markierter Pfad über die Nymphi-Quelle in Serpentinen hinauf; als Rundtour über den Bergrücken und zurück ins Dorf sind es etwa dreieinhalb Stunden und rund 400 Höhenmeter. Der Weg ist technisch einfach, aber durchgehend bergauf und im Sommer trotz Schatten schweißtreibend.
Oben stößt man auf ein Stück gebaute Inselgeschichte: die Berghotels Elafos und Elafina, in den 1920er- und 1930er-Jahren von den Italienern im alpinen Chalet-Stil errichtet — ein Schweizer Haus im Ägäis-Wald, dazu die Reste weiterer Bauten aus jener Zeit. Details zu Berg, Kloster und Hotels stehen im Beitrag zum Profitis Ilias; einen Überblick über weitere Touren gibt Wandern auf Rhodos.
Praxis: Anfahrt und Einkehr
Salakos erreicht man am einfachsten mit dem Mietwagen: von Rhodos-Stadt über die Westküstenstraße bis Kalavarda, dort landeinwärts abbiegen — nach gut sechs Kilometern Steigung ist man im Dorf, insgesamt etwa 45 Minuten Fahrt. KTEL-Busse fahren die Westroute zwar, bedienen das Bergdorf aber so selten, dass sich damit kein verlässlicher Wandertag planen lässt.
Die Versorgung ist einfach, aber vorhanden: ein paar Tavernen mit lokaler Küche rund um die Platia, ein Kafenion, ein kleiner Laden für das Nötigste. Übernachten kann man in wenigen kleinen Pensionen und Gästehäusern — wer Hotelinfrastruktur erwartet, ist hier falsch. Feste Öffnungszeiten sollte man außerhalb der Saison nicht voraussetzen.
Umgebung: Kamiros, Embonas, Attavyros
Salakos liegt strategisch für die Westseiten-Runde. Nur wenige Kilometer talwärts an der Küste liegt das antike Kamiros, die besterhaltene der drei alten Stadtgründungen der Insel (Eintritt 10 €, im Sommer täglich 8–20 Uhr) — die Kombination aus Ruinenbesuch am Vormittag und Mittagessen unter den Platanen ist ein bewährter Klassiker. Weiter südlich an der Küste folgen der kleine Hafen Skala Kameirou und die Johanniterburg Kritinia.
In die andere Richtung führt die Bergstraße weiter nach Embonas, das Weindorf am Fuß des Attavyros, mit 1.215 Metern der höchste Berg der Insel — kahler und deutlich fordernder als der bewaldete Profitis Ilias. Wer beide Berge vergleicht, versteht schnell, warum die Italiener ihre Sommerfrische am grünen Ilias bauten und nicht am kargen Nachbarn.
Für wen lohnt sich Salakos?
Salakos lohnt sich für Wanderer, für Mietwagen-Entdecker auf der Westroute und für alle, die sehen wollen, wie das Rhodos abseits der Strände aussieht: grün, wasserreich, unaufgeregt. Als Basis taugt es für Ruhesuchende mit eigenem Auto, die bewusst im Inselinneren wohnen möchten.
Wer dagegen Strand fußläufig, Nachtleben oder ein dichtes Ausflugsangebot erwartet, ist an der Ostküste — etwa in Faliraki oder Kolymbia — besser aufgehoben. Und wer nur eine Stunde Zeit hat, sieht das Dorf komplett: Ohne die Wanderung oder eine lange Mittagspause bleibt Salakos ein hübscher, aber kurzer Stopp.


