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Symbolbild · KI-generiertLange Arkadenreihe aus hellem Stein mit Rundbögen und gepflastertem Vorplatz
Ort · Inneres

Eleousa (Campochiaro)

Eine italienische Mustersiedlung von 1935 im Bergwald am Ostfuß des Profitis Ilias: monumentaler Platz mit Arkaden, ein 30 Meter breites Rundbecken mit dem endemischen Gizani — und ringsum Gebäude, die seit achtzig Jahren verfallen.

Es gibt auf Rhodos keinen zweiten Ort, der so unpassend wirkt wie Eleousa. Man fährt durch Kiefernwald, Serpentine für Serpentine, und steht plötzlich vor einem Platz, der nach norditalienischer Provinzstadt aussieht: symmetrische Fassaden, Arkaden mit Rundbögen, ein Kino, eine Schule, Verwaltungsgebäude. Die Fensterhöhlen sind leer, aus den Dächern wächst Gras, an manchen Wänden hält sich noch Verputz in Ockergelb. Dazwischen leben ein paar Dutzend Menschen ganz normal weiter.

Das Dorf heißt heute Eleousa, gegründet wurde es 1935 unter dem Namen Campochiaro — „helles Feld“. Es war keine gewachsene Siedlung, sondern ein Plan: eine Mustersiedlung der italienischen Verwaltung für Zuwanderer aus Norditalien, die im Bergwald Holz schlagen und in den Sägewerken arbeiten sollten. Ein zweites Motiv war der beginnende Tourismus im Bergland um den Profitis Ilias. Die Anlage sollte zeigen, was die Kolonialverwaltung leisten konnte, und sie wurde entsprechend repräsentativ gebaut.

Campochiaro: eine Siedlung am Reißbrett

Die italienische Zeit auf Rhodos dauerte von 1912 bis 1943, und die 1930er-Jahre waren ihre bauwütigste Phase. Neben dem Umbau der Neustadt von Rhodos-Stadt und der Restaurierung des Großmeisterpalasts entstanden mehrere geplante Siedlungen: San Benedetto, das heutige Kolymbia mit seiner Eukalyptusallee, Peveragno Rodio bei Kalithies — und eben Campochiaro.

Das Muster ist überall dasselbe: rechtwinkliges Straßenraster, ein monumentaler Platz als Mittelpunkt, öffentliche Bauten in strenger, blockhafter Formensprache. Es ist Architektur, die Ordnung demonstrieren soll, und sie tut es bis heute — nur eben als Ruine. Die italienischen Siedler blieben nicht lange: Zwischen 1940 und 1943 verließen die meisten die Insel, die letzten Familien gingen 1947, als der Dodekanes offiziell zu Griechenland kam. Zurück blieben Gebäude, für die es keine Nutzung mehr gab, und ein Dorf, das viel kleiner war als die Siedlung, für die es gebaut worden war.

Was heute noch steht — und was verfällt

Der Zustand ist gemischt und ändert sich langsam. Der Platz mit den Arkaden ist erhalten und teilweise instand gesetzt; einzelne Gebäude sind saniert und werden genutzt. Andere sind reine Ruinen: Dächer eingestürzt, Böden durchgebrochen, Bäume in den Innenräumen. Das ehemalige Kino und mehrere Wohnzeilen gehören zur zweiten Kategorie. Über die Jahre gab es wiederholt Ankündigungen, das Ensemble als Ganzes zu sanieren; passiert ist bislang wenig.

Genau diese Halbheit macht den Reiz aus — und die Gefahr. Das Gelände ist offen zugänglich, ohne Aufsicht, ohne Absperrung, ohne Öffnungszeiten. Wer hineingeht, tut das auf eigenes Risiko, und das ist keine Floskel: Böden und Treppen in den unsanierten Bauten sind nicht tragfähig. Von außen ist ohnehin das meiste zu sehen.

Das runde Becken und der Gizani

Wenige Schritte vom Platz liegt das eigentliche Highlight: ein kreisrundes, gemauertes Wasserbecken von rund dreißig Metern Durchmesser — das größte auf Rhodos. Gespeist wird es über eine Leitung von der nahen Quelle Koskinisti; die Italiener bauten dafür einen kleinen Aquädukt, der noch steht. Ursprünglich war das Becken Wasserreservoir und Freibad der Siedlung. Heute ist es ein Biotop.

Denn im Becken lebt der Gizani (Ladigesocypris ghigii), ein kleiner Karpfenfisch, der ausschließlich auf Rhodos vorkommt und nirgends sonst auf der Welt. Er ist der einzige heimische Süßwasserfisch der Insel, streng geschützt und gilt als stark gefährdet. Beschrieben wurde er nach dem italienischen Zoologen Alessandro Ghigi, der die Art um 1900 in den Gewässern der Insel sammelte. Die Tiere werden selten länger als acht Zentimeter; im klaren Wasser sind sie gut zu sehen, wenn man sich an den Rand setzt und kurz still hält. Kleinere Bestände gibt es auch andernorts, etwa im Quellbach bei Psinthos. Füttern, hineinsteigen oder Wasser entnehmen ist tabu.

Agios Nikolaos Fountoukli

Rund vier Kilometer oberhalb von Eleousa, an der Straße Richtung Profitis Ilias, steht auf der linken Seite eine kleine Kapelle, die für sich allein die Fahrt rechtfertigt: Agios Nikolaos Fountoukli, byzantinisch, aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist ein Vierkonchenbau — vier halbrunde Apsiden um eine zentrale Kuppel, ein Grundriss in Kleeblattform, der auf den griechischen Inseln ausgesprochen selten ist. In der Kuppeltrommel sitzen Fenster aus Alabaster.

Der Legende nach ließ ein hoher Beamter die Kapelle nach dem Tod seiner drei Kinder an der Pest errichten; die erhaltenen Fresken zeigen die Kinder zusammen mit ihren Eltern, dazwischen kindliche Motive wie einen Frosch und Katzen. Die Malereien werden auf rund sechshundert Jahre geschätzt. Eine italienische Restaurierung Anfang des 20. Jahrhunderts baute die Kuppel neu auf — die dortigen Fresken gingen dabei verloren. Neben der Kapelle stand einmal ein kleines, längst aufgegebenes Kloster.

Die Kapelle steht frei zwischen Platanen am Straßenrand, ohne Zaun und ohne Kasse. Ob sie offen ist, hängt vom Zufall ab; von außen und aus dem umgebenden Wäldchen lohnt sie sich in jedem Fall. Der Platz bietet einen weiten Blick über das Inselinnere und wird von der örtlichen Feuerwehr zur Früherkennung von Waldbränden genutzt — ein Hinweis darauf, wie exponiert diese Wälder im Sommer sind (siehe Sicherheit auf Rhodos).

Anfahrt und praktische Hinweise

Eleousa ist in der Praxis ein Ziel für Selbstfahrer. Ab Rhodos-Stadt sind es rund vierzig Kilometer über Kalithies und Archipoli, alternativ über Psinthos oder von der Ostküste über Archangelos. Die Strecken sind asphaltiert, kurvig und im Bergwald streckenweise eng; rechnen Sie mit gut einer Stunde. Geparkt wird am Platz, kostenlos und ohne Gedränge.

Mit dem Bus ist es schwierig: Die Binnenlinien ins Bergland fahren, wenn überhaupt, nur an einzelnen Tagen und selten so, dass Hin- und Rückweg an einem Tag zusammenpassen. Wer kein Auto hat, kombiniert Eleousa am ehesten mit einer geführten Inselrundfahrt.

Infrastruktur gibt es kaum: ein, zwei kleine Lokale, kein Supermarkt, keine Toiletten am Platz. Nehmen Sie Wasser mit, gerade im Sommer. Die beste Zeit ist der Vormittag oder der späte Nachmittag — mittags steht die Sonne flach über dem hellen Stein und das Licht ist hart. Im Frühjahr, wenn im Bergwald alles grün ist, wirkt der Kontrast zwischen Ruine und Vegetation am stärksten; im Winter ist es hier oben deutlich kühler und feuchter als an der Küste (vgl. Rhodos im Winter).

Gut kombinieren

Eleousa selbst kostet eine gute Stunde. Der naheliegende Tag hängt daran den Berg: hinauf zum Profitis Ilias mit den verfallenen italienischen Berghotels auf der Hochfläche, unterwegs Halt an der Kapelle Fountoukli, danach entweder nach Norden über Salakos zur Westküste oder nach Osten zurück über Psinthos zum Mittagessen.

Wer lieber Wasser als Ruinen sucht, kombiniert mit dem Tal der sieben Quellen weiter östlich, und wer die Falter-Saison erwischt, hängt das Tal der Schmetterlinge an. Alle drei liegen im selben Hinterland und lassen sich an einem Tag verbinden — Vorschläge dazu in der 7-Tage-Route.

Für wen sich Eleousa lohnt

Geschichtsinteressierte: die deutlichste bauliche Spur der italienischen Zeit außerhalb der Hauptstadt, und die einzige, die man ungestört umrunden kann. Fotografen: ein ergiebiger Ort, besonders im weichen Licht. Naturinteressierte: das Gizani-Becken ist ein kleiner, aber echter Sonderfall — nirgendwo sonst lässt sich eine ausschließlich auf Rhodos vorkommende Art so einfach beobachten. Familien: in Ordnung, solange die Ruinen tabu bleiben; das Becken ist für Kinder der interessanteste Teil. Wer Betrieb und Gastronomie erwartet: falsche Adresse — dafür ist Psinthos zehn Minuten entfernt. Ohne Auto: ehrlich gesagt kaum machbar.