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Symbolbild · KI-generiertWeiter gepflasterter Dorfplatz mit alten Bäumen vor weißen Häusern, dahinter bewaldete Berge
Ort · Inneres

Psinthos

Das eigentliche Zentrum des nördlichen Hinterlands: ein ungewöhnlich großer Dorfplatz unter alten Platanen, Grillküche für Einheimische, Quellwasser mit endemischen Fischen — und der Ort, an dem 1912 die osmanische Herrschaft über Rhodos endete.

Wer vom Tal der Schmetterlinge kommt und die Nase voll hat von Kassenhäuschen und Souvenirständen, braucht zehn Minuten bis Psinthos — und findet dort das Gegenteil: einen Dorfplatz, der für die Größe des Ortes absurd weitläufig wirkt, beschattet von Platanen, umstellt von Tavernen, in denen zur Mittagszeit vor allem Griechen sitzen. Psinthos ist kein Ausflugsziel im engeren Sinn. Es ist der Ort, an dem das nördliche Hinterland zu Mittag isst.

Das Dorf liegt auf 280 Metern im Hügelland südwestlich von Rhodos-Stadt, rund 23 Kilometer von der Hauptstadt und gut zehn vom Flughafen entfernt, mit 729 Einwohnern nach dem Zensus 2021. Ringsum steigen bewaldete Rücken an, dazwischen liegen Olivenhaine, Obstgärten und ein paar Rebflächen. Petaloudes ist der bekannte Nachbar, aber Psinthos ist der lebendigere Ort.

Der Dorfplatz — und warum er so groß ist

Die Platzanlage stammt in ihrer heutigen Form aus der italienischen Zeit. Die Verwaltung legte in den 1920er- und 1930er-Jahren in vielen Binnendörfern repräsentative Plätze mit Verwaltungsgebäude, Schule und Brunnen an — ein Programm, das ebenso der Modernisierung wie der Selbstdarstellung diente. Was blieb, sind großzügige Proportionen, wie sie ein Dorf dieser Größe aus eigener Kraft nie gebaut hätte, und ein paar Gebäudefronten mit den charakteristisch strengen Bögen.

Heute ist der Platz schlicht der Mittelpunkt: Kirche der Panagia an der einen Seite, Tavernen und ein paar Läden ringsum, in der Mitte die alten Platanen, unter denen im Sommer die Tische stehen. Hinter dem Kirchhof haben sich Reste einer mittelalterlichen Befestigung erhalten, die vermutlich der wirtschaftlichen Kontrolle und dem Schutz des Agrarlands diente — unspektakulär, aber ein Hinweis darauf, dass der Ort schon lange vor den Italienern eine Rolle spielte.

Fasouli, Kamari und der Gizani

Psinthos ist ein Wasserdorf. Die Fasouli-Quelle am Ortsrand ist die bekannteste: fließendes Quellwasser, uralte Platanen, ein schattiges Tälchen, in dem sonntags halbe Familien sitzen. Etwas weiter liegt die Kamari-Quelle. Beides ist kein inszenierter Ausflugspunkt, sondern ein Naherholungsort für die Umgebung, entsprechend voll am Wochenende und entsprechend leer am Dienstagvormittag.

Im Quellbach lebt der Gizani (Ladigesocypris ghigii), ein kleiner Karpfenfisch, der ausschließlich auf Rhodos vorkommt — der einzige heimische Süßwasserfisch der Insel und streng geschützt. Er wird selten länger als acht Zentimeter und ist im flachen, klaren Wasser gut zu beobachten, wenn man sich zwei Minuten ruhig verhält. Das größte und bekannteste Gizani-Gewässer der Insel ist allerdings das runde Becken bei Eleousa; die Bestände hier bei Psinthos sind kleiner. Für beide gilt dasselbe: schauen ja, hineinsteigen nein.

Mai 1912: das Gefecht von Psinthos

Im Italienisch-Türkischen Krieg landeten italienische Truppen am 4. Mai 1912 bei Kalithea und Trianda. Die osmanische Garnison gab die Stadt auf und zog sich ins Inselinnere zurück, in das schwer einsehbare Bergland hinter Maritsa. Bei Psinthos stellten die Italiener sie unter Generalleutnant Giovanni Ameglio, schlossen die Stellung von drei Seiten ein und ließen sie zusätzlich von einem Kriegsschiff aus beschießen. Nach dreizehn Tagen Kampf kapitulierte die Garnison am 16. Mai 1912; griechische Darstellungen datieren die Übergabe auf den 17. Mai und beziffern die Verluste mit rund 200 osmanischen gegenüber neun italienischen Gefallenen.

Damit endeten fast 390 Jahre osmanischer Herrschaft über Rhodos, und es begann die italienische, die bis 1943 dauern sollte. Am Ortsrand erinnert eine schlichte Marmortafel an die Gefallenen — die Angaben schwanken zwischen rund 200 und etwa 300. Für ein Dorf dieser Größe ist das eine erstaunliche historische Fußnote: Der entscheidende Moment eines Herrschaftswechsels fiel ausgerechnet hier, zwischen Olivenhainen und Quellbächen. Die Hintergründe stehen in den Beiträgen zur osmanischen und zur italienischen Zeit.

Essen: Grillküche für Einheimische

Die Tavernen rund um den Platz sind auf Fleisch vom Grill spezialisiert: Souvlaki, Lammkoteletts, Kotelett vom Schwein, dazu Ofenkartoffeln, Bergkräutersalat, Tzatziki und offener Wein aus der Kanne. Das ist keine gehobene Küche und will es auch nicht sein — es ist die Sonntagsküche der Insel, in großen Portionen und zu Preisen, die deutlich unter denen der Küstenorte liegen.

Der praktische Vorteil gegenüber den Lokalen direkt am Schmetterlingstal: Dort ist man auf Durchreisende eingestellt, hier auf Stammgäste. Wer nach dem Tal noch essen will, fährt die zehn Minuten. Was auf einer griechischen Speisekarte wie zu bestellen ist, erklärt der Beitrag Essen und Trinken; das Preisniveau ordnet Rhodos mit kleinem Budget ein.

Honig, Bienen und ein bisschen Wein

Das Hügelland um Psinthos ist Bienenland. Thymian, Salbei, Erdbeerbaum und Kiefer stehen in den Hängen dicht beieinander, und entsprechend viele Stöcke sieht man am Straßenrand — bunt lackierte Kästen, oft in Zehnerreihen unter den Bäumen. Auf dem Weg zwischen dem Tal der Schmetterlinge und dem Dorf liegt ein kleines Bienenmuseum, das die Arbeit der Imker und die Sortenunterschiede erklärt und Honig aus der Region verkauft. Es ist kein großer Museumsbetrieb, aber eine sinnvolle halbe Stunde — vor allem mit Kindern, und vor allem, wenn man anschließend versteht, warum der dunkle Thymianhonig aus dem Westen der Insel anders schmeckt als der milde aus der Ebene.

Weinbau spielt in dieser Gegend nur eine Nebenrolle; die großen Weinorte liegen weiter westlich um Embonas am Fuß des Attavyros. Ein Gut bei Psinthos bietet aber Verkostungen und Ritte durch die Rebflächen an — eine ungewöhnliche Kombination, die man sonst auf der Insel nicht findet. Öffnungszeiten und Konditionen wechseln saisonal und sind vorab zu klären.

Für den Alltag heißt das: Wer Mitbringsel sucht, findet sie hier ehrlicher und günstiger als in den Läden der Küstenorte — Honig, Kräuter, Olivenöl, alles aus der Umgebung. Was davon in den Koffer darf und was besser nicht, steht in der Packliste.

Anfahrt, Parken und Busse

Mit dem Mietwagen ist Psinthos unkompliziert: von Rhodos-Stadt rund 23 Kilometer über die Straße Richtung Kalithies und Archipoli oder von der Westküste über Paradisi und Maritsa, vom Flughafen gut zehn Kilometer. Die Straßen sind asphaltiert und breit genug; die letzten Kilometer sind kurvig, aber harmlos. Geparkt wird am Platz oder in den Seitenstraßen, kostenlos — nur sonntagmittags wird es eng.

Ohne Auto ist es mühsamer. Psinthos liegt an den KTEL-Binnenlinien, die die Dörfer des Hinterlands bedienen, aber deutlich dünner getaktet sind als die Küstenachsen — im Zweifel wenige Kurse am Tag und am Wochenende noch weniger. Wer das Tal der Schmetterlinge mit dem Bus besucht, kommt mit der RODA-Stadtlinie 20 zwar bis zum Tal, aber nicht weiter nach Psinthos. Die Systematik und die Grenzen des Busnetzes erklärt Busse auf Rhodos; aktuelle Fahrpläne stehen auf ktelrodou.gr.

Wandern und gut kombinieren

Von Psinthos führen markierte Wege durch Erdbeerbäume und Kiefern zum Kloster Kalopetra oberhalb des Schmetterlingstals — eine gemütliche Halbtagestour ohne technische Schwierigkeiten, Hinweise dazu unter Wandern auf Rhodos. Die naheliegendste Kombination bleibt aber das Tal der Schmetterlinge am Vormittag (Falter-Saison beachten: nennenswert sind die Tiere erst ab Juni) und Psinthos zum Mittagessen.

Wer weiterfahren will, hat zwei gute Richtungen: nach Westen über Petaloudes und Salakos zum Profitis Ilias, oder nach Südwesten in die stillen Bergdörfer um Eleousa mit der italienischen Mustersiedlung und der Kapelle Agios Nikolaos Fountoukli. Beides zusammen ergibt einen vollen, sehr abwechslungsreichen Tag im Inselinneren — als fertiger Baustein in der 7-Tage-Route.

Für wen sich Psinthos lohnt

Wer gut essen will: die beste Adresse der Gegend, und zwar mittags. Familien: Platz, Schatten, Quellwasser und kurze Wege — funktioniert mit Kindern deutlich besser als das Schmetterlingstal mit seinen Treppen (siehe Rhodos mit Kindern). Geschichtsinteressierte: ein Ort mit erstaunlichem Gewicht, auch wenn es vor Ort wenig zu sehen gibt. Wer Sehenswürdigkeiten abhaken will: eher nicht — Psinthos ist ein Ort zum Bleiben, nicht zum Anschauen. Übernachtungsgäste: ein paar Zimmer und Ferienwohnungen, mehr nicht; als Standort nur sinnvoll, wenn man das Inselinnere bewusst zum Schwerpunkt macht (vgl. Wo übernachten auf Rhodos).