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Weißes Dorf im stillen Süden von Rhodos — Aufnahme aus dem Nachbardorf Lachania, eigenes Kattavia-Foto folgt
Ort · Süden

Kattavia

Das südlichste Dorf von Rhodos: eine Platia mit Kafenia über einem trockenen Bachbett, Felder ringsum, kaum Tourismus — und zehn Autominuten weiter die Sandzunge von Prasonisi. Kein Ziel, aber ein guter Halt.

Kattavia ist das südlichste Dorf von Rhodos — dahinter kommen nur noch Felder, eine schmale Straße und die Sandzunge von Prasonisi. Rund 85 bis 90 Kilometer liegen zwischen dem Dorf und Rhodos-Stadt, und man spürt jeden davon: Der Tourismus, der die Küsten weiter nördlich prägt, ist hier praktisch nicht angekommen. Kattavia ist ein Bauerndorf geblieben, eingebettet in karge Hügel und weite Getreidefelder, mit gut 300 ständigen Einwohnern.

Eine Sehenswürdigkeit im klassischen Sinn hat der Ort nicht — und genau deshalb gehört er in jede Süd-Route. Wer von Lachania oder Plimmiri Richtung Südspitze fährt, kommt zwangsläufig durch Kattavia. Der Fehler wäre, einfach durchzufahren.

Das Dorf und seine Platia

Das Zentrum von Kattavia ist seine Platia, und die hat eine Eigenheit: Sie liegt über einem Bachbett, das die meiste Zeit des Jahres trocken ist. Darum gruppieren sich eine Handvoll Kafenia und Tavernen — für ein Dorf dieser Größe erstaunlich viele — und zwei kleine Gemischtwarenläden. Mehr Infrastruktur gibt es nicht, und mehr sollte man auch nicht erwarten: kein Hotel, keine Souvenirzeile, kein Geldautomat, auf den man sich verlassen sollte.

Dafür wirkt das Ortsbild bemerkenswert intakt. Die Gemeinde schreibt für Neubauten innerhalb des Dorfes traditionelle Bauweise vor, und so sind Kattavias Gassen von niedrigen Steinhäusern geprägt geblieben. Im Sommer füllt sich das Dorf spürbar — viele Familien, die nach Amerika oder Australien ausgewandert sind, kehren in den Ferien zurück, und um den 26. Juli feiert das Dorf mehrere Tage lang das Fest seiner Schutzheiligen Agia Paraskevi auf der Platia. Älteste Kirche ist die Panagia Katholiki auf dem Friedhof, deren Ursprünge bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen.

San Marco: das verlassene italienische Agrardorf

Die ungewöhnlichste Geschichte der Gegend liegt ein Stück außerhalb des Dorfes: San Marco, ein um 1936 angelegtes Agrardorf der italienischen Besatzungszeit. Rund 200 Siedler, überwiegend aus Venetien und der Romagna, sollten hier die Ebene von Kattavia bewirtschaften — mit Kirche, Schule, Glockenturm nach venezianischem Vorbild und der nüchternen rationalistischen Architektur der Epoche. Wirtschaftlich ging der Plan nie auf: Die Böden waren zu salzig und zu sauer, und mit dem Krieg endete das Experiment nach wenigen Jahren.

Die katholische Kirche der Siedlung wurde später als orthodoxe Kirche Agios Pavlos neu geweiht, und der zentrale Gebäudetrakt mit Kreuzgang ist inzwischen privat restauriert — zeitweise wurde darin ein Café betrieben („Colonia San Marco“); ob es geöffnet hat, wechselt von Saison zu Saison. Wer sich für diese Schicht der Inselgeschichte interessiert — die Italiener legten auf Rhodos gleich vier solcher Siedlerdörfer an —, findet den Zusammenhang im Beitrag zur italienischen Zeit.

Prasonisi: zehn Minuten bis zur Südspitze

Der Hauptgrund, aus dem Kattavia überhaupt auf Reiseplänen auftaucht, liegt zehn Autominuten südlich: Prasonisi, die Sandzunge zwischen Ägäis und Mittelmeer, im Sommer das Kite- und Windsurf-Revier der Insel. Kattavia ist das letzte echte Dorf davor — die wenigen Unterkünfte und Tavernen der Gegend verteilen sich auf das Dorf und die Straße hinunter zum Strand. Wer dort surft, kauft hier ein und isst hier zu Abend, wenn am Spot die Stationen schließen.

Auf dem Weg passiert man rechter Hand die Ausgrabungsstätte Vroulia, eine antike Küstensiedlung, die als Vorgängerin des heutigen Kattavia gilt — frei sichtbares Gelände ohne Besucherbetrieb, eher Fußnote als Ausflugsziel.

Praxis: Anfahrt und Route

Ohne Mietwagen ist Kattavia realistisch nicht zu erreichen — die KTEL-Achse führt zwar auf dem Papier bis Kattavia und Prasonisi, aber so selten, dass sich damit kein Tagesausflug bauen lässt (Details im Beitrag zu den Bussen auf Rhodos). Von Rhodos-Stadt dauert die Fahrt über die Ostküste gut anderthalb Stunden: über Gennadi und Lachania, mit der stillen Bucht von Plimmiri als Badestopp am Weg.

Die zweite Anfahrt ist die einsamere: über die Westküste. Wer von Monolithos über Apolakkia herunterfährt, erlebt die leerste Straße der Insel — Hügel, Wind, kaum Gegenverkehr — und kann den Süden so als große Runde fahren: Westküste hinunter, Prasonisi, über Kattavia und Lachania die Ostküste zurück.

Für wen Kattavia passt — und für wen nicht

Als Standort passt Kattavia für eine kleine Gruppe: Surfer, die nahe an Prasonisi wohnen wollen, ohne direkt am Spot zu sein, und Reisende, die ländliche Ruhe ohne jede Kulisse suchen. Für alle anderen ist es kein Urlaubsort, sondern eine Etappe — und als solche lohnend: das letzte Dorf vor dem Ende der Insel, ein Kaffee über dem trockenen Bach, ein Blick auf das gescheiterte italienische Siedlungsexperiment nebenan. Wer Strände, Tavernen-Auswahl oder Abendprogramm erwartet, ist in Gennadi oder weiter nördlich besser aufgehoben.