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Symbolbild · KI-generiertKlosterkirche mit Trommelkuppel zwischen Kiefernhügeln
Sehenswürdigkeit · Kirche/Kloster

Kloster Thari: byzantinische Fresken bei Laerma

Im Hügelland südwestlich von Laerma steht eines der bedeutendsten byzantinischen Baudenkmäler der Insel: die Klosterkirche des Erzengels Michael mit Wandmalereien vom 13. bis ins 18. Jahrhundert, Schicht über Schicht. Seit 1989 lebt hier wieder eine Mönchsgemeinschaft.

Das Kloster Thari (griechisch Moni Tharri, in Reiseführern meist Thari geschrieben) liegt im hügeligen Inselinneren des Südens, rund vier Kilometer Straße südwestlich des Bergdorfs Laerma und gut 60 Kilometer von Rhodos-Stadt entfernt. Von außen wirkt die Anlage unscheinbar: eine Klostermauer, Zellentrakte, Kiefern und Macchia ringsum. Der Grund für den Weg ist die Klosterkirche des Erzengels Michael, im Griechischen Taxiarchis Michail. Die Metropolie von Rhodos nennt sie das schönste byzantinische Denkmal der Insel, und tatsächlich gibt es auf Rhodos keinen zweiten Ort, an dem sich so viele Malschichten übereinander ablesen lassen. Anders als das Kloster Tsambika an der Ostküste liegt Thari abseits jeder Durchgangsstraße, und es ist kein Museum, sondern ein bewohntes Männerkloster, das Besucher empfängt.

Legende und Baugeschichte

Der Gründungslegende nach erkrankte eine byzantinische Kaisertochter an diesem Ort schwer und wurde auf wundersame Weise geheilt; aus Dankbarkeit ließ sie das Kloster errichten. Auch der Name wird mit der Geschichte verbunden: Eine verbreitete Deutung führt ihn auf den Zuspruch des Erzengels zurück, tharrei, „hab Mut“. Beides ist Überlieferung, kein historischer Befund.

Die Bauforschung zeichnet ein nüchterneres, aber kaum weniger eindrucksvolles Bild. Nach Darstellung der Metropolie stand hier zunächst eine holzgedeckte Basilika aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, die im 12. und 13. Jahrhundert grundlegend umgebaut wurde. Die heutige Kirche folgt dem Typ des freien Kreuzes mit Kuppel: vier kurze Kreuzarme, darüber eine Kuppel, deren Außenseite ein ungewöhnlicher Reliefschmuck aus gekuppelten Halbsäulen ziert. Von der byzantinischen Klosteranlage ist nur diese Hauptkirche, das Katholikon, erhalten. Die Gebäude ringsum sind jünger und wurden größtenteils nach der Wiederbelebung des Klosters instand gesetzt oder neu errichtet.

Die Fresken: ein Palimpsest aus sechs Jahrhunderten

Im Innenraum liegen die Malereien buchstäblich übereinander. Wo der Putz einer jüngeren Schicht abgeplatzt ist, schaut eine ältere hervor; so dokumentieren die Wände den Wandel der Bildsprache über mehr als ein halbes Jahrtausend. Die Metropolie und ihr Kirchenschatz-Portal unterscheiden folgende Phasen:

  • Frühbyzantinisch: Reste einer bildlosen, rein ornamentalen Ausmalung in den östlichen Bauteilen, die älteste fassbare Schicht.
  • Spätes 12. Jahrhundert: Malereien im Altarraum, darunter zwei ganzfigurige Bischöfe. Diese Schicht wurde 1971 abgenommen und ist heute nicht mehr vor Ort, sondern in der Obhut des Byzantinischen Museums von Rhodos.
  • Erste Hälfte des 13. Jahrhunderts: die künstlerisch wichtigste Phase, mit dem Christus Pantokrator in der Kuppel und Engeln ringsum; Fachleute sehen hier Bezüge zur Kunst des Kaiserreichs Nikaia.
  • 14. Jahrhundert: die letzte byzantinische Phase, unter anderem mit einem berittenen Heiligen im Kampf gegen den Drachen.
  • 1506: neue Malereien im Altarraum und im nördlichen Kreuzarm, durch eine Inschrift datiert und damit aus der Johanniterzeit.
  • 1624: eine Ausmalung der ganzen Kirche, entstanden in osmanischer Zeit; sie prägt den Gesamteindruck bis heute.
  • 18. Jahrhundert: Malereien im südlichen Kreuzarm, die eine Inschrift dem Maler Grigorios aus Symi zuschreibt.

Die Malereien wurden 1965 und 1966 konserviert. Eine holzgeschnitzte Ikonostase aus der Mitte des 18. Jahrhunderts trennt den Altarraum vom Kirchenschiff. Ein Vergleich liegt nahe: In der Fresken-Kirche von Asklipio erzählt eine einzige, fast lückenlose Ausmalung von 1676/77 die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zur Apokalypse. Thari ist das Gegenstück: weniger geschlossen, stellenweise fragmentarisch, dafür ein Querschnitt durch fast die gesamte byzantinische und nachbyzantinische Wandmalerei der Insel.

Die Schichten lesen
Zuerst in die Kuppel schauen, wo der Pantokrator aus dem 13. Jahrhundert sitzt, dann den Blick über die Ikonostase in Richtung Apsis wandern lassen, wo die ältesten Reste liegen. Die Ränder abgeplatzter Putzflächen zeigen, wo eine Schicht über der anderen liegt. Blitz ist tabu; ob überhaupt fotografiert werden darf, entscheiden die Mönche.

Ein bewohntes Männerkloster

Nach dem Tod des Abts Ignatios im Jahr 1916 ging das Klosterleben zurück und erlosch im Lauf des 20. Jahrhunderts; jahrzehntelang war die Kirche vor allem ein Ziel für Kirchweihfeste und Kunsthistoriker. 1989 begann unter Archimandrit Amphilochios Tsoukos die Wiederbelebung. Seitdem ist Thari wieder ein Männerkloster unter der Metropolie von Rhodos, und die Gemeinschaft hat die Gebäude ringsum repariert, erweitert und ausgestaltet. Die Bruderschaft ist klein: Als im Juli 2023 die großen Waldbrände des Südens auf Laerma zuliefen, wurden die fünf Mönche, die sich damals im Kloster aufhielten, vorsorglich in Sicherheit gebracht.

Für Besucher heißt das: Thari ist zuerst ein Ort des Gebets. Gottesdienste haben Vorrang vor der Besichtigung, in der Kirche wird leise gesprochen, Betende sind kein Fotomotiv. Neben der Kirche zeigt eine kleine Ausstellung liturgisches Gerät, Gewänder, Bücher und tragbare Ikonen; ein Klosterladen verkauft Kerzen, Ikonen und religiöse Literatur. Die großen Festtage sind der 8. November, die Synaxis der Erzengel, und der 21. Mai, der Tag der Heiligen Konstantin und Helena. Dann kommen Gläubige aus der ganzen Insel, und an ein stilles Betrachten der Fresken ist kaum zu denken.

Dresscode
Wie in allen orthodoxen Klöstern gilt: Schultern und Knie bedeckt, für Männer wie für Frauen. Frauen sind mit einem Rock oder Kleid über das Knie auf der sicheren Seite, denn in Männerklöstern wird die Kleiderordnung oft strenger gehandhabt als in Dorfkirchen. Auf Leihtücher am Eingang ist kein Verlass; ein leichtes Tuch im Tagesgepäck löst das Problem.

Besuch: Öffnungszeiten, Eintritt, beste Zeit

Die Metropolie nennt als Besuchszeit täglich 8 bis 18 Uhr (Stand Oktober 2026). So verbindlich wie an einer staatlichen Stätte ist das nicht: Während der Gottesdienste und über Mittag kann die Kirche geschlossen sein, an Festtagen gelten eigene Abläufe. Am verlässlichsten ist der Vormittag. Eintritt wird nicht erhoben; eine Spende oder eine Kerze sind willkommen, ein paar Euro in bar gehören deshalb ins Gepäck. Für Kirche, Hof und Ausstellung reicht eine knappe Stunde, für ein genaues Betrachten der Fresken etwas mehr. Einen ausgewiesen stufenlosen Zugang gibt es nicht. Was neben dem Tuch für Klöster noch in den Tagesrucksack gehört, steht in der Packliste für Rhodos.

Am angenehmsten ist ein Besuch im Frühjahr und Herbst. Im Hochsommer staut sich die Hitze im Hügelland des Inneren. Im Oktober sind die Temperaturen mild und die Straßen leer; nach der Zeitumstellung am 25. Oktober 2026 geht die Sonne allerdings gegen 17:15 Uhr unter, dunkel wird es rund eine halbe Stunde später. Die Rückfahrt sollte dann früher beginnen.

Anfahrt mit Auto und Bus

Mit dem Mietwagen ist Thari gut zu erreichen. An der Ostküstenstraße bei Lardos zweigt die Straße ins Inselinnere nach Laerma ab; von Lardos bis zum Kloster sind es rund 16 Kilometer, etwa 25 Minuten. Ab Laerma führt die Straße noch rund vier Kilometer nach Südwesten bis vor die Klostermauer, wo geparkt wird. Von Rhodos-Stadt sind es insgesamt gut 60 Kilometer, je nach Verkehr eine bis eineinviertel Stunden.

Mit dem Bus ist das Kloster praktisch nicht zu erreichen. Im Sommerfahrplan 2026 (6. Juli bis 10. September) fuhr die KTEL von Montag bis Freitag genau einen Bus nach Laerma, um 13 Uhr ab Rhodos-Stadt (7,10 €), zurück nur frühmorgens um 6:50 Uhr; am Wochenende gab es keine Verbindung. Ein Tagesausflug mit dem Bus ist damit nicht möglich, zumal vom Dorf noch rund vier Kilometer Straße ohne Gehweg bleiben. Im Winter (zuletzt Anfang November bis Mitte April) fahren insgesamt weniger Busse. Realistisch sind Mietwagen, Roller mit Bergerfahrung, ein Taxi ab Lardos oder Lindos mit vereinbarter Rückfahrt oder eine organisierte Inselrundfahrt. Aktuelle Fahrpläne hängen am Busbahnhof aus und stehen auf der KTEL-Website.

Kombinieren: Asklipio, Lardos und das Bergland

Thari passt gut in eine Runde durch das Hinterland des Südens. Rund neun Kilometer Bergstraße, etwa eine Viertelstunde Fahrt, trennen das Kloster vom Dorf Asklipio mit seiner Fresken-Kirche, zwei kleinen Dorfmuseen und der Johanniterburg; die Strecke ist kurvig, nach Besucherberichten aber durchgehend asphaltiert. Zwei Fresken-Kirchen an einem Vormittag ergeben einen reizvollen Vergleich: hier die vielen Schichten, dort die eine große Ausmalung. Von Asklipio geht es in wenigen Minuten hinunter an die Küste bei Kiotari, zur kleinen Sandbucht Glystra oder zurück nach Lardos, wo an der Platia Tavernen für die Mittagspause warten.

In die Gegenrichtung führen die Straßen von Laerma weiter ins Bergland, über Agios Isidoros und Profilia, kleine Dörfer, in denen Landwirtschaft und Viehzucht den Ton angeben. Agios Isidoros ist Ausgangspunkt für den langen Aufstieg auf den Attavyros, den höchsten Berg der Insel. Zwischen Laerma und Profilia verlaufen manche Verbindungen über unbefestigte Forstpisten; vor einer solchen Etappe lohnt ein Blick in die Mietbedingungen, die Schotterstrecken oft ausschließen. Vom Küstenort Lindos aus lässt sich Thari gut an einen frühen Besuch der Akropolis anhängen: vormittags die Antike, mittags hinauf in die Stille des Waldklosters.

Zu Fuß von Laerma zum Kloster

Auch für Wanderer ist Thari ein lohnendes Ziel. Von Laerma führt ein Weg rund vier Kilometer nach Südwesten durch Kiefernwald und Macchia zum Kloster, teils auf Pfaden, teils auf Forstwegen und nur stellenweise mit Wegweisern. Als Rundtour ab Laerma kommen je nach Variante rund elf bis zwölf Kilometer und 200 bis 250 Höhenmeter zusammen, etwa dreieinhalb Stunden mit kurzen Pausen; Wanderportale stufen die Strecke als leicht bis mittel ein. Feste Schuhe, reichlich Wasser und eine Offline-Karte gehören dazu, denn eine durchgehende Markierung gibt es nicht. Weitere Touren und die Grundregeln für Wege im Inselinneren stehen im Beitrag Wandern auf Rhodos.

Hitze und Brandgefahr
Im Juli 2023 erreichte der Großbrand im Süden auch die Wälder um Laerma, das Kloster wurde damals vorsorglich geräumt. Abschnitte des Weges können deshalb weniger Schatten bieten, als ältere Beschreibungen versprechen. Vom 1. Mai bis 31. Oktober gilt die Brandschutzperiode: kein offenes Feuer, kein Rauchen im Wald, und bei hoher Warnstufe können Waldgebiete kurzfristig gesperrt werden. Im Sommer nur früh am Morgen losgehen und vorher die tagesaktuelle Warnstufe prüfen.

Wie die tägliche Brandgefahrenkarte funktioniert und was im Ernstfall zu tun ist, erklärt der Beitrag zu Sicherheit, Erdbeben und Waldbränden. Nach der Wanderung bietet Laerma mit einigen Tavernen und Kafenia die Möglichkeit zur Einkehr; außerhalb der Saison haben nicht alle geöffnet.

Quellen & Stand
Geprüft Oktober 2026. Quellen: Metropolie von Rhodos (imr.gr, Ιερά Μονή Αρχαγγέλου Μιχαήλ Θαρρίου) zu Gründungslegende, Baugeschichte, Malphasen, Abnahme der Malereien des 12. Jahrhunderts 1971 zur Verwahrung durch das Byzantinische Museum, Wiederbelebung 1989, Festtagen (8.11. und 21.5.) und Besuchszeit 8 bis 18 Uhr (abgerufen 11.10.2026); Kirchenschatz-Portal imrtreasures.gr zu den einzelnen Malphasen, der Inschrift von 1506 und zum freien Eintritt; die Ikonostase datiert imrtreasures.gr auf 1750, die Metropolie auf 1756, daher „Mitte des 18. Jahrhunderts“; griechische Wikipedia (Ιερά Μονή Θάρρι) zu Lage, Abt Ignatios (gest. 1916), Konservierung 1965/66 und Namensdeutung; Presseberichte vom Juli 2023 (u. a. protothema.gr, skai.gr) zur Evakuierung; KTEL Rodou, Sommerfahrplan 2026, gültig 6.7.–10.9.2026 (ktelrodou.gr: Rhodos–Laerma 7,10 €, Mo–Fr 13:00 Uhr, zurück 6:50 Uhr, nicht am Wochenende); Wegdaten nach hikingrhodes.com und AllTrails; Koordinaten nach OpenStreetMap, Straßenentfernungen per OSRM-Routing. Gründungslegende und Namensdeutung sind Überlieferung. Öffnungszeiten, Fotoerlaubnis und Zugang regelt das Kloster selbst; bitte vor Ort prüfen.