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Symbolbild · KI-generiertSteindorf mit Kirchturm zwischen Macchia und Thymianhängen mit fernem Meerblick
Ort · Westen

Siana

Bergdorf auf rund 450 Metern am Fuß des Akramytis, bekannt für Thymianhonig und Souma, den einheimischen Tresterbrand. Mittags halten hier die Inselrundfahrten, morgens und abends gehört das Dorf wieder seinen 126 Einwohnern.

Siana hat zwei Gesichter, und welches man zu sehen bekommt, entscheidet die Uhr. Zwischen etwa elf und fünfzehn Uhr halten hier fast alle Inselrundfahrten: Busse parken am Straßenrand, Reisegruppen probieren Honig von Plastiklöffeln und Souma aus Schnapsgläsern, ein Verkäufer erklärt zum siebten Mal an diesem Tag den Unterschied zwischen Thymian- und Pinienhonig. Vor zehn Uhr morgens und ab etwa sechzehn Uhr ist davon nichts zu spüren. Dann gehört das Dorf wieder seinen 126 Einwohnern und einer Handvoll Katzen, aus einer offenen Tür dringen Fernsehgeräusche, und über den bewaldeten Hängen reicht der Blick bis ans Meer. Echt sind beide Versionen, schöner ist die zweite.

Das Dorf liegt auf rund 450 Metern am Osthang des Akramytis. Mit 825 Metern ist er die zweithöchste Erhebung der Insel, nach dem Attavyros (1.215 m) und vor dem Profitis Ilias (798 m). Nach Süden sind es rund fünf Kilometer bis Monolithos mit seiner Burg, nach Norden führt die Bergstraße über Embonas zurück in die Weinregion. Siana sitzt damit auf der Nahtstelle zwischen dem grünen Bergland und dem stillen Südwesten.

Souma: Was im Glas ist

Souma ist ein klarer Traubenbrand. Was nach dem Keltern übrig bleibt, also Schalen, Kerne und Stiele, der sogenannte Trester, wird vergoren und anschließend gebrannt. Verwandt ist er mit dem italienischen Grappa und dem griechischen Tsipouro, kommt aber traditionell ungereift und ungewürzt in die Flasche: keine Fasslagerung, kein Anis. Das Ergebnis ist trocken, sehr direkt und fruchtiger, als viele beim ersten Schluck erwarten.

Gebrannt und getrunken wird Souma auf mehreren Inseln der Ägäis; auf Rhodos verbindet man ihn vor allem mit Siana. Die Kessel laufen im Spätherbst nach der Weinlese, meist gegen Ende Oktober und im November, und immer nur in kleinen Mengen. Für Reisende im Oktober und November hat das zwei Seiten: Mit etwas Glück ist im Dorf gerade Brennzeit, zugleich halten dann kaum noch Rundfahrtbusse, und manche Stände an der Durchgangsstraße bleiben geschlossen. Da viele kleine Erzeuger brennen, schwanken Alkoholgehalt und Charakter merklich von Flasche zu Flasche. Vor dem Kauf zu probieren ist hier deshalb keine Folklore, sondern der vernünftigste Weg zur richtigen Wahl.

Souma und Auto vertragen sich nicht
Der Brand liegt typischerweise bei 40 bis 45 Volumenprozent, manche Hausabfüllungen darüber. Die Probiergläser am Straßenrand sind klein, aber es werden schnell mehrere. Am Steuer bleibt es besser beim Riechen, zumal die Strecke nach Monolithos kurvig ist: Probieren darf die Begleitung, die Flasche fährt mit ins Quartier. Die Promillegrenze in Griechenland liegt bei 0,5, für Fahranfänger, Berufskraftfahrer sowie auf Motorrad, Moped und Roller bei 0,2.

Thymianhonig, Joghurt und der Rest des Sortiments

Das zweite Produkt, für das Siana bekannt ist, wächst rings um das Dorf: Die trockenen Macchia-Hänge des Akramytis sind über und über mit wildem Thymian bestanden, und Thymianhonig gilt als der aromatischste, den Griechenland zu bieten hat, dunkler und deutlich würziger als der milde Blütenhonig aus der Ebene. Er kristallisiert langsamer als andere Sorten und schmeckt am ehesten nach dem Hang, auf dem er entstanden ist. Neben Thymian- wird auch Pinien- und Erdbeerbaumhonig angeboten; letzterer ist bitter und ausgesprochen speziell, ein guter Test für die eigene Neugier.

Dazu kommen Schafs- und Ziegenjoghurt, Kräuter aus den Bergen, Olivenöl und eingelegtes Gemüse. Die Preise am Ortsdurchgang sind touristisch kalkuliert, aber nicht unverschämt. Handeln ist unüblich, auch bei mehreren Gläsern; eine Kostprobe gibt es dafür verlässlich. Einordnung und Preisniveau griechischer Lebensmittel insgesamt behandelt der Beitrag Essen und Trinken.

Die Kirche Agios Panteleimon

Die meisten Rundfahrtgäste übersehen die Dorfkirche, weil die Stände näher an der Straße stehen. Dabei ist Agios Panteleimon, dem Heiligen der Heiler geweiht, das Sehenswerteste im Ort: innen vollständig mit Wandmalereien ausgemalt, nicht museal aufbereitet, sondern ein benutzter Kirchenraum mit Kerzen und Weihrauchgeruch. Es gelten die üblichen Regeln: Schultern und Knie bedeckt, kein Blitz, während eines Gottesdienstes nicht hineinspazieren.

Über den Glockenturm erzählt das Tourismusportal der Südägäis ein Kuriosum. Die aufgemalte Turmuhr zeigt unverrückbar zehn vor sieben, angeblich die Stunde, zu der der Kirchenbau einst begann und viele Jahre später auch endete. Belegen lässt sich die Geschichte nicht; im Dorf wird sie trotzdem gern erzählt, und sie erklärt, warum Besucher irritiert auf die eigene Uhr schauen.

Gassen, Ausblick und Dorffest

Die Rundfahrten kommen gebündelt: Sie starten morgens in den Küstenorten, halten in Kritinia und Embonas und erreichen Siana kurz vor oder nach dem Mittagessen, oft mehrere Busse gleichzeitig. Außerhalb dieses Fensters ist die Zeit für einen Gang abseits der Hauptstraße. Hinter der Kirche steigen schmale Gassen den Hang hinauf, zwischen Steinhäusern mit den flachen Patelia-Dächern, wie sie auch Monolithos prägen. Von oben reicht der Blick über die Wälder des Akramytis bis zur Küste, an klaren Tagen bis Chalki. Das beste Fotolicht bringt der späte Nachmittag.

Einmal im Jahr, im August, kehrt sich das Verhältnis um. Dann feiert das Dorf auf dem Platz sein Honig- und Souma-Fest mit Süßspeisen, Musik, Tanz und reichlich offenem Brand, und Siana ist abends voller als mittags.

Anfahrt, Straßen und Busse

Mit dem Mietwagen führt der landschaftlich schönste Weg über die Westküstenstraße ins Bergland: Skala Kameirou, hinauf zur Burg von Kritinia, weiter nach Embonas und über Agios Isidoros hinunter nach Siana. Ab Rhodos-Stadt sind es rund 70 Kilometer und knapp anderthalb Stunden reine Fahrzeit; je nachdem, wie man Bergstrecke und Küstenstraße kombiniert, schwanken die Angaben zwischen etwa 68 und 80 Kilometern. Die Straßen sind durchgehend asphaltiert und gut ausgebaut, aber kurvenreich, und die Fahrt dauert fast immer länger, als die Karte vermuten lässt.

Kurz vor Siana zweigt eine schmale Waldstraße über die Westflanke des Akramytis ab, die erst bei Monolithos wieder herauskommt: fast durchgehend im Wald und eine der schönsten Strecken der Insel. An der Straße Richtung Embonas steht außerdem ein als Naturdenkmal geschützter Zypressenwald, gut für einen kurzen Halt.

Mit dem Bus ist Siana für Besucher praktisch nicht erreichbar. Nach dem RODA-Fahrplan für die Westseite (gültig ab August 2026) fährt nur montags ein einziges Kurspaar: frühmorgens um 6:40 Uhr Richtung Stadt, um 13:30 Uhr ab Rhodos-Stadt zurück ins Dorf. Ein Tagesausflug per Bus ist damit nicht möglich. Fahrpläne können sich zum Winter ändern; aktuelle Zeiten gibt es am Busbahnhof und bei der Stadt Rhodos.

Gut kombinieren

Als Tagesziel trägt Siana nicht, als Baustein einer Westrunde passt es gut. Die naheliegende Schleife führt von der Westküste über Kamiros und die Burg Kritinia nach Embonas zum Mittagessen, dann über Siana nach Monolithos: Badestopp am kleinen Kiesstrand Fourni, Aufstieg zur frei zugänglichen Burg Monolithos, zum Schluss der Sonnenuntergang. Ausgearbeitet steht die Runde in der 7-Tage-Route.

Weiter in den Südwesten geht es über Apolakkia und Kattavia bis zur Südspitze bei Prasonisi. Die Gegend ist dünn besiedelt: keine Hotelburgen, aber nach Ladenschluss auch kaum Versorgung, und die nächste Tankstelle liegt in Apolakkia.

Für wen sich der Stopp lohnt

Rundfahrtgäste: ohnehin eingeplant; die zwanzig Minuten Aufenthalt sind in der Kirche besser angelegt als am dritten Honigstand. Selbstfahrer: unbedingt, aber außerhalb der Mittagszeit. Kulinarisch Interessierte: der beste Ort der Insel, um Souma und Thymianhonig nebeneinander zu probieren. Wanderer: Der Akramytis lässt sich von hier angehen, ist aber deutlich weniger erschlossen als Profitis Ilias oder Attavyros; Hinweise unter Wandern auf Rhodos. Übernachtungsgäste: eher nicht, das Angebot ist minimal. Für eine Nacht in der Gegend ist Monolithos die bessere Adresse.

Quellen & Stand
Geprüft September 2026. Grundlage u. a.: griechische Volkszählung 2021 (ELSTAT, Ergebnisse nach Siedlungen, wiedergegeben in der Rhodier Lokalpresse: 126 Einwohner); griechische Wikipedia zu Siana (Höhe 449 m); aegeanislands.gr, Tourismusportal der Südägäis (Akramytis 825 m, Honig und Souma, Honig- und Souma-Fest im August, Turmuhr-Anekdote); Wikipedia zu Attavyros (1.215 m) und Profitis Ilias (798 m); RODA-Fahrplan Westseite der Stadt Rhodos, gültig ab August 2026 (Bus nur montags). Entfernungsangaben nach Rhodos-Stadt schwanken je nach Route zwischen 68 und 80 km. Volatile Angaben ändern sich saisonal und sind vor Ort zu prüfen.